Implantologie allgemein

Indizes: Ästhetik, Provisorium, Maryland-Brücke, Ovate Pontic Bridge, Glasfaser-Adhäsivtechnik

Provisorisch schön – auf dem Weg zum Implantat

Abb. 1 a und b: Ausgangssituation und Vorbereitung zur atraumatischen Extraktion.
Abb. 1 a und b: Ausgangssituation und Vorbereitung zur atraumatischen Extraktion.

Der erste Eindruck, den man bewusst oder unbewusst von einem Menschen hat, hängt von seinen Zähnen ab. Wer kann einem sympathischen Lächeln widerstehen, das eine gepflegte und harmonische Zahnreihe zeigt? Bereits mit der provisorischen Versorgung soll dem Patienten eine Idee der definitiven Versorgung, seitens der Ästhetik und des Tragekomforts, gegeben werden.

Der provisorische oder temporäre Zahnersatz dient in erster Linie dem Schutz eines Zahnes nach Präparation bis zur Eingliederung des endgültigen Zahnersatzes. Außerdem können Zahnlücken durch verschiedene provisorische Versorgungsarten geschlossen werden. Dies ist besonders im Frontzahnbereich nach Implantation während der Einheilungsphase zum einen für den Patienten aus ästhetischen Gründen sehr wichtig, zum anderen kann bereits mit der provisorischen Versorgung das Gewebe für den definitiven Zahnersatz ausgeformt werden. Zahnlücken können sowohl durch herausnehmbare, z. B. Interimsprothese mit gebogenen Klammern, als auch durch festsitzende Provisorien versorgt werden. Hier bietet sicherlich die festsitzende Versorgung den höheren Komfort für den Patienten.

Maryland-Brücke

Sind die benachbarten Zähne kariesfrei, kann eine minimalinvasive Präparation palatinal bzw. lingual im Zahnschmelz erfolgen, wodurch eine Maryland-Brücke adhäsiv befestigt werden kann. Es handelt sich um ein laborgefertigtes Brückenglied mit "Flügeln" zum Ankleben an die Nachbarzähne. Aufgrund des nicht so großen Klebehalts ist die Adhäsivbrücke hauptsächlich für den nicht kaubelasteten Frontzahnbereich geeignet. Die Adhäsivprothetik basiert auf der erstmals von Buonocuore (1955) dargestellten Möglichkeit, die Haftung von Kunststoff (damals von Acrylaten) an Zähnen mit Hilfe des Anätzens von Zahnschmelz zu erreichen (Säureätztechnik, SAT). Dieses Prinzip wurde zunächst in der Zahnerhaltung und Kieferorthopädie (Klebung von Brackets) sowie zur Schienung von Zähnen verwendet. Livaditis (University of Maryland) präsentierte im Jahre 1980 die erste Adhäsivbrücke (Klebebrücke) für den Seitenzahnbereich, jedoch mit makromechanischer Verankerung und Metallgerüst. Zwei Jahre später konnte durch elektrolytische Ätzung der verwendeten Nichtedelmetallgerüste eine mikromechanische Verankerung des Befestigungskomposits am Metall erzielt werden. Seit den neunziger Jahren stehen hochfeste Oxidkeramiken auf Aluminium- und Zirkoniumoxidbasis zur Verfügung, die seitdem auch für metallfreie Adhäsivbrücken verwendet werden können. Vorraussetzung für die Maryland-Brücke ist eine gute Mundhygiene des Patienten. Wie dies in der Praxis aussieht verdeutlichen die Abbildungen 1 bis

Ovate Pontic Brigde

Die Ponticgestaltung ist aus der ästhetischen Praxis nicht mehr wegzudenken. Ein Ovate Pontic ist ein an der Basalfläche eiförmiges (konvexes) Zwischenglied. Diese Form wird vor allem für den ästhetisch wichtigen Frontzahnbereich empfohlen. Der entscheidende Schritt zur Ponticgestaltung beginnt bereits bei der Extraktion. Die schonende Extraktion unter Erhaltung des bukkalen Knochenrandes ist von entscheidender Bedeutung für eine ästhetische Neuversorgung. Auch der Kieferkamm sollte breit genug sein, so dass sich eine Art künstlicher Sulcus bilden kann. Nach der Extraktion muss der bukkale Knochen unbedingt gestützt werden (Ridge-Preservation).

Bei dem Patienten mussten 11, 12 und 22 entfernt werden. 13, 21 und 23 konnten erhalten werden. Sechs Wochen nach Zahnentfernung erfolgte die Implantation. Die geschlossene Einheilung erfolgte mit Hilfe von freien Schleimhauttransplantaten (FST) aus dem Gaumen. Diese wurden mit Fixationsnähten auf dem Alveolarkamm befestigt. Die palatinalen Entnahmestellen wurden mit Nähten adaptiert und der Patient wurde mit einer Verbandsplatte versorgt. Die laborgefertigte Acrylatbrücke wurde am darauf folgenden Tag der Präparation mit Phosphat Zement eingesetzt. Durch die ponticförmige Schleimhautauflage werden die Zahnfleischpapillen während der provisorischen Versorgung ausgeformt (Abb. 7 bis 10).

