Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

Astra Tech-Jahressymposium 2011 in Frankfurt

Nach dem Vorbild der Natur

Drucken Von Dagmar Kromer-Busch    aktualisiert am 15.12.2011

Auch in diesem Jahr fand das Jahressymposium von Astra Tech in Frankfurt am Main statt. Am 22. und 23. Oktober 2011 informierten eine Vielzahl von Vorträgen über aktuelle Entwicklungen in der Implantologie: Im Fokus standen neben der implantologischen Versorgung älterer Patienten auch Methoden des Knochenaufbaus und des Weichgewebsmanagements. Referenten- und Themenauswahl hatten offenbar den Nerv der Zahnärzteschaft getroffen, hatte sich der Saal doch bis fast auf den letzten Platz gefüllt.

Blick ins voll besetzte Plenum beim 8. Astra Tech Jahressymposium in Frankfurt am Main.
Blick ins voll besetzte Plenum beim 8. Astra Tech Jahressymposium in Frankfurt am Main.


Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung hatte Astra Tech die Alterszahnheilkunde zum Schwerpunktthema des PIN-Forums (Praxisrelevant – Informativ – Nützlich) am ersten Tag gewählt. Die Referentinnen Prof. Jocelyne S. Fine (Canada) und Prof. Dr. Frauke Müller (Universität Genf) stellten in ihren Vorträgen eine Reihe von Studien zur zahnärztlichen Versorgung älterer Patienten vor.

Hierbei konnten sie anhand vieler Beispiele zeigen, dass die Versorgung im zahnlosen Unterkiefer mit einer Overdenture Prothese auf zwei Implantaten signifikante Vorteile gegenüber der Versorgung mit einer rein schleimhautgetragenen Totalprothese hat. Eine große Anzahl von Studien aus dem In- und Ausland belegen die höhere Zufriedenheit der Patienten, die durch die Versorgung mit einer Overdenture Prothese eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erfahren. Prof. Dr. Andrea M. Schmidt-Westhausen beschäftigte sich mit der Diagnostik und Therapie von Mund- und Schleimhauterkrankungen im Alter. Anhand vieler Photos und Fallbeispiele konnte sie den Blick der Kollegen für die Diagnostik wichtiger Erkrankungen in der täglichen Praxis schärfen.

„Eine Autobahn für den Prothetiker“

Das Wissenschaftsforum am Nachmittag unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Christoph Lauer (Frankfurt am Main) widmete sich mit zwei Vorträgen zunächst dem Problem des atrophierten Kiefers, bevor das eigentliche Hauptthema „Periimplantäres Bindegewebe“ in den Fokus rückte.

Eine Lanze für den Knochenaufbau brach Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden (Kassel) in seinem Vortrag zur „vertikalen Alveolarfortsatzaugmentation“. Die Alveolarfortsatzatrophie sei auch bei älteren Patienten nicht einfach als „altersbedingt“ hinzunehmen, da die Folgen, wie eine mangelnde Kaufähigkeit, die Ausbildung eines prominenten Kinns und einer „Greisenlippe“ die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränke. Vielmehr sei anzustreben, so der Referent, diesen Zustand rückgängig zu machen. Implantologen sollten keineswegs mittels spezieller Verfahren einen Knochenaufbau zu vermeiden suchen, sondern vielmehr mittels Augmentation einen optimalen Ausgangszustand für implantatgetragenen Zahnersatz erzeugen. Zumal beispielsweise kurze Implantate, die bei einer vertikalen Atrophie gerne eingesetzt werden, nach Prof. Terheydens Ansicht Risiken bergen. Er führte aus, dass insbesondere die veränderte Hebelwirkung bei diesen zu einer sehr starken Belastung führe. Zudem sei nur eine eingeschränkte Hygienefähigkeit erreichbar, und bei Insertion bestehe die Gefahr einer lingualen Perforation. Pro Augmentation spreche neben einer verbesserten Gesichtsästhetik auch die Frakturenprophylaxe – bei starker Atrophie durchaus ein relevanter Faktor.

