Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

Implantat-Abutment-Verbindung, Implantatprothetik, Mikrobewegungen

Im Vergleich: Implantat-Abutment-Verbindungen

Drucken Von Dr. Dr. Julia Karbach, Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas    aktualisiert am 16.10.2011

In der Implantologie werden zwei- oder mehrteilige Implantatsysteme wegen klinischer und zahntechnischer Vorteile häufiger angewendet als einteilige Implantate. Bei der Verwendung von zweiteiligen verschraubten Implantatsystemen kann die periimplantäre Knochenhöhe abhängig vom verwendeten Implantatsystem und Abutment variieren. Beeinflusst wird die periimplantäre Knochenhöhe von mechanischen und mikrobiologischen Aspekten der Implantat-Abutment-Verbindung. So kann es mechanisch bedingt durch Passungenauigkeiten unter Kaubelastung zur Lockerung des Abutments oder sogar zur Frakturen im Bereich der Implantat-Abutment-Verbindung kommen [6].




Die Mikrobewegungen der Implantat-Abutment- Verbindungen und dadurch bedingten kraftabhängigen Vergrößerungen der Mikrospalten wurden von verschiedenen Arbeitsgruppen untersucht und nachgewiesen [9, 10]. Zipprich et al. 2007 konnten unter simulierter Kaubelastung und röntgenologischer Videoaufzeichnung Mikrobewegungen bei Implantat- Abutment-Verbindungen mit einer Spielpassung unter Kaubelastung nachweisen. Bei Implantatsystemen mit einer präzise gefertigten Konusverbindung mit Presspassung konnten diese Mikrobewegungen nicht nachgewiesen werden. Im klinischen Einsatz finden sich baulich extrem unterschiedliche Implantat-Abutment-Verbindungen. Bei Nobel Biocare finden sich drei verschiedene Verbindungen: So wird bei den Brånemark Implantaten nach wie vor mit Erfolg die Außensechskant-Verbindung eingesetzt, die die Anbringung der Abutments an sechs bis zwölf verschiedenen Positionen ermöglicht. Bei der Replace Serie kommt die Verbindung durch eine Dreikanal-Innenverbindung zustande. Das NobelActive Implantat weist eine Konusverbindung mit Innensechskant auf (Abb. 1 a bis c).
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Abb. 1: Nobel Biocare – a: Esthetic Abutment NobelActive Internal NP; b: NobelActive Internal NP, TiUnite Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 35 Ncm).   Abb. 2: Institut Straumann AG – a: NC Cementable Abutment; b: NC Straumann® Bone Level Implantat, SLactive Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment: 35 Ncm).  


Straumann setzt bei den Straumann® Bone Level Implantaten auf die CrossFitTM-Verbindung mit einem internen Konus von 15 Grad (Abb. 2 a bis c). Vier innere Kerben gewährleisten die Positionierung der Prothetikkomponenten. Bei dem klassischen Straumann® Dental Implant System („Soft Tissue Level“): Standard Implantat, Straumann Standard Plus Implantat und Tapered Effect Implantat wird ebenfalls eine Schraubkonusverbindung, allerdings mit flacherem Konuswinkel und Innenachtkant verwendet.

Camlog benutzt für das Camlog®-Implantatsystem die Tube-in-TubeTM-Verbindung, um eine Rotationsstabilität und eine optimale Kraftverteilung zu erreichen (Abb. 3 a bis c). Mit dem Conelog® Implantatsystem wurde ein Konusverbindung mit 7,5 Grad und einer drei Nuten-/Nocken-Indexierung zur Positionierung eingeführt.
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Abb. 3: Camlog Biotechnologies AG – a: Camlog®Universal-Abutment; b: Camlog® Screw-Line Implantat; Promote® plus Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 20 Ncm).   Abb. 4: DENTSPLY Friadent – a: EstheticBase gerade A0; b: Xive® S plus Implantat, FRIADENT plus Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 24 Ncm).   Abb. 5: DENTSPLY Friadent – a: Regular C/X Aufbau A15; b: Ankylos® C/X Implantat A11, FRIADENT plus Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 15 Ncm).  


Friadent bietet mit dem Xive® Implantatsystem eine tiefe interne Hex-Verbindung zwischen Implantat und Abutment (Abb. 4 a bis c). Gleichzeitig wird bei DENTSPLY Friadent mit Ankylos® mit der TissueCare- Connection eine Konusverbindung (4 Grad) produziert (Abb. 5 a bis c). Bei diesem Implantatsystem wird eine reduzierte Anzugskraft von 15 Nm benötigt, um das Abutment zu befestigen. Es kann sowohl mit indexierter als auch frei positionierbaren prothetischen Elementen versorgt werden.

