Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

Mit einem minimalinvasiven Eingriff ein Maximum an Ästhetik und Funktion

Drucken Von Andrea Bauer, Renate Bauer-Küchle    aktualisiert am 03.05.2010

Unsere schnelllebige Welt hat auch den Praxisalltag geprägt. Der Patient erwartet in möglichst kurzer Zeit ein optimales Ergebnis. Und das möglichst schmerzfrei und mit geringem Kostenaufwand.

Abb. 1: Klinische Ausgangsituation.
Abb. 1: Klinische Ausgangsituation.


Eine 36-jährige Patientin mit gepflegtem Gebiss stellte sich in unserer Praxis mit dem Wunsch nach Versorgung ihrer Einzelzahnlücke regio 46 vor. Über die Möglichkeit einer Implantation und die Vorgehensweise war sie bereits aufgeklärt. Zeitmangel und Angst vor einem so genannten "chirurgischen Eingriff" hatten sie bisher von einer Implantation abgehalten.

Nach der lokalen Infiltrationsanästhesie lingual und bukkal wurde die Implantatposition festgelegt und die Gingiva analog dem Implantatdurchmesser mit einer Schleimhautstanze in Form eines kleinen Pfropfens entfernt (Abb. 3). Mit dem Pilotbohrer Durchmesser 2,7 mm erfolgte die Initialbohrung bis 12,5 mm Länge (Abb. 4). Das anschließend angefertigte Röntgenbild als so genannte Messaufnahme (Abb. 5) bestätigt den richtigen Abstand zu den Nachbarstrukturen wie Mandibularkanal und Nachbarzähne. Danach wurde das Implantatbett mit zwei weiteren Bohrern aufsteigenden Durchmessers auf die finale Bohrung aufbereitet. Der folgende Handgriff ist bereits das Eindrehen des Implantates (K.S.I.-Bauer-Schraube, Bad Nauheim) mit der integrierten Einbringhilfe (Abb. 6). Bei 25 Ncm löst sich die Einbringhilfe und das Implantat wird mit der Drehmomentratsche (Abb. 7) weiterversenkt, bis der Teller der Hohlkehle leicht subgingival liegt (Abb. 8). Bei einem D2-Knochen wie im vorliegenden Fall konnte mit 70 Ncm eine ausgezeichnete Primärstabilität erreicht werden. Das abschließende OPG zeigt die optimale Implantatposition (Abb. 9). Da das Zahnfleisch nicht aufgeklappt wurde und somit keine Abheilung des Weichgewebes abgewartet werden muß, konnte der Abdruck für die Krone in gleicher Sitzung durchgeführt werden.

Ausgangssituation



Nach eingehender intraoraler Untersuchung und Anfertigung eines OPGs (Abb. 1 und 2) konnte ich der Patientin guten Gewissens versprechen, dass in ihrem Fall eine so genannte minimalinvasive Implantation möglich sei, d. h. Betäubung mit wenig Lokalanästhesie nur im Lückenbereich, keine nachfolgenden Schmerzen oder Schwellungen, keine berufliche Beeinträchtigung am Folgetag und nur zwei bis drei Behandlungstermine insgesamt.

Einheilphase



Für den Langzeiterfolg der K.S.I.-Bauer-Schraube ist eine reizlose Einheilung unter absoluter Ruhigstellung für den Zeitraum von vier bis sechs Wochen empfehlenswert. Bei Einzelzahnversorgungen verwenden wir die weiße Kunststoffkappe als Grundlage für das Provisorium. Ein Überabdruck mit den Nachbarzähnen ermöglicht die schnelle Anfertigung eines Provisoriums nach Art einer Marylandbrücke (Abb. 12). Die Implantatkrone muß außer Okklusion stehen und die lingualen Flügel verhindern Zungendruck und gewährleisten Stabilität. Während der Einheilphase traten keinerlei Komplikationen auf. Das Weichgewebe hat sich durch das Provisorium optimal ausgeformt, sowie durch Eingliedern eines Gingivaformers. Nach sechs Wochen wird das Provisorium gegen eine VMK-Krone ausgetauscht (Abb. 13).

Resümee



Diese minimalinvasive Vorgehensweise beinhaltet mehrere Vorteile. Für den Behandler ergibt sich die Möglichkeit, den Knochen im vorgesehenen Implantationsbereich zu sondieren und ggf. zu glätten. Auch verhindern wir so ein eventuelles "Einarbeiten" von Epithel oder Bakterien bei der Pilotbohrung. Da wir keine Deperiostierung vornehmen, verbessert sich im Gegensatz zur Implantation mit Aufklappung die Weichgewebssituation. Eine stramme Anlagerung der Gingiva an den Implantathals verhindert das Eindringen von Mikroorganismen durch das Saumepithel. Die Einteiligkeit des Implantatsystems und das Fehlen des Mikrospaltes verhindern die gefürchtete Knochenresorption. Für den ängstlichen oder kranken Patienten ist diese Implantations-Vorgehensweise eine akzeptable Möglichkeit, da kein Blut fließt, keine Naht erforderlich wird und keine Nachbehandlungen notwendig sind. Lediglich Veränderungen der Essgewohnheiten und mitgegebene Hygienemaßnahmen müssen für ca. sechs Wochen eingehalten werden.

 

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Fotostrecke
Abb. 2: Röntgenologische Ausgangssituation.   Abb. 3: Schleimhautstanzung.   Abb. 4: Initalbohrung.   Abb. 5: Röntgenmessaufnahme.   Abb. 6: Integrierte Eindrehhilfe.   Abb. 7: Drehmomentratsche.   Abb. 8: Reizlose Gingiva.   Abb. 9: Röntgenkontrolle.   Abb. 10: Übertragungskappe zur Abdrucknahme.   Abb. 11: Weiße Kunststoffkappe mit Klickeffekt.   Abb. 12: Ruhigstellung des Implantates.   Abb. 13: Harmonische Gingiva nach Eingliedern der Krone.   136 139 DI 02 ksi 014  

DENT IMPLANTOL 14, 2, 136 – 139 (2010)

Renate Bauer Küchle

Renate Bauer-Küchle

Eleonorenring 14

61231 Bad Nauheim

Tel.: 0 60 32 / 3 19 12

Fax: 0 60 32 / 45 07

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