Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

Praxiskurs mit Dr. Eduardo Anitua

Einblicke in ein neues hochmodernes Schulungszentrum

Drucken Von Karin Ude    aktualisiert am 14.11.2009

Die Möglichkeit, einem der erfahrensten Implantologen, Dr. Eduardo Anitua, beim Implantieren über die Schulter zu schauen, bot sich am 16./17. Februar der DI-Redaktion sowie 11 Kursteilnehmern, die der Einladung des Implantatherstellers BTI zur Teilnahme an einem zweitägigen Praxiskurs nach Vitoria, der Hauptstadt des Baskenlandes, gefolgt waren.

Das moderne Fortbildungsinstitut in Vitoria.
Das moderne Fortbildungsinstitut in Vitoria.


Dr. Anitua ist international bekannt als erfahrener Kieferchirurg und als Entwickler des PRGF-Systems, des weltweit ersten Systems für die Gewinnung von Plasma Rich in Growth Factors. Die Entwicklung der PRGF-Technologie, bei der aus dem Blut des Patienten Wachstumsfaktoren gewonnen und in konzentrierter Form in Operationsgebiete eingebracht werden, ermöglicht, dass es zu einer schnelleren Bildung von Blutgefäßen und einer beschleunigten initialen Heilung kommt. Für den Patienten bedeutet dies weniger Schmerzen und Komplikationen, für den Operateur ein verbessertes Handling gegenüber anderen Verfahren der PRP-Herstellung und erhöhte Erfolgssicherheit. Als weiterer Vorteil kommt hinzu, dass bei der Verwendung von körpereigenen Substanzen Komplikationen durch Fremdmaterialien vermieden werden.
PRGF wird nicht nur in der Zahnmedizin, sondern auch in der Orthopädie, Arthroskopie, Kieferchirurgie, Parodontalchirurgie, Ästhetischen Medizin, bei der Behandlung von Wundheilungsstörungen sowie in der Augenheilkunde eingesetzt.

Mit viel Engagement und Interesse verfolgten die elf Teilnehmer die Ausführungen von Dr. Anitua.
Mit viel Engagement und Interesse verfolgten die elf Teilnehmer die Ausführungen von Dr. Anitua.
 

Das Unternehmen BTI (Biotechnology Institute) ist ein international ausgerichtetes Unternehmen mit Fokus auf die Bereiche orale Rehabilitation und Geweberegeneration. BTI wurde im Jahr 2001 gegründet und hat seinen Hauptsitz im spanischen Vitoria, wo ausschließlich produziert und geforscht wird. Durch das eigene multidisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsteam um Dr. Eduardo Anitua wird sichergestellt, dass neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Biologie und Biomechanik ständig einfließen. Die Vernetzung mit weltweit anerkannten Praktikern gibt den Produkten und Behandlungskonzepten ein Höchstmaß an Praxistauglichkeit. Neben Deutschland existieren BTI-Niederlassungen in den USA, in Portugal, Italien und Mexiko sowie Vertriebskooperationen in Indien, Russland, Griechenland, dem Iran und Japan.

BTI ist durch eine im Jahr 2005 gegründete Niederlassung in Pforzheim auch auf dem deutschen Markt präsent. Zielsetzung von BTI Deutschland ist, so der Tenor von Niederlassungsleiter Thomas Reiling und Vertriebsleiter Uwe Gösling, nicht nur optimale Produkte anzubieten, sondern den Kunden auch einen Rundum-Service angedeihen zu lassen. Dazu zählt zum einen, dass 9 Außendienstmitarbeiter bundesweit den Kunden mit Rat und Tat zur Seite stehen, zum anderen sollen sie intensiv und fortwährend über die BTI-Produkte und deren optimale Handhabung informiert werden. Dies erfolgt mittels Kursen, Workshops und Informationsveranstaltungen sowie mit den Praxiskursen von Dr. Anitua. Letztere finden seit Anfang dieses Jahres im neuen Fortbildungszentrum in Vitoria statt. Insgesamt 8 zweitätige Praxiskurse werden den deutschen Implantologen in diesem Jahr angeboten. Der Kurs mit Dr. Anitua umfasst Live-OPs und deren Analyse, die CT-Diagnostik und Fallplanung beim atrophierten Kiefer und die Kammspreiztechnik mit dem BTI-Crest-Expansor-Set, augmentative Verfahren mit körpereigenen Wachstumsfaktoren und autologe Fibrin sowie Hands-on-Workshops.

Dr. Anitua implantiert routiniert und gewährt dabei den Teilnehmern einen guten Einblick.
Dr. Anitua implantiert routiniert und gewährt dabei den Teilnehmern einen guten Einblick.

