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„Regeneration 360°” lautete das Motto im Kap Europa

6. Nationales Osteology Symposium in Frankfurt am Main

Den wissenschaftlichen Vorsitz hatten die zwei Frankfurter Prof. Dr. Dr. Dr. Sader und Prof. Dr. Frank Schwarz.
Den wissenschaftlichen Vorsitz hatten die zwei Frankfurter Prof. Dr. Dr. Dr. Sader und Prof. Dr. Frank Schwarz.

Am 20.und 21. April trafen sich knapp 300 Kongressteilnehmer zum 6. Nationalen Osteology Symposium im Kap Europa in der Mainmetropole. Den wissenschaftlichen Vorsitzenden Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader und Prof. Dr. Frank Schwarz war es gelungen zum Motto „Regeneration 360°“ ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Hochkarätige Referenten beleuchteten in Workshops, Foren und im wissenschaftlichen Symposium die vielen Facetten der modernen oralen Geweberegeneration.

Das zweitägige Symposium startete am Freitag mit einem attraktiven und vielfältigen Workshop-Tag. Beachtliche 14 Hands-On-Workshops fanden über den Tag verteilt statt. Diese wurden von der Osteology und Geistlich Biomaterials organisiert und durchgeführt. Die Themen reichten dabei von komplexen Augmentationen (PD Dr. DR. Ronald Bucher), Weichgewebemanagement (Prof. Dr. Ralf Rößler), plastisch-ästhetischer PA-Therapie (Prof. Dr. Dr. Anton Sculean), Bone Splitting (PD Dr. Dr. Andres Stricker), Regeneration mit PRF (Prof. Dr. Shahram Ghanaati) bis hin zu Sinuslift (Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen) und Alveolenmanagement mit PD Dr. Dietmar Weng.

Gut besuchtes Praktikerforum

Parallel stand am Freitagmittag ein Praktikerforum auf dem Programm. Zum Auftakt konnte Prof. Sader den Chirurgen und Osteologen Prof. Dr. Michael Amling aus Hamburg ankündigen. Auf humorvolle Art vermittelte er sein breites Wissen zum kontinuierlichen, physiologischen Knochenerneuerungsprozess, 6-fach erhöhtem Knochenbruchrisiko durch Magensäureblocker und klärte auf, dass jeder gegen Vitamin-D-Mangel aktiv was unternehmen sollte. Zur Entscheidungsfindung für die Verwendung von Scaffolds sprach im Anschluss Prof. Dr. Winfried Wagner. Aus der Praxis berichtete Dr. Karl-Ludwig Ackermann über aktuelle Entwicklungen und regulatorische Aspekte von Thrombozytenkonzentraten für den chirurgischen Einsatz. „Jeder chirurgische Eingriff ist eine gewollte Verletzung, deshalb muss ich wissen, wie ich am Ende heilen kann.“ Auf Basis seiner langjährigen Erfahrung hielt er ein Plädoyer für die Anwendung von A-PRF und I-PRF als klinisch und verfahrenstechnisch einfache adjuvante Methode zur Verbesserung weichteilchirurgischer Maßnahmen. Sie biete in der Summe mehr Vorteile in der Wundheilung, was den Mehraufwand begleitender Herstellungsverfahren rechtfertige. Allerdings fehlt es aktuell noch an ausreichend externer Evidenz. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen für die Praxis ging es weiter im Vortrag von Prof. Dr. Dr. Knut Grötz zu seinem Spezialthema „Knochenstoffwechsel und Antiresorptiva“. Für die Indikationsfindung einer Implantation bei Patienten mit antiresorptiver Therapie (Bisphosphonat- oder Denosumab-Medikation) hat das Risiko einer Kiefernekrose eine große Relevanz. Deshalb soll ein Laufzettel die Evaluation des individuellen Risikos erleichtern (abrufbar unter www.onkosupport.de). Dr. Markus Schlee (Forchheim) berichtete aus der Praxis über die klinische Anwendung von Scaffolds in der oralen Geweberegeneration. Über Kenntnisse in Notsituationen in der klinischen Praxis sprach Dr. Puria Parvini und zum guten Schluss gab Prof. Dr. Thomas Ratajczak einen Überblick zu rechtlichen Aspekten für die klinische Praxis.

  • Im Osteology-Workshop mit Prof. Dr. Dr. Anton Sculean wurde die plastisch-ästhetische PA-Therapie am Schwein geübt.
  • PD Dr. Dr. Markus Schlee gab sein Wissen zum Komplikationsmanagement weiter.
  • Im Osteology-Workshop mit Prof. Dr. Dr. Anton Sculean wurde die plastisch-ästhetische PA-Therapie am Schwein geübt.
  • PD Dr. Dr. Markus Schlee gab sein Wissen zum Komplikationsmanagement weiter.

