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Orientierungs-und Entscheidungshilfe für dentale Produkte und Leistungen >>Zu den Vergleichen„Implantologie im Park“ – praxisnah und außergewöhnlich
DruckenDas Motto der Veranstaltung hielt was es versprach. Dem Unternehmen B.T.I. (Biotechnology Institute) ist es gelungen eine Veranstaltung zu organisieren, die sicherlich in dieser Form seinesgleichen sucht. Rund 100 Teilnehmer nutzten am 23. und 24. September die Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit Referenten aus Wissenschaft und Praxis vor der einzigartigen Kulisse der „Gräflicher Park Hotel & Spa“-Anlage inmitten des Teutoburger Waldes.

Die Veranstalter sowie die Referenten aus Wissenschaft und Praxis waren sichtlich zufrieden mit „Implantologie im Park“.
Nach der Begrüßung öffnete Dr. Babak Saidi aus Neuss am Freitagnachmittag mit seinem Vortrag „Socket Preservation – vom PRGF bis zur finalen Restauration“ die Veranstaltung. Das PRGF®- Verfahren nach Dr. Eduardo Anitua ist eine sichere und einfache Methode zur Gewinnung autologer Wachstumsfaktoren, deren Einsatz in der Zahnmedizin eine Verbesserung der Wundheilung im Weich- und Hartgewebe gewährleistet. Die Therapie hat sich speziell in der Implantologie einen Platz gesichert, wenn es um die Vorbereitung und Verbesserung des Implantationslagers geht. Anhand von klinischen Fällen präsentierte Dr. Saidi kompromittierte Ausgangssituationen, in denen die Zuhilfenahme der auf Anitua zurückgehenden Techniken eine Weich- und Hartgewebskonditionierung bewirkt und zur Stabilisierung und langfristigen Sicherung der Operationsergebnisse führt.
Aus Wissenschaft und Praxis – das PRGF System
Dr. Gorka Orive, der Leiter der Forschungsabteilung für regenerative Medizin im Biotechnology Institute, konnte thematisch an den Vortrag seines Vorredners anknüpfen und gab einen aktuellen Überblick über die Forschungsarbeit der letzten 15 Jahre zur Wirkung von PRGF. In seinen Ausführungen ging er detailliert auf das innovative Verfahren ein, erläuterte die biologischen Hintergründe und erklärte warum die körpereigenen Wachstumsfaktoren das beste verfügbare Biomaterial darstellen. Nach einer kurzen Kaffeepause setzte Dr. Peter Ghaussy aus Hamburg das wissenschaftliche Programm fort und referierte zum Thema „Der sichere Einsatz kurzer Implantate – weniger Trauma bei hoher Erfolgsprognose – Indikationen und Risiken“. Er beschrieb die Problematik etablierter Therapieformen wie Sinuslift und Augmentationen und stellte unter Einbeziehung seiner 10-jährigen Praxiserfahrung den Vergleich zum verlässlichen und weniger invasiven Einsatz kurzer Implantate her.
Ästhetik und Sofortversorgung im implantologischen Praxisalltag
Dr. Ulrich Goos aus Paderborn ging der Frage nach, ob das Implantieren in der ästhetischen Zone einem Tanz auf dem Hochseil gleichzusetzen sei. Er stellte fest, dass Begriffe wie „Ästhetik“ bzw. „Ästhetische Zone“ in der Implantologie nicht eindeutig definiert sind und zum Teil starken subjektiven Patientenwahrnehmungen und -erwartungen unterliegen. Anhand gelungener aber auch missglückter klinischer Fallbeispiele hat Dr. Goos versucht sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen und die Frage nach dem objektiven ästhetischen Langzeitergebnis zu beantworten. Im letzten Vortrag des ersten Veranstaltungstages „Sofortversorgung – ein funktionierendes Konzept?“ hat Dr. Derk Siebers aus Berlin die immer noch im Fokus des Interesses stehende Sofortimplantation und Sofortfunktion kritisch hinterfragt. Er präsentierte den Stand der wissenschaftlichen Forschung und stellte praktikable Konzepte zur praxisnahen Realisierung von Sofortimplantations- und Sofortfunktionskonzepten vor. Anschließend konnten die Tagungsteilnehmer beim geselligen westfälischen Grillabend im Pferdestall den Tag gemütlich ausklingen lassen.
