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Infektionen an Implantaten sind die größte Herausforderung für deren langfristigen Erhalt

„Ziel ist die Entzündung erst gar nicht entstehen zu lassen“

11.05.2017

Die 66. Jahrestagung der DGPro zusammen mit der DGI/Hessen findet am 19. und 20. Mai in Gießen statt.
Die 66. Jahrestagung der DGPro zusammen mit der DGI/Hessen findet am 19. und 20. Mai in Gießen statt.


Mittlerweile sind bereits viele Patienten erfolgreich mit implantat-getragenem Zahnersatz versorgt. Jetzt gilt es, den betroffenen Patienten diese Implantate möglichst lange gesund zu erhalten. Dabei stellt im Moment die sogenannte Periimplantitis die größte Herausforderung dar. Es handelt sich hierbei um eine Entzündung des Implantatbettes, die als Hauptursache für den Verlust eines Implantates gilt. Hier geeignete Behandlungsstrategien und Vorbeugemaßnahmen im Miteinander von Chirurgie und Prothetik zu finden, das ist das Hauptanliegen der 66. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Implantologie/Hessen (DGI). Die Tagung findet am 19. und 20. Mai in Gießen statt und steht demgemäß unter dem Motto „Interdisziplinäre Herausforderungen in der Implantatprothetik“.

Darüber hinaus stellen moderne Biomaterialien einen weiteren Schwerpunkt der Tagung dar - hier sind es vor allem die Hybride aus Keramik und Kunststoff, die derzeit im Fokus stehen. „Sie versuchen das Beste aus beiden Welten zu kombinieren“, weiß Prof. Dr. Bernd Wöstmann vom Zentrum für Zahnärztliche Prothetik der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er ist einer der Tagungspräsidenten und beantwortet im folgenden Kurzinterview, was es Neues gibt in seinem Fachgebiet und worauf Patienten achten sollten:

Welche neuen Errungenschaften gibt es in der Implantatprothetik und sind diese in naher Zukunft praxistauglich?

In der gesamten Zahnheilkunde ist ein starker Trend zur Digitalisierung zu beobachten. Das reicht von der digitalen Fertigung des Zahnersatzes im zahntechnischen Labor bis hin zur Erfassung der Zähne und Schleimhäute der Mundhöhle durch digitale Scansysteme, die die klassische Abformung ersetzen. Gerade in der Implantologie ermöglicht diese Vorgehensweise viele neue Behandlungsoptionen. Dies beginnt mit einer optimierten Planung der Implantatpositionen bis hin zu einer schnelleren und ästhetisch ansprechenderen Prothetik. Gerade in Verbindung mit manchen neuen Hochleistungswerkstoffen wird hier vieles möglich.

Wie lange dauert es im Durchschnitt bis eine wissenschaftliche Innovation den Weg vom Labor in die Praxis findet?

Das ist unterschiedlich und hängt ganz davon ab, um was es geht. Neue Materialien brauchen meist etwas länger, optimierte Behandlungsmethoden dagegen finden ihren Weg oft schnell in die Praxis.

Welche Rolle spielt in der aktuellen Versorgung bereits der Einsatz digitaler Verfahren?

Digitale Verfahren werden zunehmend wichtiger. Bei der Herstellung von Zahnersatz sind sie heute schon weit verbreitet und gut etabliert. Bei der eigentlichen Behandlung des Patienten - etwa digitale Abformung - dagegen eher noch weniger, aber das ändert sich immer mehr.

Gibt es neue Ansätze, um Infektionen an Implantaten künftig deutlich geringer zu halten?

Infektionen an Implantaten sind nach wie vor das größte Problem, wenn es um die langfristige Erhaltung der Implantate geht. Wenn es erst einmal so weit gekommen ist, ist das Ganze nur noch schwer unter Kontrolle zu bekommen. Das Ziel ist es daher, die Entzündung erst gar nicht entstehen zu lassen. Da kommen mehrere Faktoren zusammen. Es beginnt mit der Stellung der Implantate. Aber auch die Form des Zahnersatzes ist wichtig. Er muss so gestaltet sein, dass er vom Patienten gut gepflegt werden kann, aber dieser muss ihn natürlich auch pflegen. Der Weg ist insgesamt steinig und mühsam - die ideale und einfache Lösung gibt es leider nicht.

Für wen ist eine Implantatprothetik geeignet? Was raten Sie Patienten, die vor einer Entscheidung stehen?

Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen sind Implantate heute für fast jeden Patienten geeignet. Es ist in der Regel nur eine Frage des Aufwandes: Ist genug Knochen vorhanden oder muss erst Knochen aufgebaut werden? Wie sehen die übrigen Zähne aus? Kann man sofort implantieren oder muss erst eine Zahnfleischerkrankung behandelt werden? Soll der Zahnersatz festsitzend sein oder möchte der Patient nur eine Stabilisierung seiner eventuell schon vorhandenen Prothese?
Jeder, der vor einer Entscheidung für einen neuen Zahnersatz steht, sollte sich überlegen, was sein eigentliches Problem ist und was für ihn besonders wichtig ist: Ist es das Kauvermögen? Das Aussehen? Das orale Wohlbefinden, wie etwa stört mich ein Bügel unter der Zunge oder quer über den Gaumen? Bin ich bereit und habe ich die Zeit eine aufwendige Behandlung auf mich zu nehmen oder soll es möglichst schnell gehen? Was darf es mich kosten? Nur wenn der Zahnarzt/-ärztin hierauf eine Antwort bekommt, kann zusammen mit dem Patienten die bestmögliche Therapieoption gefunden werden.

Worauf sollte man als Patient bei der Praxis-/Klinikwahl achten?

Als Patient sollte man darauf achten, dass gerade bei Implantatversorgungen der Behandler bzw. das Team aus Chirurgie und Prothetik über ausreichende Erfahrung verfügt.

Was sind die größten Schwierigkeiten/Herausforderungen in der aktuellen Versorgungslage?

Leider ist es vor allem die Kostenfrage, die einer wirklich umfassenden Versorgung mit Implantaten entgegensteht. Hier ist es vor allem der Entwicklungsaufwand, der nach wie vor besteht und hohe Kosten verursacht. Zudem liegen die Kosten einer prothetischen Versorgung zum großen Teil beim Patienten. Natürlich gibt es auch immer eine konventionelle Alternative - ohne Implantate. Nur die ist dann leider oft nicht so komfortabel oder haltbar. Hier können aber nicht nur Industrie, Politik und Zahnärzte Abhilfe schaffen, sondern jeder einzelne muss darüber nachdenken, was ihm seine orale Gesundheit wert ist.

Erfahren Sie gern mehr über die 66. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) und deren Themen unter www.dgpro-kongress.de!

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