Implantologie allgemein


Guided Surgery – 3D geplante und statisch geführte Implantation

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Die Digitalisierung in der zahnärztlich-oralchirurgischen Praxis – vor allem mit der digitalen 3D-Röntgentechnologie – hat die Vorgehensweise in der Implantologie grundlegend verändert. Die Erweiterung der radiologischen Diagnostik in die dritte Dimension mittels digitaler Volumentomographie eröffnet völlig neue Wege. In Bezug auf die Implantologie stehen dadurch statisch navigierte Implantations-Verfahren mit 3D-Bohrschablonen oder dynamisch navigierte Verfahren mit Positionierungssensoren im Handstück und in einer Navigationsschablone für den zu implantierenden Kiefer zur Verfügung [2,7]. Im Folgenden wird nur auf die statisch navigierte Methode mit 3D-Bohr- und Positionierungsschablonen eingegangen.

Die 3D-Bohrschablone stellt nochmals eine „Erweiterung“ der klassischen Bohr- und Positionierungsschablonen dar, die nur anhand von Panoramaschichtaufnahme und Gipsmodell hergestellt werden. Bei der „klassischen“ Bohrschablone ist laut Literatur trotz „geführter“ Implantation dennoch mit einer Abweichung von der geplanten Implantatposition von ≥ 2 mm, besonders im Bereich des Apex, zu rechnen [9]. Die im klassischen Verfahren angefertigten Orientierungsschablonen ermöglichen zwar unter Verwendung eines Wax- oder Set-ups die prothetische Planung, lassen jedoch wenig Rückschlüsse auf die anatomischen Gegebenheiten bei der Implantation zu.

Die digitale Volumentomographie ermöglicht eine individuelle Analyse des jeweiligen Patientenfalls, eine dreidimensionale Vermessung des vorhandenen Knochenangebots und im Backward Planning eine Anpassung der bestmöglichen prothetischen Position der Implantate auf die anatomische Situation im Patienten [3]. Somit bestimmt im „Backward Planning“ die ideale prothetische Position die spätere Implantatposition. Es erfolgt deshalb im Zuge der Planung ein Zusammenführen, das sogenannte „Matchen“, der 3D-Datensätze aus radiologischer und digitalisierter prothetischen Planung mittels analog abgeformten und/oder digital-gescannten Modellen des Ober- und Unterkiefers [3].

Diese präzise Planung im Voraus und die ggf. angefertigten 3D-Bohrschablonen verkürzen die OP-Zeit und damit das postoperative Trauma deutlich. Die Bohrschablonen ermöglichen eine zahnbezogene, achsenkorrekte Implantatposition, die der geplanten Prothetik gerecht wird. Zudem erfolgt durch die geführte Aufbereitung mit Bohrschablone eine geringere Deviation des Bohrers nach lateral, was nachweislich zu einer exakteren Aufbereitung des Implantatbettes führt und damit zu einer höheren Primärstabilität des gesetzten Implantats [9].

In der aktuellen Literatur konnte mit der Anwendung einer 3D-Bohrschablone die mittlere Abweichung von der geplanten Implantatposition, besonders im Apexbereich, auf weniger als 1 mm reduziert werden [12]. In einem systematischen Review des ITI bzgl. der Präzision bei geführten Implantationen konnte gezeigt werden, dass über alle Studien hinweg eine mittlere Gesamtabweichung von 1,2 mm (1,04 bis 1,44 mm) am Implantat Eintrittspunkt, 1,4 mm (1,28 bis 1,58 mm) am apikalen Punkt und eine Achsabweichung von 3,5° (3,0° bis 3,96°) festgestellt werden konnte. Die Abweichungen beziehen sich jeweils auf die dreidimensionale, digital geplante Implantatposition [14].

Beschriebene Abweichungen und Fehler entstehen laut Literatur vor allem durch Diskrepanzen zwischen Bildgebung und Realität, dem Transfer von digitaler Planung auf das OP-Gebiet durch Abweichungen bedingt durch das Abformmaterial, Ausdehnung des Gipses, Abweichungen der Registrierungsmarker bei digitalen Scans oder zu enge/weite Hülsen in der Bohrschablone. Deshalb kommt es bei der Herstellung der 3D-Bohrschabalonen auf die exakte Auswahl und präzise sitzende Bohrhülsen an, da durch zu kleine Bohrhülsen die Bohrleistung und Kühlung eingeschränkt sein können oder es durch zu große Bohrhülsen zu einer größeren Winkelabweichung bei der Aufbereitung des Implantatbetts kommen kann [16].