Eine weitere konische Implantat-Abutment-Verbindung stellt der Innenzwölfkant Conical Seal Design™ des Astra Tech Implantat-Systems dar (Abb. 6a bis c). Auch ICXtemplant® arbeitet mit einem konischen ICX-templant®-Abutment-Interface (Abb. 7 a bis c). Die verschiedenen Vor- und Nachteile der verwendeten Konuswinkel werden diskutiert. So kann ein zu steiler Winkel der Konusverbindung zu einer zu festen Verbindung führen, ein zu großer Konuswinkel vermindert den Halt des Abutments und ermöglicht eventuell eine Abkippung des Abutments durch Rotation [10].
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Abb. 6: Astra Tech – a: 20º UniAbutment 3,5/4.0; b: Osseo SpeedTM 3,5 S;TiOblastTM Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 15 Ncm).   Abb. 7: Medentis medical GmbH – a: ICX Aesthetic Line Titan-Aufbau; b: ICXtemplant ®, ICX-templant-Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 30 Ncm).  
Ein extrem steiler Konuswinkel ist schon seit vielen Jahren mit dem Bicon-System im Einsatz, bei dem die Implantat-Abutment-Verbindung sogar schraubenlos durch reine Friktion stabilisiert wird. Coelho et al. 2008 und Lorenzino et al. 2011 untersuchten die Durchlässigkeit des Mikrospaltes von innen nach außen bei verschiedenen Implantatsystemen mittels Gabe von Farbmarkern in das Implantatinnere und Lagerung in Kochsalz nach Verschraubung des Abutments. Zeitabhängig konnte ohne Belastung in dem Implantat umgebenden Kochsalz eine steigende Konzentration des Farbmarkers nachgewiesen werden [4, 7].

Broggini et al. 2006 zeigte in einer Studie an Hunden, dass, abhängig von der Insertionstiefe der Implantate (krestal < epikrestal < subkrestal), nach der prothetischen Versorgung der Implantate vermehrt neutrophile Entzündungszellen im Bereich der Implantat- Abutment-Verbindung nachzuweisen sind und es periimplantär zu einem gesteigerten Knochenabbau kommt [2]. Dies entspricht der Ausbildung der biologischen Breite, die sich bei transgingivaler Einheilung unmittelbar nach der Implantat-Insertion und bei geschlossen einheilenden Implantat-Systemen nach der Freilegung periimplantär ausbildet.

Durch die Einführung des Platform switching wurden Abutments mit einem schmaleren Durchmesser als die des Implantates verwendet. Canullo et al. 2011 zeigte unter Verwendung der Finiten-Elemente-Methode, dass die Belastung des periimplantären Knochens durch die Verwendung von Platform switching reduziert wird und dadurch mit einem geringeren Knochenabbau periimplantär gerechnet werden kann [3].

Mikrobiologisch betrachtete stellt bei zweiteiligen Implantaten der Mikrospalt zwischen Implantat und Abutment eine Besonderheit dar. Aufgrund der Mikrobewegungen kann davon ausgegangen werden, dass unter Kaubelastung durch die Bewegung eine Pumpwirkung ausgelöst und dadurch eine Flüssigkeitsbewegung, Bakterien oder gegebenenfalls nur ihre Endotoxine über den Mikrospalt in den periimplantären Sulkus abgegeben werden. Der Mikrospalt kann zusätzlich ein Reservoir für parodontal pathogene Bakterien darstellen [5]. Die Kontamination des Implantatinneren kann bei der Implantatinsertion, bei der Freilegung, bei der prothetischen Versorgung oder durch die Mikrospalten selbst nicht vermieden werden.

Verschiedene Versuche den Mikrospalt mit „Sealings“ zu verschließen zeigen in-vitro einen möglichen Vorteil, in-vivo konnten sie bisher nicht Erfolg versprechend eingesetzt werden. Die Idee anstelle der konventionellen verschraubten Implantat-Abutment-Verbindung eine zementierte Verbindung einzusetzen, wurde sicherlich auch auf Grund von klinischen Schwierigkeiten, wie die Trockenlegung des Implantates vor Insertion des Zementes, wieder verlassen. Wobei in-vitro in einer Studie von Piattelli et al. 2001 zwar geringfügig größere Spalten (7 μm im Vergleich mit 3 – 7 μm bei verschraubten Verbindungen) bei Verwendung einer zementierten Implantat-Abutment- Verbindung nachgewiesen wurden, jedoch bei dem Versuch der Penetration von Flüssigkeit und Pseudomonas aeruginosa im Implantatinneren bei Lagerung in Toluidinblau respective Pseudomonas aeruginosa Boullion bei der zementierten Verbindung kein Nachweis gelang [8].