Hochmoderner Gebäudekomplex



Gespannt waren die 11 Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen des Februar-Kurses nicht nur auf den Referenten selbst, sondern auch auf das im letzten Jahr neu erstellte multimediale Fortbildungsinstitut, in dem Dr. Anituas Klinik untergebracht ist. Das Zentrum erstreckt sich über 3 Etagen auf einer Fläche von insgesamt 3.000 Quadratmetern. Im EG ist die Klinik von Dr. Anitua untergebracht, im UG die Forschungsabteilung und im 1. OG die Fortbildungsräumlichkeiten. Wir betreten den Eingangsbereich der Klinik und blicken in einen breiten und lichtdurchfluteten weiten Korridor, der von zahlreichen angrenzenden Räumen mit Glasfronten abgetrennt ist. Die Zahnklinik beeindruckt durch ein ultramodernes Design in angenehmen erdigen Wohlfühlfarben. Links und rechts durch den breit ausgerichteten Korridor finden wir zu den verschiedenen Behandlungsräumen. Auch hier sind Offenheit und Transparenz Gestaltungsprinzipien.

Mit Dr. Anitua, der wechselnd in zwei OP-Räumen implantiert, arbeiten 7 weitere Zahnärzte unterschiedlicher Spezialisierungen zusammen. Ihnen stehen ein DVT, 15 topmoderne Behandlungseinheiten sowie 3 weitere Stühle für die Kieferorthopädie aus dem Hause Sirona zur Verfügung. Im angrenzenden Dentallabor erstellen 18 Zahntechniker ausschließlich den Zahnersatz für die Patienten von Dr. Anitua.

Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz.
Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz.


Mehrere „Wartezimmer“, mit Flatbildschirmen ausgestattet, tragen sowohl zur Unterhaltung der Patienten wie auch zur Patienteninformation bei und mutieren teilweise zur Wartelounge mit Liegen. Im etwas schlichter gestalteten Untergeschoss ist die Forschungsabteilung, sprich das BTI-Labor, untergebracht. Hier arbeitet eine 30-köpfige Forschergruppe unterschiedlicher Qualifikationen, wie Biologen, Pharmazeuten, Biochemiker, Hämatologen etc. an der Thematik und Problematik der Wachstumsfaktoren. Deren ständiges Ziel ist die orale Rehabilitation nach biologischen Aspekten. Allein hinsichtlich der Geweberegeneration sind die bisherigen Ergebnisse dieser Gruppe revolutionär. Diese hat auch die bioaktive Implantatoberfläche entwickelt, bei der in Tierstudien ein 2,7-fach erhöhter Grad der Knochenanlagerung gegenüber anderen osteokonduktiven Oberflächen belegt werden konnte.

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Wir begeben uns in den Fortbildungstrakt. Ein Hörsaal sowie mehrere Seminarräume sind ebenso selbstverständlich wie die audio-visuelle Hightech-Anlage. Auf dem Weg zum Seminarraum begegnen wir Dr. Anitua. Sein strahlendes Gesicht lässt uns wissen, dass er sich auf uns freut. Er begrüßt uns herzlich und verdeutlicht uns gleichzeitig, dass er sehr „busy“ sei, denn er muss in den OP-Raum – er möchte seine Patientin nicht warten lassen. Wir dagegen dürfen später live mittels Großbildschirm zusehen, wie er diese Patientin versorgt. Vorab erhalten wir jedoch noch mehr Informationen über das Unternehmen BTI und seinen Gründer Dr. Anitua. Das Unternehmen ist in Spanien in erster Linie aufgrund seiner Forschungserfolge bekannt und genießt einen sehr guten Ruf. Die Klinik von Dr. Anitua selbst ist eine Sirona-Referenz-Klinik für die Iberische Halbinsel.

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BTI beschäftigt insgesamt 160 Personen. Hiervon arbeiten 50 Personen ausschließlich in der Klinik von Dr. Anitua, 50 Mitarbeiter in der Produktion und Verwaltung und 60 weitere Mitarbeiter sind in den Niederlassungen bzw. im Außendienst tätig. Ungefähr seit 6 Jahren wird das BTI-Implantatsystem in Mexiko vertrieben, in den USA seit 5 Jahren, in Italien seit 4,5 und wie erwähnt seit Ende 2005 auch in Deutschland. Die Implantatfamilie von BTI umfasst sowohl Implantate mit Innen- als auch mit Außenverbindung mit einer großen Auswahl an Durchmessern (2,5 bis 6,0 mm) und Längen (5,5 bis 18 mm). Die Tiny-Implantate sind die ersten Implantate im Durchmesserbereich von 2,5, 3,0 und 3,3 mm, die mit einer breiten Auswahl an prothetischen Komponenten die Versorgung in Kombination mit anderen Implantatdurchmessern ermöglichen. Desweiteren bietet BTI Synergieprodukte wie z. B. die Kieferkammspreizer Crest Expansor, die Planungssoftware BTI-Scan, das PRGF-System sowie chirurgische Instrumente und Bohreinheiten an.
Mit einem Marktanteil von 20 % nimmt das BTI-Implantatsystem – eigenen Angaben zufolge – nach Nobel Biocare und Straumann in Spanien eine führende Posititon ein, wogegen es sich auf dem deutschen Markt mit annähernd 2 % Marktanteil noch auf dem Wachstumskurs befindet. Ziel ist jedoch, in den kommenden 4 Jahren diesen Anteil auf über 5 % anzuheben.
Dr. Anitua – so erfahren wir weiter – setzt jährlich ca. 2.000 Implantate und leitet ungefähr 80 verschiedene Kurse in Spanien, die wöchentlich montags und dienstags sowie an Wochenenden stattfinden. In Summe werden jährlich ca. 600 internationale Kursteilnehmer in Vitoria gezählt. Die Teilnehmeranzahl pro Kurs ist auf 8 bis maximal 20 Personen begrenzt, damit ein guter und intensiver Erfahrungsaustausch unter den Zahnärzten zustande kommt.

