Osseointegration

Interaktiver Fortbildungsteil – sammeln Sie CME-Punkte

Osseointegration von Implantatmaterialien


Eine wesentliche Grundvoraussetzung des erfolgreichen in situ Verbleibs der Implantate ist die Osseointegration, also die feste Verbindung der Oberfläche des eingebrachten Implantatmaterials mit der umgebenden Knochenhartsubstanz. Der vorliegende Artikel wird sich zum einen mit dem Prozess der Osseointegration von Implantatmaterialien und zum anderen mit Ansätzen der Akzeleration und gesteigerten Stabilisierung der Osseointegration beschäftigen.

Die implantatgetragene prothetische Rehabilitation stellt in der modernen Zahnheilkunde eine etablierte und zuverlässige Therapieoption dar. Dank technischer Weiterentwicklung und klinischer Langzeiterfahrung durch intensive Forschung ist der Indikationsbereich stetig gewachsen und auch schwierigere Knochensituationen stellen kaum noch Kontraindikationen dar. Nichtsdestotrotz sind die Überlebens- und die Erfolgsraten zahnärztlicher Implantate beispielsweise beim Vorliegen bestimmter das Knochenwachstum und die Knochenregeneration negativ beeinflussender Erkrankungen und Konditionen deutlich verschlechtert. Daher wird hier eine potentielle Verbesserung der Osseointegration im Sinne einer beschleunigten und festeren Verbindung zum ortsständigen Knochen, vor allem durch Veränderungen von Materialien und Oberflächenstrukturen und -beschichtungen, angestrebt.

Osseointegration

Laut Definition ist die Osseointegration eines Materials durch die feste Verbindung von Knochenhartsubstanz mit der Oberfläche des eingebrachten Fremdmaterials gekennzeichnet. Für die Anwendung dentaler Implantate bedeutet dies, dass hier direkte Verbindungen zwischen der Implantatoberfläche und der Knochenhartsubstanz ausgebildet werden. Diese biologische Integration geschieht nicht sofort, sondern erfolgt erst über einen Zeitraum von wenigen Wochen [1, 2]. Bei der Implantatinsertion wird die Primärstabilität der eingebrachten Implantate durch ein mechanisches Verblocken erreicht. Infolge dieses mechanischen Reizes auf den umgebenen Knochen kommt es zu einer Vielzahl von Umbauprozessen – das sogenannte Knochenremodelling. Hier findet physiologisch zuerst eine Weichgewebeintegration gefolgt von einer Knochenintegration (ab dem 3. Monat) statt (Abb. 3). Nachdem es durch die Insertion des Fremdmaterials als erstes zum Kontakt mit dem Blut des Empfängers mit all seinen Bestandteilen gekommen ist, werden vor allem aus den so aktivierten Thrombozyten intrinsische Wachstumsfaktoren sezerniert. Diese steuern die nun erfolgende Migration endothelialer und osteogener Zellen durch das entstandene Blutkoagel [3]. Die Folge ist eine frühe Neovaskularisation und schließlich eine suffiziente Verknöcherung des Spaltes zwischen ortsständigem Knochen und Fremdmaterial durch Osteokonduktion, also eines Knochenneuwachstums auf der Oberfläche des Implantats (Abb. 2 und 3). Es ist zu beachten, dass die osteogenetischen Zellen primär zum einen eine extrazelluläre Matrix aus Proteinen, hier vor allem Kollagenfasern, und zum anderen eine mineralische Phase aus Hydroxylapatit synthetisieren. Die extrazelluläre Matrix vermittelt die weitere zelluläre Adhäsion wobei der nun gebildete Osteoidsaum eine unverkalkte Knochengrundsubstanz an der Knochen-Implantat-Grenze – letztendlich in mineralisierten Geflechtknochen umgewandelt wird [4] (Abb. 3). Die Umbauprozesse laufen nicht nur direkt an der Kontaktfläche Implantat – Knochen ab, sondern beeinflussen auch die vertikale Knochenhöhe. Hier wird eine marginale Resorption von 1,3 bis 1,5 mm (bei zweiteiligen auf Knochenniveau implantierten Implantaten) als physiologisch angesehen. Bei der Stabilität von Implantaten unterscheidet man die Zeiträume Primärstabilität (Zeitpunkt der Implantation bis zur 6. Woche) und Sekundärstabilität (ab der 6. Woche). In der Übergangsphase (Abb. 1) befindet sich ein Zeitraum, indem die Primärstabilität bereits deutlich nachgelassen hat, aber die Sekundärstabilität noch nicht vollständig ausgebildet ist. Dieser Zeitraum wird als Stabilitätslücke bezeichnet und findet sich etwa 2 bis 4 Wochen nach Implantation. Das Ziel der Optimierung der Implantate liegt in der Verkürzung der Stabilitätslücke und im früheren Erreichen der Phase der Sekundärstabilität. Unter implantatprothetischer Belastung stellen sich schließlich dynamische Umbauprozesse der periimplantären Hart- und Weichgewebe ein. Nekrotischer Knochen wird nach 3 bis 4 Monate durch neue Osteone ersetzt.

