Implantatprothetik


Prothetisches Konzept mit Konuskronen und Implantat getragenen Magneten auf volumenreduzierten Implantaten

Prothesenbasis der Oberkieferprothese mit den Sekundärmagneten in situ.
Prothesenbasis der Oberkieferprothese mit den Sekundärmagneten in situ.

Implantat gestützter Zahnersatz stellt bei prothetischen Hybridkonstruktionen im restbezahnten und zahnlosen Kiefer ohne Zweifel eine wirksame Hilfe im Zusammenhang einer Verbesserung des Prothesenhaltes und der Kaufunktion dar. Vorgestellt wird ein prothetisches Konzept, bei dem neben volumenreduzierten Implantaten auch Konuskronen und Magnete zum Einsatz kommen.

Oft steht der Behandler vor dem Problem, dass das Knochenangebot stark reduziert ist, so dass auf dimensionsreduzierte Implantate ausgewichen werden muss. Hierbei erweist sich die Versorgung des Oberkiefers meist schwieriger als im Unterkiefer.

Besonders ungünstige Fälle treten nach traumatischem Knochenverlust im Bereich der Kiefer, bei Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und nach Tumorresektionen auf. Da die längen- und volumenreduzierten Implantate nicht die gleiche mechanische Belastbarkeit erwarten lassen wie Standardimplantate sollten sie durch geeignete Verbindungselemente besonders in der Scherbelastung möglichst geringen Kräfte ausgesetzt werden. Dies lässt sich wirksam mit Konuskronen und Magneten erreichen.

Anatomische Defizite und Versorgungsmöglichkeiten

Eine Alveolarkammhöhe von 12 mm Höhe und 6 mm Breite stellen die erwünschten Knochendimensionen für die Insertion von Implantaten dar. In unzulänglichen anatomischen Situationen bieten sich Augmentationsmaßnahmen an, um das knöcherne Angebot zu verbessern, was in den meisten Fällen die Behandlungsdauer deutlich verlängert und insbesondere bei älteren Patienten mit Risiken und Komplikationen behaftet ist.

Unzureichende anatomische Verhältnisse können aus Vorerkrankungen, wie z.B. aggressiver Parodontitis, Trauma, Tumor oder angeborenen Störungen, wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten u.a. resultieren. In diesen Fällen kann mit Hilfe der dreidimensionalen Röntgendiagnostik mit der Digitalen Volumentomografie (DVT) geprüft werden, ob das vorhandene Knochenangebot für die Verwendung von kurzen bzw. volumenreduzierten Implantaten möglich ist. Gerade bei älteren und multimorbiden Patienten sollte eine Behandlung angestrebt werden, die mit möglichst wenig chirurgischer Belastung verbunden ist. Bei älteren Patienten bieten sich alternativ hybridprothetische Versorgungsmöglichkeiten mit einer geringen Anzahl von Implantaten an.

Bei der Auswahl der Implantate sollte das Knochenvolumen optimal ausgenutzt werden, d.h. die Länge und die Dicke des Implantates an das Knochenangebot angepasst werden.

Bei der Verwendung von Miniimplantaten ist man gut beraten, wenn man insbesondere die Scherbelastung möglichst gering einstellt. Auch bei der Verwendung von nur zwei enossalen Implantaten mit Kugelattachments, Lokatoren, Steg oder Magneten lassen sich gemäß übereinstimmender Literaturangaben außerordentlich günstige Langzeitergebnisse erzielen.

Konuskronenlösung

Bei dem im Folgenden vorgestellten 60-jährigen Patienten bestand eine Lippen-Kieferspalte links. Ungünstige und zahlreiche herausnehmbare prothetische Lösungen haben im Laufe der Zeit zu einer sehr ungünstigen Kieferkammatrophie geführt, so dass schließlich eine hinreichende Kaufunktion nicht mehr hergestellt werden konnte.

Aufgrund eines Restknochenbestandes von etwa 8 mm Höhe und 7 mm Breite in den Regionen 13 und 24 konnten zwei enossale Schraubenimplantate (Replace WP 5,5/7, Nobel Biocare) eingesetzt werden (Abb. 1).

  • Abb. 1: Position der beiden Implantate im Oberkiefer beiderseits.
  • Abb. 2: Ansicht der Prothesenbasis mit den Konuskronen.
  • Abb. 1: Position der beiden Implantate im Oberkiefer beiderseits.
  • Abb. 2: Ansicht der Prothesenbasis mit den Konuskronen.