Wissenschaftsforum

Eine weitere Attraktion hatte der erste Tag noch zu bieten: Im Wissenschaftsforum präsentierten Kliniker und Wissenschaftler in Kurzvorträgen ihre innovativen Forschungsprojekte. Tags darauf wurden die durch das wissenschaftliche Komitee ausgewählten Erstplatzierten von Dr. Jonas Lorenz prämiert: Sarah Al-Maawi (Frankfurt) und Dr. Katrin Becker (Düsseldorf) gewannen eine kostenlose Teilnahme an einem der Osteology Research Academy Kurse 2018.

Wissenschaftliches Programm

  • Bone Splitting war das Thema im Geistlich-Workshop mit PD Dr. Dr. Andreas Stricker.

  • Bone Splitting war das Thema im Geistlich-Workshop mit PD Dr. Dr. Andreas Stricker.
    © Bornfleth
Das wissenschaftliche Symposium am Samstag bot eine hochstehende Plattform für Wissensaustausch von international und national tätigen Klinikern und Praktikern. Die Referenten gaben in zwanzigminütigen Referaten ihr Statement zum Themenkomplex ab. Im Anschluss wurde jeweils unter Moderation von Prof. Dr. Sader und Prof. Dr. Schwarz „hart aber fair“ diskutiert.

Die erste Session beschäftigte sich mit Biomaterialien – pro und kontra. Einen Überblick zu biologischen Aspekten, Materialkunde und Auswahlkriterien von Hartgewebematerialien gab Prof. Dr. Franz-Josef Kramer (Göttingen). Für die Hartgewebeaugmentation mit Knochenersatzmaterial sprach sich Prof. Dr. Bilal Al-Nawas (Mainz) aus. Die Hartgewebeaugmentation mit autogenen bzw. allogenen Transplantaten favorisiert hingegen Prof. Dr. Hendrik Terheyden (Kiel). Heftig diskutiert wurde über die Relevanz von Allografts. Es zeigte sich, dass alle drei keine Fans alloplastischer Materialien sind. Einstimmig wurde die Wichtigkeit von Studien zur Wirkung und Nebenwirkung neuer Knochenersatzmaterialien gefordert.

  • Pro und Kontra Biomaterialien (von links): Prof. Dr. Bilal Al-Nawas, Prof. Dr. Franz-Josef Kramer und Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden.

  • Pro und Kontra Biomaterialien (von links): Prof. Dr. Bilal Al-Nawas, Prof. Dr. Franz-Josef Kramer und Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden.
    © Bornfleth
„Welcher Scaffold für welche Indikation?“ war das Thema der zweiten Session. Über konfektionierte Scaffolds klärte Prof. Dr. Katja Nelson (Freiburg) auf. Dr. Dr. Keyvan Sagheb (Mainz) sprach über sein Konzept mit individualisierten Scaffolds. Die Wundheilung mit biologisierten Scaffolds wurde von Prof. Dr. Ghanaati thematisiert. Die anschließende Diskussion brachte zutage, dass PRF zwar die Wundheilung beschleunigt, jedoch keine Membran oder Knochenersatzmaterial ersetzt. Für die Wahl des passenden Scaffolds ist jeweils die richtige Indikationsstellung entscheidend.

Das nächste interessante Battle war die Diskussion „Pro und Kontra Weichgewebeaugmentation“ mit PD Dr. Daniel S. Thoma (Zürich), der an der Entwicklung der resorbierbaren, volumenstabilen Kollagenmatrix Fibro-Gide maßgeblich beteiligt war, und PD Dr. Gerhard Iglhaut, der die konträre Meinung vertrat. Er präferiert autologes Material in der Augmentation. Er sprach über die Evolution der Techniken zur Rezessionsdeckung und die minimalinvasive Tunneltechnik. Wie erwartet wurde im Anschluss kontrovers und proaktiv diskutiert.

  • Prof. Dr. Shahram Ghanaati berichtete über seine positiven Erfahrungen mit PRF.

  • Prof. Dr. Shahram Ghanaati berichtete über seine positiven Erfahrungen mit PRF.
    © Bornfleth
Die abschließende Session zum Kongressmotto „360° Regeneration“ forderte Prof. Dr. Stefan Fickl, PD Dr. Dietmar Weng, PD Dr. Markus Schlee und Dr. Paul Weigl heraus. Es ging um Zahnerhalt, Zahnextraktion, Implantatentfernung und Regeneration sowie das Socket Chamber Concept.

Fazit

Es war wieder einmal ein sehr gelungener Kongress, den die Osteology seinen Gästen geboten hat. „Linking Science with Practice in Oral Regeneration“, das Motto der Osteology Stiftung, wurde über zwei Tage hinweg zum Nutzen der Anwesenden greifbar. Eine Fortsetzung gibt es schon im nächsten Jahr – auf dem Internationalen Osteology Symposium vom 25. bis 27. April 2019 in Barcelona. 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Carmen Bornfleth


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