Implantatprothetik

am Beispiel des Myplant two-Systems

Zementfreie Befestigung Implantat getragener Restaurationen

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Die Frage, welche Befestigungsart festsitzender prothetischer Restaurationen zu bevorzugen ist, ist Gegenstand beständiger Diskussionen. Dabei ist zu beobachten, dass die Verwendung von Befestigungszementen zunehmend kritisch gesehen wird. Es hat sich nämlich gezeigt, dass verbliebene Zementreste eine wesentliche Ursache für lokale entzündliche Reize sind und Prädilektionsstellen für Plaqueakkumulation darstellen.

  • Abb. 1: Individuell designtes Abutment in Kronenstumpfform.

  • Abb. 1: Individuell designtes Abutment in Kronenstumpfform.
    © Nentwig
Beides zusammen begünstigt die Etablierung einer periimplantären Mukositis, die sich leicht zu einer Periimplantitis weiterentwickeln kann [1,2]. Abhilfe schafft hier die Verwendung individuell designter Abutments in Form einer präparierten Zahnkrone, deren Rand peripher leicht subgingival verläuft und deshalb die Entfernung von Zementüberschüssen weitgehend unter Sicht erlaubt (Abb. 1).

Zementfreie Befestigungsmöglichkeiten

Alternativ zu zementierten Befestigungen stehen beim Myplant two-System (Myplant GmbH, Frankfurt am Main) folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Verschraubungen der Restauration mit dem Abutment
  • Verschraubung der mit dem Abutment verklebten Restauration direkt im Implantat
  • Fixierung der Restauration auf dem Abutment über Friktionskappen.
  • Verschraubung der Restauration mit dem Abutment

  • Abb. 2: Standardabutments zur okklusalen Verschraubung.

  • Abb. 2: Standardabutments zur okklusalen Verschraubung.
    © Nentwig
Dies setzt voraus, dass das Abutment ein Aufnahmegewinde für die Verschraubung besitzt. Um Lockerungen während der Funktionsphase zu vermeiden, sollte das Gewinde möglichst groß und – auch im Falle abgewinkelter Abutments – von okklusal erreichbar sein. Dies ist bei beiden Abutmentlinien (Standard- und Schulter- Abutments) des Myplant two-Systems der Fall (Abb. 2). Laterale Verschraubungen sind aufgrund ihrer geringen Dimension verschleißanfällig und auch schwerer zu manipulieren, können aber labortechnisch eingearbeitet werden.

  • Abb. 3: Okklusal verschraubte Restauration.

  • Abb. 3: Okklusal verschraubte Restauration.
    © Nentwig
Darüber hinaus gibt es Multi-unit-Abutments, die eine kurze Stumpfhöhe aufweisen und Abwinklungen von bis zu 60° erlauben. Sie sind nur zur Verschraubung von komplexen, verbundenen prothetischen Elementen (Stege, Brücken) vorgesehen. Um den Schraubenkopf kosmetisch zu kaschieren und revisionsfähig zu halten, sollte ausreichend Platz vorhanden sein. In der Regel wird die Schraube direkt mit einem durch Sonde entfernbaren dichten Kunststoff (z.B. Clip) abgedeckt und der Rest des Schachtes mit einem Composite-Material verschlossen (Abb. 3).

Verschraubung der mit dem Abutment verklebten Restauration direkt im Implantat

  • Abb. 4: Mit Basisabutment verklebte Restaurationen.

  • Abb. 4: Mit Basisabutment verklebte Restaurationen.
    © Nentwig
Infolge der Verfügbarkeit der Dimensionen aller Implantatund Abutmentkomponenten des Myplant two-Systems aus digitalen Bibliotheken kann das entsprechend ausgerüstete zahntechnische Labor die komplette Restauration digital herstellen und mit einem geeigneten Basisabutment verkleben (Abb. 4). Das ist unabhängig davon, ob die Übertragung der Mundsituation digital (Scanvorgang) oder analog (Abformung) vorgenommen wird. Durch die professionelle Verklebung entsteht im Vergleich zu einer mit dem Abutment verschraubten Restauration eine fugenfreie Situation, was sich nochmals günstiger auf das Attachement der Schleimhaut im Bereich des Emergenzprofils auswirken kann.

Ein weiterer Vorteil ist darin zu sehen, dass nur eine Verschraubungseinheit vorliegt, deren Schraubenkopf zudem tief an der Basis des Abutments angeordnet ist und einen relativ kleinen Durchmesser aufweist. Damit lässt sich der okklusale Zugang in gleicher Weise wie oben erwähnt verschließen und ein günstiger kosmetischer Effekt erzielen (Abb. 5a-d).

  • Abb. 5a: Modellsituation.
  • Abb. 5b: Einzelkronen, mit Abutments laborseits zu sogenannten Kronenabutments verklebt.
  • Abb. 5a: Modellsituation.
  • Abb. 5b: Einzelkronen, mit Abutments laborseits zu sogenannten Kronenabutments verklebt.

  • Abb. 5c: Durch provisorische Kronen vorbereitete Emergenzprofile.
  • Abb. 5d: In den Implantaten verschraubte Kronenabutments.
  • Abb. 5c: Durch provisorische Kronen vorbereitete Emergenzprofile.
  • Abb. 5d: In den Implantaten verschraubte Kronenabutments.

Fixierung der Restauration auf dem Abutment über Friktionskappen

Zu allen Standardabutments (0°. 7,5°, 15°, 22,5°) existieren beim Myplant two-System passgenaue Kappen aus Gold, die als Friktionselemente (4° Konus) zur Retention der prothetischen Restauration geeignet sind (Abb. 6).