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Der Kurs – ein Mosaik aus Wissenschaft und Praxis



Im Schulungsraum angekommen, erhalten die Teilnehmer zunächst Einblick in das PRGF-Konzept. Dies soll in vielen Fällen mit geringem operativem und finanzielle Aufwand eine aufwendige Augmentation von Knochen vermeiden bzw. das Ergebnis der Augmentation sichern.

 

Zur Herstellung des PRGF, so heißt es, werden lediglich 20 Minuten benötigt, die in der Zeitspanne von der Vorbereitung des Patienten für einen operativen Eingriff bis zur Verwendung des PRGF immer vorhanden seien. Für die Füllung einer Prämolaren-Alveole werden ca. 20 ml PRGF benötigt, für die Versorgung einer Knochenkavität nach Entfernung eines Weisheitszahnes etwa 30 ml. Das nach Zentrifugation des Citratblutes als oberste Schicht zu gewinnende PRGF solle vor dem Einbringen in den Operationssitus aktiviert werden, so dass die enthaltenen Blutplättchen Wachstumsfaktoren in die Wunde sezernierten.

Prae operationem …



Vor jeder Live-OP, die Dr. Anitua ausführt, erhalten die Kursteilnehmer die Angaben zur klinischen Ausgangssituation jedes Implantatpatienten ausgehändigt sowie die präoperative Röntgenaufnahmen. Mit diesen Daten kann jeder Teilnehmer seine eigene Implantatplanung mittels der Software BTI-Scan am PC erstellen, die nach der Operation Grundlage für die vorgesehene Diskussionsrunde mit Dr. Anitua ist.

Jeweils 2 Kursteilnehmer dürfen generell den Live-OPs von Dr. Anitua beiwohnen. Auch wir erhalten die Erlaubnis dabei zu sein. Fasziniert betreten wir in steriler OP-Kleidung den OP-Saal. Im Hintergrund spielt Musik, die Kamera zur Live-Übertragung war auf das OP-Feld gerichtet, das Plasma steht in kleinen Glasschälchen zum Einsatz bereit. Dr. Anitua und sein Team tragen bunt gemusterte Kopfbedeckungen – was die Sterilität eines OP-Saals auflockert. Alle sind hoch konzentriert. Es kann losgehen. Wir werden Zeugen von der Sicherheit und Präzision, mit der Dr. Anitua den Kieferkamm öffnet, Bohrlöcher in den Knochen einbringt, und erleben, mit welcher Schnelligkeit er die Implantate inseriert, das Plasma gekonnt in die Wunde einfügt und vernäht. All seine Handgriffe lassen auf große Routine schließen. Man sieht und spürt, wie er und sein Team Freude daran haben, den Patienten zu behandeln.

Post operationen …



Im Schulungsraum zurück, warten wir nur kurze Zeit auf Dr. Anitua, der für seine Kursteilnehmer zur Diskussion zur Verfügung steht. Es ist ihm nicht anzumerken, dass er eine lange Operation hinter sich hat. Fast fordernd wartet er auf die Fragen der Kursteilnehmer, um diese ausführlich zu beantworten. Diese lassen auch nicht lange auf sich warten: Warum hat er diese Implantatposition gewählt und nicht die andere? Wann ist welche Implantatgröße optimaler? Wann setzt er kurze Implantate und was ist dabei zu beachten? In welchen Fällen darf keine Sofortbelastung erfolgen? Mit welchem chirurgischen Set arbeitet er und wie und wann nutzt er den Kieferkammspreizer?

Viele dieser Fragen sind auf den jeweiligen Patientenfall bezogen und ebenso viele von allgemeiner Natur. Auch die Redaktion hat Dr. Anitua befragt. Lesen Sie hierzu das nebenstehende Interview. Zum Abschluss dieses ersten Seminartages folgt ein gemeinsames Abendessen, an dem der bereits stattgefundene intensive Erfahrungsaustausch der Teilnehmer untereinander fortgeführt werden kann.
Ein gemeinsames Fazit aus dem Zweitageskurs wurde von allen einheitlich gezogen nämlich, dass selbst erfahrene Praktiker in den Kursen von Dr. Eduardo Anitua aufgrund seiner mehr als 2.000 inserierter Implantate pro Jahr und seiner Pionier- und Forschungsarbeit immer noch dazulernen können. Einige Eindrücke vom Kurs lesen Sie in den farblich hinterlegten Teilnehmer-Statements.

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Fotostrecke
Mit viel Engagement und Interesse verfolgten die elf Teilnehmer die Ausführungen von Dr. Anitua.   Dr. Anitua implantiert routiniert und gewährt dabei den Teilnehmern einen guten Einblick.   Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz.   Box1   Box2   Box3   Box5  

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