Nach stabiler Einheilung der Implantate wurden Konuskronen als Verbindungselemente eingesetzt (Abb. 2). Nicht zuletzt wegen der Gewöhnung des Patienten an die ungünstigen anatomischen Verhältnisse aber auch wegen sorgfältiger Einstellung der Artikulation mit gruppengeführten Balancekontakten konnte eine zufriedenstellende Kaufunktion hergestellt werden. Die beiden Zähne wurden dem Wunsch des Patienten folgend belassen, weil sie ausreichend fest waren und den herausnehmbaren Zahnersatz zusätzlich stabilisierten.

Prothesenstabilisierung mit Magneten

Behandlungen zur Prothesenstabilisierung mit Magneten wurden bereits vor über 60 Jahren vorgenommen. Damals wurden Magnete in Stiftkronen eingebaut.

Erst die Verwendung von Magneten auf enossalen Implantaten hatte eine Wende in der prophetischen Therapie gebracht. Dank einer intensiven Entwicklung von magnetischen Sekundärteilen auf zahlreichen Implantatsystemen durch die stecosystem-technik GmbH & Co.KG (Hamburg) ist man heute in der Lage eine Prothesenstabilisierung über viele Jahre zu erreichen.

Fallbeispiel

  • Abb. 3: Zustand nach Insertion von zwei SICmax-Implantaten im Oberkiefer.

  • Abb. 3: Zustand nach Insertion von zwei SICmax-Implantaten im Oberkiefer.
    © Foitzik
Bei dem folgenden klinischen Fall handelt es sich um eine 75-jährige Patientin, bei der es nach einem schweren Verkehrsunfall mit Schädel-Hirn-Trauma mit Trümmerfrakturen und traumatischem Knochenverlust des unteren und mittleren Gesichtsschädels zur besonders kritischen Knochenbasis im Oberkiefer kam.

In der dreidimensionalen Knochenuntersuchung mit dem DVT zeigte sich noch ein ausreichendes Knochenvolumen in den Eckzahnregionen im Oberkiefer beiderseits, so dass dort zwei SICmax-Implantate inseriert werden konnten (Abb. 3).

Man erkennt in der Panoramaschichtaufnahme nach der Implantation, dass das Knochenangebot sehr gering war. Es war eher ein glücklicher Umstand, dass es gelungen ist die beiden Implantate einzusetzen. Die Unterkieferbewegung war zusätzlich durch eine stark eingeschränkte Mobilität im rechten Kiefergelenk stark reduziert, so dass die Artikulation und die Einstellung der Balancekontakte erst nach Einsetzen der Oberkieferprothese durch gezielte Einschleifmaßnahmen optimiert werden konnten. Aufgrund der Defekttrümmerfraktur des Oberkiefers bestand ein Mesialbiss, der eine Kreuzbissaufstellung der Zähne ab dem ersten Prämolaren erforderlich machte.

Als Verbindungselemente wurden zwei steco-Implantatmagnete der K-Line verwendet, die stabil mit einem definierten Drehmoment von 20 Ncm eingedreht wurden (Abb. 4).

  • Abb. 4: Sekundärmagnete in situ auf den beiden Implantaten.
  • Abb. 5: Konstruktionsmerkmale des steco-Magnetsystems und die K-Line mit dem konischen Primärmagneten.
  • Abb. 4: Sekundärmagnete in situ auf den beiden Implantaten.
  • Abb. 5: Konstruktionsmerkmale des steco-Magnetsystems und die K-Line mit dem konischen Primärmagneten.

Die Sekundärmagnete wurden direkt mit einem kaltpolymerisierbaren Kunststoffkleber in die Oberkieferprothese eingeklebt (Abb. 5).

Die Stabilisierung der Oberkieferprothese mit den Magneten war so stark, dass die Oberkieferprothese im Gaumen reduziert werden konnte.

Schlussfolgerungen

Schwierige prophetische Lösungen aufgrund unzureichender anatomischer Befunde können unter Zuhilfenahme von enossalen Implantaten zum großen Teil zufriedenstellend gelöst werden. Weichteilprobleme sind in den meisten Fällen weniger gravierend als ein unzureichendes Knochenangebot.

Da es sich bei diesen Patienten häufig um ältere Personen mit reduzierter Belastbarkeit handelt, kann alternativ die Verwendung dimensionsreduzierter Implantate von Vorteil sein.

Die Verbindungselemente sollten so gewählt werden, dass Scherkräfte auf die Implantate vermieden werden. Dies gelingt in der Regel mit Konuskronen.

Die Implantatmagnete haben in diesem Zusammenhang noch mehr Vorteile, da sie ungünstige Krafteinwirkung auf die Implantate praktisch ausschließen. Durch die Weiterentwicklung der Implantatmagnete ist heute eine risikolose Verwendung möglich. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Jan Foitzik - Prof. Dr. Dr. Dr. Christian Foitzik


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