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19. Treffen der ITI Sektion Deutschland

20.03.2017

Sektionstreffen.
Sektionstreffen.


Die Deutsche Sektion ist lebendiger denn je – mit momentan deutlich über 1.000 Members und Fellows und einem erneut beachtlichen Wachstum im Vergleich zum Vorjahr eine der größten nationalen Gruppierungen. Traditionsgemäß war beim Sektionstreffen der erste Tag der Wissenschaft, der zweite Tag hingegen ITI-internen, sektionsspezifischen Abläufen gewidmet.

Was für eine Woche für die Sektionsverantwortlichen der Deutschen ITI! Just sieben Tage vor dem 19. Treffen musste ein neues Veranstaltungshotel gefunden werden, da das bisherige in Reinhartshausen insolvenzbedingt überraschend schloß. Aber wie nicht anders zu erwarten, bewältigte das Team um Sektionsadministrator Thomas Kreuzwieser diese Aufgabe und fand im hessischen Gravenbruch eine attraktive Alternative.

In seinem Grußwort zeigte sich der Sektionsvorsitzende Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, der auch für das wissenschaftliche Programm verantwortlich zeichnete, erfreut, dass erneut so viele Fellows den Weg nach Frankfurt-Gravenbruch gefunden haben.

„Wir haben Neues und Beachtliches auf den Weg gebracht!“ mit dieser attraktiven Aussage leitete er das Programm des Freitagmittags ein. In der Tat war es dem Leadership-Team gelungen, facettenreiche Beiträge neuer ITI-Fellows in ein kurzweiliges Minisymposium zusammenzuführen.

Entscheidungsfindungen in der Implantologie

Den Auftaktvortrag hierzu steuerte PD Dr. Stefanie Kappel bei, die aktuelle Forschungsprojekte der Heidelberger Universitätszahnklinik vorstellte, um dann den Fokus ihrer Ausführungen auf implantologische Versorgungskonzepte zu legen. Mit einem Hinweis auf die demographische Entwicklung der bundesdeutschen Bevölkerung stellte sie zahlreiche Alternativen für die Versorgung zahnloser Kiefer vor. Beginnend mit einfachen Versorgungsformen mit lediglich der Anfertigung und Eingliederung einer neuen Totalprothese, über solche mit einem Implantat, oder zwei Implantaten, bis hin zu solchen mit sechs oder acht Implantaten. Schwerpunkt ihrer Ausführungen lag auf der Messung der Kaukraft, die mit diesen verschiedenen Versorgungsformen erzielt werden kann. Mit Implantaten wurde stets eine signifikante Steigerung der Kaufähigkeit erzielt, dies jedoch erst nach einer gewissen Adaptationsphase. Bei Mehrimplantat- Versorgungen spielten stützfeldgeometrische Versorgungen, vor allem bei ungünstiger Kieferanatomie, eine erhebliche Rolle. Je weiter distal die Implantate inseriert wurden, desto zufriedener waren diese. Ausführungen zur Versorgung zahnloser Kiefer mit einem einzigen „Zyklopenimplantat“ rundeten die Ausführungen ab, wobei sie hier auf zahlreiche Implantatverluste und Prothesenfrakturen hinwies. Dennoch berichtete eine Vielzahl der so versorgten Patienten über signifikante Verbesserung der Kaufähigkeit.

