Periimplantitis

Erste Langzeitstudie zu zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten

Keine Periimplantitis nach neun Jahren Implantatfunktion

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Keine Periimplantitis, gesundes Weichgewebe, stabile Knochenniveaus und keine Implantatfrakturen nach 9 Jahren – das zeigten zweiteilige Patent™ Implantate in der unabhängigen prospektiven Studie der Universität Düsseldorf, der ersten Langzeitstudie zu zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten [1].

Die ersten klinischen Langzeitdaten zu zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten wurden in einer unabhängigen wissenschaftlichen Studie veröffentlicht [1]. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Jürgen Becker, Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, untersuchte über einen Zeitraum von 9 Jahren integrierte zweiteilige Implantate (Patent™, Zircon Medical) auf periimplantäre Gewebegesundheit und langfristige Implantatfunktion.

Die Studie führt zweiteilige Zirkonoxidimplantate einen großen Schritt in Richtung wissenschaftlicher und damit klinischer Anerkennung. Die Erkenntnis: Langfristige Mundgesundheit nach Zahnverlust ist mit zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten (im Fall der Studie Patent™) schon heute klinische Realität.

Studiendesign

Ziel der Studie war es, die klinische Leistung des zweiteiligen Implantatsystems nach einer Funktionsdauer von 9 Jahren zu beurteilen. Zwischen 2011 und 2012 wurden 52 Probanden mit zweiteiligen Einzelzahnimplantaten im Seitenzahnbereich versorgt. Die Daten der Zweijahreskontrolle wurden bereits in einer früheren Studie publiziert [2].

Von den ursprünglichen Probanden meldeten sich 30 nach dem Aufruf zur Langzeit-Folgeuntersuchung. Aufgrund eines Implantatverlusts wurden die Daten von 29 Implantaten analysiert. Als Erfolgsbewertungskriterium wurden Survival Rates („Überlebensraten“) herangezogen.

Weiterhin wurden folgende klinische Parameter ermittelt: Plaque-Index (PI), Blutung auf Sondierung (BOP), Sondierungstiefe (PD) und Mukosarezession (MR). Der durchschnittliche Beobachtungszeitrum betrug 111,1 ± 2,2 Monate.

Bedeutung der Studie

Bisher gab es noch keine Langzeitbeobachtungen zu zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten. Die derzeit am Markt erhältlichen Implantatsysteme werden generell immer seltener in Langzeitstudien untersucht. Die vorhandenen Studien beschränken sich dabei oftmals auf Beobachtungszeiträume von maximal 5 Jahren.

Problematisch ist hierbei, dass einerseits die meisten der bereits wissenschaftlich langzeitgetesteten Systeme gar nicht mehr auf dem Markt sind. Andererseits schreitet die Einführung neuer Produktlinien derart schnell voran, dass eine wissenschaftliche Auswertung über längere Zeiträume sehr schwierig ist [3].

Fokus auf Langzeitresultate

  • Abb. 1: Komplikationen nach Implantationen nehmen laut aktueller Studienlage mit der Zeit zu [1,4–8].

  • Abb. 1: Komplikationen nach Implantationen nehmen laut aktueller Studienlage mit der Zeit zu [1,4–8].
    © Zircon Medical
Beunruhigend ist dies deshalb, da die Prävalenz biologischer Komplikationen wie Perimukositis und Periimplantitis mit der Zeit zunimmt (Abb. 1) [1,4–8]. Derks und Tomasi berichten von 43% Perimukositis und 22% Periimplantitis innerhalb von 8 Jahren nach der Implantation [9]. Eine weitere, 21 bis 26 Jahre umfassende Untersuchung bestätigt den Wert von 22% Periimplantitis und zeigte sogar eine höhere Prävalenz von Perimukositis von 54,7% [10].

Periimplantitis ist eine biologische Spätkomplikation als Folge einer vorausgegangenen Perimukositis, bei der sich die Gewebe um integrierte Zahnimplantate chronisch entzünden, was einen Verlust von Weichgewebe und Knochen bedingt. Eine unkontrollierte Periimplantitis kann zu Infektionen im Mundraum führen, die wiederum das Immunsystem belasten und das Risiko für die Entstehung von anderen Krankheiten erhöhen können. Studien haben gezeigt, dass es möglicherweise eine Verbindung zwischen unbehandelter Periimplantitis und chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Autoimmunerkrankungen und Immundefekten wie Morbus Crohn sowie rheumatischen Erkrankungen gibt [11–13].

Wie funktioniert das untersuchte Implantatsystem?

Das Patent™ Implantatsystem wurde mit dem Ziel entwickelt, Gewebegesundheit und Implantatfunktion über einen langen Zeitraum sicherzustellen. Im Unterschied zu anderen Systemen ahmt das Implantatsystem in puncto Design und strukturellem Aufbau die Natur des natürlichen Zahns nach. In das eingesetzte Implantat wird ein Glasfaserstift zementiert, der mit seinen dentinähnlichen Eigenschaften als flexibles Dämpfungselement im Rahmen der Gesamtversorgung fungiert.

  • Abb. 2: Mit einem maschinierten transgingivalen und einem rauen enossalen Anteil verfügt das Patent™ Implantatsystem über eine speziellen Oberflächentopografie mit zwei unterschiedlichen Rautiefen, wodurch eine vorhersagbare und nachhaltige Integration in die Hart- und Weichgewebe erreicht wird.

  • Abb. 2: Mit einem maschinierten transgingivalen und einem rauen enossalen Anteil verfügt das Patent™ Implantatsystem über eine speziellen Oberflächentopografie mit zwei unterschiedlichen Rautiefen, wodurch eine vorhersagbare und nachhaltige Integration in die Hart- und Weichgewebe erreicht wird.
    © Zircon Medical
Durch das Soft-Tissue-Level-Design (Abb. 2) eliminiert das System die Gefahren eines subgingival/krestal liegenden bakterienanfälligen Mikrospalts. In Kombination mit der maschinierten transgingivalen Oberfläche und dem gewebefreundlichen Material kommt es um die inserierten Implantate zu einer starken Anheftung von Weichgewebe (Soft-Tissue Seal). Dieser Seal kann pathogene Erreger in der Mundhöhle daran hindern, am Implantat vorbei in die periimplantären Weichgewebe einzudringen, wo sie Perimukositis und im weiteren Verlauf Periimplantitis verursachen würden.

Fazit

Die erste Langzeitstudie ihrer Art führt zweiteilige Zirkonoxidimplantate einen großen Schritt in Richtung wissenschaftlicher und folglich klinischer Anerkennung. Die unabhängige Studie attestiert dem zweiteiligen Patent™ Implantatsystem positive Langzeiterfolge und belegt, dass nach Zahnverlust eine langfristige Mundgesundheit mit dem richtigen Implantatsystem erreicht werden kann.

Die Ergebnisse nach 9 Jahren
  • Keine Periimplantitis
  • Hohe Überlebensrate der Implantate
  • Gesunde Weichgewebe (Bleeding on Probing [BOP]: 12,9%)
  • Keine Implantatfrakturen
  • Insignifikante Differenz der Plaque-Indizes (PI) über die Zeitspanne
  • Unveränderte Taschentiefen (Probing Depth; PD)
  • Stabile PI, PD und BOP bei Kontrollen nach 2 und 9 Jahren
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Johannes Liebsch