Dennoch stellt die dreidimensional, digital gestützte, geführte und prothetisch orientierte Implantologie eine optimale und sehr präzise Methode zur Implantation dar [4,5]. Die Positionierung, Angulation, Insertionstiefe und die Anzahl der Implantate sind essenziell, um nachhaltige funktionelle und ästhetische Resultate zu erzielen [1,11].

Zudem kann das vorhandene Knochenangebot bestmöglich genutzt und angrenzende, wichtige anatomische Strukturen geschützt werden [6,10]. Die präzise Planung im Voraus ermöglicht außerdem in einigen Fällen eine deutliche Minimierung des operativen Traumas bis hin zu einer „Flapless Surgery“ und schafft damit die Voraussetzungen für ein minimalinvasives Vorgehen. Alles zusammen führt zu einer deutlich reduzierten postoperativen Morbidität für den Patienten [8,13,15].

Im Folgenden werden drei Kasuistiken diskutiert, die dreidimensional digital geplant und vollgeführt implantiert wurden. Anhand der Patientenfälle soll jeweils das klinische Vorgehen dargestellt werden. Alle Fälle wurden mit der Implantatplanungssoftware coDiagnostiX geplant.

Patientenfall 1

Ausgangssituation

Die 81-jährige Patientin stellte sich mit Beschwerden im rechten Oberkiefer in unserer Sprechstunde vor. Zum Zeitpunkt der Vorstellung war sie im Oberkiefer bereits mit einer Teleskopprothese auf zwei Implantaten im II. Quadranten und zwei Zähnen 15 und 17 versorgt.

  • Abb. 1: Ausgangssituation vor Implantation. Der Zahn 15 zeigte sich tief frakturiert
und nicht erhaltenswert.

  • Abb. 1: Ausgangssituation vor Implantation. Der Zahn 15 zeigte sich tief frakturiert und nicht erhaltenswert.
    © Dr. Tröltzsch
Die Allgemeinanamnese der Patientin war unauffällig. Klinisch und radiologisch (OPG) zeigte sich der Zahn 15 tief horizontal auf Gingivaniveau frakturiert, zudem mit einer Längsfraktur in mesio-distaler Richtung und somit in der Zusammenschau der Befunde nicht erhaltenswert (Abb. 1).

Implantatplanung

Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Patientin war eine minimalinvasive Therapie, wenn möglich, ohne Sinuslift gewünscht. Geplant und mit der Patientin besprochen war deshalb die Extraktion des Zahnes 15 und Implantation regio 14 und 16 ohne Sinuslift. Die vorhandene Oberkiefer-Teleskopprothese wurde bereits vor einigen Jahren nach Extraktion der Zähne im II. Quadranten und nach Implantation regio 21 und 26 mit Lokatoren erweitert und sollte nun ebenfalls nach Implantation umgearbeitet und mit Lokatoren erweitert werden.

  • Abb. 2: Die Planung der Implantate regio 14 und 16 unter optimaler Ausnutzung
des vorhandenen Knochens: regio 14 (10 mm Länge / 4,1 mm Durchmesser),
regio 16 (8,5 mm / 4,5 mm Durchmesser).

  • Abb. 2: Die Planung der Implantate regio 14 und 16 unter optimaler Ausnutzung des vorhandenen Knochens: regio 14 (10 mm Länge / 4,1 mm Durchmesser), regio 16 (8,5 mm / 4,5 mm Durchmesser).
    © Dr. Tröltzsch
Nach Abdrucknahme im Ober- und Unterkiefer wurde eine Hülsenschablone angefertigt und eine 3D-Bildgebung mit eingesetzter Schablone zur exakten Planung durchgeführt. Unter idealer Nutzung des vorhandenen Knochenangebots konnten zwei Implantate regio 14 und 16 für eine möglichst optimale prothetische Nutzbarkeit digital geplant werden (Abb. 2-4).
  • Abb. 3: Implantatplanung regio 14.
  • Abb. 4: Implantatplanung regio 16.
  • Abb. 3: Implantatplanung regio 14.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 4: Implantatplanung regio 16.
    © Dr. Tröltzsch

Chirurgisches Procedere

  • Abb. 5: Krestale, leicht palatinale Schnittführung mit mesialer und distaler Entlastung.
Eine Periostschlitzung zur Lappenmobilisation wurde bereits durchgeführt.
Der Zahn 17 wurde zur weiteren Stabilisierung der Prothese und zur Abstützung
der 3D-Bohrschablone belassen.

