Implantologie allgemein


MIMI-Verfahren: minimal-invasiv implantieren für Ein- und Umsteiger

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Die Implantologie in der Zahnmedizin wird oft als eine „Experten-Disziplin“ empfunden – auch deshalb, weil das Implantieren noch zu wenig aktiv an den Universitäten mit den Studenten praktiziert wird. Die minimalinvasive Methodik der Implantation („MIMI®“) ist ein Verfahren, welches in Allgemein-Zahnarztpraxen – auch meist ohne DVT – sicher durchgeführt werden kann.

MIMI beschreibt die minimalinvasive Vorgehensweise in der Implantatchirurgie mit Hilfe der lappenlosen („flapless“) CNIP-Navigation und der Möglichkeit, der „ossären Metamorphose“ (OMM) im „weichen Knochen“. Die nachfolgende Implantatprothetik kommt ohne aktive Wiedereröffnung des Zahnfleisches (Freilegung mittels Operation) aus und ohne jeglichen Eingriff in den Implantatkörper, welcher während der Einheilzeit 2-teiliger Systeme steril bleibt. 

MIMI wird auch als „Schlüsselloch-Methode“ in der zahnärztlichen Implantologie bezeichnet. Allerdings lässt sie sich nicht mit der lappenlosen Chirurgie gleichsetzen. Ebenso darf man das Operationsverfahren nicht mit Mini-implantaten in Verbindung bringen.

  • Abb. 1: Nomenklatur MIMI.

  • Abb. 1: Nomenklatur MIMI.
    © Dr. Armin Nedjat
Es handelt sich um ein chirurgisches und prothetisches Verfahren, das Chirurgie und Prothetik einschließt und sich auf die maximale periimplantäre Schonung der Knochenhaut fokussiert. Im Idealfall ist keine aktive Wiedereröffnung der Gingiva mit mehrmaliger Manipulation des Implantat-Innengewindes notwendig. MIMI geht also weit über „flapless“ in der Chirurgie hinaus und ist sowohl für die Spät- und Sofortimplantation als auch bei schmalen Kiefern (MIMI-II)und beim Sinuslift (MIMI-VI) geeignet (Abb. 1).

Voraussetzungen für einen perfekten Workflow

Für das Verfahren ist ein Winkelstück (grün) notwendig, welches niedrig-tourig (zwischen 20 und 250 U/min) mit ausreichender Kraft (30/40 Ncm) am Behandlungsstuhl einsetzbar ist. Als Basis dient die CNIP-Navigation, bei der niedrig-tourige Instrumente immer in der Spongiosa bleiben – eine Darstellung des Knochens kann auf diese Weise durch Lappenbildungen gänzlich vermieden werden. Es besteht die Möglichkeit, in Kiefern mit einer Breite von nur 2 mm zu implantieren.

Dies kann mit der Methode von MIMI-II und MIMI-VI zur Erweiterung des Kieferkamms durchgeführt werden. Ein wichtiger Aspekt für die Methodik sind genaue Kenntnisse der Knochenbeschaffenheit; Knochen sind dehnbar.

Im Standardfall sind bei dem Verfahren nur 2 Sitzungen erforderlich. Das Implantat-Innere wird dann erst unsteril, wenn das Shuttle* mit dem Abutment getauscht wird vor dem Fixieren der verschraubten oder zementierten Krone. Noch am gleichen Tag des Eingriffs kann der Patient ohne Schwellungen und schmerzfrei entlassen werden.

  • Abb. 2: Darstellung des Workflows.

  • Abb. 2: Darstellung des Workflows.
    © Dr. Armin Nedjat
Das Erlernen des MIMI-Verfahren basiert auf allgemeinchirurgischen Prinzipien, um das Weich- und Hartgewebe zu schonen und um zu vermeiden, dass der Mukoperiostlappen unnötig verletzt wird, sowohl in der chirurgischen wie in der prothetischen Behandlung (Abb. 2). Die Behandler können – mit Ausnahme der Nahtentfernung – nahezu die gleichen GOZ-Positionen abrechnen wie bei konventionellen Implantologie-Verfahren (KIV).

Laut Statistik [1] werden für die konventionellen Verfahren und die darauffolgende Prothetik einer Einzelkrone 3 Stunden benötigt. Beim MIMI-Verfahren kalkuliert man 1 Stunde Behandlungszeit. Für den Behandler und Patient eine nicht unwesentliche Kostenersparnis. Eine Besonderheit an dem Implantatsystem ist das Shuttle.

Es ist mit der definitiven Halteschraube im Implantat integriert und verbleibt steril im Doppelkonus 9,5° mit integriertem Hexadapter des Implantats. Er ist Einbring-Werkzeug, chirurgische Verschluss-Schraube, Gingiva-Former und Abformungstool in einem.

Während der Einheilungszeit von 6 bis 8 Wochen bleibt, wie erwähnt, das Innere des Implantats steril. Die Zipprich-Studie aus 2012 [2] bestätigt die Bakteriendichtheit des (R)Evolution Systems.

Verschiedene Knochendichten

Das Geheimnis einer erfolgreichen Implantation ist, dass die Primärstabilität im harten D1- und D2-Knochen durch die Spongiosa erreicht wird. Dies wird mit Hilfe von Implantatsystemen (z. B. Champions (R)Evolutions, Astra oder Ankylos), die mit einem ausreichend langen Innenkonus versehen sind und einer 2 mm subkrestalen Insertion erreicht. Möchte man im D1- und im D2-Knochen Kavitäten aufbereiten, so empfehle ich eine krestale Entlastung im kortikal-krestalen Bereich: Für ein Implantat mit 3,5 mm Durchmesser setze ich final einen 4,0 mm Bohrer, bei einem 4,0 mm Implantat (für einen Einzel-Molaren) final einen 4,5 mm Bohrer ein.

