Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

Gingivasaum, Emergenzprofil, Interdentalpapillen, Einzelzahnersatz

Übergangsfreies Emergenzprofil mit dem Friktionsretentionssystem

Drucken Von Takahiko Sugiyama, Masasi Takano    aktualisiert am 10.02.2011

Bei Implantatversorgungen ist es heute ­ mehr denn je ­ von wesentlicher Bedeutung, ein gutes ästhetisches Ergebnis zu erzielen. Dies gelingt unter anderem, indem man ausgehend vom natürlichen Zustand den Gingivasaum und die Interdentalpapillen rekonstruiert (Abb. 1 und 2). Das Emergenzprofil der Suprakonstruktion beeinflusst dabei die Ausbildung und den Erhalt des Gingivasaums. Bei definitiven Restaurationen wird hierfür meist ein individueller Aufbau angefertigt und die Suprakonstruktion zementiert (Abb. 9). Insbesondere bei Patienten mit dünner Gingiva liegt genau dort das Problem. Damit die Zementüberschüsse entfernt werden können, liegt der Übergang zwischen dem Aufbau und der definitiven Versorgung leicht subgingival ­ also mitten im Emergenzprofil. Angepasst an die Bedürfnisse der periimplantären Mukosa ist es wichtig, ein Emergenzprofil ohne solche Übergänge zu schaffen.

Abb. 1: Drei Jahre nach Eingliederung der Suprastruktur (Friktionsretentionssystem für Kunststoff).
Abb. 1: Drei Jahre nach Eingliederung der Suprastruktur (Friktionsretentionssystem für Kunststoff).


Für die Befestigung mithilfe des Friktionsretentionssystems ist kein Zement notwendig. Bei der definitiven Versorgung bestehen die klinischen Krone und das Emergenzprofil aus einem Stück (Abb. 6, 9, 11, 12). Praktischerweise ist zudem die Verwendung vorgefertigter Aufbauten möglich (z. B. FRIADENT EstheticBase Aufbau gerade, DENTSPLY Friadent, Mannheim). In meiner mehr als zehnjährigen Erfahrung mit dieser Technik konnte ich eine Reihe wesentlicher Vorteile feststellen.

Emergenzprofil und Gingivasaum

Der Schlüssel zur erfolgreichen Ausformung des Gingivasaums ist Druck: Die periimplantäre Mukosa muss so adaptiert werden, dass sie ausreichenden Druck auf das Implantat ausübt (Abb. 3). Das Emergenzprofil der Suprakonstruktion übt ebenfalls Druck auf das Weichgewebe aus und der Gingivasaum entsteht dort, wo diese entgegengesetzt wirkenden Kräfte aufeinander treffen (Abb. 4). Position und Form des Gingivasaums lassen sich beeinflussen, indem man die Kontur des Emergenzprofils und damit den Druck verändert (Abb. 5 und 6). Wird die Kontur aufgebaut, verstärkt sich der Druck und der Gingivasaum bewegt sich in apikaler Richtung. Wird sie hingegen reduziert, sinkt der Druck und der Gingivasaum verläuft entlang des Durchtrittsprofils der Suprakonstruktion. Um die Ausformung des Weichgewebes individuell anzupassen und die Position des anzulegenden Gingivasaums zu kontrollieren, muss also ein geeignetes Emergenzprofil gestaltet werden.

Mein Fokus liegt in diesem Fall auf einer bukkal supraimplantären Mukosa. Da bei dünner Gingiva nur wenig Gewebevolumen vorhanden ist, muss dessen Höhe vollständig erhalten bleiben, um das Emergenzprofil ideal ausformen zu können (Abb. 7). Ist Gewebe in ausreichender Menge vorhanden, kann der Volumendruck zur Ausbildung des Gingivasaums erhöht werden (Abb. 8). Ist dies nicht der Fall, kann geeignetes Gewebemanagement dabei helfen, das Volumen um das Implantat herum zu maximieren. Um eine definierte Höhe zu schaffen, ist es hierbei von entscheidender Bedeutung, eine ausreichende Breite der bukkalen supraimplantären Mukosa sicherzustellen. Insbesondere bei dünnem Biotyp sind gegebenenfalls geringfügige Anpassungen des Emergenzprofils der provisorischen Krone im Mund des Patienten erforderlich, um den Gingivasaum korrekt ausgestalten zu können. Die anhand der provisorischen Kronen ermittelten Informationen müssen präzise auf die definitiven Suprastrukturen übertragen werden, um Position und Form des Gingivasaums beizubehalten.

