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Periimplantitis vorbeugen, behandeln und reparieren

5. Geistlich Konferenz 2020: Reparatur-Chirurgie

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Am 7. März lud Geistlich Biomaterials nach Baden-Baden zur 5. Geistlich Konferenz ein. Was damals noch niemand wusste – es war der vorerst letzte größere Kongress. Jedoch waren sich die 180 Teilnehmer im Kurhaus Baden-Baden einig, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat, die neuesten Erkenntnisse zur Reparatur-Chirurgie zu verfolgen und zu diskutieren.

In der täglichen Praxis tauchen oft Periimplantitisfälle und Defekte nach Implantatverlust und -entfernung auf – das stellt alle Behandler vor neue Herausforderungen. Dem Vorsitzenden Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden und den Verantwortlichen von Geistlich Deutschland war es gelungen ein top Programm mit hochkarätigen und sehr erfahrenen Experten zusammenzustellen. Im Fokus standen Prävention und Behandlung von Periimplantitis sowie Regenerationsmaßnahmen für Knochen und Weichgewebe nach Explantation oder Implantatverlust. Diverse Gründe können eine Therapie erschweren. Je nach Defektmorphologie sind Regenerationsmaterialien sowie therapeutische und chirurgische Fähigkeiten gefragt. Für die erfolgreiche Versorgung bedarf es der Weiterentwicklung und Etablierung neuer Behandlungsstandards.

Die Kongresseröffnung der nunmehr fünften Auflage der Konferenz übernahm Dr. Thomas Braun, Geschäftsführer Geistlich Biomaterials. Wie immer haben man sich auf ein spezielles Thema fokussiert. Da es zum Umgang mit Komplikationen nach 10 oder 15 Jahren nach Implantatinsertion wenig Literatur gebe, habe man sich für die Diskussion dieses Themas mit einer Expertenrunde aus Prof. Dr. Michael Stimmelmayr, Dr. Florian Rathe, Dr. Dr. Markus Tröltzsch, Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas und Prof. Dr. Moritz Kebschull entschieden. Dass das bisherige Konzept gut ankommt und erfahrungsgemäß die Ergebnisse der Konferenz schon frühzeitig wegweisende Tendenzen vorgeben, darüber informierte Prof. Dr. Terheyden im Anschluss nicht ohne Stolz.

  • Referenten und Veranstalter der 5. Geistlich Konferenz.
  • Referenten und Veranstalter der 5. Geistlich Konferenz.
    © Carmen Bornfleth

Eine aktuelle Studie aus März 2020 zeigt, dass je öfters an derselben Stelle implantiert wird, umso schlechter sind die Aussichten, d.h. wenn die Erstimplantation nicht gut ist, wird es beim zweiten Mal nicht besser. Terheyden: „Das müssen wir uns als Chirurg demütig im Hinterkopf behalten. Deshalb minimalinvasives Vorgehen von Anfang an, Patienten nicht zu viel versprechen, mit Respekt an die Sache gehen und ggf. auch an einen Spezialisten überweisen!“

Vermeidung von Periimplantitis

  • Prof. Dr. Michael Stimmelmayr hat Tipps zur Vermeidung von Periimplantitis.

  • Prof. Dr. Michael Stimmelmayr hat Tipps zur Vermeidung von Periimplantitis.
    © Carmen Bornfleth
Zunächst sprach Prof. Dr. Michael Stimmelmayr über „Weichgewebige Strategien zur Vermeidung von Periimplantitis“. Mit beeindruckenden Bildern zeigte er, dass Weichgewebe für Ästhetik und Funktion wichtig ist! Weitere Behandlungsfälle demonstrierten das praktische Vorgehen beim Alveolenmanagement mit Socket Seal, Implantatfreilegung in Kombination mit Vestibulumplastik sowie die Verwendung einer Weichgewebsmatrix. Wenn die Gingiva dünner als 2 mm ist, verdickt Stimmelmayr immer in dieser Sitzung für die Funktion – entweder mit Bindegewebstransplantat oder Fibrogide- Matrix, um mindestens 2-3 mm oder besser 3-4 mm zu bekommen. In Hinblick auf die Ästhetik sei dies auch wichtig, da sonst Rezessionen drohen.

Mit adäquaten Weichgewebstechniken könne das Periimplantitisrisiko reduziert werden. Neben stabilem Weichgewebe spielt die Hartgewebesituation und die Implantatposition eine wichtige Rolle, wobei die biologischen Faktoren nicht vergessen werden dürfen. Jedoch kann auch mit perfekten Weichgewebebedingungen eine Periimplantitis nicht immer vermieden werden.

Implantat raus – was nun?

  • Dr. Dr. Markus Tröltzsch sprach über die Reparatur-Chirurgie bei nicht erhaltungswürdigem Implantat.

  • Dr. Dr. Markus Tröltzsch sprach über die Reparatur-Chirurgie bei nicht erhaltungswürdigem Implantat.
    © Carmen Bornfleth
Dr. Dr. Markus Tröltzsch nahm die Reparatur-Chirurgie bei nicht erhaltungswürdigem Implantat unter die Lupe. Gelegentlich gibt es Komplikationen, wie z.B. Lockerung, Pus-Austritt, Belastungsschmerz, die den Behandlungserfolg nachhaltig verhindern und zum Implantatverlust führen. Es gilt die Ursachen zu identifizieren, situationsorientiert zu agieren und gemeinsam mit dem Patienten über einen Implantaterhalt zu entscheiden.