  • Abb. 5: Krestale, leicht palatinale Schnittführung mit mesialer und distaler Entlastung. Eine Periostschlitzung zur Lappenmobilisation wurde bereits durchgeführt. Der Zahn 17 wurde zur weiteren Stabilisierung der Prothese und zur Abstützung der 3D-Bohrschablone belassen.
    © Dr. Tröltzsch
Nach Desinfektion der Mundhöhle, Lokalanästhesie, Lagerung und Abdecken des OP-Gebietes mit sterilen Papiertüchern erfolgte eine krestale, leicht palatinale Schnittführung mit mesialer und distaler Entlastung. Anschließend wurde ein vestibulärer und palatinaler Mukoperiostlappen gebildet und eine Periostschlitzung für eine ausreichende Lappenmobilisation durchgeführt (Abb. 5). Die Periostschlitzung bereits zu Beginn der Operation durchzuführen ermöglicht eine bessere Kontrolle der hierbei auftretenden Blutungen und ggf. eine zeitnahe Intervention.

  • Abb. 6: Eingesetzte Bohrschablone mit Aussparung 17 mesial zur Überprüfung
des exakten Sitzes.

  • Abb. 6: Eingesetzte Bohrschablone mit Aussparung 17 mesial zur Überprüfung des exakten Sitzes.
    © Dr. Tröltzsch
Weiter wurde die 3D-Bohrschablone anprobiert. Zur Überprüfung des exakten Sitzes ist eine Aussparung in die Bohrschablone regio 17 eingearbeitet (Abb. 6). Anschließend erfolgt die Aufbereitung des Implantatbettes unter ausreichender Kühlung regio 14 und 16, entsprechend des vom Hersteller vorgegebenen Bohrprotokolls (Abb. 7). Für ein anschließendes „Lining“ oder eine noch notwendige Konturaugmentation wurden die Bohrspäne nach jedem Bohrerwechsel gesammelt und in A-PRF gelagert (Abb. 8).
  • Abb. 7: Aufbereitetes Implantatbett regio 14 und 16. Der Zahn 14 wird im weiteren
Verlauf noch extrahiert.
  • Abb. 8: Gesammelte Bohrspäne.
  • Abb. 7: Aufbereitetes Implantatbett regio 14 und 16. Der Zahn 14 wird im weiteren Verlauf noch extrahiert.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 8: Gesammelte Bohrspäne.
    © Dr. Tröltzsch

Nach Kontrolle des Implantatbetts wurde mit einem Gewindeschneider im krestalen Anteil noch ein entsprechendes Gewinde vorpärpariert und die Implantate regio 14 (10 mm / 4,1 mm) und regio 16 (8,5 mm / 4,5 mm) inseriert (Abb. 9). Die korrekte Position der Implantate wurde mit einer Positionierungsschablone kontrolliert (Abb. 10).

  • Abb. 9: Inserierte Implantate regio 14 und 16 und die Extraktionsalveole regio 15.
  • Abb. 10: Kontrolle der Position der Implantate mit Hilfe einer Positionierungsschablone.
  • Abb. 9: Inserierte Implantate regio 14 und 16 und die Extraktionsalveole regio 15.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 10: Kontrolle der Position der Implantate mit Hilfe einer Positionierungsschablone.
    © Dr. Tröltzsch

Nach Überprüfen der spannungsfreien Adaptierbarkeit der Lappenränder erfolgte der mehrschichtige Wundverschluss mit Seralon 3-0 (Abb. 11). Zur Kontrolle der korrekten Position der Implantate wurde noch ein postoperatives Orthopantomogramm angefertigt (Abb. 12).

