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Präimplantologische Risikofaktoren und Implantatprophylaxe
DruckenDurch den Verlust von Zähnen entsteht prothetischer Handlungsbedarf zur Rehabilitation des orofazialen Systems. Zahnärztliche Implantate stellen hierfür eine hochwertige und wissenschaftlich dokumentierte Therapiemethode dar. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sowohl die Akzeptanz durch die Patienten, als auch die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten bei einem implantatgetragenen Zahnersatz im zahnlosen Kieferbereich im Vergleich zur konventionellen prothetischen Versorgung verbessert werden kann.

Übersicht über mögliche Mundhygieneartikel.
Durch die Implantation wird eine vollständige Rehabilitation des orofacialen Systems der Patienten angestrebt und durch die Insertion von enossalen Implantaten können Spätfolgen des Zahnverlustes verhindert werden. Hierzu zählt:
- die Vermeidung der Elongationen von nichtabgestützten Zähnen
- die Schonung von parodontal geschädigten Zähnen in der Belastung als Pfeilerzähne
- die Verhinderung der Kippung von Nachbarzähnen in die Lücke und
- das Vermeiden der Präparation gesunder Zahnartsubstanz von Nachbarzähnen.
Durch eine Implantation kann der Erhalt des ortständigen Knochens sowie der Weichgewebe ermöglicht und eine Knochenatrophie vermieden werden. Der Halt des herausnehmbaren Zahnersatzes wird durch Implantate verbessert und eine rein schleimhautgetragene Abstützung, die durch Druck zu einem weiteren Knochenabbau führen kann, wird vermieden. Durch die Wiederherstellung der orofazialen Funktion durch Implantationen können Fehlbelastungen der Kiefergelenke und eine Überbelastung der Kaumuskulatur verhindert werden.
Ein wichtiger Teil einer langfristig erfolgreichen implantologischen Versorgung stellt die Planung der Implantation dar. Durch eine prothetisch orientierte präimplantologische Diagnostik kann die Kaufunktion optimal abhängig von der Region der Implantation und der geplanten Versorgung wiederhergestellt werden. Die Planung ermöglicht es, allgemeine und lokale Risikofaktoren eines Implantatmisserfolges oder einer periimplantären Infektion zu identifizieren und zu minimieren.
Allgemeine Risikofaktoren
• Diabetes mellitus: Zupnik et al. 2011 konnte nachweisen, dass Patienten mit einem Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko eines Implantatverlustes in der 4-Jahres-Überlebensrate zeigten [1]. In einem Review über 33 Artikel von Javed und Romanos 2009 wurde ein Zusammenhang zwischen der Osseointegration der Implantate und der Einstellung des Diabetes mellitus der Patienten nachgewiesen. Patienten mit einem gut eingestellten Diabetes mellitus, gemessen über den HbA1C-Wert, zeigten kein erhöhtes Risiko einer reduzierten Osseointegration [2].
• Rheumatoide Arthritis: Klinische Zeichen einer periimplantären Infektion wurden häufiger bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und Bindegewebsschwäche als bei Patienten mit einer isolierten rheumatoiden Arthritis vorgefunden [3].
• Therapie mit Immunsuppressiva (Abb. 1a und b): Im Jahr 2006 wurde von Hwang et al. die Einnahme von Immunsuppresiva als absolute Kontraindikation für eine Implantation angesehen [4]. Gu et al. 2011 wies nach, dass bei 31 Patienten nach Lebertransplantation unter laufender Therapie mit Immunsuppresiva keine gehäuften Implantatverluste nachzuweisen waren [5]. Dies zeigt, dass eine Implantation möglich sein kann, allerdings sollten diese Patienten nur in Ausnahmefällen in Zusammenarbeit und Absprache mit den behandelnden Internisten in spezialisierten Zentren operiert werden.
• Bisphosphonattherapie: Für Patienten unter Bisphosponattherapie liegen einzelne Literaturdaten als Hinweis auf ein erhöhtes Risikoprofil zur Entwicklung einer bisphosponatassoziierten Nekrose (BP-ONJ) vor (Abb. 2) [6]. In der aktuellen Stellungnahme der DGZMK wird darauf hingewiesen, dass es bisher nicht bekannt ist, wie lange vor einer geplanten Bisphosphonattherapie ohne Erhöhung des Risikos für eine BP-ONJ implantiert werden kann. Unter laufender intravenöser Therapie mit Bisphosponaten auf Grund einer malignen Grunderkrankung wird, in Abhängigkeit von dem bestehenden Risikoprofil bei bestehenden alternativen Versorgungsmöglichkeiten, von einer Implantation abgeraten.
• Z. n. Radiatio: Im bestrahlten Knochen muss die Gefahr einer Osteoradionekrose der kaufunktionellen Rehabilitation gegenübergestellt werden, da bei einer gleichzeitig bestehenden Xerostomie die Implantat getragene prothetische Versorgung oft die einzige Möglichkeit einer Rehabilitation darstellt. Das Risiko vermehrt klinische Parameter einer periimplantären Infektion zu zeigen steigt bei Patienten nach einer Bestrahlung [7] (Abb. 3).
• Rauchen/IL-1 Genotyp: Rauchen kann zu Wundheilungsstörungen nach der Implantatinsertion führen und auch im Langzeitverlauf die Entstehung einer periimplantären Infektion begünstigen [8, 9]. Kombiniert mit einem IL-1 Genotyp kann das Risiko einer periimplantären Infektion steigen (Abb. 4 a bis c) [10].
