Kurzverzeichnis Implantologie
Kurzverzeichnis Implantologie

Therapiefokus Medizin, Tissue Care, Parodontologie, Periointegration, Implantologie

Leitfaden Plastische Chirurgie Kosmetische Parodontologie

Drucken Von Prof. Dr. Rainer Buchmann    aktualisiert am 16.06.2011

Defensives Management, Gewebequalität und Vaskularisation sind die biologischen Grundlagen einer erfolgreichen kosmetischen und regenerativen Therapie. Kernbausteine sind Split-Lappentechniken, die freie Transplantatchirurgie und Mikronahtversorgungen. Die am Tissue Care Konzept beteiligten Faktoren Entzündungsfreiheit, Durchblutung, Volumen, Lagestabilität und Fixation sind sorgfältig aufeinander abzustimmen.




Medizinrelevanz Die plastische Chirurgie erfordert Talent, langjährige Operationserfahrung und ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Plastische Chirurgen genießen ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Durch die Vielzahl der am operativen Management beteiligten Einflussgrößen unterliegen die Behandlungsprognosen in der kosmetischen Chirurgie im Gegensatz zur Knochenchirurgie einer hohen Variabilität. Wie in der Medizin gilt dies auch für die Zahnheilkunde. Folgende Schlüsselfaktoren erhöhen den Behandlungserfolg nachhaltig:
  • Lokal: Direkter operativer Zugang, solides Knochenangebot, kollagenreicher Gewebephänotyp, hohe Vaskularisation, keine Narbenbildung, Ausschluss von Funktionsstörungen.
  • Regional: Fehlen von Allgemeinerkrankungen wie Organtransplantation, Tumorerkrankungen, HIV-Status, Diabetes mellitus oder Medikationen wie Cortison, Immunsuppression oder veränderter Gerinnungsstatus.

Da die genannten Voraussetzungen selten ideal zusammentreffen, sind die Ergebnisse der kosmetischen Chirurgie – gerade bei rekonstruktiver Behandlung – stets ein Kompromiss des Machbaren. Ein gefäßarmes, elastisch dünnes Bindegewebe erfordert mangels Gewebestabilität häufig schon nach 2 bis 5 Jahren Nachoperationen durch Volumenaufbau oder Gewebereposition. Die Fallprognosen sind individuell, die Vorhersehbarkeit ist zurückhaltend zu beurteilen. Patientenalter, Allgemeinerkrankungen, Umfang der Störung und Regenerationspotential der beteiligten Gewebe sollten als medizinrelevante Faktoren mit einkalkuliert werden. Auch muss das gesamte Spektrum der parodontalen Sanierung ausgeschöpft sein.

Richtige Behandlungsplanung

Die Einhaltung der systematischen Behandlungslogik mit den Strukturbausteinen 1 bis 6 bietet die beste Grundlage für eine erfolgreiche kosmetische Therapie:
  1. PZR und PAR-VB
  2. Medizinische Therapie
  3. Parodontale Mikrochirurgie
  4. Extraktion / Implantation
  5. Volumenaufbau
  6. Kosmetische Therapie

Plastische Chirurgie

Im Zuge einer verbesserten Lebensqualität oder infolge einer prothetischen Neuversorgung entwickeln Patienten häufig Wünsche an ein natürliches Erscheinungsbild. Plastisch chirurgische Korrekturen führen zu einer:
  • erhöhten Selbstverständlichkeit (Authentizität),
  • Natürlichkeit der persönlichen Ausstrahlung (Reden, Lachen usw.) und
  • Leichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen (Kontakt).

Information über die Möglichkeiten, Lenkung der Erwartungshaltung auf das Machbare und Aufklärung über die Behandlungskosten sind Kernleistungen im Tagesgeschäft: Die ideale Erwartungshaltung muss auf eine reale Grundgröße gebracht werden. Dies bedeutet für den Zahnarzt Detailkenntnis in der oralen Biologie, der Gewebequalität, der Vaskularisation und Erfahrung in der Weichgewebschirurgie (Split-Lappentechnik, Mobilisation von Gewebelagen, Fixierung etc.) sowie gegebenenfalls auch Zusammenarbeit mit einem fähigen Zahntechniker im Vorfeld der Therapie.