  • Abb. 11: Spannungsfreier, mehrschichtiger Wundverschluss mit Seralon 3-0.
  • Abb. 12: Postoperatives Orthopantomogramm nach Implantation regio 14 und
16.
  • Abb. 11: Spannungsfreier, mehrschichtiger Wundverschluss mit Seralon 3-0.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 12: Postoperatives Orthopantomogramm nach Implantation regio 14 und 16.
    © Dr. Tröltzsch

Patientenfall 2

Ausgangssituation und Extraktion

  • Abb. 13: Vestibulärer Fistelgang regio 36.

  • Abb. 13: Vestibulärer Fistelgang regio 36.
    © Dr. Tröltzsch
Die zweite Kasuistik beschäftigt sich mit einer Patientin Ende 50, die sich mit Beschwerden und fistelndem Zahn 36 (Abb. 13) in unserer Praxis vorstellte. Der Zahn 35 war als mesialer Anhänger ausgearbeitet. Zahn 35 wurde bereits vor mehreren Jahren alio loco extrahiert. In ihrer Medikamentenanamnese gibt die Patientin eine dauerhafte Antikoagulationstherapie mit Eliquis, als Therapie einer bestehenden koronaren Herzkrankheit und Methotrexat bei rheumatoider Arthritis an.

Aus der Anamnese wird ersichtlich, dass hier ein erhöhtes Risiko intraoperativ durch ein starkes Blutungsrisiko und postoperativ durch mögliche schwere Wundheilungsstörungen, bei bestehender DMARDs-Therapie („disease modifying anti-rheumatic drugs“) besteht. Der Zahn 36 wurde in Lokalanästhesie mit simultanem ridge-preservation Protokoll und unter antibiotischer Abschirmung prä- und postoperativ mit Amoxicillin und Clavulansäure 875/125 mg 1-1-1 extrahiert.

Nach sechs Monaten Einheilzeit wurde für eine exakte Planung präoperativ ein OPG und ein DVT mit Hülsenschablone entsprechend des „Backward Planning“ angefertigt und die genauen Implantatpositionen aus der prothetisch bestimmten Position mittels Software ermittelt (Abb. 14 und 15). Klinisch und radiologisch stellte sich ein ausreichendes Knochenangebot für eine Implantation dar (Abb. 15).

  • Abb. 14: Präoperatives OPG mit Hülsenschablone entsprechend der idealen prothetischen
Achse.
  • Abb. 15: Präoperative Planung der Implantate regio 35 und 36.
  • Abb. 14: Präoperatives OPG mit Hülsenschablone entsprechend der idealen prothetischen Achse.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 15: Präoperative Planung der Implantate regio 35 und 36.
    © Dr. Tröltzsch

Implantation

Die Implantation wurde ebenfalls in Lokalanästhesie und unter antibiotischer Abschirmung durchgeführt. Die Schnittführung orientierte sich an der vorhandenen Narbe mit leichter Tendenz nach lingual. Zur besseren Übersicht erfolgte die Präparation eines vestibulären und lingualen Mukoperiostlappens, bei dem zur Mobilisation und spannungsfreien Deckung eine Periostschlitzung durchgeführt wurde.

Nach Einpassen der 3D-Bohrschablone wurde das Implantatbett, dem Bohrprotokoll des Herstellers folgend, aufbereitet (Abb. 16). Anschließend wurden zwei Implantate regio 35 und 36 (35: 4,1 x 10 mm; regio 36: 4,1 x 10 mm) primärstabil inseriert (Abb. 17 und 18). Zur vertikalen und lateralen Konturaugmentation wurden perioperativ gesammelte Knochenspäne, partikuläres xenogenes Knochenersatzmaterial und präoperativ gewonnenes flüssiges PRF vermischt (Abb. 19).

