Veranstaltungen

Geistlich Konferenz 2016:

Ergebnisse und Alternativen für die Blockaugmentation

Nach Kassel und Hamburg fand die diesjährige Geistlich Expertenkonferenz am 8. Oktober in Stuttgart statt. Im Mittelpunkt das Thema „Blockaugmentation“. Der Vorsitzende Prof. Dr. Hendrik Terheyden hatte ausgewiesene Experten eingeladen, um über Ergebnisse und Alternativen zu diskutieren. 120 Teilnehmer waren der Einladung ins Dormero Hotel gefolgt – und ganz sicher haben sie dies nicht bereut!

Dr. Thomas Braun, Geschäftsführer von Geistlich Biomaterials, freute sich bei der Begrüßung auf einen intensiven Tag, an dem das komplexe Thema Blockaugmentation durchleuchtet werde. Unterschiedliche Augmentationskonzepte und sichere Biomaterialien bieten heute Alternativen zur klassischen Blocktransplantation. Das gemeinsam mit Prof. Terheyden konzipierte Format bot ausreichend Raum, um das Thema in der Tiefe zu betrachten. Denn der Zahnarzt befindet sich oft im Spannungsfeld zwischen dem Knochen aus dem Regal und der autologen Entnahme.

Horizontale und vertikale Augmentation

Dr. Dr. Andres Stricker (Konstanz) beschäftigte sich zum Auftakt mit den Indikationen und Limitationen des Bone Splittings. Als relevante Faktoren nannte er den Osteotomiespalt, die bukkale Lamelle und die maximale Spaltbreite. Alle drei Faktoren wurden mit klinischen Methoden untersucht. Als Empfehlung für die Praxis rät Dr. Sticker abhängig von der Restknochenbreite zur GBR, zum Bone Splitting im mittleren Bereich und zum Knochenblocktransplantat für schmale Ausgangssituationen.

  • Prof. Dr. Al-Nawas: „Ein Chirurg muss wissen, was er tut – und warum.“

  • Prof. Dr. Al-Nawas: „Ein Chirurg muss wissen, was er tut – und warum.“
Über Interpositionsosteoplastiken sprach Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas von der Uni Mainz. Bei der vertikalen Augmentationstechnik kann durch DVT-Aufnahme in zwei Richtungen geplant werden – backward planning für die prothetischen Aspekte und forward planning mit Blick auf die chirurgischen Aspekte. So kann jede Situation bestens eingeschätzt werden. Bei einem spitzen Kamm bringt ein Onlay-Block Vorteile, beim breiten Kamm kommt die Interpositionsosteoplastik zum Einsatz. Patienten sollten aber dennoch über Alternativen, wie z. B. kurze Implantate, aufgeklärt werden. Die Lernkurve bei der vertikalen Augmentation sei sehr groß. Der Chirurg müsse wissen und beherrschen was er tut und warum er es tut!

Auflagerungstechniken

Der zweite Themenkomplex befasste sich mit der Auflagerung. Prof. Dr. Katja Nelson (Freiburg) verglich in einem spannenden Vortrag die Blockentnahme intraoral mit dem Beckenkamm. „Autolog funktioniert eigentlich immer“, so ihre einleitende These, „jedoch können wir nicht alle Defekte mit demselben Material lösen“. Knochenblöcke unterscheiden sich durch deren Transplantatkompetenz und -architektur. Kortikaler Knochen ist resorptionsstabiler als spongiöser Knochen. Die Langzeitdaten für retromolare Knochenblöcke seien leider sehr gering. Prof. Nelson empfiehlt kleinvolumige Defekte mit einem intraoralen Knochenblock zu versorgen, bei großvolumigen Defekten gilt – zumindest an der Uni – weiterhin der Beckenkammknochen als Goldstandard.

Über Möglichkeiten, Limitationen und Komplikationen bei allogenen Knochenblöcken sprach im Anschluss Dr. Dr. Helmut Hildebrandt. Anhand von Eingriffen in seiner Praxis in Bremen mit verschiedenen Knochenblöcken, konnte er die Unterschiede bei der Handhabung, Resorption, Herkunft, Preis, etc. deutlich herausarbeiten. 3D-gefertigte Gitter seien eine ernstzunehmende Alternative.

Dreidimensionale Knochenaugmentation

  • Prof. Dr. Hendrik Terheyden, Dr. Karl-Ludwig Ackermann und Dr. Marcus Seiler diskutieren über das 3D-Titangitter.

