Veranstaltungen

Osteology Symposium 2016 in Monaco:

Das „Warum“ und „Wie“ der regenerativen Therapie

Im Grimaldi Forum in Monaco trafen sich im April über 2.300 Wissenschaftler und Praktiker.
Im Grimaldi Forum in Monaco trafen sich im April über 2.300 Wissenschaftler und Praktiker.

Vom 21. bis 23. April war Monaco der Treffpunkt für alle, die an oralen regenerativen Therapien interessiert sind. 2.311 Wissenschaftler und Zahnärzte aus 67 Ländern waren zum 5. Internationalen Osteology Symposium gekommen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde THE BOX vorgestellt. Die globale Community Plattform stellt Hilfsmittel und Informationen zur Verfügung und soll alle vernetzen, die in der oralen Regeneration tätig sind.

  • Das Plenum war fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

  • Das Plenum war fast bis auf den letzten Platz gefüllt.
Alle drei Jahre wird das Symposium von der Osteology organisiert. Wissenschaftler und Zahnärzte aus der ganzen Welt nahmen an den interessanten Präsentationen, Workshops und Kursen teil. Das diesjährige Motto „Das WARUM und WIE der regenerativen Therapie lernen“ hatte es in sich. Los ging es am Donnerstag mit 12 Partner-Workshops und 8 Osteology-Workshops. Diese boten die Gelegenheit, neueste Techniken und Materialien selbst auszuprobieren. Erstmals wurden bei einem internationalen Osteology Symposium drei Master-Clinician-Kurse angeboten. Auch diese trafen auf großes Interesse. Der offizielle Startschuss folgte am Donnerstagabend mit einem Welcome Drink in der Industrieausstellung. 49 Aussteller präsentierten hier während der Veranstaltung ihre Produkte.

Wissenschaftliches Programm

Am Freitagmorgen eröffnete der Präsident der Osteology Stiftung, Prof. Dr. Mariano Sanz aus Spanien, das wissenschaftliche Programm. Gemeinsam mit dem Fortbildungskomitee hatten die beiden Vorsitzenden des Symposiums, Prof. Dr. Friedrich W. Neukam (Deutschland) und Dr. Myron Nevins (USA) ein Programm zusammengestellt, das versprach, offene Fragen zu beantworten. Denn Zahnärzte stehen in der täglichen Praxis unzähligen Fragestellungen gegenüber: „WARUM sind bestimmte Verfahren notwendig?“, „WARUM treten Komplikationen auf?“, „WARUM ist Ästhetik so wichtig?“ aber auch „WIE heilt Gewebe optimal?“, „WIE können wir das beste Ergebnis erzielen?“ oder „WIE soll ich mit Komplikationen umgehen?“.

Anhand von Präsentationen im Rahmen von interaktiven Sessions und Diskussionen sollten innerhalb von zwei Tagen möglichst viele dieser Fragen beantwortet werden. International anerkannte Referenten vermittelten den Teilnehmern wichtige Kenntnisse für deren Praxisalltag. Durch die Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis (gemäß dem Motto der Osteology: Linking Science with Practice in Regeneration) wurden diese Themen auf Grundlage von Erkenntnissen aus der Forschung sowie anhand von Studiendaten erörtert.

„Behandlungsschemata und Konzepte müssen immer wieder überprüft werden, da sich das Wissen, insbesondere in der regenerativen Therapie, geändert hat und sich auch in Zukunft rasch ändern wird“, so Prof. Neukam. „Das Gespräch über das WARUM und WIE umfasst auch die Vorstellung von neuesten Forschungsergebnissen.“

Diese wurden teils im Klinischen Forum behandelt, aber auch in der Posterausstellung auf beachtlichen 161 Postern präsentiert.

Klinisches Forum

  • Die Workshops am Donnerstag waren fast restlos ausgebucht.

  • Die Workshops am Donnerstag waren fast restlos ausgebucht.
Dauerhafter Implantaterfolg im regenerierten Knochen war das Thema der ersten Session. Prof. Dr. Daniel Buser (Schweiz) stellte Techniken und Ergebnisse der zwei am besten dokumentierten Augmentationstechniken vor. Sowohl bei der Sinusbodenelevation als auch der GBR werden Knocherersatzmaterialien und Membrane verwendet. Buser ermahnte junge Kollegen, sich auf Forschung und Studien zu verlassen und gut dokumentierte Produkte zu verwenden.