• Einnahme von Antikoagulanzien: Bei Patienten unter Antikoagulation ist eine Abwägung des Risikos einer Nachblutung präoperativ einzuschätzen. Es gibt Fallberichte über eine postoperativ notwendige Tracheotomie aufgrund einer Verlegung der Luftwege durch Nachblutungen bei Patienten unter Antikoagulation. In einer Studie von Bacci et al. 2011 konnte gezeigt werden, dass eine Implantation unter Warfarin mit einer intraoperativen Blutstillung nicht zu Komplikationen in der Wundheilung geführt hat [11]. Die Patienten müssen präoperativ über die möglichen Risiken aufgeklärt werden (Abb. 5 a und b).
Lokale Risikofaktoren
• Parodontitis (Abb 6a und b): Bei Patienten, die einen parodontitisassoziierten Zahnverlust aufwiesen, wurde durch Schou et al. 2006 häufiger eine Periimplantitis und ein erhöhter periimplantärer Knochenverlust festgestellt, als bei Patienten bei denen der Zahnverlust nicht parodontitisassoziiert war [12]. Vor einer Implantatversorgung sollte eine aktive Parodontitis therapiert werden, um eine Infektion der periimplantären Weichgewebe zu vermeiden.
• Schleimhautverhältnisse (Abb. 7a und b): Eine Beurteilung der Schleimhautverhältnisse kann spätere weichgewebliche Probleme, wie eine bewegte oder bewegliche Gingiva, und damit eine erschwerte Mundhygiene für die Patienten sowie eine mögliche Nischenbildung und Plaqueanlagerung vermeiden.
• Knochenangebot (Abb. 8): Bei Patienten, bei denen vor einer Implantation ein Knochenaufbau durchgeführt werden muss, steigt das Risiko einer postoperativen Atrophie des augmentierten Knochens. Dies wiederum kann eine periimplantäre Infektion begünstigen. Im Oberkieferseitenzahnbereich wurde bei einem reduzierten Knochenangebot und durchgeführtem Sinuslift ein höherer Implantatverlust als in nicht augmentierten Bereichen nachgewiesen [13].
• Abstand der Implantate untereinander und zu den Zähnen: Zwischen den Implantaten sollte zur Ausbildung der biologischen Breite ein Mindestabstand von 3 mm gewährleistet werden. Zu Zähnen wird ein Sicherheitsabstand von 1,5 mm benötigt, um das Weichgewebe durch den interdentalen Knochen maximal zu unterstützen.
Implantatprophylaxe
Den sehr hohen Überlebensraten zahnärztlicher Implantate steht eine ansteigende Prävalenz periimplantärer Erkrankungen gegenüber. Aus diesem Grund erscheint nach prothetischer Versorgung die Parodontalprophylaxe und Reinigung der Implantate in einem regelmäßigen Recallsystem sinnvoll, um mögliche periimplantäre Infektionen frühzeitig zu diagnostizieren und zu therapieren. Um eine effektive Mundhygiene zur Reinigung der Implantatversorgungen zu erlernen und umzusetzen, ist neben der Information die Möglichkeit der Instruktion sowie der Motivation der Patienten nicht zu unterschätzen. Die sachgerechten Hilfsmittel sind unter professioneller Anleitung im eigenen Mund wiederholt zu trainieren. Für die Implantatpflege können neben der Zahnbürste (mechanisch oder elektrisch), die Zahnseide oder das Zahnzwischenraumbürstchen Verwendung finden. In der Stellungnahme der DGZMK zur Mundhygiene nach Implantation sollte unabhängig von einer möglichen Implantatversorgung zweimal pro Tag eine Reinigung mit der Zahnbürste stattfinden. Einmal täglich sollte zusätzlich die Zahnseide oder die Interdentalbürste zur Reinigung der Interdentalräume angewendet werden. Sonstige mechanische Hilfsmittel, wie Einbüschelbürsten oder Zungenreiniger, können fakultativ zusätzlich einmal täglich angewendet werden.
Fazit
Durch die langen Überlebenszeiten der Implantate und die einschätzbaren Risiken einer Implantation kann heute von einer langlebigen und sicheren Versorgungsmöglichkeit gesprochen werden. Somit stellt eine Implantation für den Patienten eine qualitativ hochwertige prothetische Lösung dar.
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DENT IMPLANTOL 16, 1, 8 - 13 (2012)
Literaturverzeichnis
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- Javed F, Romanos GE. Impact of diabetes mellitus and glycemic control on the osseointegration of dental implants: a systematic literature review. J Periodontol 2009;80:1719-1730
- Krennmair G, Seemann R, Piehslinger E. Dental implants in patients with rheumatoid arthritis: clinical outcome and peri-implant findings. J Clin Periodontol 2010;37:928-936
- Hwang D, Wang HL. Medical contraindications to implant therapy: part I: absolute contraindications. Implant Dent 2006;15:353-360
- Gu L, Yu YC. Clinical outcome of dental implants placed in liver transplant recipients after 3 years: a case series. Transplant Proc 2011;43:2678-2682
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- C. E. Dörfer CE, Schiffner U , Staehle HJ Häusliche mechanische Zahn- und Mundpflege Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) V 1. Quelle: DZZ 62 (09) 2007








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