Implantologie allgemein


DGOI global: Kooperationen unterstützen implantologische Weiterbildung

19.12.2023

Dr. Ali Elmalih im Gespräch mit Eva-Maria Hübner.
Dr. Ali Elmalih im Gespräch mit Eva-Maria Hübner.

Immer mehr Zahnärzte in den Maghreb-Staaten absolvieren das „Conjoint Curriculum Implantology“ in Kooperation mit der DGOI.

Seit 2018 können junge Zahnmediziner in den Maghreb-Staaten das sogenannte „Conjoint Curriculum Implantology“ der DGOI absolvieren, das sich an Konzept und Inhalten des Curriculums Implantologie „9+2“ orientiert. Dr. Ali Elmalih aus Libyen ist seit der ersten Kursreihe Chairman der internationalen Aktivitäten der DGOI in den Maghreb-Staaten.

Dank seines großen Engagements konnten in den vergangenen Jahren über 150 Zahnärzte in Marokko, Tunesien und Libyen das „Conjoint Curriculum Implantology“ der DGOI erfolgreich absolvieren. Mit ihm sprachen wir anlässlich des diesjährigen 19. Jahreskongress der DGOI in Hamburg über den aktuellen Stand der Zahnmedizin und oralen Implantologie in den Maghreb-Staaten.

Wie beliebt ist der Fachbereich Implantologie bei den Zahnärzten in den Maghreb-Staaten?

Während der letzten 10 – 12 Jahre ist die Nachfrage nach oraler Implantologie deutlich gestiegen. Nun haben wir viele Zahnärzte, die sich gezielt für Weiterbildungen und praktische Trainings in diesem Fachbereich interessieren und mit der Implantologie beginnen. Dennoch ist in diesem Fachbereich noch einiges an Ausund Weiterbildungsarbeit notwendig.

Welche Strategie haben Sie, um die implantologische Ausund Weiterbildung zu fördern?

Wir haben auf internationaler Ebene sehr gute Partnerschaften geknüpft, auch zu wissenschaftlichen implantologischen Fachgesellschaften wie die DGOI. So stehen wir in einem sehr guten fachlichen Austausch mit vielen erfahrenen Experten der Implantologie und können auf einem hohen fachlichen Level lehren. So haben wir die Möglichkeit, in den nächsten Jahren ein hohes fachlichen Niveau im Bereich der implantologischen Behandlung zu erreichen.

Ein weiteres Beispiel: Von Libyen aus haben wir in den vergangenen 10 Jahren gute Partnerschaften mit einigen zahnmedizinischen Fakultäten in Deutschland entwickelt. Daher steigt die Anzahl der Kollegen, die die deutsche Sprach lernen und für eine postgraduale Weiterbildung wie eine Fachzahnarzt-Ausbildung nach Deutschland gehen.

Wie viele Zahnärzte gibt es in den Maghreb-Staaten?

In Marokko gibt es rund 5.000 Zahnärzte. Libyen hat zwar weniger Einwohner, aber rund 15.000 Zahnärzte. Für die gesamten Maghreb-Staaten von Mauretanien bis Algerien gehen wir von circa 35.000 Zahnärzten aus.

Mittlerweile haben wir in dieser Region rund 20 – staatliche und private – zahnmedizinische Fakultäten oder Dental-Schools. Damit haben wir eine gute Basis, um den Studierenden eine fachlich gute Ausbildung zu geben.

Wie beliebt ist das Zahnmedizinstudium grundsätzlich bei jungen Menschen?

Das Interesse für die Zahnmedizin hängt noch sehr mit der familiären Tradition zusammen. Ist zum Beispiel der Vater Zahnarzt, dann entscheiden sich die Kinder meist auch für dieses Studium. Von der zahnmedizinischen Fakultät der Universität Benghasi weiß ich jedoch, dass es mehr Bewerber für ein Zahnmedizinstudium gibt als Studienplätze.

Und wie viele Frauen studieren Zahnmedizin?

Da fehlen mir zwar konkrete Daten, ich bin mir aber fast sicher, dass mittlerweile auch in unserer Region mehr Frauen mit dem zahnmedizinischen Studium beginnen als Männer. Allerdings spezialisieren sie sich zurzeit eher auf Ästhetik und restaurative Zahnmedizin als auf die Bereiche Chirurgie und Implantologie. Ich denke aber, dass sich das in naher Zukunft mit dem weiteren Ausbau der postgradualen Weiterbildung im Bereich Implantologie ändern wird.

Wie ist das Interesse an der oralen Implantologie auf Patientenseite?

Noch vor wenigen Jahren waren die Möglichkeiten der oralen Implantologie den meisten Patienten nicht bekannt. Das hat sich gewandelt. Mittlerweile kommen immer mehr Patienten in die Praxen, die explizit eine implantologische Behandlung und implantatgetragenen Zahnersatz nach oder bei Zahnverlust anfragen.

Wie weit sind digitale Zahnmedizin und Implantologie in den Maghreb-Staaten?

Seit circa 3 bis 4 Jahren ist digitale Zahnmedizin im Markt präsent. Dieser Bereich entwickelt sich mittlerweile sehr schnell.

Während vor 5 Jahren nur in wenigen Zahnkliniken zum Beispiel mit einem Intraoralscanner gearbeitet wurde, kommen der Intraoralscanner und CAD/CAM-Fertigungen jetzt in allen größeren Kliniken und Praxen zum Einsatz. Digitale Zahnmedizin ist auf dem Vormarsch.

Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Unsere Vision ist, dass wir die Zahnmedizin in den Maghreb-Staaten weiter nach vorne bringen wollen. Wir wollen das internationale Networking mit führenden Experten der Implantologie weiter verbessern.

So können wir unseren Kollegen die Chance geben, von den besten Referenten zu lernen, um in wenigen Jahren einen sehr hohen fachlichen Standard zu erreichen. Dabei unterstützt uns auch die Kooperation mit der DGOI.


Das Interview führte Eva-Maria Hübner.