Parodontologie

Die kosmetische Parodontologie rekonstruiert den Gingivaverlauf (Emergenzprofil). Patienten fragen diese Behandlungen selten nach. Ein Modellbefund und Fotodokumentation sind forensisch unerlässlich. Weit fortgeschrittene mukogingivale Störungen mit anlagebedingt dünnem Knochen und gingivalem Phänotyp II mit graziler Gingiva, geringer Vaskularisation und hohen elastischen Faseranteilen sollten palliativ betreut werden (Abb. 1).
Bilder
Abb. 1: Weit fortgeschrittene skelettale Störungen mit gingivalem Phänotyp II sollten in der Praxis nur palliativ therapiert werden.   Abb. 2: Lokale mukogingivale Störung mit ungünstiger Tensionsbelastung, komprimierter Gefäßversorgung und reduziertem Stoffwechsel im vestibulären Knochensegment.   Abb. 3: Zustand nach orthodontischer Protrusion mit schwachem gingivalem Phänotyp und fehlender Ernährungsgrundlage regio 31.   Abb. 4: Split-Lappentechniken, die Mobilisation verschiedener Gewebelagen und die Lappenfixation sind mikrochirurgische Grundbausteine der kosmetischen Parodontalbehandlung.   Abb. 5: Je nach skelettaler Disposition, Vaskularisation, Knochenangebot und funktioneller Belastung durch Fehlfunktion oder Habits unterliegen die erzielten Volumenbefunde erneuten Remissionen.   Abb. 6: Patientenwunsch nach kosmetischer Verbesserung der Lachlinie (Emergenzprofil) bei gesunden Oberkieferfrontzähnen.   Abb. 7: Die funktionelle Verbreiterung durch freies Schleimhauttransplantat entlastet die Gewebespannung. Durch Narbenbildung werden Mikroinzision und Lappenmobilisation erschwert.   Abb. 8: Mikrochirurgische Tunnelierung des Frontzahnsegments zur Vermeidung ausgedehnter Lappenpräparationen als Alternative zum koronalen Verschiebelappen.   Abb. 9: Zur Erleichterung der Vor-Ort-Vaskularisation intraoperative Volumenauffüllung durch freies Bindegewebe mit primärer Transplantatfixierung.   Abb. 10: Semilunarinzision im Bereich der mukogingivalen Grenze mit koronaler Rotation des tunnelierten Brückenlappens.   Abb. 11: Übergangsheilung drei Wochen nach plastischkosmetischer Korrektur der Lachlinie.   Abb. 12: Zunehmende Gewebeintegration und Volumenadaptation nach sechs Wochen.   Abb. 13: Operative Regeneration des Knochenschadens regio 11, 12 durch kosmetisch verdeckten oralen Zugang mittels Papillenbrückenlappens.   Abb. 14: Kompletter Verzicht auf sichtbare Inzisionstechnik mit Erleichterung der Applikation von Regenerationsprotein und Förderung der Wundheilung.   Abb. 15: Lappenfixation durch Matrazennaht mit Ösentechnik zur Optimierung der interpapillären Gewebeadaptation, Durchblutung und Heilung.  
  1. Funktionelle Defizite: Mukogingivale Schäden werden bei leichten Dehiszenzen (z. B. Frenulum) durch Dissektion, Laserseparation oder freiem Schleimhauttransplantat korrigiert (Abb. 2 und 3). Bedarfsweise erfolgt im zweiten Schritt eine koronale Gewebereposition, die durch freies Bindegewebe (Volumen) zusätzlich unterstützt werden kann.
  2. Kosmetische Störungen: Rezessionen werden am besten durch koronale Lappenverschiebung korrigiert (Abb. 4 und 5). Alternativ wird zur Vermeidung ausgedehnter Lappenpräparationen die Tunneltechnik mit einer Semilunarinzision des mobilisierten Brückenlappens zur Koronalverschiebung kombiniert (Abb. 6 bis 12).
  3. Knochenschäden: Es erfolgt immer ein mikrochirurgischer Zugang von oral mit Micro-Access-Lappenbildung unter Einlagerung von Regenerationsprotein wie Osteora oder Emdogain (Abb. 13 bis 15).

Funktionelle Störungen mit Fehlbelastung (Habbits, Gruppenführung bei vollständigen Stützzonen etc.) reduzieren die Behandlungsprognosen nachhaltig. Die Entnahme autogener Bindegewebstransplantate zum Volumenersatz führt häufig zu anhaltender nozizeptiver Schmerzbelastung am Gaumen. Die Entwicklung allogener oder alloplastischer Materialien wie AlloDerm (BioHorizons), Mucograft (Geistlich) ist logisch und sinnvoll, gegenwärtig leider noch nicht praxisreif.

