Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

42. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Grundlagenforschung

Interdisziplinäre zahnmedizinische Grundlagenforschung

Drucken Von Dr. Kerstin Galler    aktualisiert am 02.07.2010

Die Förderung der Grundlagenforschung in der Zahnmedizin, das sei nach wie vor das Ziel der Arbeitsgemeinschaft für Grundlagenforschung (AfG), betonte der erste Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Dr. Werner Götz (Universität Bonn), bei seiner Eröffnungsansprache auf der 42. Jahrestagung in der Zahnklinik der Universität Mainz. Man wolle damit einen Beitrag leisten zur Außendarstellung der deutschen Zahnmedizin gegenüber der Öffentlichkeit, den Medien und auch der Politik als einem wissenschaftlich fundierten medizinischen Fachgebiet. Dabei dürfe aber der Schwerpunkt der Förderung nicht nur auf die in den letzten Jahren zunehmende zellund molekularbiologische Forschung gelegt werden, sondern müsse nach wie vor die klassischen zahnmedizinischen Forschungsbereiche wie Werkstoffkunde oder klinisch-experimentelle Studien umfassen.



Die AfG gehöre zwar zu den kleineren Fachgruppierungen innerhalb der DGZMK, habe aber inzwischen 235 Mitglieder. Durch die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit sei es dem Vorstand im letzten Jahr gelungen, so Götz, neue Mitglieder zu gewinnen und die AfG deutlich sichtbarer in der Zahnmedizin und Wissenschaftslandschaft zu platzieren. Er freue sich, dass für die diesjährige Tagung 46 Vortrags- und Posterbeiträge angemeldet wurden, die alle durchweg von hoher wissenschaftlicher Qualität gewesen seien. Die Tagung bot ein dicht gedrängtes und breites wissenschaftliches Programm und wurde in bewährter Weise vor Ort von Frau Prof. Dr. Brita Willershausen (Poliklinik für Zahnerhaltung, Universität Mainz) und ihrem Team mit vorbereitet.

Drei besondere "Highlights" kennzeichneten die erfolgreiche AfG-Tagung 2010
Auf ein sehr starkes Interesse stieß vor allem die Veranstaltung mit dem Referenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Dr. Georg Munz mit dem Thema "DFG-Forschungsförderung ­ Einblicke und Einstiege", die vom zweiten Vorsitzenden der AfG, Prof. James Deschner (Universität Bonn) moderiert wurde. Dr. Munz gab einen sehr informativen Überblick über die Aufgaben und Tätigkeiten der DFG und ihre Fördermöglichkeiten, zugeschnitten auf die Belange und Bedürfnisse der Zahnmedizin und speziell auch auf Nachwuchswissenschaftler, die erstmalig eine Drittmittelförderung anstreben. Die Zuhörer konnten jederzeit Fragen zu allen Aspekten der Forschungsförderung stellen, was auch ausgiebig genutzt wurde. "Eine solche Veranstaltung speziell für die Zahnmedizin war schon lange überfällig", so die immer wieder gehörte Meinung vieler Tagungsteilnehmer. Die AfG habe mit dieser Veranstaltung eine Vorreiterrolle übernommen, um die Drittmittelförderung in der zahnmedizinischen Forschung anzustoßen. In den bereits traditionellen "AfG-Workshops" präsentieren eingeladene renommierte Referenten und Referentinnen aus ihren jeweiligen Fachgebieten zu Beginn der Tagungen aktuelle Übersichten zum Stand der Forschung. Dieses Jahr widmete man sich dem Thema "Knochen" in der Zahnmedizin. Als erster Referent konnte Prof. Dr. Michael Amling gewonnen werden, Leiter des Zentrums für Biomechanik, Skelettbiologie und Experimentelle Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er gehört zu den international führenden experimentell und klinisch tätigen Osteologen. Prof. Amling informierte in einem spannenden und teilweise auch unterhaltsamen Vortrag anhand von ausgewählten Krankheitsbildern über den aktuellen Stand der zellulären und molekularen Knochenforschung. Für den zahnärztlichen Bereich auch klinisch interessant waren seine Ausführungen über den VitaminD-Mangel, der nicht nur in der Pathogenese der Osteoporose, sondern auch von Autoimmunerkrankungen oder Krebs eine Rolle spielt. In einem weiteren Workshop-Vortrag brachte Prof. Dr. Werner

