Veranstaltungen

18. Treffen der ITI-Sektion Deutschland in Eltville

Initiativen und Neuerungen bei der Deutschen ITI-Sektion

21.03.2016

Das Leadership-Team Deutschland (von links): Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, Thomas Kreuzwieser, Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Dr. Georg Bach und Prof. Dr. Dr. Andreas Schlegel.
Das Leadership-Team Deutschland (von links): Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, Thomas Kreuzwieser, Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Dr. Georg Bach und Prof. Dr. Dr. Andreas Schlegel.

Es tut sich was in der deutschen Sektion des Internationalen Teams für Orale Implantologie! Zahlreiche neue Aktivitäten und Initiativen bedingen Veränderungen, die auf große Zustimmung stießen, aber auch eine gewisse Neugier der deutschen ITI-Fellows weckten.

So war es wenig verwunderlich, dass am dritten Februarwochenende eine außerordentlich große Anzahl deutscher ITI Fellows der Einladung zum diesjährigen Sektionstreffen Folge leisteten. Die Deutsche Sektion ist momentan mit deutlich über 1.000 Members und Fellows und einem erneut beachtlichen Wachstum im Vergleich zum Vorjahr eine der größten nationalen Gruppierungen im globalen Implantologie-Netzwerk ITI. Neben Oralchirurgen, Kieferchirurgen, Zahnärzten und Zahntechniker gehören auch Grundlagenwissenschaftler dazu. Traditionsgemäß war der erste Tag der Wissenschaft, der zweite Tag hingegen ITI-internen Abläufen gewidmet.

Wissenschaftlicher Nachmittag

In seinem Grußwort zeigte sich der im vergangenen Jahr gewählte Sektionsvorsitzende Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, der auch für das wissenschaftliche Programm verantwortlich zeichnete, erfreut, dass erneut so viele Fellows den Weg nach Reinhartshausen gefunden haben. „Wir haben einiges auf den Weg gebracht!“ mit dieser attraktiven Aussage leitete er dann auch gleich das wissenschaftliche Programm ein. In der Tat war es dem Leadership-Team gelungen, erneut facettenreiche und interessante Beiträge neuer ITI Fellows in ein kurzweiliges Minisymposium zusammenzuführen.

„Wie kann der Kompromiss zwischen maximal zu erzielender Ästhetik und komplexen Ausgangsbedingungen am besten geschlossen werden?“ – so könnte man den Tenor des hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Programmes beschreiben.

Den Auftaktvortrag hierzu steuerte Prof. Dr. Dr. Jürgen Hoffmann bei, der über Implantat getragene prothetische Rehabilitationen nach komplexen Defektsituationen sprach. Sein Referat stellte eine Retrospektive seines kieferchirurgischen Wirkens in den letzten anderthalb Jahrzehnten dar. „Kann man Lebensqualität implantieren?“ mit dieser durchaus provokanten Fragestellung stellte der Heidelberger Hochschullehrer ausgewählte Patientenfälle vor, die allesamt eine extreme behandlerische Herausforderung darstellten. Neben ausgeprägten Atrophieformen standen Situationen nach Resektion maligner Tumoren im Vordergrund seiner Ausführungen. Hofmann stellte klar: „Bei all den vielfältigen Möglichkeiten der heutigen operativen Klaviatur sollte immer der individuelle Nutzen für den Patienten im Vordergrund stehen – overtreatment sollte unbedingt vermieden werden. Anhand des in Heidelberg etablierten Behandlungspfades unter Zuhilfenahme digitaler Planungs- und Behandlungsoptionen wies Hoffmann mikrochirurgisch-revaskularisierten Knochentransplantaten (Scapula/Fibula/ Beckenkamm) eine enorme Bedeutung zu. Denn diese ermöglichen auch ausgeprägte Defektsituationen zu meistern. Neben den Optionen, auch große Knochenvolumina transplantieren zu können, haben sich hier die hohe Qualität und die Volumenbeständigkeit als vorteilhaft erwiesen.

