Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

10. Gießener Implantologie Symposium Langzeiterfolge in der Implantologie

Drucken aktualisiert am 22.06.2011

Ende Februar fand in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Gießener Universitätsklinik das 10. Symposium für dentale Implantologie statt. Die jährlich organisierte Fortbildungsveranstaltung wurde nun zum sechsten Mal in Kooperation mit dem 2005 gegründeten Landesverband Hessen im DGI e.V. durchgeführt.

Gebannt verfolgen die Teilnehmer die Live-OP (kleines Bild).
Gebannt verfolgen die Teilnehmer die Live-OP (kleines Bild).


Das ganztägige Programm war in einen theoretischen Teil am Vormittag und einen praktischen Teil am Nachmittag gegliedert. Zwei Live-Operationen rundeten das Programm ab. 130 teilnehmende Kolleginnen und Kollegen aus der näheren und weiteren Umgebung trugen mit regen Diskussionsbeiträgen zum Erfolg der Veranstaltung bei. Nach kurzer Begrüßung der Teilnehmer eröffnete Prof. Howaldt, Direktor der Klinik für MKG Chirurgie, die Veranstaltung mit einem kurzen Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre und wählte eine gelungene Einleitung zu dem diesjährigen Motto des Symposiums: Langzeiterfolge in der Implantologie.

Was ist Langzeiterfolg in der Implantologie?

Im ersten Vortrag referierte Prof. Friedrich Neukam aus Erlangen über die Kriterien einer erfolgreichen Implantation anhand von vielen außerordentlich gut dokumentierten Beispielen.
Die Referenten Dr. Dr. Roland Streckbein und Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Neukam.
Die Referenten Dr. Dr. Roland Streckbein und Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Neukam.
Diese ergänzte er mit Auszügen aus der aktuellen Literatur, in denen Implantationserfolge und ihre Voraussetzungen auch nach erfolgtem Sinuslift und unterschiedlichen Methoden der Augmentation diskutiert wurden und hohe Überlebenszeiten erzielt werden konnten. Professor Neukam erinnerte aber daran, dass das erfolgreiche Setzen eines Implantates noch kein Garant für den Langzeiterfolg ist. Als weitere Optionen für bestimmte Fälle erörterte er den Einsatz von Knochenersatzmaterial sowie kurzen Implantaten zur Vermeidung von Augmentationen.

Langzeitstabilität der Ästhetik in der Implantologie

Wege zur Bewahrung der Ästhetik nach Zahnverlust, vor allem im Frontzahnbereich, demonstrierte Dr. Dr. Roland Streckbein aus Limburg. Der DGI-Altpräsident und Vorsitzende des Landesverbandes Hessens im DGI e.V. ließ die Anwesenden an seiner über 30- jährigen Erfahrung in der Implantologie mit all ihren Höhen und Tiefen teilhaben. So beschrieb er mittels anschaulicher Darstellung in vielen Videos und anhand von eigenen Patientenfällen mit langer Nachbeobachtungszeit die Indikationen und Möglichkeiten der Sofortimplantation und Verfahren wie der Socket preservation. Besondere Berücksichtigung fand dabei die „pink esthetic” mit Bezug auf sofortige provisorische Versorgung in der ästhetisch relevanten Zone.

Strukturen des Gesichtsschädels - einst und jetzt

Die Bedeutung anatomischer Strukturen für die Implantologie und deren Nutzen für Langzeiterfolge legte Dr. Wieland Stöckmann vom anatomischen Institut in Gießen den Teilnehmern dar. In seinem spannenden Vortrag führte er das Auditorium auf eine Reise in die Entwicklungsgeschichte des Gesichtsschädels und erläuterte die Ausformung wichtiger Strukturen, wie der Innervation oder der Blutversorgung. Dr. Stöckmann, der bereits in früheren Symposien mitgewirkt hat, verstand es auch diesmal, die Zuhörer mit einem zwar wichtigen, aber meist auch sehr theoretisch anmutenden Thema zu fesseln.