Therapieoptionen bei limitiertem Knochenangebot
Bei strahlendem Sonnenschein eröffnete der renommierte internationale Referent Dr. Eduardo Anitua, wissenschaftlicher Direktor von BTI Biotechnology Institute, den zweiten Teil der Fortbildungsveranstaltung und widmete sich dem Thema „The Atrophic Maxilla – Different Therapeutic Strategies“. Etablierte Operationsmethoden, wie Blockaugmentationen oder Sinusbodenelevation zur Optimierung des Knochenlagers bei Knochendefizit in vertikaler Dimension, sind nicht nur zeitintensiv und belastend für den Patienten sondern stellen in besonderem Maße hohe Anforderungen an den Implantologen. Bei schmalen Kieferkämmen stehen heute moderne Spreiz- und Splittingtechniken mittels Crest-Expansoren zur Verfügung, die zusammen mit augmentativen Maßnahmen (laterale Überkorrektur) vorhersehbare Ergebnisse liefern. Mithilfe von PRGF® und autologem Fibrin werden Augmentate stabilisiert und postoperative Komplikationen reduziert. Vorteile bieten auch Implantatsysteme mit schmalem Durchmesser (z. B. Tiny-Implantate), die unter Verwendung von Expanderbohrern eine gute Adaptation selbst in Extremsituationen erlauben. Im Folgenden ging Dr. Anitua detailliert auf die Verwendung von kurzen und extra-kurzen Implantaten als eine mögliche Alternative zu umfangreichen augmentativen Maßnahmen ein. Von größter Bedeutung dabei ist die spezifische Aufbereitung des Implantatlagers, um eine gute Primärstabilität zu sichern und zu hohe Einbringdrehmomente zu vermeiden. Es empfiehlt sich eine adäquate Diagnostik zur Ermittlung der Knochenquantität und -qualität sowie Festlegung der geeigneten Implantatgröße und der idealen Implantatposition. Extra kurze Implantate werden stets suprakrestal inseriert, wodurch die Hebelwirkung verringert und das Längenverhältnis von Zahnkrone zu Implantat optimiert wird. Um die Spannung im Bereich des Implantatkopfes zu reduzieren sind Implantate mit größerem Durchmesser zu wählen und bei der prothetischen Versorgung auf kurzen Implantaten ist eine Verblockung der Implantate ratsam. Die Vorhersagbarkeit der Versorgung des stark atrophierten Kiefers mit kurzen und extra-kurzen Interna-Plus-Implantaten wurde mit einer Erfolgsquote über 90 % anhand mehrerer klinischer Studien belegt.
Im Anschluss an den anspruchsvollen und sehr ausführlichen Vortrag in englischer Sprache berichtete Prof. Dr. Ralf Schön aus Krefeld Uerdingen über die „Sinusitis und orale Chirurgie“. Gleich zu Anfang stellte er klar, dass für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Kieferhöhle Kenntnisse über die Anatomie und Physiologie des Nasennebenhöhlensystems unerlässlich sind. Anhand klinischer Beispiele zeigte er die Vorteile und Möglichkeiten moderner bildgebender 3D-Verfahren (DVT, CT, MRT) zur Diagnostik und Therapie der Sinusitis im Vergleich zu konventioneller Röntgendiagnostik (OPG). Er ging insbesondere auf die odontogen bedingte Erkrankung der Kieferhöhle ein, deren häufigste Ursache die Kieferhöhleneröffnung nach einer Zahnextraktion ist. Dabei kann eine gesunde Kieferhöhle mit großer Erfolgswahrscheinlichkeit sofort plastisch gedeckt werden, aber auch bei einer odontogenen Sinusitis sind die Erfolgsaussichten nach einer einwöchigen Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung mit dem Verschluss einer gesunden Kieferhöhle vergleichbar. Die radikale Kieferhöhlenoperation nach Caldwell-Luc gilt heute als überholt und hat osteoplastischen, schleimhauterhaltenden Operationstechniken weichen müssen. An mehreren Fallbeispielen demonstrierte Prof. Schön die möglichen Komplikationen in der dento-alveolären Chirurgie und Strategien für deren Management und hielt abschließend fest, dass unter der Berücksichtigung der Anatomie und Physiologie des Sinus maxillaris eine sehr gute Regeneration der Kieferhöhle mithilfe funktionserhaltender Chirurgie (Drainage, Belüftung) möglich sei.