Als Handlungsoptionen sieht Tröltzsch entweder „die reine Entfernung des Implantats“, „Ridge Preservation zum Erhalt des Kieferkamms“ oder „die Augmentation des Kieferkamms“. Jede Variante ist mit Vor- und Nachteilen behaftet. Anhand von Fällen und überzeugenden Zahlen aus seiner Praxis zeigte er seine Erfolge und wenigen Misserfolge bei verschiedenen Therapien, u.a. mit BioOss, ReOss Titangitter und PRF.

Erfolgreiche Reosseointegration

  • Prof. Dr. Hendrik Terheyden hat noch ein paar Fragen an Dr. Florian Rathe zu GalvoSurge®.

  • Prof. Dr. Hendrik Terheyden hat noch ein paar Fragen an Dr. Florian Rathe zu GalvoSurge®.
    © Carmen Bornfleth
Vor der Mittagspause folgte ein weiteres Referat aus der niedergelassenen Praxis. Dr. Florian Rathe, der sich seit Jahren gemeinsam mit seinem Praxispartner PD. Dr. Dr. Markus Schlee mit der Periimplantitistherapie beschäftigt, weiß, dass wenn Periimplantitis schon mal da war, die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ist, dass sie wiederkommt. „Eine erfolgreiche Periimplantitisherapie erfordert die komplette Entfernung des Biofilms, die Rückgewinnung einer bioaktiven Oberfläche und die Reosseointegration“, so Rathe einleitend. Aber wie kann man das erreichen?

Rathe stellte die galvoelektrische Reinigung von Implantatoberflächen – genannt GalvoSurge® - vor. Einen ausführlichen Bericht über den innovativen Therapieansatz zur regenerativen Periimplantitistherapie finden Sie ab Seite 164 in dieser Ausgabe.

Er konnte mit Videos eindrücklich zeigen, dass eine komplette Reosseointegration von vormals infizierten Implantatoberflächen möglich ist. Es bestehe dabei eine Korrelation zwischen Knochengewinn und Defektmorphologie. Die Entscheidung, ob ein Implantat erhalten werden kann oder nicht sei schlussendlich von der Augmentierbarkeit des Knochendefektes abhängig.

  • Die Stimmung und das Interesse im Kurhaus Baden-Baden war super.
  • Die Stimmung und das Interesse im Kurhaus Baden-Baden war super.
    © Carmen Bornfleth

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantation

  • Prof. Dr. Bilal Al-Nawas richtete seinen Blick auf die wissenschaftlichen Fakten.

  • Prof. Dr. Bilal Al-Nawas richtete seinen Blick auf die wissenschaftlichen Fakten.
    © Carmen Bornfleth
Nach einer Mittagspause mit Zeit für kollegiale Gespräche und kleine Häppchen folgte das Referat vom Kliniker Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, der seinen Blick auf die Wissenschaft richtete. Bei der Frage nach Erfolg spielen Implantationszeitpunkt, Belastungsprotokolle, Bohrprotokolle, Primärstabilität, Knochenangebot und Implantatposition eine wichtige Rolle. Aber auch Diabetes mellitus, Protonenpumpenhemmer, Kortison und ein niedriger Vitamin-D-Spiegel können negative Einflüsse haben und bedürfen einer Abwägung und Aufklärung durch den Behandler bei komplexen Therapien. Bekanntlich sind Keramikimplantate weniger plaqueaffin als Titan. Allerdings ist deren Einsatz bei Risikopatienten für Periimplantitis nicht durch klinische Daten gestützt. Die Sofortimplantation gilt als anerkanntes Verfahren mit geringgradig erhöhtem Risiko für Implantatverlust. Im ästhetisch kritischen Bereich wird die bukkale Konturaugmentation empfohlen und zum Weichgewebserhalt wird die Sofortversorgung häufig kombiniert.

Weichgewebe – was sagt die Literatur?

  • Prof. Dr. Moritz Kebschull wagte einen Blick in die Literatur.

  • Prof. Dr. Moritz Kebschull wagte einen Blick in die Literatur.
    © Carmen Bornfleth
Eine Literaturrecherche zu den weichgewebigen Voraussetzung für den Implantaterfolg übernahm Prof. Dr. Moritz Kebschull. Er arbeitete heraus, dass langfristiger Implantaterfolg mit der Güte des Weichgewebes zusammenhängt. In der funktionellen Zone kann mit einem Verschiebelappen die befestigte Mukosa verbreitert werden, was eine bessere Langzeitprognose bringt. In der ästhetischen Zone gibt es verschiedene Optionen, um das Gewebe zu verbreitern. Eine Weichgewebs- Augmentation führt zu verbesserter Hygienefähigkeit und weniger Entzündung. Zudem verbessert eine erfolgreiche Weichgewebsaugmentation die Ästhetik. Als Ersatz für ein freies Schleimhauttransplantat verwendet Prof. Kebschull erfolgreich eine Kollagenmatrix.

  • Am Ende einer Geistlich Konferenz steht traditionell die gemeinsame Diskussionsrunde.

  • Am Ende einer Geistlich Konferenz steht traditionell die gemeinsame Diskussionsrunde.
    © Carmen Bornfleth
Den krönenden Abschluss der Konferenz bildete die von Prof. Dr. Terheyden und Dr. Dr. Jörg Neunzeh, Geistlich Biomaterials, geleitete Diskussionsrunde der Referenten zusammen mit den Teilnehmern. Basis dafür bildete eine in der Mittagspause online durchgeführte Umfrage. Dabei kamen weitere interessante Fakten ans Licht, die es in der Praxis zu beachten gilt. Worüber sich jedoch alle einigen waren: Das Können des Chirurgen ist ein entscheidender Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Carmen Bornfleth


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