Veranstaltungen

Das Netzwerk Regeneration blickt in die Zukunft

Nationales Osteology Symposium in Baden-Baden

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Bereits zum 7. Mal fand das Osteology Symposium in Deutschland statt. Am 6./7. Mai traf sich das Netzwerk der oralen Geweberegeneration im Kongresshaus in Baden-Baden. Die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Frank Schwarz und Prof. Dr Søren Jepsen hatten nach viel Vorbereitungszeit ein abwechslungsreiches Programm mit hochmotivierten Referenten zusammengestellt. Eines der Highlights war das Junge Forum mit Hands-on Training für StudentInnen, junge ZahnärztInnen und BerufseinsteigerInnen.

Mit sechs parallelen Workshops ging es am Freitagnachmittag los. Im Osteology Workshop mit Prof. Dr. Dr. Anton Sculean von der zmk bern ging es um die „Chirurgische Rezessionsdeckung“. Gezeigt wurden operative Konzepte zur Optimierung ästhetischer Resultate, die natürlich auch gleich unter der Expertise des Referenten am Schweinekiefer geübt wurden.

Die praktischen Geistlich Workshops befassten sich mit Weichgewebsmanagement (PD Dr. Karin Jepsen und Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen), Rekonstruktion komplexer Kieferdefekte mit Titangitter (Dr. Alexander Volkmann), Periimplantitis (PD Dr. Dr. Markus Schlee) und Eigenblutkonzentraten (Prof. Dr. Dr. Sharam Ghanaati). Im theoretischen Kurs mit Dr. Dr. Markus Tröltzsch ging es um die Pharmakologie in der Zahnmedizin.

Das Junge Forum

Eines der Highlights des ersten Tages war jedoch sicherlich das parallel angebotene „Junge Forum“. Hier konnten hochmotivierte Nachwuchskräfte an drei Hans-On-Stationen am Schweinekiefer verschiedene Therapieschritte ausprobieren.

  • Das Junge Forum – hier mit Dr. Eik Schiegnitz.
  • Das Junge Forum – hier mit Dr. Ausra Ramanauskaite.
  • Das Junge Forum – hier mit Dr. Eik Schiegnitz.
    © Netzwerk der oralen Geweberegeneration
  • Das Junge Forum – hier mit Dr. Ausra Ramanauskaite.
    © Netzwerk der oralen Geweberegeneration

An den einzelnen Tischen ging es um Extraction Socket Management, GBR und Implantologie sowie Weichgewebemanagement. Die jungen Referierenden Prof. Dr. Benedicta Beck-Broichsitter, PD Dr. Raluca Cosgarea, Prof. Dr. Tobias Fretwurst, PD Dr. Dr. Hendrik Naujokat, Dr. Ausra Ramanauskaite PhD, PD Dr. Dr. Eik Schiegnitz und Dr. Matthias Schulz standen mit Rat und Tat zur Seite und gaben wertvolle Tipps.

Der Kongress am Samstag

Nach den erfolgreichen Workshops am ersten Tag wurde das wissenschaftliche Programm am Samstag pünktlich um 8.30 Uhr durch die zwei Kongresspräsidenten Prof. Dr. Frank Schwarz (Frankfurt) und Prof. Dr. Søren Jepsen (Bonn) eröffnet. Sie kündigten an, dass es im Laufe des Tages einen Blick in die Zukunft geben wird und Weltneuheiten vorgestellt werden.

Durch die neuen PAR-Richtlinien gab es einen spürbaren Rückenwind in verschiedenen Bereichen. So war es naheliegend, dass es in der ersten Session um die regenerative PAR-Chirurgie ging.

Regenerative PAR-Chirurgie

  • Workshop zur Chirurgische Rezessionsdeckung mit Prof. Dr. Dr. Anton Sculean.

  • Workshop zur Chirurgische Rezessionsdeckung mit Prof. Dr. Dr. Anton Sculean.
    © Netzwerk der oralen Geweberegeneration
Der bekannteste Parodontologe weltweit, Prof. Dr. Dr. Anton Sculean (Bern), sprach über die regenerative Therapie von vertikalen und Furkationsdefekten bei Stadium III Parodontitis. Er empfahlt immer feine Instrumente zu benutzen, um Narbenbildung zu reduzieren und Weichgewebe nicht zu zerstören. Sehr gerne nutze er Raspatorien.