  • Abb. 1: Übersicht der Stabilitätsphasen. Der Stabilitätsverlauf eines Implantats wird durch altes und neu aufgebautes Knochengewebe erzielt. Zwischen der zweiten und der vierten Woche existiert eine kritische Phase im Sinne einer Stabilitätslücke. Nach [Raghavendra et al., 2005].
  • Abb. 2: Sicht auf den Knochenkontakt im Bereich der mesialen Schulter eines kommerziell erhältlichen zahnärztlichen Implantats (NobelActive®, Nobel Biocare, CH-Zürich). Es ist deutlich erkennbar, wie der neugebildete Knochen (in blau) nach drei Wochen vom alten, randständigen kortikalen Knochen aus auf die Implantatoberfläche wächst und diese im Sinne einer Osseointegration umscheidet. Es handelt sich um die Histologie aus einem Tierversuch am Kaninchen, die originale Vergrößerung ist 10-fach, die Färbung Toluidinblau; aus [Kämmerer et al., 2014].
  • Abb. 1: Übersicht der Stabilitätsphasen. Der Stabilitätsverlauf eines Implantats wird durch altes und neu aufgebautes Knochengewebe erzielt. Zwischen der zweiten und der vierten Woche existiert eine kritische Phase im Sinne einer Stabilitätslücke. Nach [Raghavendra et al., 2005].
  • Abb. 2: Sicht auf den Knochenkontakt im Bereich der mesialen Schulter eines kommerziell erhältlichen zahnärztlichen Implantats (NobelActive®, Nobel Biocare, CH-Zürich). Es ist deutlich erkennbar, wie der neugebildete Knochen (in blau) nach drei Wochen vom alten, randständigen kortikalen Knochen aus auf die Implantatoberfläche wächst und diese im Sinne einer Osseointegration umscheidet. Es handelt sich um die Histologie aus einem Tierversuch am Kaninchen, die originale Vergrößerung ist 10-fach, die Färbung Toluidinblau; aus [Kämmerer et al., 2014].

  • Abb. 3: Nach der Insertion eines Implantats kommt es zu intensiven und komplexen Interaktionen zwischen dem Material mit seinen jeweiligen Oberflächeneigenschaften und zellulären/azellulären Bestandteilen des Extrazellulärraums (modifiziert nach [Puleo und Nanci, 1999; Davies, 2003]).
  • Tab. 1: Früh- und Spätverluste von Implantaten.
  • Abb. 3: Nach der Insertion eines Implantats kommt es zu intensiven und komplexen Interaktionen zwischen dem Material mit seinen jeweiligen Oberflächeneigenschaften und zellulären/azellulären Bestandteilen des Extrazellulärraums (modifiziert nach [Puleo und Nanci, 1999; Davies, 2003]).
  • Tab. 1: Früh- und Spätverluste von Implantaten.

Störungen der Osseointegration

Bei Erfolg und Misserfolg handelt es sich um dynamische, zeitabhängige Zustände, die regelmäßige Nachsorge und Reevaluation benötigen. So unterscheidet man hier die sogenannten Frühverluste und die Spätverluste der Implantate. Bei den Frühverlusten wird als Ursache eine Störung beziehungsweise ein vollständiges Ausbleiben der Osseointegration genannt. Gewöhnlicherweise findet ein früher Verlust in den ersten sechs Monaten nach Insertion statt. Die Ursachen hierfür sind vielgestaltig. So kann es sich beispielsweise um Wundinfektionen begünstig durch chronischen Nikotinabusus [5], Diabetes mellitus [6] oder Strahlentherapie [7] oder um eine mechanische Überlastung in Einheilungsphase, eine unzureichende primäre Stabilität der Implantate oder um chirurgische Komplikationen handeln (Tabelle 1). Bei den Spätverlusten geht man hingegen von einer initial erfolgreichen Osseointegration bei einer späteren Störung derselben, zum Beispiel durch Plaque induzierte Gingivitiden oder Periimplantitiden sowie eine mechanische Überlastung durch die Suprakonstruktion [8] aus (Tabelle 1). Aufgrund von diesen potentiellen Störungen von osseointegrativen Vorgängen wurden in der Vergangenheit vielfältige Modifikationen von Implantatdesign, Implantatmaterialien und vor allem der Implantatoberflächen entwickelt und in-vitro sowie in-vivo erprobt.