„Ästhetik von herausnehmbaren Implantatversorgungen“, fürwahr ein anspruchsvolles Thema, welches Prof. Dr. Ralf Bürgers gewählt hatte. „Was unter den Prothesen sitzt – ob Zahn, oder Implantat – ist primär nicht von Relevanz“, so das Einführungsstatement des Direktors der Abteilung für Prothetik der Universität Göttingen. Er wies darauf hin, dass mit abnehmbarem Zahnersatz wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten bestehen, als mit festsitzendem. Kurioserweise scheint die Forderung nach einer guten Ästhetik bei abnehmbarem Zahnersatz nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, anders lässt sich der Mangel an entsprechender Literatur nicht erklären. Doch brach der Göttinger Hochschullehrer eine klare Lanze für den oftmals geschmähten abnehmbaren Zahnersatz: „Wir müssen darauf hören, was die Patienten wollen!“ – dies, so Bürgers, kann mit herausnehmbarem Zahnersatz wesentlich einfacher und konsequenter erreicht werden, als dieses Ziel mit festsitzendem Zahnersatz möglich ist. Ein praxisnaher Tipp Bürgers: „Bieten Sie dem Patienten bei der Wachsanprobe möglichst mehrere Frontzahngarnituren zur Auswahl an.“

PD Dr. Stefan Fickl referierte über „Die ästhetisch kritische Zone – Sofortimplantate oder verzögerte Verfahren“. Der Referent wies auf die durchaus anspruchsvolle Entscheidungsfindung hin, welche Art einer Implantatversorgung im ästhetisch relevanten Bereich für den Patienten individuell die beste, aber auch welche für das Erzielen langzeitstabiler Verhältnisse die optimale ist. Zu einem Zeitpunkt, wo der Hype der Sofortimplantation eindeutig abflaut, brach der Würzburger Parodontologe eine klare Lanze für die Sofortimplantation! Zwar räumte Fickl ein: „Wenn Sie Behandlungen miteinander kombinieren, dann kombinieren Sie auch die Risiken!“. Eine klare Warnung Fickl‘s, der deshalb den dicken Biotyp (dünnes Gewebe neigt zur Schrumpfung!), das Vorhandensein einer bukkalen Lamelle, die Möglichkeit eines einzeitigen Konzeptes und eine palatinale Platzierung als unabdingbare Voraussetzungen für eine Sofortimplantation definierte. Die Sofortimplantation, so Fickl, ist ein probates Mittel, Rezessionen zu minimieren, bestenfalls zu vermeiden. Hervorragend dokumentierte Fallbeispiele zum Weichgewebsmanagement rundeten seine Ausführungen ab.

Mit „Highlights on Innovation & Products“ ? dies eine der Neuerungen des 2016er-Sektionstreffen – steuerte der Industriepartner Straumann erstmals einen Beitrag bei. Wer könnte Innovationen besser darstellen und erläutern als Jürgen Nottebohm. Er zeichnet als Director Global Product Management and Surgical & SDIS New Products für den Bereich der Neuerungen und Innovationen im Portfolio des eidgenössischen Implantatherstellers verantwortlich.

Fellow Meeting – Jahresversammlung

Nach einer harmonischen Abendveranstaltung – inzwischen mit Kultstatus ausgestattet ? im Schlosskeller des Gutes Reinhartshausen stand der zweite Tag des Sektionstreffens ganz im Zeichen der Jahresversammlung.

Der besondere Vortrag

  • Dr. Kai Vietor sprach im „besonderen Vortrag“ in amüsanter und fundierter Weise über individuelle Abutments.

  • Dr. Kai Vietor sprach im „besonderen Vortrag“ in amüsanter und fundierter Weise über individuelle Abutments.
Auch der zweite Tag des Sektionstreffens startete mit einer Neuerung. Dr. Kai Vietor übernahm die Funktion des „icebreakers“ und referierte amüsant und fundiert zugleich über sein Lieblingsthema individuelle Abutments. „Was haben Turnschuhe, Müsli und Abutments gemeinsam? ? dies sein Thema! Vietor ging auf den „Megatrend Produktindividualisierung“ ein, ein Bereich, in dem heute bereits dreistellige Millionenumsätze generiert werden.

