Buchrezensionen

Klinik, Diagnostik und Therapie

Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten

„Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten ? Klinik, Diagnostik und Therapie“.
„Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten ? Klinik, Diagnostik und Therapie“.

Diese Buchrezension soll sich dem Standardwerk von Konrad Bork, Walter Burgdorf und Nikolaus Hoede widmen. Das ca. 440 Seiten starke Buch mit dem Titel „Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten ? Klinik, Diagnostik und Therapie“ ist in der 3. Auflage als gebundene Ausgabe im Schattauer Verlag erschienen und kostet 249 Euro.

Das Gros der sich täglich vorstellenden Patienten wartet mit einer reizlosen Mundschleimhaut auf. Bei der Untersuchung der Mundhöhle und der umgebenden Strukturen ergeben sich aber nicht selten, manchmal sogar unverhofft, Befunde, welche für den Ungeübten nicht zuordenbar sind oder im Zusammenhang einer – möglicherweise bisher unbekannten – allgemeinmedizinischen Diagnose gesehen werden müssen. Es gibt Krankheitsbilder, welche ausschließlich eine orale Manifestation haben oder als Begleiterkrankung zahlreicher Allgemeinerkrankungen auftreten. Viele Begriffe sind bekannt, werden aber gerne verwechselt oder führen lediglich zu Verdachtsdiagnosen: Entzündung, Fibrom, Lichen, Soor, Leukoplakie, Präekanzerose oder Plattenepithelkarzinom. Die treffliche Beschreibung dieser Abweichungen vom Behandlungsgeschehen ist schwer, so dass die eigene Recherche meist recht dürftig ausfällt. Gerade die einschlägigen Lehrbücher zu Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten enthalten wenig zielgerichtete Informationen zum Thema Mundschleimhauterkrankungen, was die mangelnde Wertschätzung des medizinischen Themas im Bereich der Zahnheilkunde verdeutlicht.

Einem Fachbuch entsprechend wird der Leser über Normalzustand und Anatomie der Mundhöhle aufgeklärt und mit Einlassungen zur allgemeinen Pathologie der Mundschleimhaut zu den Krankheitsbildern geführt. Diese sind in 58 Kapiteln entsprechend differenziert. Anhand der folgenden zwei Beispiele soll der Aufbau und Informationsgehalt erläutert werden:

Kapitel 16: Aphtenerkrankungen nichtinfektiöser Genese: Rezidivierende Aphten sind mit Abstand die häufigsten Vertreter dieses Läsionstypus. Der spärliche Kenntnisstand zur Äthiologie und Pathogenense wird durch die Reihe der potentiellen, auslösenden Faktoren erweitert, welche es mit den vom Aphtenschub betroffenen Patienten zu diskutieren gilt. Mit einer Reihe von klinischen Bildern werden die Symptome beschrieben und die Unterformen (Minor, Major, Herpetiformer Typ) differenziert. Zur Diagnoseerweiterung könnten assoziierte Krankheiten wie Morbus Behçet, Morbus Crohn usw. herangezogen werden. Somit weist auch die Diagnostik durch makroskopisches und mikroskopisches Bild keine Außergewöhnlichkeiten auf. Die Therapie kann aus Schmerzlinderung und Maßnahmen zur Verkürzung der Aphtendauer bzw. Vermeidung neuer Aphten bestehen. Abgrenzungen zu der Manifestation von sog „solitären Aphten“, welche isoliert auftreten, zu „Bednar Aphten“, die bei Säuglingen traumatisch induziert aufgetreten und „Morbus Behçet“ mit oralen und genitalen Ulcera vervollkommnen unseren Wissenszuwachs auf dem Gebiet.

Kapitel 22: Lichen Ruber Planus: Ein kurzer Abschnitt über die Entdeckungsgeschichte führt zur Ätiologie der Krankheit, bei der ein Zusammenhang mit Goldrestaurationen nicht ausgeschlossen wird. Die klinischen Symptome sind ausführlich bebildert und in Haut-, Mundschleimhaut und Lippensymptome unterteilt. Die Autoren geben darüber hinaus Einblicke und Beschreibungen in das histopathologische Bild, wobei auf histologische Aufnahmen generell verzichtet wird. Da die letztliche Diagnosefi ndung selten eindeutig ist, werden die Abgrenzungen zu anderen Differentialdiagnosen diskutiert: Pemphigus vulgaris, vernarbtes Schleimhautpemphigoid oder Erythema exsudativum multiforme. Therapie: Da eine kausale Behandlung der Grunderkrankung nicht möglich ist, ist eine Überwachung bis zur Abheilung auf Grund der Gefahr der malignen Transformation notwendig. Zur Behandlung werden diverse Präparate in Lokaltherapie oder nötigenfalls mit systemischer Gabe empfohlen. Mit einer dezidierten Beschreibung zu den Überwachungsmaßnahmen werden die Ausführungen über dieses Krankheitsbild abgerundet.

Im Gegensatz zu den bisher bekannten und verbreiteten Atlanten zur Oralpathologie wartet dieses Nachschlagewerk mit einer praktisch-klinisch orientierten Sichtweise auf. Durch die reichhaltige Bebilderung und gute Indizierung kann sich der interessierte Behandler zielgerichtet zu Krankheitsbildern und Differentialdiagnosen fortbilden und im Behandlungsalltag schnell entscheiden, ob eine weitere Abklärung notwendig ist.

Dr. Jan-Friedrich Dehner


Weitere Informationen:

Konrad Bork / Walter Burgdorf / Nikolaus Hoede
Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten
Klinik, Diagnostik und Therapie

3., überarbeitete und erweiterte Auflage 2008, 445 Seiten, 741 farbige Abbildungen, 37 Tabellen, gebunden Zielgruppe: Dermatologen, HNO-Ärzte, Zahnmediziner, Internisten und Allgemeinmediziner · Schattauer Verlag, Stuttgart

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Jan-Friedrich Dehner

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Jan-Friedrich Dehner