Er gab wertvolle Tipps zu Nahttechniken und dem primären Verschluss für eine ungestörte Heilung und Vorbeugung gegen Infektion und zeigte Videos seiner Technik. Für ihn stellt Furkationsbefall keine Indikation für eine Extraktion dar. Zähne können mit relativ einfachen Mitteln über Jahre gehalten werden.

In einer übersichtlichen Form präsentierte er seine Behandlungsstrategien in verschiedenen Furkations-Klassen. Als neue Entwicklung bzw. Philosophie könnte Kollagen helfen, das Blutkoagel zu stabilisieren. Klinisch zeige eine Kollagenmatrix als Träger für Blutkoagulum gute Ergebnisse und könnte damit Therapien vereinfachen.

Es gehe aber nicht darum, Defekte zu füllen, sondern Biologie zu verstehen und Heilung zu unterstützen. Wichtig dabei seien Patientenselektion und Infektionskontrolle. Im zweiten Vortrag von Prof. Dr. Karin Jepsen (Bonn) ging es um die interdisziplinäre Therapie zwischen Parodontologie und Kieferorthopädie bei Stadium IV Parodontitis.

Sie präsentierten eine Studie, die bei der Thematik wegweisend sein kann. Die Frage ist, wann beginne ich mit den Zahnbewegungen? Es folgten beeindruckende Ergebnisse, die schlussfolgern lassen, dass bei jungen Patienten diese Option in Erwägung gezogen werden sollte.

Der Zeitpunkt der KFO kann bereits in der Frühphase beginnen Die anschließende Diskussionsrunde brachte auf Fragen aus dem Auditorium hin weitere Erkenntnisse: Voraussetzung sei eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen parodontologischer und kieferorthopädischer Expertise. Die Zahnbewegung wird durch Knochenersatzmaterial nicht behindert. Das langsam resorbierbare Bio-Oss stand der Zahnbewegung nicht im Wege – vornehmlich wurde für die Studie Bio-Oss Collagen verwendet.

Biologisierung von Biomaterialien

Die nächste Session zur „Biologisierung von Biomaterialien“ wurde moderiert von Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader (Frankfurt). Prof. Dr. Dr. Dr. Sharam Ghanaati (Frankfurt), ein absoluter Experte auf dem Gebiet der Biologisierung von Kollagenmatrices zum Weichgewebsaufbau, zeigte, dass die Art der Zentrifugation einen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis hat. Er brachte die Teilnehmer auf den neuesten Stand der Technik und stellte Ergebnisse vor, die noch nicht publiziert sind.

Grundlage ist zu verstehen, wie Wundheilung funktioniert: Was passiert, wenn Biomaterialien verwendet werden? Wie läuft Wundheilung in der Wunde ab und was passiert mit den verwendeten Materialien? So muss zum Beispiel bei einem dehydrierten Patienten mit mehr Komplikationen gerechnet werden, da sich die fehlende Flüssigkeit auf die Blutbestandteile auswirkt.

PRF ist eine wundheilungsfördernde Komponente als Ersatz für ein Material. Deshalb kann damit eine Kollagenmembran biologisiert werden. Studien haben gezeigt, dass PRF positiven Einfluss auf Socket Seal hat. Die Zukunft gehört aber auch der extraoralen Anwendung von PRF.

Kollagen mit PRF kann dem Kieferchirurgen die Möglichkeit bieten, in vielen Bereichen optimiert vorzugehen, wo bisher Wundheilungsstörungen zu erwarten waren. Wer mehr zum Thema erfahren will, sollte sich den International Blood Concentrate Day 2022 am 16. September in Frankfurt nicht entgehen lassen. Weitere Infos dazu gibt es unter www.sbcb-community.com.

Mit der Biologisierung von partikulärem Knochenersatzmaterial als Hartgewebsersatz befasste sich anschließend Prof. Dr. Reinhard Gruber (Wien). Der Knochen sei das am schlechtesten untersuchte Material – da fehle es am Sponsor.

Wie Osteoklasten und Osteoblasten funktionieren, dazu hatte Prof. Gruber einiges zu berichten. Wichtig für den Kliniker: Regeneration muss Gefäßneubildung erlauben, denn nur dann kommen Osteoklasten und Osteoblasten in das Regenerat hinein.