Bei einer Untersuchung zum Einfluss der Oberflächengestaltung des Abutments bezüglich der Plaque-Anlagerung wurde kein Unterschied zwischen maschinierten Titanabutments (R = 0,2 μm) und hochglanzpolierten Keramikabutments (R = 0,06 μm) nachgewiesen [1]. Diskutiert wurde, dass bei der Verwendung von Materialien mit einer Rauhigkeit unter 0,2 μm keine weitere Reduktion der Plaque-Anlagerung resultiert. 

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Abb. 1: Nobel Biocare – a: Esthetic Abutment NobelActive Internal NP; b: NobelActive Internal NP, TiUnite Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 35 Ncm).   Abb. 2: Institut Straumann AG – a: NC Cementable Abutment; b: NC Straumann® Bone Level Implantat, SLactive Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment: 35 Ncm).   Abb. 3: Camlog Biotechnologies AG – a: Camlog®Universal-Abutment; b: Camlog® Screw-Line Implantat; Promote® plus Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 20 Ncm).   Abb. 4: DENTSPLY Friadent – a: EstheticBase gerade A0; b: Xive® S plus Implantat, FRIADENT plus Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 24 Ncm).   Abb. 5: DENTSPLY Friadent – a: Regular C/X Aufbau A15; b: Ankylos® C/X Implantat A11, FRIADENT plus Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 15 Ncm).   Abb. 6: Astra Tech – a: 20º UniAbutment 3,5/4.0; b: Osseo SpeedTM 3,5 S;TiOblastTM Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 15 Ncm).   Abb. 7: Medentis medical GmbH – a: ICX Aesthetic Line Titan-Aufbau; b: ICXtemplant ®, ICX-templant-Oberfläche; c: Implantat-Abutment-Verbindung (Drehmoment 30 Ncm).  

DENT IMPLANTOL 15, 6, 368 – 372 (2011)


Literaturverzeichnis

  1. Bollen CM, Papaioanno W, Van EJ, Schepers E, Quirynen M, van SD. 1996. The influence of abutment surface roughness on plaque accumulation and peri-implant mucositis. Clin.Oral Implants.Res. 7: 201-211.
  2. Broggini N, McManus LM, Hermann JS, Medina R, Schenk RK, Buser D, Cochran DL. 2006. Peri-implant inflammation defined by the implant-abutment interface. J.Dent.Res. 85: 473-478.
  3. Canullo L, Pace F, Coelho P, Sciubba E, Vozza I. 2011. The influence of platform switching on the biomechanical aspects of the implantabutment system. A three dimensional finite element study. Med.Oral Patol.Oral Cir.Bucal. 16: e852-e856.
  4. Coelho PG, Sudack P, Suzuki M, Kurtz KS, Romanos GE, Silva NR. 2008. In vitro evaluation of the implant abutment connection sealing capability of different implant systems. J.Oral Rehabil. 35: 917-924.
  5. Dibart S, Warbington M, Su MF, Skobe Z. 2005. In vitro evaluation of the implant-abutment bacterial seal: the locking taper system. Int.J.Oral Maxillofac.Implants. 20: 732-737.
  6. Khraisat A, Hashimoto A, Nomura S, Miyakawa O. 2004. Effect of lateral cyclic loading on abutment screw loosening of an external hexagon implant system. J.Prosthet.Dent. 91: 326-334.
  7. Lorenzoni FC, Coelho PG, Bonfante G, Carvalho RM, Silva NR, Suzuki M, Silva TL, Bonfante EA. 2011. Sealing Capability and SEM Observation of the Implant-Abutment Interface. Int.J.Dent. 2011: 864183. Epub 2011 Jul 2.
  8. Piattelli A, Scarano A, Paolantonio M, Assenza B, Leghissa GC, Di BG, Catamo G, Piccolomini R. 2001. Fluids and microbial penetration in the internal part of cement-retained versus screw-retained implant-abutment connections. J.Periodontol. 72: 1146-1150.
  9. Rack A, Rack T, Stiller M, Riesemeier H, Zabler S, Nelson K. 2010. In vitro synchrotron-based radiography of micro-gap formation at the implant-abutment interface of two-piece dental implants. J.Synchrotron.Radiat. 17: 289-294.
  10. Zipprich H, Weigl P, Lange B, Lauer H-C. 2007. Erfassung, Ursachen und Folgen von Mikrobewewegungen am Implantat-Abutment-Interface. Implantologie 15: 31-46.
Dr. Dr. Julia Karbach

Dr. Dr. Julia Karbach

Klinik für Mund-, Kiefer- und

Gesichtschirurgie,

plastische Operationen

Augustusplatz 2

55131 Mainz

Tel: 0 61 31 / 17 31 91

E-Mail: jkarbach@uni-mainz.de

Prof. Dr. Dr. Bilal Al Nawas

Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, plastische Operationen

Augustusplatz 2

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