  • Abb. 6: In die Restauration eingeklebte Friktionskappe aus Gold.
  • Abb. 6: In die Restauration eingeklebte Friktionskappe aus Gold.
    © Nentwig

Diese Variante ist als besonders interessant einzustufen, da sie mit den vorhandenen Standardabutments durchgeführt werden kann, die auch die provisorische Restauration zur Sofortversorgung oder zum Knochentraining getragen haben („One Abutment One Time“-Konzept). Die Parallelisierung der frei einstellbaren, da nicht mit Index versehenen Abutments geschieht dabei direkt im Mund über optische Parallelisierungshilfen, die Abformung über präzise Transferkappen. Alternativ kann die Auswahl und parallele Positionierung der Standardabutments natürlich auch nach Übertragung der Implantatposition über einen Scan- oder konventionellen Abdruck durch das zahntechnische Labor vorgenommen werden, wobei die Rückübertragung der exakten Position über einen individuellen externen Index sicherstellt wird (Abb. 7).

  • Abb. 7: Laborgefertigter externer Index.
  • Abb. 7: Laborgefertigter externer Index.
    © Nentwig

Der Praktiker schätzt vor allem im distalen Bereich das einfache Einsetzen der Rekonstruktion ohne Manipulation mit einem Schraubendreher. Der Patient wird aufgefordert, fest auf einen Holzspatel zu beißen, um die Reibhaftung zu aktivieren (Abb 8a-c).

  • Abb. 8a: Integrierte Friktionskappen.
  • Abb. 8b: Einbringprocedere.
  • Abb. 8a: Integrierte Friktionskappen.
  • Abb. 8b: Einbringprocedere.

  • Abb. 8c: Friktionsfi xierte Rekonstruktion.
  • Abb. 8c: Friktionsfi xierte Rekonstruktion.

Im Frontbereich ist der Vorteil dieser Fixationsmethode darin zu sehen, dass keinerlei Schraubenzugänge zu verschließen sind, was der Ästhetik und der sensiblen Taktilität der Zunge zugutekommt (Abb. 9a-d).

  • Abb. 9a: Abgewinkelte Standardabutments der prothetischen Sofortversorgung.
  • Abb. 9b: Drei Einzelkronen mit Friktionskappen.
  • Abb. 9a: Abgewinkelte Standardabutments der prothetischen Sofortversorgung.
  • Abb. 9b: Drei Einzelkronen mit Friktionskappen.

  • Abb. 9c: Mundsituation nach Eingliederung.
  • Abb. 9d: Ästhetikeindruck.
  • Abb. 9c: Mundsituation nach Eingliederung.
  • Abb. 9d: Ästhetikeindruck.

Zusammenfassung

Zementfreie Retentionen werden heute aus Gründen der Periimplantitisprophylaxe („Zementitis“) breit favorisiert [3]. Von den Alternativen am bekanntesten und meistgenutzten ist die Fixierung der Restaurationen über okklusale oder laterale Verschraubungen in den Abutments. Die Zugänge zu den Schraubenköpfen sollten bakteriendicht verschlossen werden, da offenliegende Zugänge den Transport von Mikroorganismen ermöglichen, die über die nicht dichten Gewindefl anken dann die Region des Kronenrandes und damit möglicherweise die Weichgewebsmanschette erreichen. Ein Verschluss dient auch der Ästhetik und Haptik für die Zunge. Gelegentliche Schraubenlockerungen können vorkommen, weshalb der Schraubenzugang stets revidierbar sein muss.

Eine immer mehr sich etablierende Alternative ist das sogenannte Kronenabutment, wo Abutment und Krone eine durch Klebung verbundene Einheit bilden und im Implantat verschraubt werden. Dies wird durch die sich laborseits immer mehr durchsetzende CAD/CAM-Technologie möglich und setzt voraus, dass die Konstruktionsdaten der betroffenen Implantatkomponenten (Basis- oder Standardabutments) durch die Hersteller hinterlegt und durch die Zahntechnik abgreifbar sind. Besonders vorteilhaft ist dieses Verfahren, wenn die Implantat-Abutmentverbindung konisch und bakteriendicht ausgeführt ist, da dann Schraubenlockerungen eine seltene Ausnahme darstellen.

Relativ neu in der Reihe der zementlosen Fixierungsmöglichkeiten von Restaurationen ist das Verfahren der friktionsfixierten Retention. Seit kurzem wird hier z.B. das Acuris®-Konzept der Firma Dentsply propagiert [4]. Beim myplant two-System wird die Friktion durch Goldkappen generiert, die in die Restauration zahntechnischerseits eingeklebt werden. Diese Kappen liegen herstellerseits passend zu allen Varianten der Standardabutments vor.

Da es sich beim myplant two-System um eine selbsthemmende Konusverbindung handelt, wird im Unterschied zu den übrigen Implantatsystemen ein geometrisches Element („Index“) zur Rotationssicherung nicht benötigt. Durch die dadurch ermöglichte freie Einstellbarkeit der Abwinklungsrichtung kann bereits chairside eine prothetikgerechte bzw. – bei Brückenversorgungen – parallele Ausrichtung der Standardabutments erfolgen, sodass ein weiterer Abutmentwechsel prinzipiell nicht erforderlich ist („One Abutment One Time“-Konzept).

Mit diesem einfachen Workflow und durch die Verwendung von präfabrizierten Elementen (Kappen, Abutments) ergibt sich auch ein beachtlicher ökonomischer Vorteil, der nicht zu Lasten der technischen und/oder biologischen Qualität geht. Friktionsfixierte Brückenversorgungen lassen sich auch sehr gut bei zahnlosen Patienten auf rein Implantat getragener Basis einsetzen.



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