  • Abb. 16: Kontrolle der Implantatachsen nach Aufbereitung der Implantatbohrungen
mit Hilfe der Positionierungsschablone.
  • Abb. 17: Regio 35 Implantat bei Insertion, regio 36 Kontrolle der Achse mittels
Implantatpfosten.
  • Abb. 16: Kontrolle der Implantatachsen nach Aufbereitung der Implantatbohrungen mit Hilfe der Positionierungsschablone.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 17: Regio 35 Implantat bei Insertion, regio 36 Kontrolle der Achse mittels Implantatpfosten.
    © Dr. Tröltzsch

  • Abb. 18: Inserierte Implantate regio 35 und 36 mit Einheilkappen.
  • Abb. 19: Flüssiges A-PRF, gesammelte Bohrspäne und xenogenes Knochenersatzmaterial.
  • Abb. 18: Inserierte Implantate regio 35 und 36 mit Einheilkappen.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 19: Flüssiges A-PRF, gesammelte Bohrspäne und xenogenes Knochenersatzmaterial.
    © Dr. Tröltzsch

Es folgte die Konturaugmentation mit PRF, autologem Knochen und xenogenem Knochenersatzmaterial (Abb. 20). Vor dem abschließenden spannungsfreien, mehrschichtigen Wundverschluss (Abb. 21) erfolgte die Abdeckung der Implantate und des Knochenaufbaus mit einer Kollagen- und PRF-Membran (Abb. 22).

  • Abb. 20: Konturaugmentation mit PRF, autologem Knochen und xenogenem
Knochenersatzmaterial.
  • Abb. 21: Spannungsfreier, mehrschichtiger Wundverschluss.
  • Abb. 20: Konturaugmentation mit PRF, autologem Knochen und xenogenem Knochenersatzmaterial.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 21: Spannungsfreier, mehrschichtiger Wundverschluss.
    © Dr. Tröltzsch

  • Abb. 22: Eingebrachte PRF-Membran.
  • Abb. 23: Postoperatives Röntgenbild. Die Implantate regio 35 und 36 entsprechen
exakt der geplanten und idealen prothetischen Position.
  • Abb. 22: Eingebrachte PRF-Membran.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 23: Postoperatives Röntgenbild. Die Implantate regio 35 und 36 entsprechen exakt der geplanten und idealen prothetischen Position.
    © Dr. Tröltzsch

Das postoperative Röntgenbild (Abb. 23) zeigt die der Planung entsprechend gesetzten Implantate mit aufgeschraubten Heilungskappen. Zehn Tage postoperativ konnten die Fäden entfernt werden.

Patientenfall 3

Ausgangssituation

Der 57-jährige Patient wurde uns zur implantologischen Versorgung der Freiendlücke regio 24-26 zugewiesen. Die Zähne 24-26 wurden bereits alio loco ohne Ridge-perservation Protokoll extrahiert.

Die Allgemeinanamnese des Patienten war unauffällig. Die noch bestehende Lücke regio 45-47 wird noch durch den Hauszahnarzt mit einer Brücke 45-47 prothetisch versorgt.

Implantatplanung

  • Abb. 24: Implantatplanung 24 und 26.

  • Abb. 24: Implantatplanung 24 und 26.
    © Dr. Tröltzsch
Aufgrund des unzureichenden Knochenangebots regio 24-26 (< 2 mm) musste im Voraus ein externer Sinuslift durchgeführt werden (Planung Abb. 24). Nach einer Einheilzeit von etwa vier Monaten nach erfolgtem Sinuslift erfolgte die Planung der Implantate regio 24 und 26.

Mit Hilfe einer Hülsenschablone mit idealer prothetischer Position der Implantate wurde auch hier ein DVT angefertigt (Abb. 25 und 26). Anhand der generierten 3D-Datensätze wurde eine 3D-Bohrschablone im Labor hergestellt.

  • Abb. 25: Implantatplanung regio 24 (11,5 mm / 4,1 mm).
  • Abb. 26: Implantatplanung regio 26 (11,5 mm / 4,5 mm).
  • Abb. 25: Implantatplanung regio 24 (11,5 mm / 4,1 mm).
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 26: Implantatplanung regio 26 (11,5 mm / 4,5 mm).
    © Dr. Tröltzsch

Chirurgisches Procedere

  • Abb. 27: Schnittführung krestal, leicht palatinal, entsprechend der alten Narbe
nach Sinuslift.

  • Abb. 27: Schnittführung krestal, leicht palatinal, entsprechend der alten Narbe nach Sinuslift.
    © Dr. Tröltzsch
Nach Desinfektion der Mundhöhle, Lokalanästhesie, Lagerung und Abdecken des OP-Gebietes mit sterilen Papiertüchern erfolgte wieder eine krestale, leicht palatinale Schnittführung mit mesialer und distaler Entlastung. Die Schnittführung wurde hier möglichst entsprechend der alten Narbe gestaltet. Anschließend wurde ein vestibulärer und palatinaler Mukoperiostlappen gebildet und eine Periostschlitzung für eine ausreichende Lappenmobilisation durchgeführt (Abb. 27).

