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Orientierungs-und Entscheidungshilfe für dentale Produkte und Leistungen >>Zu den VergleichenLangzeitprovisorischer Implantatzement zur Befestigung von Suprakonstruktionen
DruckenIst die bedingt abnehmbare Befestigung implantologischer Suprakonstruktionen bei Zirkondioxidrestaurationen möglich? In Zusammenarbeit mit der Firma DETAX entwickelte Zahnarzt Andreas Blesch aus Karlsruhe einen dauerbeständigen Acrylatzement, der sich für nachträgliche Korrekturen an der Suprakonstruktion auch wieder lösen lässt. Im folgenden Beitrag berichtet er über seine dreijährige klinische Erfahrung und gibt Einblicke in Indikation, Verarbeitung sowie die gesamte Methodik.

Abb. 1: Chipping bei glasbasiertem Zirkonkeramik.
Komplizierte Verschraubungen verteuern nicht nur die Kronen-Brückentechnik auf Implantaten, sie sind auch ästhetisch und hygienisch nachteilig [14]. Eine spätere Wiederabnahme der Konstruktion zu Kontrollzwecken oder zum Austausch von Dämpfungselementen wurde bei kleinen Einheiten überflüssig [8,9]. Bei Verblendmetallkonstruktionen ist die Ausfallquote [3], von der Galvano-Technik abgesehen, durchweg gering und das Risiko bei der definitiven Zementierung mit ZinkOxid-Phosphatzement überschaubar. Bei metallischen Konstruktionen werden auch häufig rein temporäre Zemente verwendet [2,4,11,12]. Bei der Befestigung vollkeramischer Restaurationen setzt sich, speziell bei Frontzahnrekonstruktionen aus Lithiumdisilikatkeramik, ein Trend zu adhäsiven Komposits, speziell auf Zirkonabutments fort [7]. Kompositüberschüsse lassen sich nur schlecht und kaum kontrollierbar entfernen [2]. Die leider große Häufigkeit von Chipping bei glasbasierten Zirkonkeramiken [1,5,6] sehe ich nach meinen Erfahrungen bei einer unlösbaren Zementierung als sehr problematisch. Gerade die Versorgung von Stützzonen zur Sicherung oder Rekonstruktion der vertikalen Kieferrelation mit Implantaten ist ein erheblicher Vorteil gegenüber herausnehmbarem Zahnersatz. Die häufig nach langwieriger Anpassung (Schienen, Langzeitprovisorium) gewonnene UK-Position sollte auch nach definitiver Versorgung nochmals nachkorrigierbar sein! Durch die reversible Variante der Zementierung mit einem neuen acrylatbasierten dauerflexiblen Zement können solche Fälle ohne teures Langzeitprovisorium sofort nach der Schienentherapie definitiv versorgt werden.
Material und Methode
Um diesen beiden Problemen Abhilfe zu schaffen, wurde bei der Fa. DETAX ein permanenter acrylatbasierter dauerflexibler Zement entwickelt. Er erfüllt, da er dual- und lichthärtend ist und obendrein semitransparent, alle Voraussetzungen, um Vollkeramikrekonstruktionen dauerhaft und ästhetisch einzugliedern, jedoch immer mit der Option, die Suprakonstruktion mit geringstem Aufwand beschädigungsfrei abnehmen und innerhalb von kürzester Zeit reinigen und wiederbefestigen zu können. Gerade bei großen aufwendigen Konstruktionen ist die Abnahme zu Kontrollzwecken eine mühelose und kurze Angelegenheit. Inklusive der klinischen Prüfung seit Markteinführung des Produktes, wird der seit der IDS 2009 eingeführte Zement implantlink® semi jetzt seit drei Jahren in meiner Praxis eingesetzt. Da ein Produkt in ähnlicher Zusammensetzung schon längere Zeit als provisorischer Zement auf dem Markt ist, wurde implantlink® semi auch öfter schon bei gemischt Implantat / natürlicher Pfeiler getragenen Brückenkonstruktionen eingesetzt bisher ohne Probleme. Reaktionen der Pulpa blieben aus. Nur in Ausnahmefällen kam es zu vorzeitigen Ablösungen, die sich bei Überprüfung jedoch fast ausnahmslos auf eine zu geringe Passung bzw. zu hohe Filmstärke oder Feuchtigkeitszutritt während der Eingliederung zurückführen ließen. Besonders zu erwähnen wäre, dass die ursprünglich definierten Wandstärken für ZrO2 bei natürlichen Pfeilern im Randbereich deutlich überschritten werden müssen. Das sollte bei dem normalerweise bei implantologischen Suprakonstruktionen ordentlich vorhandenen Platzangebot kein Problem sein. Mit seinem hervorragenden Fließvermögen und der niedrigen Filmstärke von nur 8 µm eignet sich der Zement auch für jedes andere Gerüstmaterial!
Indikationen
- Ausreichende Friktion am Abutment/ geringe Zementfilmstärke
- Höhere Wandstärke des Gerüstes (Zirkon mind. 0,8 mm)
- Bevorzugte Indikation sind alle großen mehrgliedrigen Suprakonstruktionen
- Alle Gerüstwerkstoffe sind kompatibel
- Vorbehalt von Farb-, Form- oder Bisslagenkorrektur
Tief subgingival verlaufende Präparationsgrenzen sind deutlich sicherer zu säubern als das mit konventionellen Systemen, insbesondere Composite, der Fall ist. Entscheidend für die Haftung, insbesondere auf poliertem Titan, ist eine trockene Oberfläche.
Fazit
Abschließend lässt sich sagen, dass diese Zementierungsmethode bei in regelmäßiger Kontrolle befindlichen Patienten und richtiger Indikationsstellung den implantatprothetischen Alltag erheblich leichter macht. Auch bei zahngetragenen Kronen und Brückenversorgungen nach Bisshebung bzw. Bisslagekorrektur könnte das Material für die Zeit des Probetragens wegen des einfacheren, schnelleren Handlings eine sichere Alternative zu konventionellen provisorischen Zementen sein. Weitere Indikationen: Durch die extrem niedrige Filmstärke und das außerordentliche Fließvermögen ist implantlink® semi auch als zusätzliche Abdichtung bei verschraubten Suprakonstruktionen oder als Friktionsverbesserung bei Teilungs-Geschieben anwendbar.
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DENT IMPLANTOL 14, 7, 482 486 (2010)
Literaturverzeichnis
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