Kurzverzeichnis Implantologie
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Den Skeptikern zum Trotz: "Piezochirurgie ist heutzutage keine Knochenarbeit mehr"

Drucken aktualisiert am 16.02.2011

Auf Kongressen gilt er als Garant für informative und praxisnahe Vorträge, und seine Hands-on-Kurse und Workshops zur Oralchirurgie, Laserzahnheilkunde und Implantologie sind weltweit gefragt. Auch als Präsident der IAUSI (International Academy for Ultrasonic Surgery and Implantology) gibt er sein piezochirurgisches Fachwissen gerne und oft an seine Kollegen weiter. OA DDr. Angelo Troedhan hat sich seit 1993 mit seinem Zentrum für Gesichtsästhetik in Wien auf kosmetische Gesichtschirurgie, auf Patienten schonende Operationsverfahren mit Ultraschalltechnologie sowie auf Implantations- und Knochenaufbautechniken spezialisiert. Wir sprachen mit dem international anerkannten Wissenschaftler über die Bedeutung der Fort- und Weiterbildung im Bereich des piezoelektrischen Hochleistungs-Ultraschalls und darüber, wie sich die "Blackbox Piezo-Power" für alle Praktiker öffnen lässt.

OA DDr. med. dent. Angelo C. Troedhan.
OA DDr. med. dent. Angelo C. Troedhan.


DI: Dr. Troedhan, die Piezochirurgie erscheint vielen Zahnärzten nach wie vor als kompliziert und mit vielen möglichen Fehlerquellen behaftet. Was würden Sie dem noch nicht so versierten implantologisch tätigen Zahnarzt raten?
Troedhan: Einfach einen Praxiskurs besuchen und dann selbst mit eigenen Augen, Ohren und Händen erfahren, wie einfach, exakt und vor allem berechenbar Oralchirurgie auf höchstem Level sein kann. Bei unserem letzten Praxiskurs an der Universität Vientiane hat ein durchaus ultraschall-skeptischer Kollege sein erstes vertikales Kammsplitting durchgeführt. Er konnte dadurch überhaupt erst Implantate einsetzen und war zutiefst überrascht, wie einfach, schnell und präzise ihm die Operation ohne sonderliche Hilfestellung meinerseits von der Hand ging. Ohne einen modernen Ultraschallgenerator, wie das Piezotome für die Parodontal- und Piezochirurgie, sind solche Operationen jedoch fast nicht ­ oder nur nach sehr langem Üben ­ durchführbar. Denn mit dem dualen System von Satelec ist Oralchirurgie keine Knochenarbeit mehr. Übrigens: Die Skepsis der Zahnärzte gegenüber der Piezochirurgie am Anfang und die positive Verblüffung und Begeisterung, wenn sie das Verfahren dann selbst ausprobiert haben, erleben wir in all unseren Workshops weltweit ­ ob nun in Europa, Afrika, USA oder in Asien.

DI: Warum haben praktische Kurse solch einen hohen Stellenwert für Sie? Troedhan: Gerade in der Piezochirurgie ist es eminent wichtig, das zugrunde liegende physikalische Prinzip zu begreifen. Da wir ein sehr junger Fachbereich der Oral- und Kieferchirurgie sind und unsere IAUSI-Akademie erst seit 2007 existiert, gab es für die Zahnärzte und Kieferchirurgen bislang keine Gelegenheit, die Grundlagen der Ultraschallchirurgie richtig zu erlernen. Hier gilt unser tiefer Dank vor allem der DGZI, die als erste Organisation unter der Federführung von Dr. Vollmer, Dr. Briant und Dr. Valentin die Ultraschallchirurgie in das Curriculum "Implantologie" integriert hat. Wir wollen die "Blackbox PiezoPower" für alle Praktiker öffnen, denn sie ermöglicht dem niedergelassenen Zahnarzt eine berechenbare und umfassende Patientenversorgung mit einfachen Mitteln. Der Zahnarzt muss seine Patienten für Knochenvermehrungsmaßnahmen nun nicht mehr woanders hinschicken. Und auch so simple Dinge wie die Entfernung verknöcherter Wurzelreste geht nun leicht von der Hand ­ ohne dass der halbe Patientenkiefer dafür zerstört werden muss. Wie gesagt: Bei unseren weltweiten Kursen mit mittlerweile mehreren tausend Teilnehmern haben selbst die größten "Skeptiker von Berufs wegen" eingestehen müssen, dass die Ultraschallchirurgie mit einem modernen Hochleistungsgerät die tägliche Arbeit maßgeblich erleichtert und einige Operationsverfahren überhaupt erst möglich macht.