Design der Implantate

Die ersten Implantate stellten eine Kopie der Natur dar und zeigten ein den natürlichen Zahnwurzeln nachempfundenes Design. Der enossale Anteil des Implantats hat verschiedene Aufgaben. Zum einen ist eine ausreichende und leicht zu erzielende Primärstabilität mit einer geringen Distanz zwischen Knochen und Implantat für die spätere Osseointegration von Vorteil. Zum anderen spielt die Oberfläche des Implantats eine wichtige Rolle bei den Einheilungsvorgängen. Daher ist eine möglichst hohe Vergrößerung dieser Oberfläche anzustreben, die einen maximalen Kontakt zum vitalen Gewebe bietet und zu einer Reduktion der auf das Implantat bei habituellen Kauvorgängen einwirkenden Kräfte führt. Zur Vermeidung von Operationstraumata und großflächigen Augmentationen ist gleichzeitig ein möglichst geringes Implantatvolumen relevant, wie es bei Implantaten mit reduzierter Länge und reduziertem Durchmesser vorliegt [9]. Diese Anforderungen führten bei nahezu allen modernen, kommerziell erhältlichen Implantaten zur Schraubenform.

Implantatmaterialien

Dentale Implantate müssen zum einen biokompatibel und zum anderen für eine stabile und belastbare Langzeitfunktion geeignet sein. Brånemark begann 1952 mit seinen Forschungsarbeiten bezüglich enossaler Dentalimplantate und prägte den Begriff der Osseointegration [10]. In seiner Arbeitsgruppe wurden 1977 zum ersten Mal zahnärztliche Implantate aus Titan erfolgreich beim Menschen eingesetzt. Titan weist ein günstiges Verhältnis zwischen Stärke und Gewicht auf. Seine mechanische Stärke und Steife ist weit höher als die des Knochens und es kann daher große Kräfte ertragen, die bei der habituellen Mastikation auftreten können [11]. Zum anderen ist Titan biologisch inert und biokompatibel, wobei vor allem seine hohe Korrosionsresistenz hier eine bedeutende Rolle spielt [12]. Minuten nach Fertigung der Werkstücke bildet sich eine stabile Oxidschicht, die eine Tiefe von 3 bis 10 nm erreicht und dafür sorgt, dass sowohl Metallbestandteile als auch Titanionen nicht in die umgebenden biologischen Gewebe diffundieren können [13]. Allergische Reaktionen von Patienten auf dentale Titanimplantate konnten bisher nicht bewiesen werden [14].

Titan mit einer Zugabe von maximal 0,5 % Eisen stellt daher zurzeit den Standard für dentale Implantate dar. Allerdings werden auch verschiedene Legierungen verwendet. Diese können die Zugfestigkeit und das Ermüdungsverhalten weiter verbessern. So ist Titan mit einem 6 %-igen Zusatz von Aluminium und einem 4 %-igen Vanadium-Gehalt eine im biomedizinischen Bereich – besonders in der Traumatologie und in der Orthopädie – gebräuchliche Legierung [15]. Allerdings konnte gezeigt werden, dass sich bei dieser Legierung die einzelnen Bestandteile ablösen können [16], Aluminium den Knochenwachstum negativ beeinflusst und Vanadium stark zytotoxisch ist [17]. Daher werden im zahnärztlich-implantologischen Bereich derzeit neben dem Reintitan Legierungen mit nicht-toxischen Zusätzen, wie Nobium, Tantal und aktuell vor allem Zirkonium, eingesetzt, das dem Titan ähnliche Eigenschaften haben soll [18, 19] (Abb. 4). Weitere synthetische Materialien für Zahnimplantate sind Keramiken, Karbone und Polymere [20, 21].