Pro & Contra bei allgemeinanamnestischem Hintergrund
Der demographische Wandel der Bevölkerung führt in zunehmendem Maße zu implantatprothetischen Rehabilitationen auch bei älteren Patienten. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit für allgemeinanamnestische Besonderheiten, die bei der Indikationsstellung zur Implantation und bei der Therapieplanung berücksichtigt werden müssen. Dieser Problematik hat sich PD Dr. Frank Strietzel aus Berlin gestellt und beleuchtete die Risikofaktoren und Kontraindikationen einer implantatprothetischen Behandlung. Anhand von Studien überprüfte er die wissenschaftliche Evidenz für den möglichen Einfluss allgemein-anamnestischer Besonderheiten auf die Implantatverlustrate. Bei Vorliegen einer Osteoporose sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen keine vermehrten Komplikationen zu erwarten - mit Ausnahme von Patienten unter Bisphosphonattherapie. In diesem Fall sollte die Implantation kritisch in Abhängigkeit vom individuellen Risikoprofil gegenüber bestehenden Therapiealternativen abgewogen werden.
Bei Patienten mit einem Diabetes korreliert der Implantatverlust nicht mit Erkrankungsdauer jedoch mit Blutzuckerkontrolle. Schlecht eingestellter Diabetes beeinflusst negativ die Einheilung von Zahnimplantaten, im Vergleich dazu schafft eine optimale Kontrolle des Blutzuckerspiegels gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Osseointegration auch bei Patienten mit Diabetes mellitus. Fallberichte zur Behandlung unter Immunsuppressionstherapie zeigen positive Ergebnisse, wobei die Notwendigkeit einer prä- oder perioperativen Antibiotikagabe bei invasiven Eingriffen zurzeit diskutiert wird. Zu guter Letzt ist das Implantatverlustrisiko bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern 2,2-fach erhöht. Daraus resultiert zusammenfassend nur ein geringer Evidenzgrad zu Kontraindikationen für eine Implantatinsertion bei allgemeinanamnestischen Besonderheiten. Zu beachten sind aber zahlreiche Risikofaktoren, die eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Analyse erforderlich machen.
Frisch gestärkt ging es nach der Mittagspause, die viele Teilnehmer zu einem Spaziergang im Gräflichen Park nutzten, weiter im wissenschaftlichen Programm mit dem Vortrag von Dr. Dirk U. Duddeck von der Universität Köln. Er berichtete über die Ergebnisse zur rasterelektronenmikroskopischen Oberflächenuntersuchung von Implantaten, bei der die Fertigungsqualität unter die (REM-) Lupe gestellt wurde. Die vorliegende Untersuchung aus der Arbeit des Qualitäts- und Registerausschusses (Q&R-Ausschuss) zeigte, dass im Rahmen des industriellen Herstellungsprozesses von dentalen Implantaten organische Verunreinigungen aus dem Handlingsprozess oder produktionsbedingte Rückstände der Oberflächenkonditionierung offenbar nicht zu vermeiden sind. Aus den gemessenen Konzentrationen lassen sich jedoch keine evidenzbasierten Erkenntnisse für einen negativen Einfluss auf den Prozess der Osseointegration schließen.
Prävention ist besser als Nachsorge
Auch zum Ende der Veranstaltung hatte Dr. Anitua das Wort und hielt einen sehr praxisbezogenen Vortrag zum Thema „Complications and Troubleshooting in oral Implantology“, der durch zahlreiche intraoperative Videopräsentationen begleitet wurde. Er verwies auf die Tatsache, dass Revisionen implantologischer Misserfolge rund 20 % seiner praktischen Tätigkeit ausmachen und stellte in diesem Zusammenhang das von ihm entwickelte Explantationsset vor. Das innovative System ermöglicht eine sichere und schonende Explantation von Implantaten, die ihre Funktion nicht mehr erfüllen oder für eine neue prothetische Versorgung nicht erforderlich sind. Dr. Anitua unterstrich die besondere Bedeutung einer umfassenden Fehleranalyse und Ursachenforschung als Voraussetzung für einen langfristigen Therapieerfolg. Er griff noch einmal das breite Indikationsspektrum des PRGF®- Systems auf und belegte anhand klinischer Fälle die Effektivität, Sicherheit und Vorhersagbarkeit dieses Verfahrens.
Das Resümee der im Ganzen gelungenen Veranstaltung war unter allen Beteiligten sehr positiv und es herrschte Einigkeit darüber, dass der einzigartige Ort dazu beigetragen hat, den stressigen und von großer Eile geprägten Praxisalltag zumindest kurzfristig zu „entschleunigen“.
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DENT IMPLANTOL 15, 7, 490 - 492 (2011)







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