Ziel einer Produktindividualisierung, so Vietor, müsse jedoch neben einer Effizienzsteigerung auch die Erzielung einer höheren Produktqualität sein. So haben die webbasierten Optionen einer Abutment-Individualisierung ihre echte Berechtigung, da nach der online geführten Produktgestaltung neben dem Abutment auch die vorbereitete Krone (die lediglich noch individualisiert werden muss) nach wenigen Arbeitstagen in die Praxis geliefert werden. So werden dank der digitalen Optionen zahlreiche individuelle Konzepte möglich, die je nach Anspruch und Voraussetzung neben einer gesteigerten Effizienz auch einen erheblichen Zugewinn an Prozess- und Ergebnisqualität bergen. Voraussetzungen für diesen Erfolg sind die Beachtung biologischer Faktoren, wie Material, Passgenauigkeit, Optimierung der Zementierungsfuge, Reduktion von Schnittstellen, sowie technisch-funktioneller Faktoren (Optimierung von Abmessungen, Stabilität, Retentions- und Unterstützungsform, freie Formgestaltung) und ästhetischen Faktoren (Verwendung von Zirkonoxidabutments und optimierte Gewebeunterstützung). Nicht unerwähnt blieben in den Ausführungen auch Probleme und Komplikationsmöglichkeiten, wie z. B. die der Klebefuge und der Sterilisationsmöglichkeiten und die fehlende Langzeitdatenlage. Vietor unterstützte seine Ausführungen mit zahlreichen hervorragend dokumentierten Fallbeispielen aus der Praxis, die beim Auditorium ungeteilte Zustimmung hervorriefen. Fürwahr ein besonderer Vortrag und ein gelungener Auftakt für dieses neue Format!

Bericht des Sektionsvorsitzenden

  • Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz erläuterte in seinem ersten Bericht als Sektionsvorsitzender die Zusammensetzung der Deutschen ITI Sektion.

  • Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz erläuterte in seinem ersten Bericht als Sektionsvorsitzender die Zusammensetzung der Deutschen ITI Sektion.
Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz hatte vergangenes Jahr Prof. Dr. Gerhard Wahl als Sektionsvorsitzenden abgelöst, da Wahl nach zwei überaus erfolgreichen Legislaturperioden gemäß den ITI-Statuten nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stand.

Der neue Sektionsvorsitzende Kleinheinz wies in seinem ersten Bericht als Sektionsvorsitzender darauf hin, dass nunmehr die 18. Jahresversammlung des ITI abgehalten wurde und erläuterte die Zusammensetzung der Deutschen ITI Sektion, welche eine der größten der weltweit 27 Sektionen ist. Mit weit über 1.000 Members und Fellows und zahlreichen bei der Generierung von Neumitgliedern sehr aktiven Study Clubs wurden die prognostizierten Entwicklungen des Zuwachses der ITI Sektion Deutschland mehr als erfüllt. Damit sieht sich die Deutsche Sektion vollumfänglich eingebettet in den Konsens, der im Rahmen der ITI-Vision-2017-Konferenz im Jahre 2007 in Vitznau (Schweiz) erzielt worden war. Dort wurden als Ziele für das Jahr 2017 u. a. festgelegt, dass das ITI als führende, global tätige und unabhängige wissenschaftliche implantologische Vereinigung wahrgenommen und akzeptiert wird. Weitere Ausführungen von Kleinheinz betrafen die Schwerpunktaktivitäten des deutschen ITI im vergangenen Jahr und eine Darstellung der Organisation dieser enorm gewachsenen Vereinigung. Hier fanden vor allem seine Ausführungen zum im vergangenen Jahr erstmals gestarteten internationalen deutschsprachigen ITI-Curriculum (für die Länder Deutschland, Niederlande und Österreich) große Aufmerksamkeit. Hocherfreut nahmen die deutschen Fellows zur Kenntnis, dass bereits das erste Curriculum voll ausgebucht war und dass nun weitere, ggf. mit zwei Staffeln pro Jahr, folgen werden.