Wir simulieren so eine Sofortimplantation, bei dem die röntgenologischen Ergebnisse – auf Jahrzehnte gesehen – ebenso wie das subkrestale Implantieren als sehr gut zu bezeichnen sind. Im weichen Knochen (D3 und D4) und bei Sofortimplantationen kommt die ossäre Metamorphose (OMM) zum Einsatz. Man führt digital (nur per Hand und Ratschenadapter) stichartige Bewegungen mit den ersten beiden konischen Dreikantbohrern aus.

Danach kommen ausschließlich CHAMPIONS CONDENSER (knochenverdichtende Instrumente) in den Durchmessern 2,4 – 2,8 – 3,0 – 3,3 – 3,8 – 4,3 – 4,8 – 5,3 mm zum Einsatz (Abb. 3, 4). In der 2. Reihe des CHAMPIONS OP-Trays befinden sich die Condenser: Erreicht man im weichen Knochen z. B. „handfest“ (etwa 20 Ncm) mit einem Condenser eine Primärstabilität mit dem blauen Condenser ø 4,3 mm, so inseriert man ein Implantat mit dem Durchmesser 4,5 mm. Auch die Länge des benötigten Implantats kann man optimal mit den Condensern intraoperativ einschätzen.

  • Abb. 3: In der 2. Reihe des CHAMPIONS OP-Trays befinden sich die Condenser:
Erreicht man im weichen Knochen, z. B. handfest (etwa 20 Ncm), mit
dem blauen Condenser (Durchmesser 4,3 mm) eine Primärstabilität, so inseriert
man ein Implantat mit einem Durchmesser von 4,5 mm. Auch die Länge des benötigten
Implantats kann man gut mit den Condensern intraoperativ einschätzen.
  • Abb. 4: In der 2. Reihe des CHAMPIONS OP-Trays befinden sich die Condenser:
Erreicht man im weichen Knochen, z. B. handfest (etwa 20 Ncm), mit
dem blauen Condenser (Durchmesser 4,3 mm) eine Primärstabilität, so inseriert
man ein Implantat mit einem Durchmesser von 4,5 mm. Auch die Länge des benötigten
Implantats kann man gut mit den Condensern intraoperativ einschätzen.
  • Abb. 3: In der 2. Reihe des CHAMPIONS OP-Trays befinden sich die Condenser: Erreicht man im weichen Knochen, z. B. handfest (etwa 20 Ncm), mit dem blauen Condenser (Durchmesser 4,3 mm) eine Primärstabilität, so inseriert man ein Implantat mit einem Durchmesser von 4,5 mm. Auch die Länge des benötigten Implantats kann man gut mit den Condensern intraoperativ einschätzen.
    © Dr. Armin Nedjat
  • Abb. 4: In der 2. Reihe des CHAMPIONS OP-Trays befinden sich die Condenser: Erreicht man im weichen Knochen, z. B. handfest (etwa 20 Ncm), mit dem blauen Condenser (Durchmesser 4,3 mm) eine Primärstabilität, so inseriert man ein Implantat mit einem Durchmesser von 4,5 mm. Auch die Länge des benötigten Implantats kann man gut mit den Condensern intraoperativ einschätzen.
    © Dr. Armin Nedjat

Nicht die Anatomie (z.B. mit Hilfe eines präoperativen DVTs ermittelt) entscheidet über den Implantatdurchmesser, sondern die Knochendichte, die man im weichen Knochen oder bei Sofortimplantaten erst intraoperativ mit Condensern ermitteln kann. Bei Sofortimplantaten oberer, erster Molaren bereitet man das neue Implantatbett in der Trifurkation auf.

Auch Sofortimplantate im unteren Molarenbereich sind mit Hilfe der Condenser in wenigen Minuten erfolgreich machbar. Spongiöser Knochen ist sehr gut modellierbar, sodass man auch in ein dünnes Septum von nur 1,5 mm Breite eine primäre Stabilität mit einem Implantat von 4,0 mm Durchmesser erreicht. 

Fazit

MIMI®, die minimalinvasive Methodik der Implantologie, hat viele Vorteile und ist ein inzwischen fast 30 Jahre altes „Schlüsselloch“-Verfahren, welches sicher, erfolgreich, fast frei von Investitionen und von jeder Zahnarztpraxis durchführbar ist. MIMI® ist das Tool für eine Sofort- oder Spätimplantation bei breitem oder schmalem Kiefer, mit oder ohne Sinuslift.

Für die Implantationen sind sterile Verhältnisse notwendig, jedoch nicht in dem Umfang wie in einem Operationssaal. Dies erlaubt dem Behandlerteam und dem Patienten einen geringeren Stressfaktor, Zeitersparnis und optimiert den Workflow. Viele Patientinnen und Patienten schätzen eine schnelle Implantatversorgung in nur einer Behandlungssitzung, was mit diesem Verfahren erreicht werden kann.


Literatur

[1] VIP-ZM Studie, 2015, Champions-Implants GmbH

[2] Zipprich H: „Micro-movements of Implant-abutment-interface“, 2. Champions-VIP-Kongress, 05/2012

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. (Assoc. PMS Science & Research) Dr. Armin Nedjat