Allerdings weist die vertikale Augmentation mittels Beckenknochen eine recht hohe Komplikationsrate auf, weshalb Prof. Terheyden ein alternatives Verfahren vorstellte, das zwar schon in den 1970er Jahren eingeführt worden war, aber wenig im (chirurgischen) Bewusstsein ist: die Interpositionsosteoplastik. Bei diesem Verfahren wird ein Interpositionsspalt eröffnet und mit Knochenersatzmaterial sowie Knochenspänen gefüllt. Wie der Referent anhand von Patientenfällen aus der MKG-Klinik Kassel demonstrierte, gelingt es mit dieser Methode, einen umfangreichen Aufbau zu erreichen und Knochen wiederherzustellen, in den komfortabel implantiert werden kann. Er baue in diesen Fällen gewissermaßen „eine Autobahn für den Prothetiker“, wie anhand der vorgestellten Fälle leicht nachvollziehbar war.

Abgeschrägtes Implantat für leichte Atrophie

Ein Aufbegehren gegen den Vorredner könnte man Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner (Mainz) unterstellen. Beschäftigte sich sein Vortrag doch mit einem neuen Implantat-Design, dem OsseoSpeedTM TX Profile von Astra Tech, das gerade kleinere Augmentationen vermeiden helfen soll. Das anatomisch geformte Design dieses neuen Implantates DENT IMPLANTOL 15, 8, 552 - 554 (2011) trägt der Tatsache Rechnung, dass die Resorption des periimplantären Knochens vestibulär stärker ausfällt als oral. Die vestibulär schräge Gestaltung des neuen Implantates wirkt sich positiv auf das approximale Knochenniveau aus und ermöglicht eine natürliche Weichgewebeästhetik. Im Rahmen seiner Ausführungen ging Prof. Wagner auf verschiedene Multi-Center-Studien ein, die er als Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz mitgeleitet hat. Sie zeigten, dass sich die neue Implantatform günstig auf den Knochenerhalt auswirke; oral und vestibulär wurden nur geringe Verluste verzeichnet. Auch ließen die Ergebnisse vermuten, dass das Implantat positive Auswirkungen auf den Weichgewebserhalt habe, was jetzt in einer Feldstudie näher untersucht werde. Prof. Wagner sieht eine mögliche Erklärung seiner guten Weichgewebsresultate darin, dass Gingivafasern, die unter Funktion bleiben, ähnlich wie Knochen, nicht oder nur wenig zurückgehen.

Techniken für bessere Weichgewebsverhältnisse

Dr. Gerd Körner beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem periimplantären Interface, also dem bindegewebigen Faserapparat, der sich um das Implantat ausbildet.
Hands on Übungen mit dem OsseoSpeedTM TX Profile Implantat wurden am zweiten Veranstaltungstag angeboten.
Hands on Übungen mit dem OsseoSpeedTM TX Profile Implantat wurden am zweiten Veranstaltungstag angeboten.
Er verglich die Fasern mit einem „Sicherheitsgurt“, der letztendlich für den langfristigen Erfolg mitentscheidend sei. Zwar sei der Aufbau der periimplantären Fasern ähnlich beschaffen wie der Faserapparat des natürlichen Zahns, doch gebe es auch Unterschiede. So sei um das Implantat eine niedrigere Faserdichte und weniger Hartgewebe zu verzeichnen als um den Zahn. Bei der Implantation werden Fasern durchtrennt, Narbengewebe bildet sich und somit entstehen insgesamt etwas ungünstigere Verhältnisse beim periimplantären Interface - verglichen mit dem Goldstandard „natürlicher Zahn“. Zudem steht dem „echten Attachment“ des Gewebes am Zahn beim Implantat lediglich eine „Adhäsion“ gegenüber.

