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Der besondere Fall: Ersatz eines Milchzahns bei einem 62-Jährigen
DruckenNach vielen Jahren praktischer Erfahrung in der Zahnmedizin glaubt man oft, schon fast alles gesehen zu haben. Dennoch gibt es immer wieder Überraschungen, wie der folgende Fall zeigt. Die Nichtanlage eines Zahns und dadurch bedingte persistierende Milchzähne sind nicht unbedingt eine Rarität. Insbesondere, wenn es die zweiten unteren Prämolaren und die oberen seitlichen Schneidezähne betrifft. Die Nichtanlage eines unteren ersten Schneidezahns ist dagegen eher selten zu beobachten. In den Bereich der absoluten Raritäten gehört sicherlich der Verbleib des Zahns 81 über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren. Die Wurzelresorption schritt über die Jahrzehnte soweit fort, dass dieser Milchzahn stark gelockert war. Der 62-jährige Patient wünschte einen Ersatz für den schon lange nicht mehr schön aussehenden letzten Milchzahn.

Abb. 1: Ein seltener Anblick: ein persistierender Milchzahn bei einem 62-Jährigen.
Auf den ersten – intraoralen – Blick (Abb. 1) scheint die Lösung dieses Falls einfach zu sein: Extraktion des Milchzahns und Sofortersatz mit einem Implantat. Auf den zweiten – intraoralen und radiographischen – Blick (Abb. 2) wird deutlich, dass die Sache doch nicht ganz so einfach ist. Durch die Diskrepanz in der Kronenbreite zwischen dem Milchzahn und einem bleibenden Zahn kam es im Laufe der Jahrzehnte zur Rotation von Zahn 42. Anhand des klinischen Bildes konnte man erahnen, dass der Zahn 42 nicht nur gedreht, sondern auch noch gekippt ist. Das Röntgenbild zeigte das ganze Ausmaß der Abweichung von der normalen Position. Diese Stellungsänderung wurde erst durch die Nichtanlage des benachbarten ersten Schneidezahns möglich. Die Modellanalyse – der dritte Blick – zeigt ein weiteres Problem: das geringe intermaxilläre Platzangebot (Abb. 3).
Alle Befunde zusammen verdeutlichen, dass die Lösung des Falls nicht so simpel ist, wie man eingangs hätte annehmen können. Als präprothetische Maßnahmen wären in diesem Fall eine Stellungskorrektur des Zahns 42 und eine Bisshebung durch Verbesserung der Okklusion im Seitenzahnbereich zu empfehlen. Der Patient wünschte sich lediglich einen Ersatz für den nicht mehr erhaltungswürdigen Milchzahn, und dies zu möglichst geringen Kosten. Seinem Wunsch und den eigenen Ansprüchen – nach einer funktionellen und ästhetischen Versorgung – gerecht zu werden, war in Anbetracht der Platzverhältnisse und der eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten eine Herausforderung.
Das Wax-up (Abb. 4 und 5) diente in diesem Fall nicht nur für die eigentliche Planung. Es war auch ein wichtiges Hilfsmittel, um dem Patienten zu verdeutlichen, was möglich ist und was nicht. Er war mit der Kronenform einverstanden. Nach entsprechender Doublierung wurde über das Wax-up eine Schablone gezogen, die später zum Anfertigen der provisorischen Krone diente.
Die genaue Analyse (Abb. 6) der Platzverhältnisse im Knochen und die Planung (Abb. 7) der Implantatposition erfolgten mit Hilfe eines DVT-Bildes. Im krestalen Bereich betrug das mesio-distale Platzangebot etwa fünf Millimeter und in vestibulooraler Richtung etwa vier Millimeter. Für die Auswahl des zu verwendenden Implantats war in diesem Fall nicht der krestale Bereich der limitierende Faktor, sondern der apikale Raum. Zu berücksichtigen war die Wurzelposition des Zahns 42. Nur mithilfe der dreidimensionalen Darstellung ließ sich der genaue Verlauf ermitteln und die Position des Implantats festlegen. Ausgewählt wurde ein Xive-3,0-Implantat von DENTSPLY Friadent mit einer Länge von 13 Millimetern.
Die Insertion
Nach der unkomplizierten Extraktion des Milchzahns begann die schrittweise Aufbereitung der Knochenkavität, einschließlich einer Röntgenkontrolle nach jedem Arbeitsgang. Die erste Pilotbohrung erfolgte mit einem nadelförmigen Präzisionsbohrer mit einem maximalen Durchmesser von 1,5 mm (Abb. 8). Die zweite Bohrung erfolgte mit dem Xive-Spiralbohrer D 2,0 (Abb. 9). Dieses Röntgenbild verdeutlicht das geringe Platzangebot. Nach der finalen Bohrung erfolgte die Kontrolle mit dem Xive-Select-Messimplantat (Abb. 10 und 11) und die Insertion des Implantats (Abb. 12).
Die prothetische Versorgung
Unmittelbar nach der Insertion erfolgte mithilfe der Tiefziehschablone die Anfertigung der provisorischen Krone (Abb. 13). Der zervikale Anteil wurde entsprechend dem später gewünschten Emergenzprofil gestaltet. Nach sechs Wochen Einheilphase konnte die definitive Versorgung erfolgen. Die ausgeformte Gingiva zeigte keinerlei Zeichen von periimplantärer Entzündung (Abb. 14). Die Abformung erfolgte mit individuellem Löffel und der Repositionstechnik. Nach bekanntem Verfahren wurde das Meistermodell mit Zahnfleischmaske hergestellt. Als Träger für die definitive Krone fiel die Wahl auf eine entsprechend individualisierte Friadent-EstheticBase gerade mit einer Gingivahöhe von einem Millimeter. Bei der Anfertigung der Keramikkrone war das Erscheinungsbild der Nachbarzähne zu berücksichtigen. Durch die Imitation der Abrasion und des durchschimmernden Dentinkerns konnte die künstliche Krone in Form und Farbe perfekt in die Zahnreihe eingepasst werden (Abb. 15). Nach der Eingliederung des Abutments und dem Zementieren der Keramikkrone war der Patient – und ich selbst auch – mit dem erreichten Ergebnis sehr zufrieden. Die als Fotomontage ausgeführte Überlagerung der Ausgangssituation (Abb. 1) und der Endsituation (Abb. 15) zeigt die Verbesserung der Situation noch deutlicher (Abb. 16).
Fazit
Eine gewissenhafte Erhebung von Anamnese und Befund bewahrt einen davor, den auf den ersten Blick einfach erscheinenden Fall zu unterschätzen. Durch die Kombination von Modellanalyse und Computersimulation konnte für diesen durch das eingeschränkte Platzangebot und die limitierten finanziellen Ressourcen schwierigen Fall eine adäquate Lösung erreicht werden. Das verwendete Xive-3,0-Implantat war ein wichtiger Baustein für den Erfolg und die Erfüllung des Patientenwunsches nach einem Ersatz für den persistierenden Milchzahn.
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DENT IMPLANTOL 15, 6, 378 – 381 (2011)







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