  • Abb. 4: Sicht auf den Knochenkontakt im Bereich der mesialen Schulter eines kommerziell erhältlichen zahnärztlichen Implantats aus einer Titan-Zirkon-Legierung (Roxolid®, Institut Straumann AG, CH-Basel). Nach sechs Wochen existierte im Tiermodell kein Unterschied in der Osseointegration im Vergleich zu konventionellen Titanimplantaten (originale Vergrößerung 10-fach, Färbung Toluidinblau; aus [Kämmerer, Palarie, et al., 2013]).
  • Abb. 5: Elektronenmikroskopische Darstellung von Titanoberflächen vor (a) und nach (b) Anätzung. Es zeigt sich, dass die Rauigkeit erhöht und ein charakteristisches Oberflächenmuster geschaffen wird. Hiermit wird in-vivo eine verbesserte Osseointegration erreicht (Bilder wurden von Dr. E. Stender, Institut für Zahnärztliche Werkstoffkunde und Technologie der Universitätsmedizin Mainz zur Verfügung gestellt).
  • Abb. 4: Sicht auf den Knochenkontakt im Bereich der mesialen Schulter eines kommerziell erhältlichen zahnärztlichen Implantats aus einer Titan-Zirkon-Legierung (Roxolid®, Institut Straumann AG, CH-Basel). Nach sechs Wochen existierte im Tiermodell kein Unterschied in der Osseointegration im Vergleich zu konventionellen Titanimplantaten (originale Vergrößerung 10-fach, Färbung Toluidinblau; aus [Kämmerer, Palarie, et al., 2013]).
  • Abb. 5: Elektronenmikroskopische Darstellung von Titanoberflächen vor (a) und nach (b) Anätzung. Es zeigt sich, dass die Rauigkeit erhöht und ein charakteristisches Oberflächenmuster geschaffen wird. Hiermit wird in-vivo eine verbesserte Osseointegration erreicht (Bilder wurden von Dr. E. Stender, Institut für Zahnärztliche Werkstoffkunde und Technologie der Universitätsmedizin Mainz zur Verfügung gestellt).

Implantatoberflächen

Aktuelle Untersuchungen konnten bestätigen, dass bereits Modifikationen der Oberflächentopographie zahnärztlicher Implantate im Bereich von wenigen Millimetern ausreichend sind, um verbesserte osteogene Eigenschaften zu erzielen [22, 23]. Generell kann zwischen additiven, das heißt aufbringenden, Oberflächenbearbeitungen, und ablativen, das heißt wegnehmenden oder abtragenden, Verfahren unterschieden werden. Zu den zuerst genannten zählen vor allem die Implantatbeschichtungen mit Hydroxylapatit, Calciumphosphat oder Titanoxid [24, 25]. Die Akzeptanz solcher Beschichtungen ist noch gering, vor allem da innerhalb derselben Charge bereits Qualitätsschwankungen aufgezeigt werden können. Die Beschichtungen sind weiterhin nicht geschlossen sondern porös und die erhöhte Grenzflächenspannung kann zu einer leichten Ablösung der Schichten vom Implantat führen. Da anorganische Schichten unter hohen Temperaturen bei vornehmlich unphysiologischen Bedingungen appliziert werden müssen, ist eine Hinzufügung von Proteinen und von Collagen im Sinne weitergehender Modifi kationen nur nachträglich möglich, was wiederum eine schnelle und unkontrollierte Abgabe dieser Komponenten an die Umgebung impliziert [26, 27]. Die kommerziell erhältlichen subtraktiven Verfahren umfassen chemisches Anätzen und Abstrahlen – vor allem mit Sand- und Aluminiumoxidstrahlern – sowie die Kombination aus beidem (Abb. 5). Die resultierende erhöhte Rauigkeit der Oberfl äche im Mikrometerbereich erhöht nachgewiesenermaßen die mechanische Stabilität im Knochen im Sinne einer erhöhten Sekundärstabilität. Weitere Modifikationen im Sinne einer Steigerung der Hydrophilität von Oberflächen [28] zeigten in der Vergangenheit ebenfalls größtenteils positive Ergebnisse in-vitro [29] und in-vivo [21, 30].