Was tun, um diese Verhältnisse bestmöglich zu gestalten? Konsequenzen zog Dr. Körner in beide Richtungen: einerseits empfiehlt es sich gute, natürliche Verhältnisse zu erhalten, andererseits das Knochenniveau wiederaufzubauen und die Gewebeintegration zu optimieren. Um Defekte zu minimieren, empfahl der Referent die Methoden „Socket Preservation“ und „Socket Sealing“, verbunden mit Weichgewebsaufbau. An Patientenfällen zeigte er, wie mittels Inlay-Graft-Technik eine Volumenvermehrung und qualitative Verbesserung der Weichgewebsverhältnisse erreicht werden kann.

Dafür muss Gewebe vom Gaumen in den Defizitbereich eingebracht werden. Auch Materialien und ihre Beschaffenheit beeinflussen die Gewebeintegration, wie Dr. Körner ausführte. So sei eine raue Oberfläche zwar für die Anlagerung von Knochen und Bindegewebe vorteilhaft, nicht aber für das Epithel. Werde nach Extraktion oder Zahnverlust implantiert, so sei die Gap Size um das Implantat zu berücksichtigen. Beträgt die Lücke mehr als 1,5 mm, müsse augmentiert werden, damit die Fasern nicht kollabieren.

CAD/CAM-Abutments statt Gingivaformer

Das Abutment stand im Mittelpunkt des Vortrags von PD Dr. Florian Beuer (München). Zunächst einmal grenzte der Referent das Feld möglicher Abutments ein und empfahl das individuelle CAD/ CAM-Abutment aus Titan als Standard (z. B. AtlantisTM von Astra Tech). Für spezielle klinische Indikationen, etwa für den Frontzahnbereich, eignet sich ein Zirkondioxidabutment. Inwiefern CAD/ CAM-Abutments zur ästhetischen Weichgewebeausformung beitragen können, erläuterte Dr. Beuer anhand des Münchner Implantatkonzepts, das an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik (LMU München) regelmäßig durchgeführt wird. Die Besonderheit dieses Konzepts liegt in der intraoperativen Übertragung der Implantatposition auf das Modell.

Nach gedeckter Einheilung stehen bei Freilegung der Implantate direkt die individuellen CAD/CAM-Abutments zur Verfügung und werden anstelle eines Sulkusformers eingesetzt. Damit ließen sich bessere Weichgewebsergebnisse erzielen als auf konventionellem Wege; es seien „echte Emergenzprofile“ möglich. Vorteilhaft schlage bei dieser Vorgehensweise auch die Zeit- und Kostenersparnis zu Buche, da nur zwei Sitzungen bis zur endgültigen Krone vonnöten seien. Auch sei das Konzept für Überweiser geeignet und das chirurgische Protokoll könne unverändert beibehalten werden. Den Abschluss des Theorieteils an diesem Samstag bildete ein Gastvortrag. Die Olympiasieger in der Leichtathletik Hartwig Gauder und Klaus Wolfermann führten vor Augen, dass auch in anderen Disziplinen - nicht nur in der Zahnmedizin - der „Biss“ eine Rolle spielt.

Am zweiten Tag des Symposiums hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, in zahlreichen Workshops ihre praktischen Kenntnisse zu vertiefen. Hierbei wurden Themen wie Hands on Übungen zum Einsatz des OsseoSpeed™ TX Profile, Schnittführungen und Nahttechniken in der Implantologie oder auch Tipps und Tricks beim Weichgewebsmanagement behandelt. Die informative Veranstaltung wurde abgerundet durch eine begleitende Posterausstellung und Produktpräsentationen an Informationsständen. So hatten die Teilnehmer vielfältige Gelegenheit sich fortzubilden und zu informieren, aber auch im kollegialen Gespräch in den Pausen und am Rande der Tagung Bekanntschaften zu pflegen. 

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Hands on Übungen mit dem OsseoSpeedTM TX Profile Implantat wurden am zweiten Veranstaltungstag angeboten.  

DENT IMPLANTOL 15, 8, 552 - 554 (2011)

Dagmar Kromer-Busch

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