Aufgrund der zahlreichen Voroperationen (Extraktion und externer Sinuslift) gestaltet sich die Lappenpräparation und die Periostschlitzung oft schwierig durch starke Narbenzüge im Weichgewebe. Auch hier empfiehlt sich die Periostschlitzung möglichst zu Beginn der Operation durchzuführen, um möglichen Blutungsquellen vorzubeugen. Nach Einpassen der 3D-Bohrschablone wird entsprechend des Bohrprotokolls des Implantatherstellers und unter ausreichender Kühlung das Implantatlager aufbereitet (Abb. 28 und 29) und die Implantate regio 24 und 26 inseriert (Abb. 30 und 31).

  • Abb. 28: Eingepasste Bohrschablone mit eingesetztem Implantatbohrer und entsprechender
Bohrerhülse.
  • Abb. 29: Aufbereitete Implantatlager regio 24 und 26.
  • Abb. 28: Eingepasste Bohrschablone mit eingesetztem Implantatbohrer und entsprechender Bohrerhülse.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 29: Aufbereitete Implantatlager regio 24 und 26.
    © Dr. Tröltzsch

  • Abb. 30: Kontrolle der inserierten Implantate regio 24 und 26.
  • Abb. 31: Implantate regio 24 und 26 in situ.
  • Abb. 30: Kontrolle der inserierten Implantate regio 24 und 26.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 31: Implantate regio 24 und 26 in situ.
    © Dr. Tröltzsch

Auch in diesem Fall konnte durch eine ausreichende Lappenmobilisation ein spannungsfreier, mehrschichtiger Wundverschluss mit Seralon 3-0 erfolgen (Abb. 32). Zur abschließenden Kontrolle wurde ein postoperatives OPG angefertigt. Hier zeigt sich eine optimale, der Planung entsprechende Positionierung der Implantate regio 24 und 26 (Abb. 33).

  • Abb. 32: Spannungsfreier, speicheldichter Wundverschluss mit Seralon 3-0.
  • Abb. 33: Postoperatives Orthopantomogramm mit den gesetzten Implantaten
regio 24 und 26.
  • Abb. 32: Spannungsfreier, speicheldichter Wundverschluss mit Seralon 3-0.
    © Dr. Tröltzsch
  • Abb. 33: Postoperatives Orthopantomogramm mit den gesetzten Implantaten regio 24 und 26.
    © Dr. Tröltzsch

Zusammenfassung

Sowohl die aktuelle Literatur als auch die klinische Erfahrung zeigt, dass durch die Anwendung einer dreidimensional geplanten Bohrschablone mit einer gleichzeitig vollgeführten Implantatbettaufbereitung ein hohes Maß an Präzision und eine maximale Schonung und trotzdem bestmögliche Nutzung der vorhandenen anatomischen Verhältnisse erfolgen kann. Zudem wird eine unerwünschte Richtungsänderung der Bohrer und der inserierten Implantate verhindert, was neben den spezifischen Bohrprotokollen für unterschiedliche Knochenqualitäten zu einer erhöhten Primärstabilität führt. Daher erfolgt durch die dreidimensionale Planung eine Rehabilitation des Patienten unter maximaler Reduktion der Risiken und mit deutlich reduzierter postoperativer Morbidität durch die Minimierung des OP-Traumas bis hin zu Flapless Surgery.

Weitere Vorteile dieses Verfahrens sind u. a. eine exakte Planbarkeit des chirurgischen Eingriffs, ggf. eine Vermeidung von umfangreichen Augmentationen und eine der anatomischen Situation angepasste Implantatpositionierung nach ästhetischen Vorgaben. Ein notwendiger Sicherheitsabstand von 1-2 mm wird in der Literatur gefordert, allerdings sollte ein Sicherheitsabstand, nach Meinung der Autoren, zu wichtigen anatomischen Strukturen wie dem Nervus alveolaris inferior von mindestens 1,5 mm obligat sein.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Dr. Markus Tröltzsch


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