Ausblick

Dentale Schraubenimplantate aus Titan mit modern-rauen Oberflächen haben in klinischen Langzeituntersuchungen mit einem Überleben von bis zu 90 % nach 20 Jahren eine gute bis sehr gute Überlebensprognose [31-33]. Die Osseointegration der Fremdmaterialien im Sinne einer ankylotischen Einheilung spielt hier eine wesentliche Rolle. Allerdings stellen sich in der Zukunft weitere Herausforderungen, die eine Verbesserung der Osseointegration erfordern. So gewinnen zum einen bei steigenden funktionellen und ästhetischen Anforderungen Maßnahmen zur Verkürzung der Einheilzeiten, gerade im Rahmen der Sofortversorgung und der verzögerten Sofortversorgung, deutlich an klinischer Relevanz [24, 34, 35]. Zum anderen spielen individuelle patientenabhängige Parameter, wie beispielsweise das Alter und der Gesundheitszustand, bei der Implantatprognose eine wichtige Rolle [36]. Bei dem derzeitigen demographischen Wandel kommt es zu einer erheblichen Zunahme von Patienten mit allgemeinmedizinischen Risikoerkrankungen in der zahnärztlichen Praxis, die auf 10 bis 20 % des Patientengutes geschätzt wird [37, 38]. Diabetes mellitus führt zu einer verschlechterten Weich- und Hartgewebsheilung, die Einfl uss auf den Implantaterfolg haben kann [39, 40]. Eine osteoporotische Erkrankung, gekennzeichnet durch Abnahme von Knochendichte und raschem Abbau von Knochensubstanz und Knochenstruktur, beinhaltete bei Frauen ohne Östrogensubstitution einen gesteigerten Implantatverlust im Oberkiefer [41]. Der Einsatz von Bisphosphonaten kann zur Kiefernekrose, insbesondere bei den Knochen traumatisierenden Eingriffen, führen [42]. Daher wird eine enossale Implantation als elektive chirurgische Maßnahme bei derartig kompromittierten Patienten von einigen Autoren als kritisch oder gar kontraindiziert gesehen [43-45]. Zu den Risikopatienten gehören auch solche, die als integraler Bestandteil einer Tumorerkrankung eine Bestrahlung erhalten haben, wobei hier die Dosishöhe, die Fraktionierung, eventuelle begleitende Therapien, die anatomische Region und der Zeitpunkt der Implantation Faktoren mit Einfluss sind [46]. Weiterhin werden derzeit vielfach Implantate in reduziertem Durchmesser und in reduzierter Länge erprobt, die bei den geeigneten Patienten eine Alternative zu teilweise kosten- und zeitaufwändigen Augmentationsprozeduren mit den jeweiligen Risiken und Donormorbiditäten sein können [18, 47]. Die im Vergleich zu den derzeitig gängigen Implantaten verringerten Dimensionen LITERATUR führen allerdings zu einer ebenfalls verringerten, für die Osseointegration notwendigen Oberfläche [48]. Somit wird, bei gleichbleibender Belastung, die Beanspruchung des Materials an dem Interface zwischen Fremdmaterial und Knochen erhöht [49, 50].

Verbesserte Materialien und Oberflächeneigenschaften haben hier das Potential, die Wartezeiten zu verkürzen, bei „Risikosituationen“ zu einer Verbesserung der Prognose zu führen und kleinvolumigere Implantatsysteme zu ermöglichen [21]. Hier sind insbesondere die Oberflächen des Titans und seiner Legierungen im Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Beschichtungen mit Wachstumsfaktoren oder auch nur mit kleinen Signalmolekülen, wie dem RGD-Peptid, mit komplexen Arzneimitteln oder auch mit anorganischen Mineralien konnten bereits Vorteile in der Osseointegration zeigen. Hier stehen allerdings klinische Ergebnisse in einem Großteil der Fälle noch aus. Da derartig modifizierte Implantate potentiell keine Medizinprodukte mehr sind, sondern unter das Arzneimittelgesetz fallen, wird hier auch die Kostenfrage einen entscheidenden Einfluss haben.


LITERATUR

LITERATUR
DENT IMPLANTOL (18)5 2014, S. 338-344
Dr. Dr. Michael Dau / Dr. Dr. Peer W. Kämmerer