Das Problem individueller Abutments

Bei der Anfertigung der definitiven Suprakonstruktion werden üblicherweise individuelle Abutments verwendet. Der Rand zwischen Aufbau und Suprakonstruktion sollte sich 0,5 bis 1 Millimeter subgingival befinden (Abb. 9), damit der bei Eingliederung der Suprakonstruktion austretende Zement entfernt werden kann. Werden diese Zementreste nicht beseitigt, kann dies die Schleimhaut schädigen. In diesem Fall ist am Emergenzprofil ein Übergang vorhanden, der das Ausformen erschwert. Darüber hinaus können insbesondere bei dünnem Gingivatyp Aufbauten aus Metall zu dunklen Verfärbungen der Mukosa führen.

Das Friktionsretentionssystem

Das Friktionsretentionssystem ­ ein von mir häufig eingesetztes Verfahren ­ ermöglicht das Eingliedern der Suprastruktur ohne Zement. Der Halt ergibt sich ausschließlich durch Friktion. Da kein überschüssiges Befestigungsmaterial entfernt werden muss, kann der Übergang zwischen Aufbau und Suprakonstruktion nahe an der Implantatplattform platziert werden (Abb. 9). Für diesen Arbeitsschritt verwende ich präfabrizierte gerade FRIADENT EstheticBase Aufbauten mit einer Gingivahöhe von 1 mm. Der Zahntechniker schrägt den Rand der Schulter zirkulär ab und reduziert dessen Höhe so weit (Abb. 10), dass die Suprakonstruktion nahe an der Implantatplattform positioniert werden kann. Hierdurch lässt sich auf unkomplizierte Weise ein glattes Emergenzprofil herstellen (Abb. 11 und 12). Da Krone und Emergenzprofil eine Einheit bilden, ist beides aus zahnfarbenem Material. Damit ist das Problem des Durchschimmerns von Metall ebenfalls gelöst. Ein wesentlicher Vorzug dieser Methode ist die Möglichkeit, die Suprakonstruktion bei Bedarf leicht entfernen zu können (Abb. 19). Dies bietet eine Reihe von Vorteilen: Falls Schäden an der Suprakonstruktion auftreten, kann sie zur Reparatur ohne großen Aufwand entfernt werden. Eine eventuell gelockerte Aufbauschraube kann wieder festgezogen werden. Man hat eine bessere Möglichkeit, die periimplantäre Mukosa und die allgemeinen Hygieneverhältnisse zu kontrollieren. Ich selbst entferne die Suprakonstruktionen ein- bis zweimal jährlich, um das periimplantäre Gewebe klinisch und röntgenologisch zu überprüfen (Abb. 13 bis 16). Es gibt zwei Arten von Friktionsretentionssystemen ­ eines für Metall und eines für Kunststoff. Anfangs habe ich ersteres ausschließlich an gegossenen Gerüststrukturen angewendet (Abb. 17). Inzwischen werden die Gerüste mittels CAD/CAM-Systemen aus Metall oder Zirkondioxid gefertigt (Cercon-System von DeguDent). Bei Zirkondioxid lässt sich jedoch nur schwer eine ausreichende Retentionskraft erreichen. Darum habe ich zusätzlich das Friktionsretentionssystem für Kunststoff entwickelt. An der Wand des Abutments ist eine Nut angebracht, die mit dem Kunststoffmaterial aufgefüllt wird (Abb. 18). Anschließend wird die Retentionskraft angepasst.

