Dimagazin aktuell – der Newsletter
Alle 14 Tage die aktuellsten Meldungen, Tipps und Trends aus der Implantologie in Ihre Mailbox. >>Jetzt kostenlos abonnierenLeistungsvergleiche
Orientierungs-und Entscheidungshilfe für dentale Produkte und Leistungen >>Zu den VergleichenVerstärken Parodontitis-Bakterien rheumatische Erkrankungen?
DruckenOder: Warum sich sorgfältige Mundhygiene lindernd auf entzündliches Rheuma auswirkt

Eine Parodontitis ist ein Risikofaktor für systemische Erkrankungen. In neueren Studien wurde gezeigt, dass Parodontitispatienten häufiger an Erkrankungen des Herz- und Gefäßsystems wie Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall leiden [1, 2]. Umgekehrt können auch systemische Erkrankungen – wie zum Beispiel Diabetes Mellitus, Osteoporose und Fettsucht – eine Parodontitis hervorrufen oder begünstigen. Bei rheumatischen Systemerkrankungen hat sich herausgestellt, dass Patienten mit einer ankylosierenden Spondyloarthritis ein 6,8-fach erhöhtes Risiko für eine Parodontitis aufweisen [5]. Auch bei Rheuma im Kindes- und Jugendalter besteht eine erhöhte Gefahr, eine Parodontitis zu entwickeln [6]. Seit einigen Jahren werden diese Zusammenhänge unter dem Begriff „parodontale Medizin“ untersucht.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Parodontitis und rheumatoide Arthritis (RA) haben eine wesentliche Gemeinsamkeit: Eine Entzündung liegt vor. Einmal betrifft es den Zahnhalteapparat, das sogenannte Parodontium, im anderen Fall die Gelenke, wobei von einer RA auch andere Organsysteme betroffen sein können. Bei der RA entzündet sich die sogenannte Synovialmembran, die die Innenauskleidung der Gelenke bildet. Im entzündeten Zustand kann sie den Abbau von Knochen und Knorpelgewebe im Gelenk verursachen. Viele Faktoren bedingen die Entwicklung der RA, darunter Alter und Geschlecht, genetische Voraussetzungen, Rauchen aber auch Infektionen, die zum Beispiel durch Bakterien entstehen. Eine bakterielle Infektion ist auch Hauptursache der Parodontitis. Dabei bildet sich ein mikrobieller Biofilm auf der Zahnoberfläche, der durch die Bakterien direkte und durch eine überschießende Immunantwort indirekte Schädigungen hervorruft, die zum schleichenden Abbau des Zahnhalteapparates und schließlich zu Zahnverlust führen können.
Vergleichbare Entzündungsmuster bei RA und Parodontitis
Bei beiden Erkrankungen scheint die Reaktion auf den jeweiligen Entzündungsreiz unverhältnismäßig stark zu sein, und in den Krankheitsverläufen verursachen chronisch-entzündliche Prozesse, dass Bindegewebe und Knochenmatrix zerstört werden. Bei der RA führen insbesondere entzündungsfördernde Zytokine, Botenstoffe wie IL-1, IL-6 und TNF-α sowie Bindegewebszellen der Synovialmembran dazu, dass strukturschädigende Substanzen wie PGE2’s und MMP’s freigesetzt werden. Prostaglandin E2 (PGE2) ist eines der wichtigsten Gewebehormone, das in das Entzündungsgeschehen involviert ist. Es erhöht die Durchlässigkeit der Gefäße, wodurch Schwellungen entstehen, verursacht Rötungen und verstärkt Schmerzen. Matrix zerstörende Kollagenasen und Elastasen (MMPs) sind Enzyme, die unter anderem Peptidverbindungen spalten. Es wurde bereits gezeigt, dass dieses Zytokinmuster sich bei der Parodontitis sehr ähnlich darstellt wie bei der RA [3, 4]. So sind bei der Parodontitis ebenfalls hohe Anteile der entzündungsfördernden Zytokine IL-1, IL-6 und TNF-α messbar und während aktiver Phasen finden sich hohe Konzentrationen von PGE2 und MMP’s im parodontalen Gewebe.
Unterstützen Bakterien der Parodontitis den Krankheitsverlauf einer RA?
Ein Bakterium, das beim Entstehen und Fortschreiten einer Parodontitis eine wesentliche Rolle spielt, heißt Porphyromonas gingivalis. Über eine Reaktionskette wirkt es sich scheinbar direkt auch auf die RA aus. Es verfügt über zahlreiche krankheitsauslösende Faktoren und ist der bisher einzige Keim, von dem bekannt ist, dass er das Enzym Peptidylarginindeiminase (PAD) abgibt [7, 8]. Die PAD ist ein wichtiger Krankheitsfaktor für eine RA, denn ihre Aktivität verändert Argininreste, wodurch wiederum Peptidyl-Citrullinreste entstehen. Letztere fördern die Bildung von Auto-Antikörpern ACPA. Kann ACPA im Körper nachgewiesen werden, bedeutet dies mit großer Wahrscheinlichkeit, dass eine RA vorliegt [9]. Diesem Ablauf zufolge können Gewebeschädigungen von RA-Patienten durch Bakterien der Parodontitis verursacht werden.
Kann sorgfältige Mundpflege eine RA eindämmen?
In einer kürzlich erschienenen Studie wurden insgesamt 40 RA-Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt eine nicht-chirurgische Behandlung des Zahnfleisches mit Pflegeanleitungen, die andere Gruppe diente als Kontrollgruppe ohne parodontale Therapie und ohne Hygieneinstruktionen. Die Untersuchungen bei den Studienteilnehmern mit zahnärztlicher Behandlung zeigten, dass die RA weniger aktiv war: Es ergaben sich deutliche Verringerungen im Funktionsbogen DAS28, in der Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie im Serum-TNF-α-Nachweis. Wie oben erwähnt, befindet sich bei einer RA ein erhöhter Anteil von TNF-α-Botenstoffen im Körper.
Ganzheitlicher medizinischer Ansatz bei Rheuma
Auf Basis der genannten Studien und bekannten molekularen Muster gibt es viele weiterführende Fragen dazu, wie Bakterien rheumatische Erkrankungen beeinflussen. Insbesondere die Erforschung pathogenetischer Zusammenhänge ist ein Gebiet, dem sich Wissenschaftler an der Charité in Berlin-Mitte widmen wollen. Langfristig haben sie sich zum Ziel gesetzt, mögliche Therapieansätze zu finden, um den bakteriellen Einfluss auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen zu vermindern. Bisher steht die Förderung der Mundhygiene und – sofern notwendig – eine Sanierung des Zahnhalteapparates bei Rheuma-Patienten mit Parodontitis an erster Stelle. Es zeigt sich an diesem „kleinen“ Forschungsgebiet, dass der Erhalt der ganzheitlichen Gesundheit bei rheumatischen Patienten durch eine interdisziplinäre Vernetzung vieler Fachgebiete zunehmend im Vordergrund stehen wird.
Quelle: www.dgrh.de, Jacqueline Detert





Leser-Kommentare
Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu verfassen.