Implantate

Knochenaugmentationen vermeiden, Sofortversorgungskonzepte im Seitenzahnbereich realisieren

Next Level – moderne Tissue-Level-Implantate

Abb. 1: Die neue Straumann-Entwicklung TLX ist eine Kombination des bewährten Tissue-Level-Implantats mit maschinierter Tulpe und BLX, was biologische Breite in die Vertikale bringt und das Weichgewebsmanagement optimal unterstützt.
Abb. 1: Die neue Straumann-Entwicklung TLX ist eine Kombination des bewährten Tissue-Level-Implantats mit maschinierter Tulpe und BLX, was biologische Breite in die Vertikale bringt und das Weichgewebsmanagement optimal unterstützt.

An der Universität Mainz befindet sich seit Juni 2020 ein neu entwickeltes Tissue-Level-Implantat, das kurz vor der Markteinführung steht, in wissenschaftlich begleiteten klinischen Testungen. Das vollkonische Implantat mit hoher Primärstabilität kam dort bei etwa 30% der Patientenfälle in einem sehr anspruchsvollen Bereich mit Sofortversorgungskonzepten zum Einsatz sowie in Fällen, bei denen auf eine Augmentation verzichtet werden sollte und auf eine reduzierte Implantatlänge zurückgegriffen werden musste. Die Ergebnisse im Follow-Up von drei bis fünf Monaten sind vielversprechend: die Überlebensrate liegt bei 100% – bei stabilem Weichgewebsmanagement.

In der Praxis werden heute immer häufiger moderne Konzepte verlangt, die eine rasche implantatprothetische Versorgung mit möglichst minimal-invasivem Protokoll gewährleisten können – meist mit dem Wunsch auf Verzicht von Sinuslift und vertikalen Knochenaugmentationen („Avoid Augmentation“). Hier setzt die Neuentwicklung des Tissue-Level-Implantats TLX der Firma Straumann an, in die über Jahrzehnte gesammeltes Wissen, Forschung und Erfahrung miteingeflossen sind. Deren klassisches Tissue-Level-Implantatsystem gilt als eines der am besten dokumentierten Implantatsysteme auf dem Markt [5,6].

Während Bone-Level-Implantate insbesondere im ästhetischen Bereich ihren Einsatz finden, liegt die Hauptindikation von Tissue-Level-Implantaten im Seitenzahnbereich. Das neue TLX-Implantat ist eine vielversprechende Kombination aus dem bewährten klassischen Straumann® Tissue-Level-Implantat und dem konischen BLX-Bone-Level-Implantat mit aggressivem Gewinde, was explizit für die Sofortimplantation im ästhetischen Bereich entwickelt wurde. Mit einer hohen Primärstabilität aufgrund des progressiven Gewindes richtet sich die Neuentwicklung, ebenso wie das BLX-Implantat, insbesondere an Kolleginnen und Kollegen, die bereits erfahrener beim Implantieren sind.

Hohe Primärstabilität und bemerkenswertes Weichgewebsmanagement

Generell zeigen die Erfahrungen mit Tissue-Implantaten hohe klinische Langzeiterfolge und ein optimales Weichgewebsmanagement. Implantate dieses Typs sorgen nachweislich weniger häufig als Bone-Level-Implantate für periimplantäre Entzündungen oder eine Reduktion des umgebenden Knochens. Auch bei den Frühund Spätverlustraten erzielten die Tissue-Level-Implantate im Vergleich bessere Ergebnisse [2,3].

Das liegt vor allem am maschinierten Tulpen- oder Kragendesign, wo sich der Übergang der Implantatkrone suprakrestal befindet und damit der keimbelastete Mikrospalt oberhalb des Knochens liegt. Aufgrund der Tulpenform gelingt beim TLX-Implantat bereits intraoperativ ein bemerkenswertes Weichgewebsmanagement, weil die Schleimhaut direkt unter den Kragen gezogen wird, was zu einer bindegewebigen Wulst um das Implantat führt.

