Implantatprothetik

Platform Switching, biologische Breite, Mikrospalt

Biologische Breite an Implantaten und Platform-Switching


Bei natürlichen Zähnen setzt sich die biologische Breite aus einem bindegewebigen und einem epithelialen Attachment zusammen, wobei diese Anteile des dentoalveolären Komplexes, u. a. für eine Trennung zwischen dem Milieu der Mundhöhle und der Zahnwurzel sorgt. Diese Trennung ist essentiell, da hierdurch die ossären Strukturen des Alveolarfortsatzes vor schädlichen Einflüssen aus der Mundhöhle geschützt werden, was wiederum präventiv im Hinblick auf einen möglichen Knochenabbau wirkt. Bei implantatprothetischen Versorgungen sieht es anders aus.

Bei Patienten mit implantatprothetischen Versorgungen, bei denen ein stabiles krestales Knochenniveau im Bereich der Implantatschulter grundsätzlich die Voraussetzung zur Erzielung ästhetisch hochwertiger Behandlungsergebnisse darstellt, unterscheidet sich der Bereich der periimplantären Gewebe im Bereich der Implantatschulter und des krestalen Knochens von der oben beschriebenen Situation des dentoalveolären Komplexes. Hierbei ist unmittelbar nach der Insertion von Implantaten diese natürliche Barriere nicht mehr vorhanden, wodurch diese Schutzfunktion in dieser Art und Weise zuerst einmal nicht mehr vorliegt. Die Stabilität der periimplantären Hart- und Weichgewebe hängt somit maßgeblich von dem weiteren Vorgehen ab, wobei es in den Wochen und Monaten nach der Implantatinsertion im Bereich des krestalen Knochens zu Umbauvorgängen kommt.

Hierbei können Faktoren, wie das verwendete Implantatdesign, der Einheilmodus, d. h. eine subgingivale oder transgingivale Einheilweise, und die Art der Implantat-Abutmentverbindung einen Einfluss auf die Stabilität der periimplantären Gewebe nehmen [1, 2]. Aufgrund der Tatsache, dass zur implantatprothetischen Versorgung größtenteils zweiteilige Implantatsysteme verwendet werden, welche nachgewiesenermaßen gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche knöcherne Einheilung und ein hochwertiges periimplantäres Weichgewebemanagement mit anschließender prothetischer Versorgung bieten, ist jedoch auch zu sagen, dass diese Systeme im Bereich der Implantat-Abutment-Verbindung einen Mikrospalt aufweisen, welcher Auswirkungen auf die Stabilität des periimplantären Knochenniveaus haben kann [3]. So ist dieser Mikrospalt zwischen Implantat und Abutment konstruktionsbedingt für Flüssigkeiten und Mikroorganismen durchlässig, woraufhin sich Flüssigkeitsbewegungen vom Innenraum in die Implantatumgebung und umgekehrt ergeben.

Somit können Mikrobewegungen zwischen Implantat und Abutment zu einem Knochenabbau führen, der solange voran schreitet, bis sich, analog zur natürlichen Bezahnung, die biologische Breite, also eine ausreichende Entfernung zwischen Implantatschulter und krestalem Knochen, ausgebildet und stabilisiert hat. So zeigte sich, dass es bei einer Verlagerung des Mikrospaltes in einen größeren Abstand zum krestalen Knochenniveau zu einer verringerten entzündlichen Reaktion im marginalen ossären Bereich kam [4].

  • Abb. 1: Konzept des Platform Switchings bei einer implantatgetragenen Brückenversorgung im Unterkiefer.

  • Abb. 1: Konzept des Platform Switchings bei einer implantatgetragenen Brückenversorgung im Unterkiefer.
Bei implantatprothetischen Versorgungen, bei denen der Mikrospalt zwischen Implantat und Abutment durch eine Veringerung des Abutmentdurchmessers weiter von dem marginalen Knochenniveau entfernt lag, was auch als „Platform-Switching“ bezeichnet wird, resultierte im Gegensatz zu einer implantatkongruenten Konstruktion der Abutments, bei diversen Untersuchungen ein geringerer marginaler Knochenabbau (Abb. 1) [5, 6].

Diesbezüglich wurde bei Implantat-Abutment- Verbindungen mit Platform-Switching auch eine zirkuläre Kollagenfaserausrichtung im Bereich der Implantatschulter beobachtet, wohingegen bei Implantaten ohne Platform-Switching diese Kollagenfaserausrichtung erst in Höhe der ersten Schraubenwindung zu finden war [7]. Diesbezüglich gibt es Hinweise, dass sogar das Ausmaß des Platform- Switchings möglicherweise mit dem periimplantären Knochenabbau im krestalen Bereich positiv korreliert, d. h. je geringer der Abutmentdurchmesser im Vergleich zu dem Implantatdurchmesser gewählt wurde, desto geringer war der Knochenabbau im marginalen Bereich des periimplantären Knochens [5]. Darüber hinaus konnten Tabata et al. im Rahmen einer durchgeführten biomechanischen Untersuchung unter Verwendung einer dreidimensionalen Finite Element Analyse zeigen, dass es durch Anwendung des Platform-Switching Konzeptes im Bereich des Implantatkörpers und des periimplantären Knochengewebes zu reduzierten Belastungen kommt [8].

Bei der Diskussion des Themas Mikrospalt ist jedoch auch zu bemerken, dass die Untersuchungen zu der Thematik Mikrospalt teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen führten, wobei diesbezüglich jedoch eine unzureichende Standardisierung der verwendeten Methodiken diskutiert wird [9]. Obwohl sich im Hinblick auf ein Platform-Switching-Konzept positive Auswirkungen, insbesondere im Sinne eines reduzierten marginalen Knochenabbaus ergaben, sind sicherlich weitere Faktoren und Zusammenhänge noch unzureichend untersucht. In diesem Zusammenhang stellt sich sicherlich auch die Frage nach einem Effekt der zur Verfügung stehenden prothetischen Komponenten, wie zum Beispiel unterschiedliche Abutmentdesigns [10]. Darüber hinaus ist bisher ebenso der Einfluss der verwendeten Materialien zur Abutment- und Suprastukturherstellung, wie metallische und vollkeramische Materialien, noch nicht ausreichend geklärt worden.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die insgesamt vorliegenden Erkenntnisse bezüglich der Resultate des Platform-Switchings, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Beobachtungszeiträume bei den meisten Untersuchungen überschaubar sind, d. h. Anzahl der verfügbaren Langzeitergebnisse zur Zeit noch limitiert ist, noch kritisch zu sehen sind. Dahingehend bleibt abzuwarten, ob der bei einem Großteil der Untersuchungen beobachtete positive Einfluss des Platform-Switchings auf die periimplantären Knochen- und Weichgewebestrukturen langfristig vorhanden sein wird. 

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Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Karl Martin Lehmann , Dr. Dr. Peer Wolfgang Kämmerer , Wilfried Wagner , Michael Weyhrauch , Univ.-Prof. Dr. Herbert Scheller


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