Praxisführung

Fokus Hygiene

Herausforderungen im zahnärztlichen Hygienemanagement

11.09.2014


Das Hygienemanagement in der Praxis ist für Zahnärzte zu einem zentralen, aber auch zeitintensiven Thema geworden. Gesetzliche Auflagen, Hygiene-Vorschriften und behördliche Vorgaben machen es nahezu unmöglich, den Überblick zu bewahren. Otto Wiechert, Vertriebsmanager Deutschland für Hygiene und QM bei Henry Schein Dental, hat uns einige Fragen zum zahnärztlichen Hygienemanagement beantwortet und Lösungswege aufgezeigt.

DI: Herr Wiechert, welches sind aktuell die größten Herausforderungen in der Praxis?

Otto Wiechert: Der Dokumentationsaufwand, gerade im Hygiene-Bereich, nimmt stetig zu. Praxis-Inhaber sollten sich darauf einstellen, dass das Sterilgut-Management in Zukunft seitens der Behörden noch stärker kontrolliert werden wird. Die MPG-Prüfungen werden daher gehend ausgeweitet und finden verstärkt in Bundesländern statt, die bislang zurückhaltend waren. Bestes Beispiel hierfür sind Bayern, Sachsen sowie Baden-Württemberg. Laut Medizinprodukte-Betreiberverordnung und RKI-Richtlinien sind alle Praxen verpflichtet, Prozesse rund um das Sterilgutmanagement zu dokumentieren. Manuell sind diese Prozesse allerdings kaum noch zu bewältigen. Aber mit der richtigen Software sind neben der automatisierten Medizinprodukte-Erfassung, -verwaltung und -bestellung, gerade die Kontroll- und Inventurfunktionen eines Systems vernünftig dokumentierbar. Die Fehlerquelle bei der automatisierten Dokumentation liegt weitestgehend bei null. Die Einführung einer automatisierten Dokumentation stellt natürlich eine große Herausforderung für Praxen dar: Strukturen müssen angepasst und verändert werden. Die Praxisleitung wie auch das Praxisteam müssen gewillt sein neue Wege zu gehen und einen Wandel zu akzeptieren. Nur dann können die rechtlichen und technischen Anforderungen jetzt und in der Zukunft bewältigt werden.

DI: Was denken Sie, welche Entwicklungen und Herausforderungen in den nächsten Jahren noch auf die Zahnärzte zukommen könnten?

Otto Wiechert: Das Thema „Trinkwasser-Hygiene“ wird in der Praxis neben dem Hygiene-Management ein weiteres entscheidendes Thema werden. Wasser, das beispielsweise einer Dentaleinheit entnommen wird, muss mindestens den Anforderungen des Robert-Koch Institutes entsprechen (RKI). Schon an der Übergabestelle vom öffentlichen Netz kann die Legionellenkonzentration bei 100 KBE/100 ml liegen (KBE = Kolonialbildende Einheit), was laut Trinkwasserverordnung als anzustrebender Zielwert gilt. So gelangen dann Krankheitserreger, wie zum Beispiel Legionellen oder Pseudomonaden, in die Leitungen der Praxen. Bei ausreichend vorhandenen Nährstoffen und der nötigen Temperatur kommt es zu einer extrem schnellen Vermehrung dieser Erreger. Das wiederum kann zur Bildung von Biofilmen in den Leitungen führen. Bei der Behandlung können durch Nebelbildung und den direkten Wundkontakt die Krankheitserreger an den Patienten und an das Personal weitergegeben werden. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass hier die Standards angepasst werden und es verstärkt zu Überprüfungen kommen wird. Zusätzlich wird es eine Anpassung der Gesetze hinsichtlich der Produktnachverfolgbarkeit bis zum Patienten geben. Hier wird auf EU-Ebene eine ähnliche Gesetzgebung wie in Amerika erfolgen. In den USA ist es bereits jetzt schon vorgeschrieben Medizinprodukte der Klasse III durchgängig mit einem Barcode zu versehen und dem Patienten zuzuordnen. Produkte der Klasse I und II folgen dann in 2015 und 2016. Für Europa wird hier nicht mit einer Einführung vor 2016 gerechnet.

DI: Henry Schein bietet seinen Kunden ein Hygienekonzept an. Wie kann dies die Zahnarztpraxis unterstützen und entlasten?

Otto Wiechert: Henry Scheins umfassendes Hygienekonzept ist ein Rundum Sorglos-Paket und basiert auf den vier Säulen Hygiene-, Qualitäts-, Geräte- und Schulungsmanagement. Es unterstützt Zahnarztpraxen durch eigens für sie erarbeitete Angebote bei der raschen Implementierung notwendiger Prozesse und Abläufe. Es war uns wichtig, dass die ordnungsgemäße Umsetzung von Hygieneabläufen nicht zur zeitfressenden Zusatzarbeit für Praxen wird und diese optimal und nachhaltig im Bereich Hygienemanagement zu unterstützen. Unsere Spezialisten beraten die Praxen vor Ort und erarbeiten mit ihnen gemeinsam ein individuelles Hygiene-Konzept. Durch vorgefertigte Checklisten lässt sich viel abklopfen, die wirkliche Leistung aber entsteht erst nach dem Check in der Praxis. Hier muss die Praxis mit dem Spezialisten dann überlegen, welche Lösung langfristig sinnvoll ist. Es kann sich dann ergeben, dass nur Kleinigkeiten geändert werden müssen. Zum Beispiel fehlendes Silikon, Mückennetze oder ein nicht vorhandener Desinfektionsspender im Röntgenraum. Wichtig ist uns hier die Beratung als Gesamtkonzept anzusetzen. Was hilft es, wenn die Praxis in einen Desinfektor, Sterilisator oder Software investiert, Grundvoraussetzungen wie ein ordnungsgemäßer Aufbereitungsraum aber fehlen?!