Neben diesen Vorzügen gehört auch die hohe Primärstabilität zu den Vorteilen der Neuentwicklung, die auf der optimalen Abstimmung von Implantatform, Oberfläche und verwendetem Material fußt. So sorgen beispielsweise die hydrophile SLActive-Oberfläche des TLX-Implantats im Vergleich zu hydrophoben Oberflächen für eine reduzierte Einheilzeit [1,7,8,10] und die Roxolid-Legierung (Titan und Zirkonium) für eine gelungene Osseointegration und hohe mechanische Stabilität [4,9,13,14].

Ab September wird das TLX-System in Längen von 6 bis 18 mm und den verfügbaren Durchmessern von 3,75 mm, 4,5 mm, 5,5 mm sowie 6,5 mm für Anwender erhältlich sein. Dabei eignet sich das vollkonische Implantat mit Ø 3,75 mm per Zulassung für alle Indikationen und ist mit klassischer, aber auch mit Narrow-Tulpe wie bei NNC zu erwerben.

Patientenfall mit TLX-Versorgung

Eine Patientin (59 Jahre) mit nicht erhaltungswürdigen Zähnen 16/17 stellte sich in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsklinik Mainz vor (Abb. 2-3). Zusätzlich lag bei ihr eine Rheumatoide Arthritis und eine subtotale Strumektomie (2012) vor, weshalb die Patientin unter der Dauermedikation von Methotrexat sowie Decortin und L-Thyroxin stand.

  • Abb. 2: Anfangsbefund der Patientin (59 Jahre): Zähne 16, 17 waren nicht mehr erhaltungswürdig.
  • Abb. 3: DVT-Aufnahme zeigt eine apikale Osteolyse in der betroffenen Region.
  • Abb. 2: Anfangsbefund der Patientin (59 Jahre): Zähne 16, 17 waren nicht mehr erhaltungswürdig.
  • Abb. 3: DVT-Aufnahme zeigt eine apikale Osteolyse in der betroffenen Region.

  • Abb. 4: Applikation von bioaktiviertem bovinen Knochenersatzmaterial Straumann® XenoFlex zur Knochenregeneration in der Region 16/17.

  • Abb. 4: Applikation von bioaktiviertem bovinen Knochenersatzmaterial Straumann® XenoFlex zur Knochenregeneration in der Region 16/17.
    © PD Dr. Dr. Schiegnitz
Aufgrund der kompromittierenden allgemeinmedizinischen Situation der Patientin kam hier keine Sofortimplantation infrage. Erste Rehabilitationsschritte nach der Extraktion der betroffenen Zähne waren eine Alveolar Ridge Preservation mit dem PRF-bioaktiven bovinen Knochenersatzmaterial XenoFlex in Verbindung mit einer schützenden Jason® membrane (beides Straumann Group) zum Aufbau der knöchernen Situation (Abb. 4-5). Da das eingesetzte Biomaterial eine begrenzte Resorption aufweist, sorgt es für eine größere Stabilität und unterstützt damit auch langfristig die Weichgewebssituation [12], wie auch Abbildung 6 nach 6 Monaten Einheilung zeigt.
  • Abb. 5: Die Abdeckung des volumenstabilen Straumann® XenoFlex erfolgte mit einer Membran aus porcinem Perikardium (Jason® membrane).
  • Abb. 6: Klinische Situation nach Aufbau des Kieferkamms.
  • Abb. 5: Die Abdeckung des volumenstabilen Straumann® XenoFlex erfolgte mit einer Membran aus porcinem Perikardium (Jason® membrane).
  • Abb. 6: Klinische Situation nach Aufbau des Kieferkamms.

Nach der digitalen Planung der Versorgung mittels Smile in a Box (Straumann Group) und coDiagnostix (dental wings, Abb. 7) durch den Zahntechnikermeister Björn Roland (Klein-Winterheim) erfolgte im nächsten Schritt die vollständig navigierte Implantation der TLX-Implantate (Ø 4,5 mm, 8 mm Länge) in der betroffenen Region (Abb. 8).

