Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

ITI World Symposium 2010 ­ das bisher größte, erfolgreichste und professionellste, aber auch teuerste, in der 30-jährigen Geschichte des ITI.

Drucken Von Carmen Bornfleth    aktualisiert am 02.07.2010

Wenn mehr als 4.000 Zahnärzte aus 80 Ländern für mehrere Tage nach Genf reisen, dann erwartet sie dort wohl etwas ganz besonderes. Aber nicht die malerische Kulisse des Genfer Sees und der umliegenden Berge war der Grund, sondern das ITI World Symposium 2010. Das ITI feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag und zu diesem Anlass hatten die Verantwortlichen ein rundum gelungenes Programm mit 113 internationalen Top-Referenten aus 26 Ländern auf höchstem Niveau zusammengestellt

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Bereits am Mittwoch fanden erstmals parallel zwei ganztägige Vorprogrammkurse statt. Das Hauptprogramm von Donnerstag bis Samstag behandelte jeweils eine komplexe Thematik: Neue klinische Methoden zur Diagnose und Behandlungsplanung, neue und erprobte Behandlungsverfahren sowie Komplikationen in der Implantologie.

Dr. Ronald Jung (Schweiz) sprach über die computergestützte Implantologie, Dr. Frank Schwarz (Düsseldorf) bewertete die Bedeutung der SLActive Oberfläche und Dr. Andres Stricker (Freiburg) berichtete über eine Studie mit dem zweiphasigen Calciumphosphat BoneCeramic. Prof. Dr. Thomas von Arx (Schweiz) beschäftigte sich mit den Vorund Nachteilen von ein- und mehrzeitigen Augmentationen. Dr. Matteo Chiapasco (Italien) behandelte das Thema Sinusbodenelevation mit all ihren Facetten, Dr. Franck Renouard (Frankreich) sprach über kurze Implantate als Herausforderung, deren Risiken und Komplikationen sowie die Langzeitprognose. "Flapless surgery" lautete das Thema von Dr. Stephen Chen (Australien) und Dr. Will Martin (USA) berichtete, wie sich das Design von SoftTissue und Bone-Level-Implantaten in der Praxis auswirkt und wann welche Form bevorzugt werden sollte. Dr. Brody J. Hildebrand (USA) zeigte auf, inwieweit und wodurch CAD/CAM die Zahnmedizin verbessert hat. Michel Magne (USA) betrachtete die neuen Materialien und technischen Entwicklungen in der Implantologie aus dem Blickwinkel des Zahntechnikers. Prof. Dr. Nikolaus P. Lang (Hong Kong) bot einen Überblick über biologische, technische und ästhetische Komplikationen. Über perioperative Komplikationen sprach im Anschluss Dr. Simon Storgard Jensen (Dänemark) und über die biologischen Schwierigkeiten Dr. Giovanni E. Salvi (Schweiz). Den Abschluss der Vorträge bildeten Prof. Dr. Daniel Buser und Prof. Dr. Urs C. Belser (Schweiz) mit ihrem Beitrag zum Thema "Chirurgisches und prothetisches Management von ästhetischen Komplikationen". Eine Simultanübersetzung in 12 Sprachen sorgte dafür, dass das internationale Publikum umfassendes Wissen mit nach Hause nehmen konnte. Und die insgesamt 118 ausgestellten Poster bestätigen, dass die ITI-Mitglieder gewillt sind, Forschungsergebnisse zu kommunizieren. Erstmals bot eine Industrie-Ausstellung auch die Gelegenheit, sich bei den 38 Ausstellern Innovationen anzusehen und sich direkt zu informieren.