  • Prof. Dr. Hendrik Terheyden, Dr. Karl-Ludwig Ackermann und Dr. Marcus Seiler diskutieren über das 3D-Titangitter.
Dr. Karl-Ludwig Ackermann und Dr. Marcus Seiler (beide Filderstadt) eröffneten den Themenblock „Innovationsforum“. Dr. Ackermann erörterte zu den verschiedenen Defektklassen empfohlene Richtlinien zum Erhalt vorhandener Strukturen. Dr. Markus Seiler hat ein im CAD/CAM-Verfahren patientenspezifisch hergestelltes Titangerüst entwickelt für die dreidimensionale Knochenaugmentation. Das Titangitter mit dem Name Yxoss CBR® wird zur Formgebung von neu zu bildendem Knochen chirurgisch über einem Knochendefekt als Volumenstütze eingebracht und mit einer Titanschraube am ortsständigen Knochen fixiert. Die OP-Zeit verkürzt sich signifikant. Der Defektbereich wird stabilisiert und die Form des zu augmentierenden Bereiches im Sinne der implantatprothetisch ideal geplanten Position vorgegeben. Limitationen in der Membranstabilität, Probleme bei der Membranfixation und Mikrobewegungen gelten als Herausforderungen der Membrantechnik. So war zuvor die anatomische Konturierung schwierig, die Präzision des Volumens fehlte. Mit Yxoss CBR® wird eine präzise Planung möglich.

Zahnwurzelaugmentate als Chance?

  • Prof. Dr. Frank Schwarz präsentierte neue Forschungsergebnisse zur Weiterverwendung von extrahierten Zahnwurzeln.

  • Prof. Dr. Frank Schwarz präsentierte neue Forschungsergebnisse zur Weiterverwendung von extrahierten Zahnwurzeln.
Prof. Dr. Frank Schwarz berichtete zunächst über erste Erfahrungen mit einem equinen Knochenblock zur lateralen Augmentation. Klinischen Anwendungsbeobachtungen zufolge habe der Block, der aktuell noch nicht verfügbar ist, das Potential, das Leben von Zahnarzt und Patient zu vereinfachen.

Über ein weiteres interessantes Thema berichtete Prof. Schwarz im zweiten Teil seines Referates: 13 Millionen Zähne werden pro Jahr extrahiert. Was passiert damit? Aktuell werden diese vernichtet. Es läuft derzeit eine Studie zusammen mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), in der extrahierte Zahnwurzeln, die chemisch dem Knochen sehr ähnlich sind, als Alternative zum Knochenblock Verwendung finden. Bisher kann in der klinischen Anwendung beobachtet werden, dass keine Abstoßungsreaktionen eintreten und ein vielversprechendes Implantatlager entsteht.

Präprothetische Hart- und Weichgewebeaugmentation

Prof. Dr. Dr. Alexander Schramm (Ulm) und Dr. Marcus Heufelder (München) sprachen über präprothetische Hartund Weichgewebeaugmentationen, deren Risiken und Nebenwirkungen. Bei allen Überlegungen ist es essentiell den wissenschaftlichen Hintergrund – was passiert nach einer Extraktion mit dem Knochen? – zu kennen und die Optionen abzuwägen, die helfen Defizite zu vermeiden. Finale Zielsetzung ist die Langzeitstabilität und ein zufriedener Patient. Knochen müsse dort aufgebaut werden, wo er gebraucht wird, nicht wo er hinpasst. Gut geplantes Knochenmanagement sei die Basis für gesundes Weichgewebe.

Einsatz von Plasma-Konzentraten

  • PD Sharam Ghanaati sprach über den Einsatz von Plasma-Konzentraten.

  • PD Sharam Ghanaati sprach über den Einsatz von Plasma-Konzentraten.
PD Dr. Dr. Dr. Sharam Ghanaati aus Frankfurt beschäftigt sich seit 1999 mit den Knochenersatzmaterialien und deren Verhalten und Auswirkungen bei der Wundheilung. So hat er sich das wissenschaftliche Ziel gesetzt, die Vaskularisierung von Materialien zu verbessern, um ihr regeneratives Potential zu steigern. Er berichtete über erste Erfahrungen mit Platelet-Rich-Fibrin (PRF). Das Konzentrat aus autologem peripher-venösem Blut findet seinen Einsatz in der Förderung und Akzeleration der Wundheilung und Geweberegeneration. Seine Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass es möglich ist, durch Variation des Zentrifugationsprozesses die zellulären Bestandteile des PRF sowohl in fester (A-PRF+) als auch in injizierbarer (i-PRF) Form zu manipulieren. Eine Kombination mit dem individuell gefertigten dreidimensionalen ReOss Titangitter erlaubt neue Behandlungsoptionen. Knochenersatzmaterialien können einfacher „biologisiert“ werden, was die regenerative Kapazität merklich steigern kann.

Fazit

Eine fachlich hochwertige Tagung, die für die Teilnehmer – aber auch für die Referenten – nachhaltig neue Perspektiven beleuchtete. Sicherlich werden aus der diesjährigen Veranstaltung wichtige Erkenntnisse ihren Weg in Lehre und Praxis finden. Man darf gespannt sein, welcher Themenkomplex bei der nächsten Geistlich Expertenkonferenz beleuchtet wird.

Carmen Bornfleth 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Carmen Bornfleth

Bilder soweit nicht anders deklariert: Carmen Bornfleth


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