Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

Revolution in der Implantologie

Drucken aktualisiert am 09.09.2010

Die Implantologie gilt bei vielen Zahnärzten als die Königsdisziplin der Zahnheilkunde. Die Therapie erfordert eine gute Ausbildung, Detailwissen und eine hohe Konzentration des behandelnden Arztes. Dr. Wilhelm Schneider von Sirona Dental Systems in Bensheim erläutert, welche Möglichkeiten die digitale Volumentomographie (DVT) Implantologen bietet ­ insbesondere im Verbund mit der digitalen Abformung und der computergestützten Herstellung der prothetischen Versorgung ­ und warum sich eine Investition lohnt.

Integrierte Implantatplanung: Die mit CEREC konstruierte Restauration wird in den 3D-Datensatz des DVT eingerechnet.
Integrierte Implantatplanung: Die mit CEREC konstruierte Restauration wird in den 3D-Datensatz des DVT eingerechnet.


DI: Dr. Schneider, was kann die DVT leisten und wie lässt sie sich für die Implantologie einsetzen?
Dr. Schneider: Grundsätzlich eröffnet die dreidimensionale Bildgebung der Zahnmedizin neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten in Chirurgie, Prothetik, Kieferorthopädie und Zahnerhaltung. Das Verfahren bildet im Röntgenbild alle Strukturen dreidimensional ab und erlaubt die Darstellung der Anatomie des Kiefers in allen Ansichten und Schnitten ­ in hoher Auflösung und Bildqualität bei deutlich geringerer Strahlendosis als bei CT-Aufnahmen. Allein schon aus forensischen Gesichtspunkten, also bei der Absicherung von Diagnosen, führt deshalb künftig kein Weg an der digitalen Volumentomografie (DVT) vorbei. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit DVT lassen sich die knöcherne Situation sowie die prothetischen Erfordernisse wesentlich exakter darstellen als bei herkömmlichen Verfahren (intraoraler Zahnfilm, Aufbiss- und Schädelaufnahmen). Diesen fehlt einfach die dritte Dimension, um eine eindeutige Diagnose und ein sicheres Therapiekonzept zu erstellen. Bei der 3D-Röntgenfamilie (GALILEOS Compact, GALILEOS Comfort und ORTHOPHOS XG3D) von Sirona kommt noch hinzu, dass sich erstmals 3D-Röntgendaten mit CEREC-Daten verbinden lassen. Dadurch erhalten Zahnärzte die Möglichkeit, Implantate chirurgisch und prothetisch simultan zu planen.

DI: Welche Vorteile bietet die simultane chirurgische und prothetische Implantatplanung?
Dr. Schneider: Der Zahnarzt sieht das Knochenangebot, den exakten Gingivaverlauf und ­ bereits beim Planen ­ das gewünschte Ergebnis. Er kann das Implantat gleichzeitig anhand der chirurgischen und prothetischen Rahmenbedingungen ausrichten. So gewinnt er Sicherheit in der Ästhetik und vermeidet beispielsweise eine Gefährdung der Langzeitstabilität durch asymmetrische Belastung. Darüber hinaus verbessert das Verfahren die Patientenkommunikation, denn bereits beim Beratungsgespräch kann sehr genau gezeigt werden, wie die geplante Versorgung aussehen wird. Das Implantat kann dann mit Hilfe einer exakt gefertigten Bohrschablone millimetergenau gesetzt und die Versorgung mittels CEREC oder inLab genau so wie versprochen umgesetzt werden. Der durchgängige Workflow spart Zeit. Die guten klinischen Ergebnisse überzeugen die Patienten. Weil der Zahnarzt mehr sieht auf dem Röntgenbild und sicherer implantiert kann er schrittweise sein implantologisches Angebot ausweiten. Das alles erhöht auch die Wirtschaftlichkeit der Zahnarztpraxis.