Götz eine Übersicht über den zahnärztlich wichtigen Knochen von Kiefer und Alveolarfortsätzen und arbeitete die biologische Sonderstellung dieser Knochenregion heraus, die sich sowohl auf struktureller, als auch auf zellulärer und molekularer Ebene manifestiert, und im Zusammenhang mit den embryologischen Besonderheiten des Schädels zu sehen ist. Der Vortrag von Prof. Dr. Andreas Jäger (Universität Bonn) konzentrierte sich schließlich auf die biologischen Zusammenhänge zwischen Biomechanik und Alveolarknochen, wie sie auch z. B. für die Kieferorthopädie oder die Implantologie von großer klinischer Bedeutung sind. Die zahlreichen biologischen Faktoren, die inzwischen dabei nachweisbar sind, stehen auch im Fokus der parodontologischen Forschung, da sie ebenfalls bei Entzündung und Knochenverlust eine Rolle spielen. Als wichtige Neuerung in der Geschichte der AfG können die 2010 erstmalig ausgelobten AfG-Preise gelten, die für die zwei besten Vorträge und Poster vergeben wurden und von den Firmen GABA und Straumann, die schon seit langem die AfG-Tagungen als Sponsoren unterstützen, gestiftet wurden. Sie sind mit jeweils 300 bzw. 200 Euro dotiert und sollen an junge, noch nicht habilitierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben werden. Das Preiskomitee, bestehend aus den Professorinnen und Professoren Duschner (Mainz), Jäger (Bonn), Jentsch (Leipzig), Kneist (Jena) und Schlagenhauf (Würzburg), hatte keine leichte Aufgabe, unter der Fülle der qualifizierten Beiträge eine Wertung durchzuführen. Schließlich wurden sogar zwei erste Vortragspreise vergeben. Diese gingen an Dr. S. Schulz aus der Abt. für Orale Biotechnologie (Prof. Dr. P. Tomakidi) der Universität Freiburg für seinen Beitrag "Diskriminierung parodontaler Zellen durch Erstellung eines biomechanischen Fingerabdrucks" und Dr. S. Said Yekta aus der Klinik für Zahnerhaltung,

Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde (Prof. Dr. F. Lampert) des Universitätsklinikums Aachen für ihren Vortrag "Zerebrale Aktivierung bei virtueller Zahnarztbehandlung ­ Vergleich von Patienten und Zahnärzten". Der erste Posterpreis ging an Dr. A. Konermann, z. Zt. Gerok-Stipendiatin in der Klinischen Forschergruppe 208 an der Universität Bonn für ihr Poster "Beteiligung der parodontalen Ligamentzellen an immunregulatorischen Prozessen", der zweite an ZA T. Abouassi und Dr. S. Proksch aus der Abt. für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie (Prof. Dr. E. Hellwig) des Universitätsklinikums Freiburg, die gemeinsam ihr Poster "Kann Melatonin die zytotoxische Wirkung von Chlorhexidin in vitro kompensieren?" vorgestellt hatten. Der Vorstand der AfG überreichte zusammen mit den Vertreterinnen und Vertretern der Firmen GABA und Straumann den Preisträgerinnen und Preisträgern ihre Preise. Das Vortrags- und Posterprogramm dieser Tagung repräsentierte die breitgefächerte, interdisziplinäre Forschung in der heutigen deutschen Zahnmedizin und umfasste so unterschiedliche Themen, wie z. B. dentale Stammzellforschung, Biomaterialien, Plaqueforschung, experimentelle Endodontie, Implantatmechanik, Embryologie, immunologische Forschung, Speicheldrüsen oder sogar Softwareentwicklung. Die Zahl der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse präsentierten und nicht nur aus der Zahnmedizin stammten, sondern auch aus anderen Fachgebieten, wie den Natur- oder Ingenieurwissenschaften oder der Medizin, war wiederum erfreulich hoch. Dies entspricht dem Anliegen der AfG, den Nachwuchs in der dentalen Forschung zu fördern und ihm eine Plattform zu geben, auf der auch kritische Diskussionen erwünscht sind. Dies trägt auch zur Vorbereitung der jüngeren Kolleginnen und Kollegen auf spätere Präsentationen im internationalen Rahmen bei.