„Original auf Original – stellen Replika eine adäquate Alternative dar?“ − fürwahr ein anspruchsvolles Thema, welches Dr. Ulf Meisel gewählt hatte. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen betonte er, dass die Erzielung einer maximal ästhetischen Implantatversorgung bei Patienten höchste Priorität habe. Um ein solches zu erzielen, stehe die Vermeidung von Komplikationen im Vordergrund der therapeutischen Bemühungen. Die Verwendung von Originalteilen, z. B. bei der Abutmentwahl ist ein ganz wesentlicher Bestandteil dieser Komplikationsvermeidung. Dem Trias Abutment-Implantatschulter und Schraube kommt eine ganz wesentliche und zentrale Rolle zu. Schnittbildaufnahmen von Original- und Fremdabutments mit ihren jeweiligen Abstützungszonen dienten zur Untermauerung der zentralen Aussage Meisels: „Wir betreiben einen derart hohen Aufwand zur Erzielung bestmöglicher Ergebnisse für die Patienten, da macht es doch gar keinen Sinn an dieser zentralen Stelle der Versorgung, der Wahl des Abutments, zu sparen!“ Insgesamt sieht Meisel die Verwendung von Originalteilen als zentrales Instrument zur Vermeidung chirurgischer und prothetischer Komplikationen.

Dr. Anne Bauersachs referierte über „Indikationen und Grenzen der navigierten Implantologie im Praxisalltag“. Das Vorhaben „Mit Plan zum Ziel“, so Bauersachs ist in ein fest in der Implantologie etabliertes Verfahren, wobei hierbei verschiedene Verfahren zum Einsatz kommen. Vorrausetzung ist die Erstellung eines 3D-Datensatzes. Die Erstellung bietet weitere Vorteile, z.B. das Erkennen gravierender lingualer Knocheneinziehung, welche in über 10 % der Fälle vorkommen. Hauptvorteil der 3DDiagnostik ist jedoch die Verwirklichung eines digitalen backward-plannings und die Option der Erstellung von Insertionshilfen. Eine Verkürzung der Operationszeit durch navigierte Insertion wird durch eine deutlich verlängerte präoperative Planungsphase erkauft, signifikante Unterschiede für den Patienten bei diesem Vorgehen ergeben sich in der deutlich weniger invasiven Insertion und geringerer postoperativer Schwellung und Schmerzen. Allerdings verteuert sich der Kostenblock für den Patienten bei konsequenter Nutzung der geführten Implantation deutlich um rund ein Drittel. Als Fazit sah Frau Dr. Bauersachs navigierte Implantologie als wesentliche Erweiterung des bisherigen Spektrums.

  • Die ehemaligen Präsidenten Prof. Dr. Gerhard Wahl und Prof. Dr. Dr. Dieter Weingart mit Sektionskoordinator Thomas Kreuzwieser (von links).

  • Die ehemaligen Präsidenten Prof. Dr. Gerhard Wahl und Prof. Dr. Dr. Dieter Weingart mit Sektionskoordinator Thomas Kreuzwieser (von links).
„Risiken und Grenzen in der Implantologie – der kompromittierte Patient“ dies das Thema von PD Dr. Dr. Dr. Thomas Ziebart. Der promovierte Biologe, Zahnarzt und Arzt betonte gleich zu Beginn, dass die Implantologie ein sehr bewährtes Verfahren ist. Dennoch gilt es − gerade beim kompromittierten Patienten − diverse Komplikationsrisiken zu umgehen. Hier ist letztendlich jeder Therapeut einzeln gefordert. Unbedingt zu vermeiden sind (Bisphosphonat-assoziierte) Kiefernekrosen, unkontrollierbare Blutungen und andere lebensbedrohliche Komplikationen. Als Konsequenz fordert Ziebart die Beachtung eines risikoorientierten Entscheidungspfades − analog zur SAC-Klassifizierung. Bei Bisphosphonateinnahme sollte eine exakte Risiko-Nutzen-Analyse betrieben werden, unter unbedingter Vermeidung augmentativer Maßnahmen und ggf. Verwendung kurzer, durchmesserreduzierter Implantate. Ein ähnliches Bild beim bestrahlten Patienten, wo mindestens ein Jahr nach Bestrahlungsende abgewartet werden und immer auf eine Antibiose und eine geschlossene Einheilung geachtet werden sollte. Der entgleiste Diabetiker weist ebenfalls Störungen in der Knochenheilung auf und bereitete bei Implantationen Schwierigkeiten.

