Implantologie allgemein


Sofortimplantation: Keramikimplantate im Unterkiefer-Seitenzahnbereich

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Keramikimplantate haben sich in der dentalen Implantologie fest etabliert. Die Nachfrage der Patientinnen und Patienten nach metallfreien Lösungen nimmt zu, und die Entwicklung neuer Biomaterialien, mikrorauer Oberfl ächentechniken und verbesserter Behandlungsprotokolle hat es den Praxen ermöglicht, Zahnimplantate aus Zirkonoxid als zuverlässige Behandlungsalternative zu Titan-Implantaten zu verwenden. In diesem Fallbericht wird der Ersatz eines Unterkieferseitenzahns durch ein Zirkonoxid-Implantat beschrieben.

Mehrere Studien haben gezeigt und nachgewiesen, dass Zirkonoxid-Implantate wenig bis keine Entzündungen des periimplantären Gewebes verursachen – bei gleichzeitig verlängertem epithelialem Attachment. Darüber hinaus sehen diese Implantate natürlicher aus und bieten daher eine verbesserte Ästhetik.

Außerdem enthalten sie keine Metallkomponenten, was sie ideal für Patienten mit einer Metallüberempfindlichkeit oder Präferenzen für eine metallfreie Lösung macht. Der Patient sollte über die Vor- und Nachteile beider Materialoptionen informiert und in die Entscheidungsfindung einbezogen werden, wenn ein Zirkonoxid-Implantat als Behandlungsoption angeboten wird [1-5].

Klinische Situation und Behandlungsplanung

Eine 21-jährige gesunde Patientin stellte sich in unserer Klinik vor. Sie bat um eine dauerhafte Lösung für ihren endodontisch infizierten Backenzahn (Abb. 1a). Der Backenzahn (Zahn 36) war sechs Monate zuvor endodontisch behandelt worden. Die Röntgenuntersuchung ergab eine Fraktur in Bezug auf Zahn 46 (Abb. 1b).

  • Abb. 1a: Ausgangssituation: endodontisch infizierten Backenzahn.
  • Abb 1b: Die Röntgenuntersuchung ergab eine Fraktur in Bezug auf Zahn 46.
  • Abb. 1a: Ausgangssituation: endodontisch infizierten Backenzahn.
    © Gupta
  • Abb 1b: Die Röntgenuntersuchung ergab eine Fraktur in Bezug auf Zahn 46.
    © Gupta

Der frakturierte Backenzahn 36 wurde zur Extraktion geplant. Die Patientin wurde über Keramikimplantate als Alternative zu Titanimplantaten und das Zeramex XT-Zahnimplantat als metallfreie Lösung informiert.

Nach einer ausführlichen Erklärung und Besprechung entschied sich die Patientin für diese Behandlungsoption. Der Hauptgrund für ihre Entscheidung war die Prognose einer geringeren Entzündung des periimplantären Gewebes bei Keramikimplantaten und einer metallfreien Lösung.

Chirurgische und restaurative Protokolle

Nach der Extraktion von Zahn 36 wurde eine Kürettage und ein Laser-Débridement (Biolase Diodenlaser, 940 nm) der Alveole durchgeführt (Abb. 2). Das Röntgenbild zeigte wenige Reste von PDL um die Alveole herum. Um die Sofortimplantate herum trugen die erhaltenen PDL-Reste direkt zur neuen Knochenbildung und Osseointegration bei (Abb. 3) [6].

  • Abb. 2: Der extrahierte Zahn 36.
  • Abb. 3: Röntgenbild des Führungsstifts regio 36.
  • Abb. 2: Der extrahierte Zahn 36.
    © Gupta
  • Abb. 3: Röntgenbild des Führungsstifts regio 36.
    © Gupta

Die chirurgischen Richtlinien des Bohrprotokolls wurden befolgt und ein zweiteiliges Zirkonoxid-Zahnimplantat (Zeramex XT) mit den Massen 4,2 x 12 mm wurde für den Ersatz von Zahn 36 verwendet (Abb. 3 und 4). Das Implantat wurde mit einem Drehmoment von 35 Ncm in den interdentalen Knochen mit Verbindungsebene supragingival (1,6 mm) eingesetzt.