  • Abb. 7: Auszug aus der digitalen Planung der Versorgung mit Smile in a Box (Straumann Group) und coDiagnostix (dental wings).
  • Abb. 8: Implantation der Straumann® TLX-Implantate (Ø 4,5 mm x 8 mm) erfolgte vollständig navigiert mittels Bohrschablone.
  • Abb. 7: Auszug aus der digitalen Planung der Versorgung mit Smile in a Box (Straumann Group) und coDiagnostix (dental wings).
  • Abb. 8: Implantation der Straumann® TLX-Implantate (Ø 4,5 mm x 8 mm) erfolgte vollständig navigiert mittels Bohrschablone.

  • Abb. 9: Zustand nach Implantation mit Weichgewebsmanagement durch Tissue-Level-Design.

  • Abb. 9: Zustand nach Implantation mit Weichgewebsmanagement durch Tissue-Level-Design.
    © PD Dr. Dr. Schiegnitz
Abbildung 9 zeigt den oralen Zustand der Patientin nach Implantation mit Weichgewebsmanagement mit dem Tissue-Level-Design des Implantats. Nach der transgingivalen Einheilung wurden die Implantate spät belastet und die finale prothetische Versorgung nach drei Monaten eingegliedert. Die Abbildungen 10a und b zeigen das Ergebnis der Rehabilitation der Patientin im 6-Monate-Follow-Up klinisch und röntgenologisch.
  • Abb. 10a: Fertiggestellte prothetische Versorgung im Follow-up nach sechs Monaten (okklusale Aufsicht).
  • Abb. 10b: Fertiggestellte prothetische Versorgung im Follow-up nach sechs Monaten (im Röntgenbild).
  • Abb. 10a: Fertiggestellte prothetische Versorgung im Follow-up nach sechs Monaten (okklusale Aufsicht).
  • Abb. 10b: Fertiggestellte prothetische Versorgung im Follow-up nach sechs Monaten (im Röntgenbild).

Fazit

Die klinischen Erfahrungen an der Universität Mainz mit mehr als 100 inserierten TLX-Implantaten zeigen, dass das neue Tissue-Level-Implantatsystem ein möglichst minimal-invasives Vorgehen gestattet. Die Entwicklung vereint Bewährtes aus bereits erfolgreichen Implantatsystemen und Innovation. So fließen z.B. klinische Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse rund um das typische Tulpen-Design, das Material Roxolid oder die spezielle hydrophile Implantatoberfläche mit ein.

Die verwendete Legierung hat bekanntlich dazu beigetragen, den Einsatz von durchmesserreduzierten Implantaten (> 3 mm) klinisch zu ermöglichen [11]. Vor allem die sehr hohe Primärstabilität des neuen TLX-Systems, die von den BLX-Implantaten bekannt ist, muss hier Erwähnung finden. Die innovativen Bone-Level-Implantate waren als echte „Gamechanger“ zur IDS 2019 erfolgreich eingeführt worden und haben aufgrund ihres progressiven Gewindes auch Sofortimplantationen auf Bone-Level-Niveau im ästhetischen Bereich ermöglicht.

Damit ist das neue Tissue-Level-Implantatsystem in der Lage, neue Türen zu öffnen und eine moderne Versorgung von Patienten sicherzustellen – auch mit Sofortkonzepten im Seitenzahnbereich, weil in vielen Fällen Sinuslift und invasive Knochenaugmentationen vermieden werden können. Besonders beeindruckt, dass dank des Tulpendesigns im oberen Bereich des Implantates bereits intraoperativ das Weichgewebsmanagement wunderbar gelingt, was sehr gute ästhetische Ergebnisse in Aussicht stellt. Das neue Implantatsystem wird auch weiterhin von der Universität Mainz fundiert wissenschaftlich begleitet werden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: PD Dr. med. Dr. med. dent. Eik Schiegnitz, M.Sc.


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