Auf der Mitgliederversammlung wurden der bisherige 1. Vorsitzende, Prof. Dr. Werner Götz, sowie der bisherige 2. Vorsitzende, Prof. Dr. James Deschner, beide Universität Bonn, für ein weiteres Jahr gewählt. Dies gibt beiden die Möglichkeit, angestoßene Projekte für 2010 weiterzuführen und zu versuchen, die AfG noch weiter in der Zahnärzteschaft, an den Universitäten und in sonstigen Forschungseinrichtungen bekannt zu machen sowie weitere Mitglieder zu gewinnen. Sie betonten, dass es insbesondere gelingen müsste, Beiträge für die AfG auch aus solchen zahnmedizinischen Disziplinen zu gewinnen, die bisher in noch nicht so großem Umfang an den Tagungen beteiligt waren. Dies gelte insbesondere für die Prothetik und die chirurgischen Fächer. Als einen weiteren Schwerpunkt zukünftiger Arbeit sehen es Götz und Deschner an, engere Kontakte zu anderen Gruppierungen in der DGZMK sowie zu anderen Fachgesellschaften zu knüpfen. Dass es dazu schon gute Ansätze gibt, zeigen die Planungen für den Deutschen Zahnärztetag 2010 in Frankfurt. Dort wird die AfG am 13.11. zusammen mit dem Interdisziplinären Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin (AKOPOM) ein Symposium zum Thema "Klinik und Therapie der Lichen-Erkrankung" und mit dem Transdisziplinären Arbeitskreis für Regenerative Medizin (TAK RegMed) ein Symposium über "Moderne regenerative Therapien und Stammzellbiologie in der Zahnmedizin" durchführen. Als langjährige Schriftführerin der AfG wurde auf der Mitgliederversammlung Dr. Eva Wörtche (Universität Freiburg) verabschiedet. Der Vorstand dankte ihr für ihre immer verantwortungsvolle und zuverlässige Arbeit. Zur neuen Schriftführerin wurde Dr. Kerstin Galler (Universität Regensburg) gewählt. Die nächste Jahrestagung wird am 13. und 14. Januar 2011 wieder in der Universitätszahnklinik in Mainz stattfinden. Als Thema des Workshops für 2011 wurde "Schmerz" gewählt, für das man renommierte Referenten und Referentinnen aus den Neurowissenschaften und der Zahnmedizin gewinnen möchte.

WEITERE INFO...
Anträge zur Mitgliedschaft in der AfG können jederzeit gestellt werden und werden auf der jeweils nächsten Mitgliederversammlung bestätigt. Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft in der DGZMK. Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben. Die Teilnahme an den AfGTagungen ist kostenfrei. Antragsformulare für die Mitgliedschaft finden sich auf der Homepage der DGZMK (www.dgzmk.de) unter "Fachgruppierungen". Anträge können auch formlos bei der Schriftführerin, Frau Galler (Universitätsklinikum Regensburg, Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Franz-Josef-StraussAllee 11, 93053 Regensburg, kerstin.galler@klinik. uni-regensburg.de) eingereicht werden.

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DENT IMPLANTOL 14, 4, 286 ­ 288 (2010)

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