Implantologie

Aufgrund der durch langjährige Entzündung bedingten Knochenschäden und Volumendefiziten sind die anatomischen Voraussetzungen vor Implantation weitaus komplexer.
  • Funktionelle Knochenschäden: Die Kompensation erfolgt durch Augmentation (lateral, vertikal, Sinuslift) in Kombination mit retromandibulärem Knochenblocktransplantat und Spongiosachips. Alternativ kommen Füllstoffe wie NanoBone oder Geistlich Bio-Oss® bis max. 50 % Füllanteil zum Einsatz.
  • bPeriointegration: Ein lateraler Volumenmangel an Weichgewebe wird während der Implantation durch Tunnelierung oder Rolllappentechnik korrigiert. Vertikal erfolgt die Breitenverbesserung durch freies Schleimhauttransplantat oder modifizierte Edlan-Mejchar-Schnittführung.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der kosmetischen Parodontologie hängen weniger vom Therapieverfahren als von der Vaskularisation und dem verfügbaren Knochenangebot ab. Die Rezidivneigung steigt mit dem Ausmaß der Transplantation und dem Umfang der Therapie. Aufgrund der gegenwärtig noch geringen Patientennachfrage in der Parodontologie stellt sich die Notwendigkeit funktionell rekonstruktiver Korrekturen und plastischer Maßnahmen zum Weichgewebsaufbau vor prothetischer Versorgung im Oberkiefer und bei Vorliegen von Gewebedefiziten nach Zahnverlust in der Implantologie.

Danksagung

Herrn Dr. Edgar Spörlein, Fachzahnarzt für Oralchirurgie (Geisenheim) danke ich für die Kooperation und fototechnische Realisation.

 

 

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Abb. 1: Weit fortgeschrittene skelettale Störungen mit gingivalem Phänotyp II sollten in der Praxis nur palliativ therapiert werden.   Abb. 2: Lokale mukogingivale Störung mit ungünstiger Tensionsbelastung, komprimierter Gefäßversorgung und reduziertem Stoffwechsel im vestibulären Knochensegment.   Abb. 3: Zustand nach orthodontischer Protrusion mit schwachem gingivalem Phänotyp und fehlender Ernährungsgrundlage regio 31.   Abb. 4: Split-Lappentechniken, die Mobilisation verschiedener Gewebelagen und die Lappenfixation sind mikrochirurgische Grundbausteine der kosmetischen Parodontalbehandlung.   Abb. 5: Je nach skelettaler Disposition, Vaskularisation, Knochenangebot und funktioneller Belastung durch Fehlfunktion oder Habits unterliegen die erzielten Volumenbefunde erneuten Remissionen.   Abb. 6: Patientenwunsch nach kosmetischer Verbesserung der Lachlinie (Emergenzprofil) bei gesunden Oberkieferfrontzähnen.   Abb. 7: Die funktionelle Verbreiterung durch freies Schleimhauttransplantat entlastet die Gewebespannung. Durch Narbenbildung werden Mikroinzision und Lappenmobilisation erschwert.   Abb. 8: Mikrochirurgische Tunnelierung des Frontzahnsegments zur Vermeidung ausgedehnter Lappenpräparationen als Alternative zum koronalen Verschiebelappen.   Abb. 9: Zur Erleichterung der Vor-Ort-Vaskularisation intraoperative Volumenauffüllung durch freies Bindegewebe mit primärer Transplantatfixierung.   Abb. 10: Semilunarinzision im Bereich der mukogingivalen Grenze mit koronaler Rotation des tunnelierten Brückenlappens.   Abb. 11: Übergangsheilung drei Wochen nach plastischkosmetischer Korrektur der Lachlinie.   Abb. 12: Zunehmende Gewebeintegration und Volumenadaptation nach sechs Wochen.   Abb. 13: Operative Regeneration des Knochenschadens regio 11, 12 durch kosmetisch verdeckten oralen Zugang mittels Papillenbrückenlappens.   Abb. 14: Kompletter Verzicht auf sichtbare Inzisionstechnik mit Erleichterung der Applikation von Regenerationsprotein und Förderung der Wundheilung.   Abb. 15: Lappenfixation durch Matrazennaht mit Ösentechnik zur Optimierung der interpapillären Gewebeadaptation, Durchblutung und Heilung.  

DENT IMPLANTOL 15, 4, 246 – 251 (2011)


Literaturverzeichnis

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Prof.Dr. Rainer Buchmann1

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