Fellow Meeting − Jahresversammlung

Nach einer harmonischen Abendveranstaltung stand der zweite Tag des Sektionstreffens ganz im Zeichen der Jahresversammlung. Auch dieser Tag startete außergewöhnlich: PD Dr. Dr. Ch. Naujoks übernahm die Funktion des „icebreakers“ und referierte eloquent und zugleich fundiert über „Festsitzende Versorgung bei unbezahnten Patienten ohne Augmentation“. Der Referent ergänzte seinen Vortagstitel mit dem Zusatz „Wahnsinn, oder kalkuliertes Risiko?“ Zielsicher nahm Naujoks in seinen Ausführungen Kurs auf die Präsentation einer Versorgungsform mit vier oder sechs Implantaten und Sofortversorgung mit festsitzendem Zahnersatz. Zwei oder vier axial gesetzte Implantate werden mit zwei deutlich angulierten Implantaten ergänzt. Dieses System kann freihändig, aber auch navigiert, durchgeführt werden. Vorteile der von ihm präferierten Versorgungform sieht Naujoks u .a. in der Stabilität, in verkürzten Einheil- und Wartezeiten und letztendlich in einer hohen Patientenzufriedenheit. Auch die vorgestellten Studien weisen dem Verfahren eine hohe Erfolgsrate zu.

Bericht des Sektionsvorsitzenden

  • Der Sektionsvorsitzende Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz war für das wissenschaftliche Programm verantwortlich.

  • Der Sektionsvorsitzende Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz war für das wissenschaftliche Programm verantwortlich.
Der Vorsitzende der Deutschen ITI-Sektion, Professor Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, wies in seinem Bericht darauf hin, dass nunmehr die 19. Jahresversammlung der hiesigen ITI-Sektion abgehalten wurde und erläuterte die Zusammensetzung der Deutschen ITI Sektion, welche eine der größten der weltweit 27 Sektionen ist. Mit weit über 1.000 Members und Fellows und zahlreichen bei der Generierung von Neumitgliedern sehr aktiven Study Clubs wurden die prognostizierten Entwicklungen des Zuwachses der ITI Sektion Deutschland mehr als erfüllt. Damit sieht sich die Deutsche Sektion vollumfänglich eingebettet in den Konsens, der im Rahmen der ITI-Vision- 2017-Konferenz im Jahre 2007 in Vitznau (Schweiz) erzielt worden war. Dort wurden als Ziele für das Jahr 201 u. a. festgelegt, dass das ITI als führende, global tätige und unabhängige wissenschaftliche implantologische Vereinigung wahrgenommen und akzeptiert wird. Weitere Ausführungen von Kleinheinz betrafen die Schwerpunktaktivitäten des deutschen ITI im vergangenen Jahr und eine Darstellung der Organisation dieser enorm gewachsenen Vereinigung. Hier fanden vor allem seine Ausführungen zum überaus erfolgreich etablierten internationalen deutschsprachigen ITI-Curriculum (für die Länder Deutschland/Niederlande und Österreich) große Aufmerksamkeit. Hocherfreut nahmen die deutschen Fellows zur Kenntnis, dass bereits das erste Curriculum voll ausgebucht war und dass nun weitere folgen.

Fortbildungs-Highlights 2017

  • Drei Referenten des „Minisymposiums“ (von links): Dr. Anne Bauersachs, Dr. Ulf Meisel und PD Dr. Stefanie Kappel.

  • Drei Referenten des „Minisymposiums“ (von links): Dr. Anne Bauersachs, Dr. Ulf Meisel und PD Dr. Stefanie Kappel.
Professor Kleinheinz richtete abschließend seinen Blick auf den kommenden ITI-Welt-Kongress, der Anfang Mai in Basel stattfinden wird. Verbunden mit der Hoffnung, dass dieser an den großen Erfolg der vergangenen Jahre anknüpfen kann, war doch der letzte globale ITI-Kongress 2014 mit über 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Genf ein sehr prägendes und überaus erfolgreiches Ereignis.