Abschließend richtete der Sektionsvorsitzende seinen Blick auf den kommenden ITI-Welt-Kongress, der 2017 in Basel stattfinden wird, verbunden mit der Hoffnung, dass dieser an den großen Erfolg der vergangenen Jahre anknüpfen kann. War doch der letzte globale ITI-Kongress 2014 mit über 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Genf ein sehr prägendes und überaus erfolgreiches Ereignis. Für das laufende Jahr stellte Kleinheinz zwei Veranstaltungen in den Vordergrund:

Das nächste Young ITI Meeting findet in wenigen Wochen im April 2016 in Hamburg statt. Die Elbmetropole wird Heimat dieses einzigartigen Events sein, die Vorbereitungen hierfür befinden sich in den letzten Zügen. Die einzigartige Location mitten in der Speicherstadt und ein hochrangig besetztes wissenschaftliches Programm werden, so Kleinheinz, das Young- ITI-Meeting zu einem der wichtigsten dieses Jahres werden lassen. Diese Einschätzung kann auch auf eine zweite Innovation der deutschen ITI-Sektion übertragen werden – im Herbst wird erstmals ein Online-Symposium von Köln aus starten, welches sich der relevanten Fragestellung „Das autologe Knochenaugmentat – (un)ersetzlich?“ widmen wird.

ITI-International

  • Dr. Kati Benthaus präsentierte die rasante Entwicklung und das starke Wachstum des ITI.

  • Dr. Kati Benthaus präsentierte die rasante Entwicklung und das starke Wachstum des ITI.
Dr. Kati Benthaus vom ITI-Headquarter in Basel konnte mit beeindruckenden Zahlen aufwarten und somit die Entwicklung und das starke Wachstum der weltumspannenden Organisation darstellen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Fellows und Members von einstmals 50 auf nunmehr über knapp 16.000 angestiegen. Dr. Benthaus war es auch vorbehalten, die nationalen und internationalen Entscheidungsprozesse des ITI zu erläutern. Hier stießen vor allem die Erläuterungen über die zahlreichen ITI-Gremien, deren Verantwortlichkeiten und Entscheidungsfindungen auf großes Interesse der Zuhörer.

Rückblick ITI Sektionsaktivitäten

Der Sektionskoordinator Thomas Kreuzwieser rief alle Aktivitäten des vergangenen Jahres in Erinnerung und erläuterte im ersten Teil seiner Ausführungen das abgerechnete Budget des vergangenen Jahres und das geplante des kommenden Jahres. Kreuzwieser konnte auf ein erfolgreiches Jahr für die Sektion Deutschland, aber auch das Sektionsbüro selbst, zurückblicken. Inzwischen kümmern sich sechs Vollzeitkräfte um die Belange und Erfordernisse der Deutschen Members und Fellows. Ebenso positiv fiel das Resümee des Sektionsadministrator zu den ITI-Veranstaltungen und der Präsenz der Deutschen Sektion bei wichtigen Veranstaltungen (z.B. IDS) im vergangenen Jahr, aber auch zu denen, die für dieses Jahr geplant sind, aus: „Offline und online – die Deutsche ITI-Sektion ist präsent!“, so Thomas Kreuzwieser. Hinweise zum erfolgreichen Relaunch des ITI-Net rundeten seine fundierten Ausführungen ab.

ITI Study Clubs Deutschland

Von Anfang an begleitet Prof. Dr. Dr. Andreas Schlegel das Gedeihen der deutschen ITI Study Clubs, die innerhalb kürzester Zeit eine ganz wesentliche Bedeutung in der Deutschen ITI Sektion eingenommen haben. Nunmehr 42 Study Clubs führen im Jahr knapp 150 Veranstaltungen durch und erreichen hier ca. 2.000 Teilnehmer. In Rostock und im Emsland sind zwei Neugründungen geplant.

Bericht des Education Delegate

„Wir sind gut aufgestellt“ – Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas konnte ein durchgehend positives Resümee für die Fortbildungsaktivitäten der Deutschen ITI-Sektion ziehen. Al-Nawas berichtete über den Relaunch der Fortbildungsbroschüre, in welcher 20 Kurse von der Deutschen ITI-Sektion dargestellt werden. „Die weltweit führende Lernplattform ist eindeutig die ITI-online Academy!“ mit diesem klaren Statement wies Al-Nawas auf die einzigartige Vielfalt und Qualität dieser Online-Plattform hin.

Dr. Georg Bach, Freiburg 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Georg Bach

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Georg Bach


ImpAct Masterleague Kompakt: 1. Onlinekongress der DGOI

Im September und Oktober finde die Bodenseetagung unter dem Motto „Technischer Fortschritt und Digitalisierung – was brauche ich für meine Praxis?" und das GOZ-Seminar „Die abweichende Vereinbarung § 2 GOZ – unser Freund und Helfer“ statt.

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