Prof. Dr. Stephen Chen (Australien) sprach über Strategien beim Paro-Patienten. Denn hier sei das Risiko eine Periimplantitis zu entwickeln erhöht. Somit bekommt bei Prof. Chen kein Patient ein Implantat, bevor die Paro- Behandlung abgeschlossen ist. Es besteht hier ein hoher Behandlungsbedarf. Behandler müssen die Risikofaktoren für biologische Komplikationen verstehen, um die richtigen Behandlungsstrategien entwickeln zu können.

Prof. Dr. Massimo Simion (Italien) sprach über Implantatoberflächen. Nach einer praxisinternen Auswertung nach 15 Jahren kam er zum Ergebnis: „Maschinierte Oberflächen sind am sichersten. Es passieren damit die wenigsten Fehler. Manch andere Oberflächen sind auch gut, jedoch manche sind gefährlich.“

Mit kurzen Implantaten beschäftigte sich Prof. Dr. Franck Renouard (Frankreich). Er stellte fest, dass diese nichts für Anfänger seien. Denn deren Überlebensrate ist schlecht, es existiert ein biomechanisches Risiko und sie sind schwer zu platzieren. Aber die Alternative lautet Sinuslift – und der sei erst recht nichts für Anfänger...

Dr. Hadi Antoun (Frankreich) befasste sich vor der Diskussionsrunde aller Referenten mit der Sofortimplantation in der Molarenregion. Am Samstag sprach Dr. Istvan Urban aus Ungarn über die vertikale Kieferkammaugmentation. Mit beeindruckenden Aufnahmen und seinem breiten Wissen über neueste Studienergebnisse fesselte er die Zuhörer.

Innovationen der minimal-invasiven Chirurgie waren im Anschluss das Thema von Dr. Marc Nevins. Dr. Jan Derks aus Schweden sprach über die Häufigkeit und Diagnose von Periimplantitis, Dr. Mario Roccuzzo (Italien) über deren regenerativen Ansatz und Prof. Dr. Jürgen Schwarz (Deutschland) befasste sich mit der chirurgischen Therapie der Periimplantitis.

Förderung der Wissenschaft

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Komitees der Osteology Stiftung, Prof. Dr. William Giannobile aus den USA, verschiedene Programme vor, mit denen die Stiftung die Wissenschaft unterstützt. Denn eine der Kernaktivitäten sei die Bereitstellung von Geldern für Forscher. Im Jahr 2015 wurden sechs Advanced Researcher Grant und fünf Young Researcher Grants bereitgestellt. Damit hat die Osteology Stiftung seit ihrer Gründung im Jahr 2004 bereits 67 Forschungsprojekte finanziert, von denen einige zu bedeutsamen Erkenntnissen und Publikationen geführt haben.

  • Nach den einzelnen Referaten blieb noch genügend Zeit zur Diskussion (von links): Prof. Dr. William Giannobile, Prof. Massimo Simion und Prof. Dr. Daniel Buser.
  • Der Präsident der Osteology Stiftung, Prof. Dr. Mariano Sanz und...
  • Nach den einzelnen Referaten blieb noch genügend Zeit zur Diskussion (von links): Prof. Dr. William Giannobile, Prof. Massimo Simion und Prof. Dr. Daniel Buser.
  • Der Präsident der Osteology Stiftung, Prof. Dr. Mariano Sanz und...

  • ... Prof. Dr. Friedrich W. Neukam stellten sich den Fragen der Presse.
  • ... Prof. Dr. Friedrich W. Neukam stellten sich den Fragen der Presse.

Giannobile berichtete auch, dass das neue Research-Scholarship-Programm, das 2015 gestartet wurde, ein großer Erfolg geworden ist. Die Stiftung hat zahlreiche Bewerbungen aus der ganzen Welt erhalten. Bis jetzt wurden acht Stipendiaten ausgewählt. Sie stammen aus Brasilien, Deutschland, Iran, USA, Japan, Litauen und Südkorea und werden ein Jahr an einem der Osteology Research-Scholarship-Zentren in Ann Arbor, Bern, Boston, Düsseldorf, Göteborg, Madrid, Wien und Zürich verbringen.

Und zur Förderung der besten Praktiken in der Wissenschaft wurden Osteology Research Guidelines Bücher für klinische und präklinische Forschung der Osteology Community online zur Verfügung gestellt, erklärte Giannobile.

Strategische Weiterentwicklung der Osteology

Der Stiftungsrat der Osteology Stiftung wird sich darauf konzentrieren, mehr und bessere Fortbildungen für Zahnärzte und Wissenschaftler anzubieten. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus dem Vorstand, dem Expertenrat und der Verwaltung der Stiftung geschaffen, die zurzeit an einem Zukunftskonzept arbeitet.