Osseointegration von Implantatmaterialien


[1]        Abrahamsson, I., Berglundh, T., Linder, E., Lang, N. P. und Lindhe, J. (2004). "Early bone formation adjacent to rough and turned endosseous implant surfaces. An experimental study in the dog." Clin Oral Implants Res 15(4): 381-392.
[2]        Berglundh, T., Abrahamsson, I., Lang, N. P. und Lindhe, J. (2003). "De novo alveolar bone formation adjacent to endosseous implants." Clin Oral Implants Res 14(3): 251-262.
[3]        Kämmerer, P. W., Gabriel, M., Al-Nawas, B., Scholz, T., Kirchmaier, C. M. und Klein, M. O. (2012). "Early implant healing: promotion of platelet activation and cytokine release by topographical, chemical and biomimetical titanium surface modifications in vitro." Clin Oral Implants Res 23(4): 504-510.
[4]       
Masuda, T., Yliheikkila, P. K., Felton, D. A. und Cooper, L. F. (1998). "Generalizations regarding the process and phenomenon of osseointegration. Part I. In vivo studies." Int J Oral Maxillofac Implants 13(1): 17-29.
[5]        Paquette, D. W., Brodala, N. und Williams, R. C. (2006). "Risk factors for endosseous dental implant failure." Dent Clin North Am 50(3): 361-374, vi.
[6]        McCracken, M., Lemons, J. E., Rahemtulla, F., Prince, C. W. und Feldman, D. (2000). "Bone response to titanium alloy implants placed in diabetic rats." Int J Oral Maxillofac Implants 15(3): 345-354.
[7]        Tanaka, T. I., Chan, H. L., Tindle, D. I., Maceachern, M. und Oh, T. J. (2013). "Updated clinical considerations for dental implant therapy in irradiated head and neck cancer patients." J Prosthodont 22(6): 432-438.
[8]        Esposito, M., Hirsch, J. M., Lekholm, U. und Thomsen, P. (1998). "Biological factors contributing to failures of osseointegrated oral implants. (I). Success criteria and epidemiology." Eur J Oral Sci 106(1): 527-551.
[9]        Kämmerer, P. W. und Lehmann, K. M. (2013). "Thema: Titan-Zirkon-Legierung bei durchmesserreduzierten Implantaten." Z Zahnärztl Implantol 29(1): 46-48.
[10]      Brånemark, P. I., Adell, R., Breine, U., Hansson, B. O., Lindström, J. und Ohlsson, A. (1969). "Intra-osseous anchorage of dental prostheses. I. Experimental studies." Scandinavian Journal of Plastic and Reconstructive Surgery 3(2): 81-100.
[11]     
Albrektsson, T., Brånemark, P. I., Hansson, H. A., Kasemo, B., Larsson, K., Lundström, I., McQueen, D. H. und Skalak, R. (1983). "The interface zone of inorganic implants In vivo: Titanium implants in bone." Annals of Biomedical Engineering 11(1): 1-27.
[12]      Lausmaa, J. und Kasemo, B. (1990). "Surface spectroscopic characterization of titanium implant materials." Applied Surface Science 44(2): 133–146.
[13]      Albrektsson, T., Branemark, P. I., Hansson, H. A. und Lindstrom, J. (1981). "Osseointegrated titanium implants. Requirements for ensuring a long-lasting, direct bone-to-implant anchorage in man." Acta orthopaedica Scandinavica 52(2): 155-170.
[14]     
Kämmerer, P. W., Lehmann, K. M. und Al-Nawas, B. (2011). "Thema: Allergische Reaktionen auf zahnärztliche Implantate aus Titan?" Z Zahnärztl Implantol 27(1): 30-32.
[15]      Niinomi, M. (2003). "Recent research and development in titanium alloys for biomedical applications and healthcare goods." Science and Technology of Advanced Materials 4(5): 445-454.
[16]      Kodama, T. (1989). "[Study on biocompatibility of titanium alloys]." Kokubyo Gakkai zasshi. The Journal of the Stomatological Society, Japan 56(2): 263-288.
[17]      Matsuno, H., Yokoyama, A., Watari, F., Uo, M. und Kawasaki, T. (2001). "Biocompatibility and osteogenesis of refractory metal implants, titanium, hafnium, niobium, tantalum and rhenium." Biomaterials 22(11): 1253-1262.
[18]      Al-Nawas, B., Bragger, U., Meijer, H. J., Naert, I., Persson, R., Perucchi, A., Quirynen, M., Raghoebar, G. M., Reichert, T. E., Romeo, E., Santing, H. J., Schimmel, M., Storelli, S., ten Bruggenkate, C., Vandekerckhove, B., Wagner, W., Wismeijer, D. und Muller, F. (2012). "A double-blind randomized controlled trial (RCT) of Titanium-13Zirconium versus Titanium Grade IV small-diameter bone level implants in edentulous mandibles--results from a 1-year observation period." Clinical implant dentistry and related research 14(6): 896-904.
[19]     
Kämmerer, P. W., Palarie, V., Schiegnitz, E., Hagmann, S., Alshihri, A. und Al-Nawas, B. (2013). "Vertical osteoconductivity and early bone formation of titanium zirconium and titanium implants in a sub-periosteal rabbit animal model." Clin Oral Impl Res [Epub ahead of print].
[20]      Meffert, R. M. (1997). "Do implant surfaces make a difference?" Current opinion in periodontology 4: 104-108.