Vorgehensweise

Bei der Eingliederung der Suprastruktur wird eine weiße antibiotische Salbe auf Vaselinebasis auf dem Aufbau appliziert. Die Salbe füllt den Mikrospalt zwischen Aufbau und Suprakonstruktion aus. Zuerst wird die Suprakonstruktion von Hand platziert. Anschließend wird ein automatischer Hammer verwendet ­ eine Methode, durch die meiner Erfahrung nach kein Verlust der Osseointegration riskiert wird. Zur Entnahme der Suprastruktur wird ein Kronenentferner mit Haken an beiden Enden verwendet. Im unteren Bereich der Gerüststruktur befindet sich palatinal eine Kerbe, in die einer der Haken angesetzt werden kann. Die Konstruktion lässt sich leicht entfernen, indem man den Zylinder des Instruments mehrmals bis zum Anschlag nach oben stößt (Abb. 19).

Da sich bei Gerüststrukturen aus Zirkondioxid eine Kerbe zum Entfernen schlecht präparieren lässt, müssen diese auf eine andere Weise entnommen werden: Die Suprastruktur verfügt über einen Bereich mit Unterschnitt. Dort bindet man ein Stück Zahnseide an und zieht das Gerüst einfach heraus.

Erfahrungen

Das Friktionsretentionssystem für Metall wird seit 1999 angewendet, das für Kunststoff seit 2006. Verluste der Suprastruktur sind sehr selten, bislang sind in meiner Praxis nur drei Fälle bekannt (Tabelle 1). Die Probleme traten allerdings erst einige Zeit nach der Eingliederung auf. Eine der Ursachen hierfür war eine veränderte Okklusion. Ich habe die Retentionskraft von 23 Suprastrukturen untersucht, bei denen das Metall-Friktionsretentionssystem verwendet wurde und konnte während der Eingliederung keinerlei Probleme feststellen. Bei Aufbringen einer statischen Kraft von 5 Kilogramm betrug die durchschnittliche Retentionskraft 1,6 Kilogramm. Auf Grundlage dieser Kriterien wurde die Retentionskraft der Suprakonstruktion angepasst.

Schlussfolgerung

Das Friktionsretentionssystem verfügt über wesentliche Vorteile und spielt eine wichtige Rolle beim Erzielen perfekter Behandlungsergebnisse. Die Indikation ist eingeschränkt auf den Einzelzahnersatz und höchstens dreigliedrige Brücken. Von entscheidender Bedeutung für den Langzeiterfolg des Implantats sind schließlich geeignete Bedingungen bei der Eingliederung und ein ausreichendes periimplantäres Gewebevolumen.

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Fotostrecke
Abb. 2: Fünf Jahre nach Eingliederung der Suprastruktur (Friktionsretentionssystem für Metall). Auch im posterioren Bereich ist ein ästhetisches Ergebnis wichtig.   Abb. 3: Situation nach einem halben Tag. Die periimplantäre Mukosa muss beim Abdecken des Implantats ausreichenden Druck ausüben.   Abb. 4: Das Emergenzprofil der Suprakonstruktion übt Druck auf die Mukosa aus. Der Gingivasaum erscheint an dem Punkt, an dem die entgegengesetzt wirkenden Kräfte aufeinandertreffen (gelber Pfeil).     Abb. 5: Ausformung der bukkalen supraimplantären Mukosa vor und nach der Ausbildung des durch die provisorische Krone induzierten Gingivasaums.     Abb. 6: Veränderungen des Emergenzprofils können Position und Form des Gingivasaums beeinflussen.     Abb. 7: Es ist nur wenig Gewebevolumen vorhanden. Bei der Planung der Form des Emergenzprofils ist daher sicherzustellen, dass die Höhe der bukkalen supraimplantären Mukosa erhalten bleibt.     Abb. 8: Reicht das Gewebevolumen aus, ist zur Ausformung des Gingivasaums stärkerer Druck auszuüben.   Abb. 9: Verwendung eines individuell angefertigten Abutments (links) und des Friktionsretentionssystems (rechts) im Vergleich.     Abb. 10: FRIADENT EstheticBase Aufbau gerade mit 1 mm Gingivahöhe. Dieser wird in der Höhe reduziert und am Rand zusätzlich abgeschrägt (rechts).     Abb. 11: Das glatte Durchtrittsprofil der Suprakonstruktion des in Abb. 1 gezeigten Falls.     Abb. 12: Das glatte Durchtrittsprofil der Suprakonstruktion des in Abb. 2 gezeigten Falls.  

DENT IMPLANTOL 15, 1, 16 ­ 21 (2011)

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