Im Herbst wird nach dem großen Erfolg vergangenes Jahr erneut ein Online-Symposium von Köln aus starten, welches sich der überaus relevanten Fragestellung „Zirkonoxid – die Alternative?“ widmen wird. Abschließend erläuterte Kleinheinz das jüngst auf den Weg gebrachte Nachwuchsprogramm der Deutschen ITI, welches mehrstufig durchgeführt werden wird. Hierzu gehören thematische „Task-Forces“, die etabliert werden, eine erste wird sich dem Thema Biomaterialien widmen, weitere sind auf den Gebieten Keramikimplantate und digitale Implantologie geplant.

ITI-International

Matthias Anner, vom ITI-Headquarter in Basel, konnte mit beeindruckenden Zahlen aufwarten und somit die Entwicklung und das starke Wachstum der weltumspannenden Organisation darstellen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Fellows und Members von einstmals 50 auf nunmehr über knapp 16.000 angestiegen. Dr. Friedrich Buck war es vorbehalten, die nationalen und internationalen Entscheidungsprozesse des ITI zu erläutern. Hier stießen vor allem die Erläuterungen über die zahlreichen ITI-Gremien, deren Verantwortlichkeiten und Entscheidungsfindungen, die beachtlichen Gelder, die die ITI für Forschungsprojekte investiert und das anstehende World Symposium in Basel auf großes Interesse.

Rückblick ITI-Sektionsaktivitäten

Der Sektionskoordinator Thomas Kreuzwieser rief alle Aktivitäten des vergangenen Jahres in Erinnerung und erläuterte im ersten Teil seiner Ausführungen das abgerechnete Budget des vergangenen Jahres und das geplante des kommenden Jahres. Kreuzwieser konnte auf ein erfolgreiches Jahr für die Sektion Deutschland, aber auch das Sektionsbüro selbst zurückblicken. Inzwischen kümmern sich sechs Vollzeitkräfte um die Belange und Erfordernisse der Deutschen Members und Fellows. Ebenso positiv fiel das Resümee des Sektionsadministrator zu den ITI-Veranstaltungen und der Präsenz der Deutschen Sektion bei wichtigen Veranstaltungen (z. B. IDS), aber auch zu denen, die für dieses Jahr geplant sind aus: „Offline und online – die Deutsche ITI-Sektion ist präsent!“, so Thomas Kreuzwieser. Hinweise zum erfolgreichen Relaunch des ITI-Net rundeten seine fundierten Ausführungen ab.

ITI Study Clubs Deutschland

Von Anfang an begleitet Prof. Dr. Dr. Andreas Schlegel das Gedeihen der deutschen ITI Study Clubs, die innerhalb kürzester Zeit eine ganz wesentliche Bedeutung in der Deutschen ITI Sektion eingenommen haben. Nunmehr 42 Study Clubs führen im Jahr gut 120 Veranstaltungen durch und erreichen hier knapp 2.000 Teilnehmer. In Rostock und im Emsland fanden zwei Neugründungen statt, zwei Study Clubs schlossen hingegen.

Bericht des Education Delegate

„Wir sind gut aufgestellt“, so Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas. Er konnte ein durchgehend positives Fazit für die Fortbildungsaktivitäten ziehen. Al-Nawas berichtete über die Education- Formate der Deutschen ITI-Sektion. Erste Erwähnung fand der Relaunch der Fortbildungsbroschüre, in welcher 20 Kurse von der Deutschen ITI-Sektion dargestellt werden. Für das kommende Jahr sind 19 Kurse geplant.

Halle 4.2, Stand K100

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Georg Bach


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Namhafte Referenten greifen bei dieser Fortbildungsveranstaltung die Themen auf, die der Praktiker täglich als Herausforderung in der Implantatbehandlung erlebt.

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