[21]      Rashidi, M. (2014). Evaluierung der Osteokonduktivität einer spezifischen Biotin-Streptavidin-Fibronektin-Oberflächenbeschichtung von Titanimplantaten in vivo. Dr. med. dent., Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
[22]      Zinger, O., Zhao, G., Schwartz, Z., Simpson, J., Wieland, M., Landolt, D. und Boyan, B. (2005). "Differential regulation of osteoblasts by substrate microstructural features." Biomaterials 26(14): 1837-1847.
[23]     
Wennerberg, A. und Albrektsson, T. (2009). "Effects of titanium surface topography on bone integration: a systematic review." Clinical oral implants research 20 Suppl 4: 172-184.
[24]      Palarie, V., Bicer, C., Lehmann, K. M., Zahalka, M., Draenert, F. G. und Kämmerer, P. W. (2012). "Early outcome of an implant system with a resorbable adhesive calcium-phosphate coating--a prospective clinical study in partially dentate patients." Clinical oral investigations 16(4): 1039-1048.
[25]      Kim, S. G., Hahn, B. D., Park, D. S., Lee, Y. C., Choi, E. J., Chae, W. S., Baek, D. H. und Choi, J. Y. (2011). "Aerosol deposition of hydroxyapatite and 4-hexylresorcinol coatings on titanium alloys for dental implants." Journal of oral and maxillofacial surgery : official journal of the American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons 69(11): e354-363.
[26]      Le Guehennec, L., Soueidan, A., Layrolle, P. und Amouriq, Y. (2007). "Surface treatments of titanium dental implants for rapid osseointegration." Dental materials : official publication of the Academy of Dental Materials 23(7): 844-854.
[27]      de Jonge, L. T., Leeuwenburgh, S. C., Wolke, J. G. und Jansen, J. A. (2008). "Organic-inorganic surface modifications for titanium implant surfaces." Pharmaceutical research 25(10): 2357-2369.
[28]     
Zinelis, S., Silikas, N., Thomas, A., Syres, K. und Eliades, G. (2012). "Surface characterization of SLActive dental implants." The European journal of esthetic dentistry : official journal of the European Academy of Esthetic Dentistry 7(1): 72-92.
[29]      Gu, Y. X., Du, J., Si, M. S., Mo, J. J., Qiao, S. C. und Lai, H. C. (2013). "The roles of PI3K/Akt signaling pathway in regulating MC3T3-E1 preosteoblast proliferation and differentiation on SLA and SLActive titanium surfaces." Journal of biomedical materials research. Part A 101(3): 748-754.
[30]     
Gottlow, J., Barkarmo, S. und Sennerby, L. (2012). "An experimental comparison of two different clinically used implant designs and surfaces." Clinical implant dentistry and related research 14 Suppl 1: e204-212.
[31]      Chappuis, V., Buser, R., Bragger, U., Bornstein, M. M., Salvi, G. E. und Buser, D. (2013). "Long-Term Outcomes of Dental Implants with a Titanium Plasma-Sprayed Surface: A 20-Year Prospective Case Series Study in Partially Edentulous Patients." Clinical implant dentistry and related research 15(6): 780-790.
[32]      Al-Nawas, B., Kämmerer, P. W., Morbach, T., Ophoven, F. und Wagner, W. (2011). "Retrospective clinical evaluation of an internal tube-in-tube dental implant after 4 years, with special emphasis on peri-implant bone resorption." The International journal of oral & maxillofacial implants 26(6): 1309-1316.
[33]      Al-Nawas, B., Kämmerer, P. W., Morbach, T., Ladwein, C., Wegener, J. und Wagner, W. (2012). "Ten-year retrospective follow-up study of the TiOblast dental implant." Clinical implant dentistry and related research 14(1): 127-134.
[34]      Noelken, R., Kunkel, M. und Wagner, W. (2011). "Immediate implant placement and provisionalization after long-axis root fracture and complete loss of the facial bony lamella." The International journal of periodontics & restorative dentistry 31(2): 175-183.
[35]      Noelken, R., Morbach, T., Kunkel, M. und Wagner, W. (2007). "Immediate function with NobelPerfect implants in the anterior dental arch." The International journal of periodontics & restorative dentistry 27(3): 277-285.
[36]      Truhlar, R. S., Orenstein, I. H., Morris, H. F. und Ochi, S. (1997). "Distribution of bone quality in patients receiving endosseous dental implants." J Oral Maxillofac Surg 55(12 Suppl 5): 38-45.
[37]      Al-Nawas, B. und Grötz, K. A. (2011). "Risikopatienten in der zahnärztlichen Praxis - Demographie und medizinischer Fortschritt." Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 54: 1066-1072.
[38]      Dhanuthai, K., Sappayatosok, K., Bijaphala, P., Kulvitit, S. und Sereerat, T. (2009). "Prevalence of medically compromised conditions in dental patients." Medicina oral, patologia oral y cirugia bucal 14(6): E287-291.
[39]     