  • Abb. 4a: Zweiteiliges Zeramex XT Implantat mit einer carbonfaserverstärkten Vicarbo®-Schraube.
  • Abb. 4b: Implantat regio 36 (bukkale Ansicht).
  • Abb. 4a: Zweiteiliges Zeramex XT Implantat mit einer carbonfaserverstärkten Vicarbo®-Schraube.
    © Gupta
  • Abb. 4b: Implantat regio 36 (bukkale Ansicht).
    © Gupta

  • Abb. 4c: Implantat regio 36 (linguale Ansicht).
  • Abb. 4d: Röntgenbild des Implantats regio 36.
  • Abb. 4c: Implantat regio 36 (linguale Ansicht).
    © Gupta
  • Abb. 4d: Röntgenbild des Implantats regio 36.
    © Gupta

Die transgingivale Schulter mit ihrer glatten Oberfläche (0,6 mm) bietet die optimalen Voraussetzungen für die Adhäsion von Weichgewebe. Die Primärstabilität wurde erreicht. Das Implantat wurde mit einer Verschlussschraube in situ abgedeckt und die Stelle ohne Transplantation verschlossen.

Vier Monate nach dem Eingriff begann der restaurative Prozess mit der Entfernung der Verschlussschraube und dem Einsetzen eines geraden Zirkonoxid-Abutments mit Kohlefaserschraube (Abb. 5 und 6). Das Abutment wurde für eine dauerhafte Abutment-Implantat-Verbindung mit einem Drehmoment von 25 Ncm verschraubt. Die Höhe des Abutments wurde mit einem Rotring-Diamantbohrer angepasst, gefolgt von einem konventionellen Abdruckverfahren für die endgültige Versorgung.

  • Abb. 5: Einheilung nach vier Monaten mit einer Einheilkappe.
  • Abb. 6: Einheilung nach vier Monaten ohne Einheilkappe.
  • Abb. 5: Einheilung nach vier Monaten mit einer Einheilkappe.
    © Gupta
  • Abb. 6: Einheilung nach vier Monaten ohne Einheilkappe.
    © Gupta

  • Abb. 7: Endgültige Keramikkrone regio 36.

  • Abb. 7: Endgültige Keramikkrone regio 36.
    © Gupta
Das Weichgewebe um das Abutment war bei der Abdrucknahme gesund und keratinisiert. Als prothetische Lösung wurde eine monolithische Zirkonoxidkrone verwendet. Um eine spannungs- und biegefreie Verbindung zwischen der Restauration und dem Implantat zu erreichen, wurde die Zirkonoxidrestauration nach dem Standardverfahren mit Glasionomerzement (Shofu INC, Japan) intraoral auf die Abutments zementiert (Abb. 7).

Klinische Ergebnisse

Das Ergebnis war wunderschön mit einer ausgezeichneten Gewebeheilung. Die Patientin war sehr zufrieden. Während der Nachbeobachtungszeit traten keine Entzündungen oder prothetischen Probleme auf. Das Ergebnis in diesem Fall war ein 100 % metallfreies Implantat und eine metallfreie Krone.

Fazit

Das Implantatsystem Zeramex XT ist für ein breites Spektrum an Indikationen konzipiert, von Einzelimplantaten bis hin zu Mehrfachimplantaten. Es hat sich in dem vorgestellten Fall als Sofortimplantat für die infizierte Alveole hervorragend bewährt.

Die chirurgischen und prothetischen Protokolle sind mit denen von Titanimplantaten vergleichbar. Dies sind wichtige Faktoren für die erfolgreiche Integration eines neuen Implantatsystems in den Praxisalltag. Unsere Hauptgründe für die Verwendung von Zeramex XT in dem vorgestellten Fall waren die folgenden:

  • Das Zeramex XT Implantatsystem ist so konzipiert, dass es ein natürliches Aussehen des Weichgewebes unterstützt, insbesondere bei Patienten mit einem dünnen Schleimhautbiotyp.
  • Zirkonoxid weist im Allgemeinen eine geringere Plaqueakkumulation und bakterielle Adhäsion auf als Titan.
  • Die Zerafil-Oberfläche dieser Implantate ist mikrorau und hydrophil für eine erfolgreiche Osseointegration, während der Implantatkragen teilweise maschinell bearbeitet ist und damit ein hervorragendes Weichgewebeattachment und eine geringe Entzündungsreaktion gewährleistet.
  • Diese Implantate bieten auch einen Vorteil bei der mechanischen Festigkeit. Sie bestehen aus ATZ-Zirkonoxid (Aluminum-toughened Zirconia), das eine verbesserte Härte, Biegefestigkeit und Zähigkeit bietet.
  • Die Implantate bieten eine große restaurative Flexibilität dank ihres zweiteiligen Designs mit interner Verbindung.
  • Mikrogewinde im Bereich des kortikalen Knochens ermöglichen eine bessere Primärstabilität und axiale Belastung, und das klinische Protokoll ist mit dem von Titanimplantaten vergleichbar.
  • Es handelt sich um eine metallfreie Lösung mit einer starken, zugspannungsreduzierenden Vicarbo-Schraube, die für eine optimale Implantat-Abutment-Verbindung sorgt.
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: BDS MDS Saurabh Gupta


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