Live-Operationen

Für die beiden Live-Operationen wurde mehrfach zwischen den Vorträgen in den Operationssaal des Gießener Universitätsklinikums geschaltet. Mit Hilfe des Technik-Teams der EDV-Abteilung der Universität wurden mit vier verschiedenen Kameras Bilder in höchster Qualität in den Hörsaal übermittelt. Moderiert durch PD Dr. Dr. Heidrun Schaaf konnte das Auditorium an zwei Operationen teilnehmen. Zunächst rekonstruierte Dr. Dr. Philipp Streckbein einen ausgedehnten Knochendefekt im anterioren Oberkiefer mit Beckenkammtransplantaten (siehe Bild oben). In der zweiten Operation wurde durch Prof. Howaldt eine Implantatfreilegung im Unterkiefer durchgeführt. Aufgrund unzureichender fixierter Gingiva wurden hier zur Verbesserung des Langzeiterfolges Gaumenschleimhauttransplantate eingesetzt.

Prothetischer Langzeiterfolg - Was ist evidenzbasiert?

Dass auch die Implantatprothetik ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zum Langzeiterfolg ist, erörterte Prof. Bernd Wöstmann aus der Abteilung für Prothetik der Zahnklinik Gießen in seinem Vortrag.
Prof. Dr. Matthias Flach (links) und Prof. Dr. Bernd Wöstmann.
Prof. Dr. Matthias Flach (links) und Prof. Dr. Bernd Wöstmann.
So beleuchtete er die aktuelle Studienlage um die Schwachstellen einer erfolgreichen Langzeitversorgung zu finden. Prof. Wöstmann erläuterte, dass Implantate im Vergleich mit anderen zahnärztlichen Versorgungsformen bereits die höchste Überlebensrate zeigen. Dies ist ein erfreuliches Ergebnis, das aber in umso höherem Maße Anforderungen an die Haltbarkeit der aufsitzenden Prothetik stellt. So verkörperten beispielsweise Schraubenlockerungen ein großes Problem in den aufgeführten Studien. In einigen Fällen hatten sie zur Folge, dass auf einem erfolgreich osseointegrierten Implantat die prothetische Versorgung neu angefertigt werden musste. Es entbrannte im Anschluss eine lebhafte Diskussion über den Friktionsverlust von Retentionselementen an herausnehmbarem implantatgetragenen Zahnersatz.

Biomechanische Überlegungen mit Bezug auf Implantologie und Langzeiterfolg

Prof. Matthias Flach, der in Kooperation mit der Gießener MKG-Chirurgie an der Fachhochschule Koblenz biomechanische Aspekte moderner Implantatsysteme erforscht, gab einen aufschlussreichen Einblick in diese – aus zahnmedizinischer Sicht – ungewöhnliche Welt. Anhand von rechnerbasierten Untersuchungen und eindrucksvollen Bildern bot er den Teilnehmern einen völlig neuen Blickwinkel auf mögliche Ursachen von Erfolg und Misserfolg in der Implantologie. Er präsentierte dem Auditorium einen innovativen Ansatz als Erklärung des bekannten Phänomens, dass sich bei vielen Implantaten nach kaufunktioneller Belastung ein krestaler Knochenabbau einstellt. Hier kann durch den Einfluss der Implantat- Abutment-Verbindung eine deutliche Variation der Krafteinwirkung auf den Knochen erfolgen und das Erreichen kritischer Werte verhindert werden.

Praktische Übungen

Nach einem ausgiebigen Mittagessen konnte ein auf 16 Teilnehmer begrenzter Kreis das erworbene Wissen im praktischen Hands-on Kurs an humanen Präparaten vertiefen. Techniken wie der externe und interne Sinuslift, Bone-Spreading und der genormte Knochentransfer (OsseoTransfer) konnten unter Anleitung trainiert werden.

 

Philipp Streckbein, Stephanie Wiederhold, Martha Radtke

 

 

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Fotostrecke
Die Referenten Dr. Dr. Roland Streckbein und Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Neukam.   Prof. Dr. Matthias Flach (links) und Prof. Dr. Bernd Wöstmann.  

DENT IMPLANTOL 15, 4, 280 – 281 (2011)

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