Glasfaser-Adhäsivtechnik

Die Ridge-Preservation-Technik kann z. B. durch das Einsetzen eines in Form und Farbe passend ausgewählten Prothesenzahnes erfolgen. Der Zahn wird von seiner Basis her so weit gekürzt und konvex gestaltet, dass der Knochen von der Alveole aus noch gestützt wird. Der Kunststoffzahn kann mit einem Glasfaserband (z. B. Ribbond) an den Nachbarzähnen befestigt werden. Nach einigen Wochen kann der eingeklebte Zahn entfernt werden und es zeigt sich eine ideale Vorraussetzung, sowohl seitens des Alveolarknochens als auch des ausgeformten Weichgewebes, für eine Neuversorgung mit einer Implantatkrone.

Beim diesem Patienten wurde Zahn 21 extrahiert. Für den provisorischen Verschluss der Frontzahnlücke wurde ein Glasfaserband über die mesiodistale Breite der Frontzähne von 11 bis 22 vermessen. Ein in Form und Farbe passend ausgewählter Prothesenzahn wird mit Adhäsivtechnik und einem Glasfaserband zur Verstärkung an den Nachbarzähnen befestigt (Abb. 11 bis 14).

Sonderfall: Glasfaser-Adhäsivtechnik mit Echtzahnprovisorium

Die Ridge-Preservation-Technik kann z. B. auch durch das Wiedereinsetzen des extrahierten Zahnes erfolgen. Dieser kann verwendet werden, wenn die Krone des sonst erkrankten Zahnes noch sehr gut erhalten ist. Auch hier sollte so viel von der gekürzten Wurzel erhalten bleiben, dass der Knochen von der Alveole aus noch gestützt wird. An der Basis des Echtzahnprovisoriums sollte der Wurzelkanal etwa 2 mm aufbereitet  und mit Kunststoff abgedichtet werden. Verfärbungen auf der Oberfläche des Zahnes werden mit einem Diamanten entfernt und der Zahn wird anschließend mit Bonding versiegelt.

Die Krone des entfernten endodontisch behandelten Zahnes mit apikaler Parodontitis konnte zum Provisorium umgearbeitet werden. Dazu wurde die Zahnwurzel abgetrennt und die Basis des Zahnes als Ovate Pontic gestaltet (Abb. 15 bis 17).

Provisorisch adhäsiv befestigte Einzelzahnrestauration

Mit Anwendung der Säureätztechnik (SAT) können einzelne Zahnprovisorien auch direkt mit Kunststoff an den Nachbarzähnen festgeklebt werden. Voraussetzung hierfür sind gesunde schmelzbegrenzte Klebeflächen. Unbehandelter Zahnschmelz ermöglicht keine gute Verbindung mit Kunststoffen, da er kaum Poren aufweist. Durch Aufbringung einer 30 bis 40%-iger Phosphorsäure auf den Zahnschmelz werden die Schmelzprismen oberflächlich entkalkt (Etching) und bieten so durch eine größere Oberfläche eine bessere Benetzbarkeit für den Kunststoff.

Zahn 12 war durch ein internes Pulpengranulom erkrankt und musste entfernt werden. Die Patientin entschied sich, die Zahnlücke drei Monate später durch ein Einzelzahnimplantat versorgen zu lassen.
Die Parodontalfasern wurden zirkulär mit einer 11er Skalpellklinge durchtrennt, so dass der Zahn möglichst atraumatisch durch Rotation entfernt werden konnte.
Passend zu den Nachbarzähnen wurde in Form und Farbe ein Kunststoffzahn ausgewählt. Die Basis des Zahnes wurde entsprechend gekürzt und als Ovate Pontic gestaltet. Mit dieser Form des Provisoriums wird die Schleimhaut für die spätere Implantatkrone ausgeformt.
Zahn 11 und 13 wurden von palatinal mit Phosphorsäure für 30 Sekunden angeätzt und anschließend mit Wasser abgespült. Der Kunststoffzahn wurde mit lichthärtendem transparentem Kunststoff mesial und distal befestigt (Abb. 18 bis 22).

Interims-Prothese mit gebogenen Klammern

Die einfachste provisorische Versorgung stellt die so genannte Interimsprothese dar. Diese Zwischenprothese wird laborgefertigt und übernimmt das primäre Ziel, nicht ohne Zähne sein zu müssen. Weitere Aufgaben der Interims-Prothese sind Wundabdeckung, Wandern der Zähne in eine Lücke zu verhindern, Zerkleinerung von Speisen und Fixierung der Bisslage beider Kiefer zueinander (Abb. 23).

Fazit

In allen Fällen, in denen eine der oben genannten Indikationen vorliegt, bevorzugen wir festsitzend, zementierte Brücken oder Klebetechniken. Diese Strategie ermöglicht in nahezu allen klinischen Situationen ein perfektes Weichgewebsmanagement, sowie eine ideale Vorbereitung für die Implantologie. Für Patienten bedeutet dies „mit Sicherheit feste Zähne, zu jeder Zeit“.

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Dr. Steffen Hohl

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Dr. Steffen Hohl


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