Morris, H. F., Ochi, S. und Winkler, S. (2000). "Implant survival in patients with type 2 diabetes: placement to 36 months." Annals of periodontology / the American Academy of Periodontology 5(1): 157-165.
[40]      Olson, J. W., Shernoff, A. F., Tarlow, J. L., Colwell, J. A., Scheetz, J. P. und Bingham, S. F. (2000). "Dental endosseous implant assessments in a type 2 diabetic population: a prospective study." The International journal of oral & maxillofacial implants 15(6): 811-818.
[41]      August, M., Chung, K., Chang, Y. und Glowacki, J. (2001). "Influence of estrogen status on endosseous implant osseointegration." Journal of oral and maxillofacial surgery : official journal of the American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons 59(11): 1285-1289; discussion 1290-1281.
[42]      Marx, R. E., Sawatari, Y., Fortin, M. und Broumand, V. (2005). "Bisphosphonate-induced exposed bone (osteonecrosis/osteopetrosis) of the jaws: risk factors, recognition, prevention, and treatment." Journal of oral and maxillofacial surgery : official journal of the American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons 63(11): 1567-1575.
[43]      Grötz, K. A., Schmidt, B. L. J., Walter, C. und Al-Nawas, B. (2010). "Bei welchen Bisphosphonat-Patienten darf ich eigentlich implantieren? Ein systematisches Review." Z Zahnärztl Implantol 26: 153-161.
[44]      Scully, C., Madrid, C. und Bagan, J. (2006). "Dental endosseous implants in patients on bisphosphonate therapy." Implant dentistry 15(3): 212-218.
[45]      Otto, S., Abu-Id, M. H., Fedele, S., Warnke, P. H., Becker, S. T., Kolk, A., Mucke, T., Mast, G., Kohnke, R., Volkmer, E., Haasters, F., Lieger, O., Iizuka, T., Porter, S., Campisi, G., Colella, G., Ploder, O., Neff, A., Wiltfang, J., Ehrenfeld, M., Kreusch, T., Wolff, K. D., Sturzenbaum, S. R., Schieker, M. und Pautke, C. (2011). "Osteoporosis and bisphosphonates-related osteonecrosis of the jaw: not just a sporadic coincidence--a multi-centre study." Journal of cranio-maxillo-facial surgery : official publication of the European Association for Cranio-Maxillo-Facial Surgery 39(4): 272-277.
[46]     
Granström, G. (2003). "Radiotherapy, osseointegration and hyperbaric oxygen therapy." Periodontology 2000 33: 145-162.
[47]      Draenert, F. G., Sagheb, K., Baumgardt, K. und Kämmerer, P. W. (2012). "Retrospective analysis of survival rates and marginal bone loss on short implants in the mandible." Clinical oral implants research 23(9): 1063-1069.
[48]      Ivanoff, C. J., Sennerby, L., Johansson, C., Rangert, B. und Lekholm, U. (1997). "Influence of implant diameters on the integration of screw implants. An experimental study in rabbits." International journal of oral and maxillofacial surgery 26(2): 141-148.
[49]      Kong, L., Sun, Y., Hu, K., Li, D., Hou, R., Yang, J. und Liu, B. (2008). "Bivariate evaluation of cylinder implant diameter and length: a three-dimensional finite element analysis." Journal of prosthodontics : official journal of the American College of Prosthodontists 17(4): 286-293.
[50]      Ding, X., Zhu, X. H., Liao, S. H., Zhang, X. H. und Chen, H. (2009). "Implant-bone interface stress distribution in immediately loaded implants of different diameters: a three-dimensional finite element analysis." Journal of prosthodontics : official journal of the American College of Prosthodontists 18(5): 393-402.
[51]      Raghavendra, S., Wood, M. C. und Taylor, T. D. (2005). "Early wound healing around endosseous implants: a review of the literature." Int J Oral Maxillofac Implants 20(3): 425-431.
[52]      Kämmerer, P. W., Palarie, V., Schiegnitz, E., Hagmann, S., Alshihri, A. und Al-Nawas, B. (2014). "Vertical osteoconductivity and early bone formation of titanium-zirconium and titanium implants in a subperiosteal rabbit animal model." Clin Oral Implants Res 25(7): 774-780.
[53]     
Puleo, D. A. und Nanci, A. (1999). "Understanding and controlling the bone-implant interface." Biomaterials 20(23-24): 2311-2321.
[54]      Davies, J. E. (2003). "Understanding peri-implant endosseous healing." Journal of Dental Education 67(8): 932-949.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Dr. Michael Dau - Dr. Dr. Peer Wolfgang Kämmerer

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Dr. Michael Dau , Dr. Dr. Peer Wolfgang Kämmerer



Kostenloses Live-Webinar

In diesem kostenlosen Webinar von Permadental wird am 14.04.2021 von 14:00–15:00 Uhr die „F.I.T. – Forma Injektionstechnik: Eine alternative Therapie mit fließfähigen Composites“ vorgestellt.

Nobel Biocare N1™ System – das interaktive Webinar am 21.04.2021 ab 18 Uhr

Nobel Biocare N1 ist mehr als nur ein Implantat - es ist ein System, das Ihnen erstmals vorgestellt wird.