Die geografische Expansion wird hier als sehr wichtig erachtet. Darum ist die weltweite Expansion der Aktivitäten der Stiftung ein wichtiges Ziel, das aktuell intensiv verfolgt wird.

Um die Fortbildungsaktivitäten und die geografische Entwicklung zu stärken, ist die Osteology auch zahlreiche Partnerschaften mit Universitäten, Gesellschaften und anderen professionellen Organisationen weltweit eingegangen. „Gemeinsam sind wir stärker als alleine“, betonte Mariano Sanz. „Daher versuchen wir, Synergien zu nutzen, sodass alle Beteiligten davon profitieren können und wir mehr und bessere Fortbildungen für Wissenschaftler und Zahnärzte auf der ganzen Welt anbieten können.“

Globale Vernetzung

Ein wichtiges Ziel der zukünftigen strategischen Entwicklung ist ein weltweites Netzwerk, das Forscher und Zahnärzte in der oralen Regeneration auf globalem Niveau verbindet.

Sanz erklärte, dass das zwar nicht einfach sei: „Es ist eine große Herausforderung, Wissenschaftler und Zahnärzte in einem ständig wachsenden globalen Kontext zu verbinden.“ Aus diesem Gedanken heraus wurde die neue Onlineplattform THE BOX ins Leben gerufen. Diese spielte auch gleich in Monaco eine wichtige Rolle.

Was ist in „THE BOX“?

  • Hector Rios aus Michigan präsentierte THE BOX.

  • Hector Rios aus Michigan präsentierte THE BOX.
Projektleiter Hector Rios aus den USA erklärte, dass es das Ziel sei, einen Ort zu schaffen, den man zum Thema orale Regeneration aufsucht, der alle Menschen in diesem Bereich verbindet und der neue und einzigartige Vorteile für Wissenschaftler und Zahnärzte bietet.

„Zahnärzte können das Tool CASE BOX nutzen, um klinische Fälle in der oralen Regeneration zu dokumentieren und zu bewerten. Der Benutzer entscheidet, ob er seine Fälle mit dem Netzwerk teilen, mit einem Kollegen besprechen oder doch lieber privat halten möchte.“

Weiterhin bietet THE BOX mit dem Research Wizard ein neues Tool für junge und unerfahrene Wissenschaftler. „Er führt den Benutzer Schritt für Schritt durch den Prozess der Erstellung eines Forschungsprojekts und leitet ihn zu den relevanten Ressourcen.“

THE BOX biete auch reale Zusatzvorteile für die Live-Symposien der Stiftung, und zwar nicht nur während, sondern auch nach der Veranstaltung. Auf der Osteology Monaco konnten Benutzer online auf das Programm zugreifen, alle Abstracts durchsuchen und alle Poster in einer Online-Posterausstellung ansehen. Die Autoren der Poster konnten direkt kontaktiert werden, und Fragen an die Referenten wurden während des Kongresses online gestellt.

Rios erklärte weiter, dass THE BOX auch tolle Möglichkeiten zum Netzwerken biete: Eine weltweite Interaktion wird möglich, das persönliche Netzwerk wird erweitert, neue Kontakte werden gefunden und Gespräche mit Experten können begonnen werden. Im persönlich anpassbaren Bereich findet der User die neuesten Nachrichten und Updates aus seinem Netzwerk.

Rios lud ein, sich anzumelden und Teil der globalen Osteology Community zu werden. Nur so kann diese wachsen und zu der Plattform werden, die man zum Thema orale Regeneration aufsucht. „Und das Beste“, so Rios abschließend, „ist, dass die Nutzung von THE BOX kostenlos ist“. Sanz schloss die Pressekonferenz mit den Worten: „Wir glauben, dass wir sehr gut für die Zukunft aufgestellt sind. Mit THE BOX haben wir einen ersten großen Schritt in die Zukunft getan, in der wir unsere Mission und Vision verfolgen, alle Menschen in der oralen Regeneration miteinander zu verbinden, um so Fortschritte in diesem Bereich zu machen und bessere Behandlungen zum Vorteil aller Patienten weltweit anzubieten.“

Fazit und Ausblick

Es waren wieder einmal sehr aufschlussreiche Tage in Monaco – mit sicherlich zahlreichen neuen Erkenntnissen für das internationale Fachpublikum. Es wurden sehr viele offene Fragen beantwortet, so dass die jeweils schwierigste Entscheidung – sprich die klinische Entscheidung – zukünftig leichter beantwortet werden kann.

Das nächste Osteology Symposium wird 2019 stattfinden. Termin und Ort sind bis jetzt noch offen!

Carmen Bornfleth

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Carmen Bornfleth

Bilder soweit nicht anders deklariert: Carmen Bornfleth


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