DI: Sie waren vor kurzem in Skandinavien unterwegs und haben auf Einladung der Firmen Unident und Acteon in Dänemark, Schweden und Norwegen Vorträge und Workshops zum "Bone Management" gehalten. Welchen Stellenwert hat die Implantologie derzeit in Skandinavien?
Troedhan: Nun, ja. Was soll ich dazu sagen? Die skandinavischen Länder sind unter der Ägide von Prof. Dr. Branemark ja das Ursprungsland der modernen zahnärztlichen Implantologie, gefolgt von Deutschland mit Prof. Dr. Schilli, Dr. Kirsch und Dr. Ackermann. Dementsprechend finden wir dort nach wie vor ein sehr hohes chirurgisches Niveau, aber auch ein großes Interesse, wenn es um neue präimplantologische Verfahrensmöglichkeiten geht ­ wie beispielsweise das von unserer TKW-Forschungsgruppe entwickelte IntraLift-System, das mit seinen fünf TKW-Ultraschallansätzen in Verbindung mit dem hydrodynamischen Kavitationseffekt des Piezotome einen sicheren und schonenden internen Sinuslift mit Knochenaufbau ermöglicht. Solche minimal-invasiven Verfahren haben in Skandinavien natürlich einen sehr hohen Stellenwert.

DI: Und wie verbreitet ist das piezochirurgische Verfahren dort bereits?

Troedhan: Ich habe zahlreiche Professoren und niedergelassene Zahnärzte getroffen, die mit der Ultraschallchirurgie bestens vertraut sind, jedoch mit der Performance einiger marktüblicher Generatoren bislang sehr unzufrieden waren. Zum Glück gibt es ja seit kurzem das Piezotome 2 und das ImplantCenter 2, die aufgrund ihrer dreimal höheren Ultraschallleistung und den zwei autoklavierbaren LED-Licht-Handstücken wirklich perfekt für die so genannten "Hardcore"-Ultraschallchirurgen sind ­ nicht nur in Skandinavien! DI: Welche Erfahrungen haben Sie bei dieser Roadshow selber gesammelt? Troedhan: Ich war tief beeindruckt von der Offenheit und dem freundlichen Entgegenkommen der Skandinavier mir, meiner Organisation und dem jungen Fachbereich Ultraschallchirurgie gegenüber. Schließlich müssen wir gegen jahrzehntelang etablierte Operationsverfahren antreten und lückenlos beweisen, dass die Ultraschallchirurgie wirklich in allen Bereichen überlegen ist. Am Ende der Roadshow hatte ich jedoch den Eindruck, dass uns dieser Beweis größtenteils gelungen ist und selbst die Skeptiker bald zu "Piezo-Power-Usern" werden.

DI: Sie arbeiten seit langem eng mit der Acteon Gruppe zusammen. Welchen Nutzen sehen Sie als Zahnarzt in solch einer Kooperation?
Troedhan: Nun, die Firmengruppe hat als einzige der von unserer TKW-Forschungsgruppe mit Dr. Kurrek, Prof. Dr. Wainwright und mir kontaktierten Firmen das Risiko auf sich genommen, uns erstens zuzuhören und zweitens viel Geld in unsere Entwicklungsarbeit zu investieren. Sie dürfen nicht vergessen: Wir sind alle niedergelassene Praktiker und waren am Beginn unserer Forschungen sicherlich noch keine UniversitätsKapazunder ­ also keine besonders bekannten oder versierten Forscherpersönlichkeiten. Wir waren sozusagen "Risikokapital" für die Firma. Nichtsdestotrotz hat Acteon unsere Entwicklungsarbeit unterstützt. Und die Firma fördert auch weiterhin unsere Forschungsaktivitäten im Bereich Prototyping und Organisation von Ausbildungskursen. So etwas wäre an Universitäten mit deren begrenzten Budgets einfach nicht möglich. Sie dürfen nicht vergessen, dass in einem Hightech-Bereich wie der Ultraschalltechnologie zehntausende Euros investiert werden müssen, um von einer Idee zu einem komplikationslos funktionierenden, aber auch ergonomisch optimalen Ultraschallapplikator für die chirurgische Routine zu gelangen. Hier ist die Acteon Gruppe mit ihrer Herstellerfirma Satelec für uns ein optimaler Partner ­ und damit letztlich auch für den niedergelassenen Zahnarzt und seine Patienten, denn sie profitieren letztlich ja ebenfalls von unseren Gemeinschaftsentwicklungen.
DI: Dr. Troedhan, vielen Dank für dieses Gespräch.

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Fotostrecke
Eindrücke aus der "Bone Management Tour in Skandinavien".   Eindrücke aus der "Bone Management Tour in Skandinavien".  

DENT IMPLANTOL 14, 8, 558 ­ 559 (2010)

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