Periimplantatitis – was gibt es Neues?

In diesen Themenkomplex führte Prof. Dr. Schwarz ein und stellte klar, dass die nicht-chirurgische Therapie immer der erste Schritt sein sollte. Als ersten Referenten zum Thema kündigte er den „deutschen Exportschlager“ an: Dr. Jan Derks (Göteborg) sprach über die Forschung im Bereich rekonstruktiv-chirurgischer Therapie von durch Periimplantitis- verursachten Knochendefekten. Problem sei nicht der knöcherne Defekt, sondern die Krankheit liege im Weichgewebe.

Die Ursache ist an der kontaminierten Oberfläche. Deshalb ist der erste Schritt immer die Reinigung dieser kontaminierten Oberfläche. Er präsentierte die Ergebnisse einer groß angelegten Multicenter-Studie zur Thematik in Schweden, Deutschland, Italien und Spanien.

PD Dr. Dr. Markus Schlee (Forchheim) stellte im Nachgang ein neues Verfahren zur Reinigung der Implantatoberfläche in der Periimplantitis-Therapie vor. Ziel von GalvoSurge ist es, ein Implantat so sauber zu bekommen, dass die Oberfläche sauber ist und der Biofilm möglichst komplett entfernt wird.

Er stellte die Idee und Funktionsweise hinter GalvoSurge schematisch vor und untermauerte die Ergebnisse mit beeindruckenden Videos. Das absolute Ziel ist die Entzündungsfreiheit, sonst muss nach wie vor extrahiert werden.

Behandlung komplexer Fälle

  • Posterpreis-Gewinner Sebastian Gaus bei der Präsentation seines Poster Abstracts. Ein weiterer Posterpreis ging an Dr. Amely Hartmann.

  • Posterpreis-Gewinner Sebastian Gaus bei der Präsentation seines Poster Abstracts. Ein weiterer Posterpreis ging an Dr. Amely Hartmann.
    © Netzwerk der oralen Geweberegeneration
Die letzte Stunde des Kongresses war der Behandlung von komplexen Fällen gewidmet. Wie lösen die Experten einen Fall? Verschiedene Expertenrunden tauschten Ideen aus zur horizontalen und vertikalen Kieferkammaugmentation.

Moderator PD Dr. Ilja Mihatovic diskutierte mit Prof. Dr. Tobias Fretwurst (Freiburg), Dr. Till Gerlach (Oppenheim) und PD Dr. Hendrik Naujokat. Die Experten hatten zum vorgestellten Fall die unterschiedlichsten Behandlungsansätze parat. Da ging es um Titangitter, Distraktionsosteogenese, Blockaugmentate, Schalentechnik, Schirmschraube, Tunneltechnik, Knochenringtechnik und mehr.

Fretwurst: „Wir hatten gehofft, dass sich viele Vorschläge auftun, denn es ist sinnvoll eine Technik für sich selbst zu entdecken, die man perfektioniert und dabeibleibt.“ Im zweiten Teil „Grenzfälle der Zahnerhaltung“ stellte Prof. Dr. Henrik Dommisch aus Berlin einen komplexen Fall (Parodontitis Stadium 4 in Grad C) vor. Verschiedene Therapievorschläge wurden mit den Experten Derks, Schlee und Sculean und dem Auditorium durchdiskutiert.

Fazit

Prof. Jepsen übernahm am Ende eines spannenden Kongresstages die Verabschiedung: „Ich hoffe Sie haben heute viel gelernt. Ein spezieller Dank gilt der Osteology für die Organisation der ersten Tagung nach langer Zeit der Abstinenz.“

Endlich war wieder Zeit für Gespräche und Diskussionen mit Kollegen und Experten. Mehr Wissen rund um die Regeneration gibt es am 27.-29. April 2023 beim Internationalen Osteology Symposium in Barcelona.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Carmen Bornfleth


Aufruf zur Online-Umfrage für ZÄ, ZMP und DH – Studie zu Gingivawucherungen
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Prof. Dr. Christian Graetz et al., Universitätsklinikum Kiel, freuen sich über die Teilnahme an einer anonymisierten Umfrage. Zeitdauer ca. 10 Minuten. Die Studie untersucht, ob aus zahnmedizinischer Sicht eine adäquate Versorgung des o.g. Krankheitsbildes „gingivale Wucherungen“ vorliegt.