Implantologie allgemein


Wirklich ein anderes Niveau

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Welche Erwartungen soll der Leser an ein Lehrbuch haben, welches kiloschwer ist, einen einfarbigen Leineneinband hat und lediglich mit dem Titel Vertikal2 auf sich aufmerksam macht? Auf den ersten Eindruck nicht viel… wäre da nicht ein Autor, der sich in der europäischen Implantologie-Szene breiter Bekanntheit und großer Anerkennung erfreut: Dr. Istvan Urban aus Budapest. Bereits das erste Buch mit dem Titel „Horizontaler und vertikaler Knochenaufbau“ machte die Leser mehr als neugierig. Istvan Urban und seine Techniken bereiteten die Renaissance der bereits vergangen geglaubten PTFE Membranen.

Das hier vorliegende Buch baut in puncto Grundlagenkenntnis auf dem ersten auf und setzt dessen Lektüre voraus. Es versteht sich nicht als zweiter Teil, sondern als Vertiefung mit wissenschaftlicher Einlassung. Sicherlich sind hier viele Erfahrungen aus und seit der Erstellung des ersten Buches vor vier Jahren eingeflossen, dennoch wird der wissenschaftlich fundierte Charakter des bisher in englischer Sprache erschienenen Buches deutlich.

In 23 Kapiteln erschließt uns der Autor seine implantologische Welt und verzichtet im Vergleich zu den meisten implantologischen „Standardwerken“ darauf, bei Adam und Eva anzufangen. Dennoch, für diejenigen Leser, deren Ziel es ist, die techniksensitive Methode der Augmentation mit einer tiPTFE-Membran erfolgreich anzuwenden, ist gerade das Verständnis der biologischen Grundlagen in Kapitel 1 und 2 unerlässlich. In den folgenden 8 Kapiteln wird der extreme Knochenabbau der seitlichen Mandibula – sicherlich die Paradedisziplin für diese Technik – mit allen Stolpersteinen und Technikvarianten erläutert.

Die Kapitel 11 bis 18 beschäftigen sich mit der posterioren Maxilla, den Schwierigkeiten und der Kombination mit gleichzeitig externem Sinuslift bei der Rekonstruktion ausgedehnter Defekte. Gleichzeitig kommen aber auch die einer erfolgreichen Behandlung zugrundeliegenden Regeln nicht zu kurz. Die weiteren Kapitel manifestieren den Anspruch eines umfassenden Lehrbuchs, da die Behandlung des Patienten und der spezifischen Fragestellung mit bekannten Techniken kombiniert werden.

Da nicht nur Hartgewebeaufbau, sondern auch der Umgang mit Weichgewebe und die Augmentation desselben zum Gegenstand genommen werden, bekommt man beim Durcharbeiten der jeweiligen Kapitel einen guten roten Faden vermittelt, der es später einfacher macht, den eigenen Fall einzuordnen. Besonders ist die kurze, meist punktuell abgefasste Zusammenfassung der Erkenntnisse am Ende eines jeden Kapitels.

Nicht zuletzt ist Istvan Urban bekannt für eine „kulinarische“ Nomenklatur: Die „Saussage-Technik“, bei der die Knochen-„Wurst“ nach vertikal verlagert wird, die „Lasagne-Technik“, bei der auch resorbierbare Materialien unter der tiPTFE Membran schichtweise eingebracht werden und nicht zuletzt das „ice cube“-förmige Bindegewebstransplantat. Große Magie strahlen die Aufschlüsselungen der komplizierteren Fälle in den letzten Kapiteln des Buches aus. Parodontale Defekte, Rehabilitation von Vernarbungen und zu guter Letzt die selbstproduzierten Komplikationen vervollkommnen die Liste all dessen, was der versierte Implantologe noch zu lernen hat und bestenfalls zur Perfektion bringen möchte.

Fazit

Dieses Buch ist trotz seiner konkreten Aufschlüsselung und der „straight forward“ Aussagen nichts für Leute, die es „einmal“ probieren möchten, vielmehr ist es eine hilfreiche Unterstützung für die, die sich aufgemacht haben, der Lernkurve zu folgen auf dem Weg in die vertikale Dimension.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Jan-Friedrich Dehner


Aufruf zur Online-Umfrage für ZÄ, ZMP und DH – Studie zu Gingivawucherungen
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Prof. Dr. Christian Graetz et al., Universitätsklinikum Kiel, freuen sich über die Teilnahme an einer anonymisierten Umfrage. Zeitdauer ca. 10 Minuten. Die Studie untersucht, ob aus zahnmedizinischer Sicht eine adäquate Versorgung des o.g. Krankheitsbildes „gingivale Wucherungen“ vorliegt.