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Patientenzufriedenheit durch eine Steg getragene Prothese auf vier Implantaten im zahnlosen Unterkiefer
DruckenDer oralen Rehabilitation zur Wiedererlangung der Kaufunktion sowie der Erfüllung ästhetischer Wünsche wird seit langem durch die dentale Implantologie Rechnung getragen. Doch nicht jeder Patient erwartet dabei eine „Maximallösung“. Vielmehr stellt er an den Behandler den Anspruch nach kaufunktioneller und sozialer Zufriedenheit mit einhergehender Verbesserung der damit verbundenen Lebensqualität.

Abb. 1: Der Patient kam mit einer kaufunktionell schlecht sitzenden Prothese.
Ein Patient, der sich für eine Implantatversorgung entscheidet, möchte außer der Wiederherstellung der Funktion die ästhetischen Aspekte berücksichtigt wissen. Diese sind in aller Konsequenz abhängig von der Implantatposition: das Implantat soll idealerweise die Verlängerung der auf ihr zu verankernden Suprakonstruktion sein [1]. Die Position richtet sich also nicht nach dem vorliegenden Defekt, sondern nach den aus der Analyse des Wax-Ups gewonnenen Vorgaben, welche intra operationem idealerweise unter Verwendung von Bohrschablonen chirurgisch umgesetzt werden. Dabei sollten Richtlinien zur Harmonisierung von Weichgewebe und Lachlinie, von Gingivalinie und ästhetischem Fenster berücksichtigt werden. Hart- und Weichgewebsdefekte sind durch das Anwenden entsprechender operativer Techniken zu berücksichtigen (Augmentationsverfahren, Weichgewebsmanagment).
Auf Grund der zunehmend wachsenden ästhetischen Ansprüche gilt es, die aus der Vergangenheit gewonnenen Erfahrungen in die Praxis umzusetzen. Nach umfangreicher Diagnostik (Planung mit Wax-Up, Implantatmessaufnahme, Bohrschablone etc.) erfolgt bei Ausschluss aller Kontraindikationen i. d. R. die Implantatinsertion. Nach der Osseointegration erfolgt die Versorgung des Implantates mit der entsprechend geplanten Suprakonstruktion.
In Untersuchungen [2] wurde nachgewiesen, dass kugelkopfretinierte Prothesen eine signifikant höhere Komplikationsrate im Vergleich zu stegretinierten Konstruktionen zeigen. Untersuchungen einer anderen Arbeitsgruppe [3] zur Reparaturanfälligkeit von Stegprothesen zeigten einen deutlichen Nachteil der konfektionierten Dolderstege gegenüber den individuell gefrästen Stegen (Frakturen der Stege bzw. der Extensionen).
Eine Versorgungsvariante für den stark atrophierten Unterkiefer sieht eine implantatgestützte Rekonstruktion auf möglichst vier Implantaten vor, wobei dem Doldersteg ohne Extension der Vorzug eingeräumt wird [4]. Eine andere Empfehlung für die Rehabilitation im Unterkiefer ist der Extensionssteg auf vier Implantaten [5]. Wir sehen dies im eigenen Patientengut bestätigt. Besonders vorteilhaft zeigt sich die Überwindung vertikaler Differenzen zur Erlangung einer auch akzeptablen Ästhetik. Nachteilig jedoch sind die vergleichsweise deutlich höheren Kosten zu Lasten des Patienten / Versicherungsgebers gegenüber einer z. B. reinen Locator-Versorgung.
Ausgangssituation
Der 84-jährige Patient stellte sich in unserer Praxis mit einer kaufunktionell sehr schlecht sitzenden Prothese (Abb. 1) bei gegebener starker orovestibulärer Atrophie des Unterkiefers vor. Gekennzeichnet war die gegebene Situation durch einen nahezu unmöglichen Halt des Zahnersatzes, ausgelöst durch neuromuskuläre Beweglichkeit der Mundbodenmuskulatur. Der Wunsch nach einer Verbesserung des Halts und der kaufunktionellen Optimierung des Zahnersatzes wurde seitens des Patienten an uns herangetragen. Aufgrund der eingangs erläuterten Voraussetzungen schlugen wir die Versorgung mit einer Implantat getragenen herausnehmbaren Prothese auf einem in Galvanotechnik gefertigten Extensionssteg mit distal platzierten Locator©-Attachments vor.