Das ITI ­ Blick zurück und nach vorne



Das Internationale Team für Implantologie (ITI) wurden 1980 von einer kleinen Gruppe visionärer Pioniere um Prof. Dr. André Schroeder und Dr. Fritz Straumann gegründet. Zunächst wurde der Fokus auf die Entwicklung und Verbesserung von Implantaten gelegt. 1988 wurde die ITI Stiftung zur Finanzierung unabhängiger Forschungsprojekte und Unterstützung von Aus- und Weiterbildungsprojekten gegründet. Seither wurden etwa 300 Projekte mit über 35 Millionen Schweizer Franken unterstützt. Heute ist das ITI die weltweit größte Organisation zur Vergabe von Forschungsgeldern in der dentalen Implantologie und deren Grenzgebieten und führend im Bereich der implantologischen Weiterbildung. Das "Scholarship"-Programm ermöglicht es jährlich etwa 20 jungen Klinikern, sich ein Jahr lang in einem der 18 ITI Scholarship-Zentren, die auf allen Kontinenten verteilt sind, weiterbilden zu lassen. Das ITI umfasst heute mehr als 700 Fellows und 7.500 Members in 26 nationalen Sektionen und über 90 Ländern weltweit. "Unser wachsendes Netzwerk nationaler Sektionen ermöglicht es uns, Fachwissen und Ausbildung zuverlässig einem zunehmend größeren Publikum zugänglich zu machen" berichtet Prof. Dr. Daniel Buser, Präsident des ITI. Bis zum Jahr 2017 hat sich die Organisation einiges vorgenommen: Weltweit führende Vereinigung in der Implantologie, führender Anbieter evidenzbasierter Aus- und Weiterbildung und Wachstum ohne Kompromisse hinsichtlich der Qualität lauten die erklärten Ziele.

Internationales, universitätsbasiertes Kursprogramm



Mit dem ITI Universitätsprogramm soll die Fortbildung durch aufeinander abgestimmte Kurse von höchster Qualität verbessert werden. Von einem internationalen Netzwerk, das derzeit aus sieben Institutionen in Bern, Boston, Hong Kong, London, Melbourne, Stuttgart und Toronto besteht, werden ITIFortbildungskurse durchgeführt. Die Universitäten und Spitäler wurden einer sorgfältigen Prüfung unterzogen, da sie einen fundierten Leistungsnachweis in zahnärztlicher Fortbildung, ein Zertifikat zur Ausstellung von zahnärztlichen Fortbildungspunkten sowie eine hochmoderne Einrichtung und Infrastruktur vorweisen müssen. "Wenn es um Qualität und Glaubwürdigkeit geht, muss Fortbildung unabhängig von kommerziellen Interessen angeboten werden", betont Prof. Dr. HansPeter Weber, Vorsitzender des ITI University Programs Committees. "Das Universitätsprogramm bietet Zahnärzten auf der ganzen Welt besseren Zugang zu einem hohen Fortbildungsstandard mit einer starken praktischen Komponente." Das Netzwerk soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden.

Dr. Stephen Chen, Vorsitzender des ITI Education Committees, stellte auf der Pressekonferenz das neue SAC Assessment Tool vor. Der interaktive Online-Service erlaubt es, den Schwierigkeitsgrad und die Risiken individueller Implantatfälle zu beurteilen. Basis ist das in der Konsensuskonferenz 2007 festgelegte Klassifizierungssystem für restaurative und chirurgische Fälle. Zahnärzte können einzelne Patientenfälle auf ihre Fähigkeiten und Erfahrungen abstimmen und gleichzeitig das theoretische Wissen erweitern. So kann im Einzelfall entschieden werden, ob selbst behandelt werden kann oder an einen Spezialisten überwiesen werden sollte. Zudem unterstützt das Tool bei der Patientenaufklärung hinsichtlich Risiken sowie bei der Motivation zur Mitarbeit des Patienten. "Indem das ITI das Tool öffentlich zugänglich macht, unterstreicht es seine Verpflichtung zur Qualitätssicherung in der Implantologie", betont Dr. Chen. Das Tool steht auf der Website www.iti.org kostenlos zur Verfügung.

Fazit



Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von den Themen, den Referenten, der inhaltlichen Qualität der Vorträge sowie der Gesamtorganisation. In jeglicher Hinsicht setzte das Symposium Akzente und neue Maßstäbe. Nicht nur weil die Rückreise für zahlreiche Teilnehmer durch den Vulkanausbruch auf Island erschwert wurde, wird der Kongress den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. Wer in diesem Jahr die Reise verpasst hat, wird rechtzeitig über den nächsten Termin informiert. Eine Fortsetzung wird es jedoch erst im Jahr 2014 geben.

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DENT IMPLANTOL 14, 4, 280 ­ 282 (2010)

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