DI: Inwieweit verändert sich der Arbeitsablauf für den Behandler?
Dr. Schneider: Das ist eine kleine Revolution, die hier in der Implantologie stattfindet! Bislang plant ein Behandler ein Implantat anhand des chirurgischen Befundes. Die prothetische Versorgung muss sich nach Einsetzen des Implantates den postoperativen Gegebenheiten anpassen. Das führt gelegentlich zu Komplikationen und ästhetischen Kompromissen. In Kombination mit CEREC wird die Behandlung umgedreht: Wie beim CEREC-Verfahren üblich nimmt der Zahnarzt zunächst einen optischen Abdruck von Zahnlücke, Nachbarzähnen und Antagonisten. CEREC schlägt dann ­ anhand des biogenerischen Aufwachskonzeptes nach Professor Mehl ­ eine Krone vor, wie sie die Natur für exakt diesen individuellen Fall vorsehen würde. Dieser Datensatz wird mit Hilfe der Software Galaxis 1.7 in das 3-D-Röntgenbild von GALILEOS integriert und passgenau überlagert. Sowohl die chirurgische als auch die prothetische Situation lässt sich in dieser Ansicht perfekt beurteilen. Das Implantat wird im Mittelpunkt der Kronengrundfläche und in deren Einschubrichtung vorgeschlagen. Der Zahnarzt stimmt nun die chirurgische Orientierung des Implantates und die Ausrichtung von Abutment und Krone miteinander ab. Somit kann schon bei der Planung des Implantats nicht nur das Knochenangebot sondern auch die Ausrichtung der gewünschten Restauration berücksichtigt werden. Für die Visualisierung des Implantates wird ein 3DModell des vom Anwender ausgewählten Implantatsystems verwendet, so dass der Vorschlag sofort, einfach und schnell auf seine Realisierbarkeit überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden kann. Auf Basis dieser Planung kann eine zentral gefertigte, hochpräzise und preiswerte Bohrschablone direkt oder über das Labor von SICAT (Bonn) bezogen werden. Das garantiert nicht nur eine sichere Implantation, sondern auch die exakte Umsetzung der prothetischen Planung.

DI: Für welche Zahnarztpraxis ist die integrierte Implantatplanung interessant?
Dr. Schneider: Grundsätzlich bietet der Einsatz von GALILEOS für jede ambitionierte und zukunftsorientierte Zahnarztpraxis besondere Vorteile. Die Kombination mit CEREC ist darüber hinaus für jeden CERECAnwender, der mehr implantieren möchte oder der gerade mit dem Implantieren beginnt, ein Muss.


DI: DVT-Geräte sind kostspielig in der Anschaffung. Ab wann lohnt sich eine Investition?
Dr. Schneider: Das Preis-Leistungs-Verhältnis variiert natürlich je nach Anbieter und Ausstattung. Eine Reihe von Argumenten sprechen jedoch unabhängig vom Hersteller für eine derartige Investition: Bei Zahnarztpraxen, die viel implantieren, rechnet sich ein DVT alleine schon über die Abrechnung der Röntgenscans. Zahnärzte, die gerade mit Implantationen beginnen, können mittels DVT deutlich besser abschätzen welche Behandlungen sie sich noch zutrauen können und welche Fälle sie besser überweisen. Grundsätzlich implantieren Zahnarztpraxen und Kliniken mit DVT jedoch eher mehr. GALILEOS-Anwender sprechen in einer Umfrage von einer Steigerungsrate von 20 Prozent; entsprechend hoch ist die Zufriedenheit. Auch dass Patienten nicht mehr länger für 3D-Röntgenaufnahmen überwiesen werden müssen ist ein Vorteil. Damit können Entscheidungen schneller getroffen werden und das gesamte Procedere beschleunigt sich. Neben der Zeiteinsparung gewinnt die Absicherung des forensischen Risikos auch in Deutschland eine immer größere Bedeutung. Vor Gericht wird im Zweifelsfall eine 2D-Panorama-Aufnahme nicht mehr akzeptiert.

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DENT IMPLANTOL 14, 5, 340 ­ 341 (2010)

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