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Erfolgreiche Augmentationen, Methoden und Materialien

50. Jahrestagung der Oberrheinischen Zahnärztegesellschaft

21.11.2017

In bewundernswerter geistiger Frische begeisterte Professor Schilli das Auditorium mit seinem Rueckblick.
In bewundernswerter geistiger Frische begeisterte Professor Schilli das Auditorium mit seinem Rueckblick.


Dr. Georg Bach aus, Freiburg, gibt nachstehend einen Rückblick auf die 50. Jahrestagung der Oberrheinischen Zahnärztegesellschaft. Im Schwerpunkt widmete man sich die Tagung der Gewebegeneration und damit der „spannenden Symbiose vieler biologischer Abläufe mit dem Ziel einer restitio ad integrum.

„Aus der Freude an der Begegnung“, wie es PD Dr. Sebastian Kühl in seinem Vorwort zum Programm der 50. Jahrestagung der Oberrheinischen Zahnärztegesellschaft nannte, ja aus der Freude an dieser (trinationalen) Begegnung begründet sich der Erfolg dieses einzigartigen Netzwerkes südbadischer, elsässischer und nordschweizer Zahnärztinnen und Zahnärzte und der Universitäten Freiburg, Straßburg und Basel. Und so war es für die deutsche Sektion der „Oberrheinischen“, wie diese liebevoll genannt wird, eine große Ehre die Jubiläumsveranstaltung im Zahnärztehaus Freiburg auszurichten und eines vorab: Roland Schlär und Jochen Schwalber, die beiden „Motoren“ der südbadischen Zahnärztegesellschaft und ihre Mitstreiter haben vortreffliche Arbeit geleistet: Ein wohl gefüllter großer Hörsaal des Zahnärztehauses, zufriedene Mienen allerorts, ob bei der Organisation, bei den Gästen, oder den Dentalausstellern – keine Frage: Die visionären Väter der Oberrheinischen hätten ihre Freude an der Jubiläumsveranstaltung gehabt.

Rückblicke und Ausblicke

Wer anders als Prof. Dr. Wilfried Schilli wäre geeigneter gewesen, den Auftaktvortrag für die 50. Jahrestagung zum Tagungsprogramm beizusteuern? War er es doch, der zu den Männern der ersten Stunde gehörte, alle damaligen Aktivposten kannte, mit ihnen zusammenarbeitete und viele, viele Jahre auch Vorsitzender war. Wer jedoch gedacht hat, Schilli würde es bei einem durch Altersmilde gekennzeichneten Rückblick belassen, der sah sich getäuscht.

Seinen Visionen für das Gedeihen dieses einzigartigen trinationalen zahnärztlichen Netzwerks sind so klar und bestimmt, wie dereinst in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Allein Kollegialität, fachlicher und interkultureller Austausch und letztendlich die zahnärztliche Expertise sind Garanten für das Vorankommen der Gesellschaft und dies losgelöst von nationalen Unterschieden im Vergütungs- und Versicherungssystem!

In idealer Weise knüpfte sein Nachfolger im Amt des Chefs der Kieferchirurgischen Abteilung an der Universität Freiburg, Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen an die Ausführungen Schillis an, der definierte „Was ist eine Innovation“. Sein Ausblick galt nicht nur therapeutischen Optionen, nein auch künftige diagnostische Optionen standen im Fokus seiner Ausführungen.

So wie dereinst die Gründung der Oberrheinischen Zahnärztegesellschaft klar innovativen Charakter hatte, sind solche außergewöhnlichen, den üblichen Rahmen sprengenden Visionen Motor für das gesellschaftliche Weiterkommen und das der Medizin.

Das wissenschaftliche Programm

Die 50. Jahrestagung widmete sich dem Thema der Gewebegeneration und damit der „spannenden Symbiose vieler biologischer Abläufe mit dem Ziel einer restitio ad integrum“, wie es der Oberrheinischen-Präsident PD Dr. Sebastian Kühl nannte.

Den Auftakt hierzu steuerten die Parodontologen bei – in der guten „oberrheinischen Tradition“ stehend, taten dies die Hochschullehrer der drei Universäten Basel, Straßburg und Freiburg: Prof. Dr. Clemens Walter widmete seine Ausführungen der Therapie von Molaren, die einen Furkationsbefall aufwiesen und zog eine klare Trennlinie zwischen den (limitierten) Optionen der Regeneration und denen der Resektion.

In Anlehnung an die Arbeiten der Carnevale Gruppe stellte Walter ein modifiziertes System zum Erhalt von starkem Stützgewebsverlust betroffenen Molaren vor. Von der Universität Straßburg referierte Prof. Dr. Olivier Huck über die Modulation der parodontalen Entzündung und deren Regeneration und gab einen umfassenden Überblick über die in Frankreich vornehmlich durchgeführten parodontalchirurgischen Maßnahmen.

Dem hochrelevanten Thema der Weichgewebsdefekte widmete Frau Prof. Dr. Ratka Krüger von der Universität Freiburg ihre Ausführungen, sie betonte, wie sehr erst in den letzten Jahren der Fokus auf die Sanierung von Weichgewebsdefekten gelegt wurde, welche in der frühen Phase der chirurgischen Parodontologie noch eine untergeordnete Rolle gespielt hatten.