Behandlung
Im Zuge der Gesamtplanung erfolgte unter lokaler Infiltrationsanästhesie die interforaminäre Insertion von vier Dentegris-Tapered Implantaten (Dentegris Deutschland GmbH, Düsseldorf) in den Abmessungen von 10 bzw.11,5 x 3,75 mm (Abb. 2). Während der achtwöchigen, komplikationslos verlaufenden Einheilung konnte der Patient den bestehenden und zwischenzeitlich weichbleibend unterfütterten Zahnersatz in gewohnter Weise weiter tragen. Im Anschluss erfolgte die Implantatfreilegung (Abb. 3) mit Abdrucknahme zur Fertigung eines individuellen Abformlöffels sowie der Vorbereitung eines Bissschlüssels. Die Abformung der Implantate in regio 34-44 erfolgte mit individuellem Löffel in offener Technik unter Verwendung des Polyethers IMPREGUM (3M ESPE, Seefeld) und den entsprechenden Abdruckpfosten von Dentegris. Anschließend erfolgte die Bissnahme. Dabei wurde auf Grund der anatomischen Gegebenheiten der Bissschlüssel auf zwei Implantaten unter Zuhilfenahme zweier eingearbeiteter provisorischer Dentegris-Prothetikaufbauten fixiert (verschraubte Bissnahme) (Abb. 4 bis 6).
Zahntechnische Realisation
Zahntechnisch wurde zunächst die hochgoldhaltige, verschraubbare Implantatsteg-konstruktion mit individuell gefertigtem Locator beidseits im Bereich der Extension gefertigt (Abb. 7 und 8). Gleichzeitig erfolgte die Einprobe der Prothesenbasis mit Wachsaufstellung. Die Frontzähne wurden entsprechend prothetischer Richtlinien außer Kontakt gestellt. Die sich anschließende Einarbeitung der AGC-Galvanostegkonstruktion in die Prothesenbasis erfolgte laborseitig spannungsfrei außerhalb des Patientenmundes unter Verwendung der einartikulierten Duplikatmodelle. Von Vorteil ist die optimale Passung des individuell gefrästen Steges und nachfolgende Massfertigung der Galvanomatritze. Gleichzeitig wurden beide Locator®-Matrizen eingearbeitet (Abb. 9). Nach Verschraubung der Stegkonstruktion und der Inkorporation des Zahnersatzes (Abb.10 und 11) wurde der Patient in das praxisspezifische Prophylaxeprogramm aufgenommen.
Dadurch werden eventuell bestehende Pflegedefizite abgestellt und der Gefahr einer periimplantären Entzündung Einhalt geboten. Der eingegliederte Zahnersatz bietet dem Patienten einen hohen und sicheren Tragekomfort und gewährleistet eine annehmbare ästhetische und altersentsprechende Physiognomie (Abb. 12).
Diskussion
Verbietet sich auf Grund der altersbedingten anatomischen Veränderungen des zahnlosen Unterkiefers die Integration einer festsitzenden Brückenprothetik oder alternativ die Fertigung eines teleskopierenden Zahnersatzes, so stellt die implantatstabilisierte, individuell gefräste Stegprothese mit Extension das Mittel der Wahl dar. Hierbei können ungünstige Ausgangssituationen der Kieferkammrelation sowohl in der saggitalen als auch in der vertikalen Ebene kompensiert und ausgeglichen werden.
Zusätzlichen Halt und Sicherheit bieten hier die zur Anwendung kommenden technischen Besonderheiten der Galvanotechnik sowie die Retentionselemente der beiden Locator®-Attachments, welche bei Verschleiß schnell, komplikationslos und kostengünstig ausgetauscht werden können. Es kann insbesondere auch durch die Basisgestaltung eine Verbesserung der Lippenstütze sowie der Phonetik erzielt werden.
Pflegetechnisch (als auch kostentechnisch) bietet die Implantat getragene Stegprothese dem Patienten vergleichsweise Vorteile gegenüber einer festsitzender Brückenkonstruktion.
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Literaturverzeichnis
[1] Garber D.L., Belser u.C.: Restoration driven implant placement with restoration generated site development. Compend Contin Educ Dent 16, 796-804 (1995)
[2] Belser UC, Bernard JP, Buser D: Implant-supported restorations in the anterior region: prosthetic considerations. Pract Periodontics Aesthet Dent. 1996 Nov-Dec;8(9):875-83
[3] Tagungsbericht der Herbsttagung der DGI in Leipzig vom 25. bis 27. November 1999
[4] Foitzik, Ch. (Hrsg.): Das Dental-ITI-Implantatsystem. Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover 1994
[5] Richter E.J., Spiekermann H.: Die implantologisch-prothetische Behandlung des zahnlosen Patienten - die Aachener Therapiekonzepte. Implantologie 2:117-135


















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