DI: Welche Vorteile bieten sich einer Praxis durch die Nutzung digitaler Lösungen?

Otto Wiechert: Ohne digitale Unterstützung können die aktuellen Auflagen nur mit hohem Personalaufwand geleistet werden. Eine Praxis, die ihre Prozesse bereits digitalisiert hat, würde unter keinen Umständen noch einmal zur konventionellen „Handabrechnung“ zurückkehren. Fast alle Geräte im Hygiene-Bereich verfügen heute über Schnittstellen zur Dokumentation. Die Dokumentationssoftware kann hier einfach und schnell diese Daten sammeln und rechtssicher verwalten und so vor Missbrauch schützen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung liegt hier klar auf der Hand.

DI: Gibt es Neuerungen bei Ihrer Dokumentationssoftware DOCma?

Otto Wiechert: Ja, immer. DOCma ist eine Software, die fast monatliche Änderungen und Neuerungen bringt. Die Software muss sich immer den aktuellen gesetzlichen und Kundenanforderungen anpassen. Hier gibt es dann immer kleinere oder auch umfangreichere Änderungen. Beispiele hierfür sind unter anderem die Vereinfachung des Wareneingangs durch die umfangreiche Unterstützung des Paper IDE Codes oder die regelmäßige Erweiterung der Schnittstellen für neue Geräte auf dem Markt. Hier ist aktuell MELAG mit dem MELAseal 200 zu nennen.

DI: Im Frühjahr waren Sie bundesweit mit einem Hygienemobil unterwegs. Wie wurde dieses Angebot angenommen und welches Feedback haben Sie von den Besuchern erhalten?

Otto Wiechert: Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Das meine ich in dem Fall wirklich sehr ernst. Die Praxen, die unser Hygienemobil besucht haben, waren konkret auf der Suche nach einer praktikablen Lösung für ihre Probleme in der Praxis. Auf knapp sechs Quadratmetern demonstrierten erfahrene Berater, wie eine RKI-konforme Sterilgutaufbereitung inklusive rechtssicherer Dokumentation auch bei engen Raumverhältnissen betrieben werden kann. Uns war wichtig zu zeigen, dass ein Hygieneraum auch bei minimalem Platzangebot nicht auf die neuesten hygienischen und technischen Standards verzichten muss.

DI: Sie bieten Ihren Kunden umfassenden Support. Wie sieht dieser konkret aus und was schätzen die Kunden daran?

Otto Wiechert: Bei Henry Schein Dental sind bundesweit etwa 60 Spezialisten im Einsatz. Mit dieser Kompetenz, der landesweiten Präsenz und in der Stärke dieser Mannschaft gibt es ein solches Spezialisten-Team nur bei Henry Schein. Unsere Hightech-Experten sind nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Depot und vor allem mit den lokalen Außendienstmitarbeitern eng vernetzt. Das bedeutet, dass unsere Kunden vor Ort von spezialisierten Fachleuten beraten werden, die Teil eines eingespielten Teams sind und so eine optimale Ergänzung für den Support durch das Depot darstellen. Diese geballte Manpower erlaubt uns Praxisberatungen von A-Z fachgerecht durchzuführen und auch umzusetzen. Die Betreuung nach dem Kauf ist hier nicht nur selbstverständlich, sondern ausschlaggebend für den wirtschaftlichen Erfolg einer Praxis.

DI: Gibt es weitere Neuheiten im Hygiene-Portfolio von Henry Schein?

  • Im Hygienemobil fanden die Praxen praktikable Lösungen zum Hygienemanagement in der eigenen Praxis.

  • Im Hygienemobil fanden die Praxen praktikable Lösungen zum Hygienemanagement in der eigenen Praxis.
Otto Wiechert: Ja, denn auch hier ändert sich natürlich ständig der Markt. Die Geräte verändern sich bei weitem nicht so schnell wie im EDV-Sektor, aber auch hier ist zu erkennen, dass eine Modell-Erneuerung oder -Anpassung in kürzeren Zeiträumen stattfindet. Wir haben zum Beispiel im Bereich der Direktmarkierten Instrumente, z. B. kleine 2D-Barcode, die per Laser auf Instrumente sowie Hand- und Winkelstücke aufgebracht werden, eine wirkliche Neuheit. Bislang waren Scanner zum Lesen dieser Barcodes aber extrem teuer (ab ca. 2.000 Euro) und nicht universell einsetzbar. Unser neues Modell bewegt sich preislich bei 880 Euro und ist sogar universell einsetzbar. Er liest und verarbeitet problemlos alle handelsüblichen 1D- und 2D-Barcodes.

DI: Vielen Dank für das Gespräch und die aktuellen Informationen, Herr Wiechert.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Otto Wiechert

Bilder soweit nicht anders deklariert: Otto Wiechert


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