Über den Tellerrand geschaut …

Fester Bestandteil einer Jahrestagung der Oberrheinischen ist der Festvortrag, der in der Regel einem nicht zahnärztlichen Thema gewidmet ist. So war es auch bei der 50. Jahrestagung und dem besonderen Ereignis entsprechend, konnte auch ein besonderer Referent gewonnen werden: Professor Dr. Eberhard Schockenhoff von der Theologischen Fakultär in Freiburg, einer der renommiertesten Moraltheologen Deutschlands sprach zur ethischen Debatte um die Prinzipien zahnärztlichen Handelns.

Die Frage der Allokation zog sich wie ein roter Faden durch die Ausführungen des Freiburger Hochschullehrers: Schockenhoff, der auch die Bundesregierung im Ethikrat berät, bestärkte das Ansinnen der Zahnmedizin weiterhin sich alleine am Wohlergehen für den Patienten als Maßsstab zu orientieren und sich von den mannigfaltigen aktuellen Störfaktoren nicht beeinflussen zu lassen.

Seine klare Empfehlung: „Lassen Sie sich als Zahnärzte nicht dazu verführen das Zahnarzt-Patienten-Verhältnis auf eine reine Vertrags- und Kundenbasis zu reduzieren!“

Dissertationspreis der Oberrheinischen

Um den Dissertationspreis der Oberrheinischen bewarben sich dieses Jahr drei Kolleginnen der Universitäten Freiburg, Basel und Straßburg. Kollegin Laura Wanner (Freiburg) stellte ihre Forschungsergebnisse zur Entnahme-Morbiditär bei Augmentation von Beckenkammknochen vor, sie präferierte hier klar den anteriosuperioren Zugang, welcher sich durch eine niedrige postoperative Komplikationsrate auszeichnet; Kollegin Leonie Frösch (Basel) berichtete über die Temperaturentwicklung bei Implantatbettaufbereitung und verblüffte das Auditorium mit dem Ergebnis, dass die direkte Bohrung (einmaliger Akt) weniger Erwärmung, wie das mehrzeitige Bohren erzeugte, wobei das offene Vorgehen deutlich geringere Erwärmung, wie das mit guided-surgery-Systemen bedingte. Letztendlich konnte Dr. Sonia Deschamp-Lenhard über die Zusammenhänge von Parodontitis und chronischer Nierenerkrankung referieren und in ihrer Literaturauswertung neben der Zuckererkrankung, Nikotin und Bluthochdruck die Parodontitis als einer der Risikofaktoren für das Ausbilden einer Nierenerkrankung definieren.

Alveolarkammdefekte - Augmentationen

Wenn gutartige und zystische Kieferläsionen entfernt werden, so verbleibt in der Regel ein profunder Knochendefekt, der wiederum in der Regel augmentative Maßnahmen bedingt, um eine weitere prothetische Versorgung zu ermöglichen.

Dr. Fabien Bornert stellte neueste Forschungsergebnisse und OP-Techniken vor, die ein anderes Procedere präferieren – das der Entfernung unter maximaler Schonung des umgebenden Knochens.

Zahlreiche Fallbeispiel zu Ameloblastomen und Zysten verdeutlichen die profunde Erfahrung die das Straßburger Team mit diesem minimalinvasiven Verfahren bereits sammeln durfte. Ein Blick in die Zukunft stellte onkologische Maßnahmen als weitere Option in Aussicht.

PD Dr. Sebastian Kühl steuerte ebenfalls einen bemerkenswerten Beitrag zum wissenschaftlichen Programm bei, er referierte über die Sinuslift-OP und die Verwendung von Knochenmaterialien. Kühl stellte klar: Die alleinige Verwendung von Eigenknochen im sinus ist keinesfalls mehr gold-standard, nein ganz im Gegenteil die alleinige Verwendung von TCP und von HA sind überaus bewährte und weitaus weniger invasive Verfahren.

Ebenfalls der präimplantologischen Augmentation widmete Dr. Fabian Duttenhöfer (Freiburg) seine Ausführungen, er sprach über „Bone-Split versus Knochenaugmentat“. Wann immer möglich wendet der Freiburger Chirurg die bone-split-Technik an, denn dann, so Duttenhöfer, „steht das Implantat im besten Knochen, den es gibt, dem eigenen!“ Allerdings gibt es klare Limitationen, bei deren Überschreitung dann doch zum Augmentat gegriffen werden sollte.

Die systemische Sklerose ist in der Zahnmedizin ein eher weniger bekanntes Thema, wie wichtig war es, dass deshalb Dr. Sophie Jung (Straßburg) die oralen Manifestation dieser seltenen Erkrankung definierte und vorstellte. Frau Dr. Jung arbeitet im Zentrum für seltene Krankheiten der Universität Straßburg und vermochte mit zahlreichen klinischen Bildern die mannigfaltigen Manifestationen dieser Erkrankung in unserem Fachbereich darzustellen. Ihre Empfehlungen: Frühe Intervention, schonende und kurze Eingriffe und ein regelmässiges Recall-System.

Die Generalversammlung der Oberrheinischen mit Neuwahlen, bei denen die Freiburger Professorin Katja Nelson die Nachfolge von PD Sebastian Kühl im Präsidentenamt antrat, beendete die überaus gelungene Jubiläumsveranstaltung.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Georg Bach


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