Abrechnung

Backward Planning, Abrechnungstipp

Backward Planning - wie wird abgerechnet?

30.11.2009

Im vorangegangenen exemplarischen Patientenfall sind folgende Leistungen als Vorbehandlung denkbar:
Beginnend mit einer Untersuchung nach GOZ Position 001 (eingeh. Untersuchung) alternativ hierzu die Position GOÄ 6 (Untersuchung des stomat. Organsystems) oder die Position 800 (funktionsanalytischer Befund), die Positionen GOZ 007 (Vitalitätsprüfung, GOZ Position 400 (PA-Status) sowie diverse Röntgenaufnahmen nach den GOÄ Positionen 5000 (Einzelaufnahme) bzw. Ä5004 (OPG), werden zur Befundaufnahme benötigt. Für die Beratungen, welche sicherlich im Laufe der Behandlung mehrfach anfallen, stehen die Positionen GOÄ 1 oder die Position GOÄ3 sowie die Position GOZ 619 (Beratung/ Anweisung bei Dysfunktion ) zur Verfügung. Denkbar wäre bei diesem Behandlungsumfang und der sich daraus ergebenden nachhaltig lebensverändernden Situation, eine Beratung nach GOÄ 34 (Beratung, lebensbed. Krankheiten, mind. 20 Min.).

Modelle nach GOZ 006 (Modelle OK,UK) zzgl. der anfallenden Material und Laborkosten sind in diesem Behandlungsfall sicherlich Grundlage, werden diese im Vorfeld einartikuliert und diagnostisch ausgewertet sind funktionstherapeutisch die Positionen GOZ 808 ( Modelldiagnose) oder bei dreidimensionaler Auswertung die Pos. GOZ 601 (Methoden zur Analyse) abrechenbar. Des Weiteren für das Erstellen der diversen Behandlungspläne die Positionen GOZ 002 bzw. GOZ 003 (Kostenaufstellung für chirurgischen Teil sowie für die Supraversorgung), sollten Alternativplanungen erstellt werden, sind die Positionen GOZ 002/ 003 auch mehrfach ansetzbar.

Zu Beginn der Behandlung wurden die Zähne extrahiert. Diese Leistung finden wir in den Positionen GOZ 300 bis 302 je nach Art und Aufwand, da das Kürettieren des Granulationsgewebes mit unter diese Leistung fällt. In diesem Fall könnte je Kieferhälfte die GOZ 322 (Knochenresektion am Alveolarfortsatz zur Formung des Prothesenlagers in Verbindung mit Extraktionen von mehr als vier nebeneinander stehenden Zähnen, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich) zur Formung des Prothesenlagers zum Ansatz kommen. Die begleitenden Anästhesien werden nach den Positionen 008 (Oberflächenanästhesie), 009 (Infiltrationsanästhesie) sowie GOZ 010 (Leitungsanästhesie) berechnet. Bereits für diesen Behandlungsabschnitt sollte der Faktor angemessen kalkuliert werden. Für das folgende Einsetzen der Interimsprothesen stehen uns in der GOZ die Positionen 522 und 523 zur Verfügung. Hierbei wäre zu Erwähnen, dass die vorangegangenen Abformungen mittels individuellem Abformlöffel oder auch individualisiertem konfektionierten Abformlöffel nach der Position GOZ 517 (ind. Löffel), bei funktioneller Abformung nach GOZ 518 / 519 berechnet werden. Die extrahierten Zähne wurden zur Herstellung der Prothesen im Labor radiert, somit sind diese zzgl. der anfallenden Material- und Laborkosten anzusetzen. Die Ästhetik und Phonetikanprobe ist über das Faktorhandling realisierbar bzw. als Leistung nach § 9 GOZ i. d. R. BEB zu berechnen.

Die Gesamtplanung der Implantate, Anzahl und Lage pro Kiefer mittels Schablone und Röntgenaufnahmen erfolgt unter der Berechnung der Position GOZ 900, jeweils für den Ober- und Unterkiefer. Die hierfür benötigte chirurgische Schablone wird wiederum nach § 9 GOZ berechnet. Eine Honorarleistung für das Anlegen der Schiene zum Röntgen könnte nach § 6 Abs.2 analog berechnet werden. Hier ist denkbar, die GOZ-Pos. 700 heranzuziehen, wobei Leistungen nach § 6 Abs.2 praxisindividuell ermittelt werden müssen. Meist fällt für die Gesamtplanung beim Backward Planning eine zusätzliche 3-D-Diagnostik an. Hier stehen uns die Positionen Ä 5370 mit dem Zuschlag Ä5377 zur Verfügung.
Gegebenenfalls kommt ein „Wax-up“ zum Ansatz, welches mit der Gebührennummer GOZ 808 (Modelldiagnose) erneut berechnungsfähig ist. Bitte die anfallenden Laborkosten zusätzlich berechnen.

Für die Augmentation im Ober- und Unterkiefer, beginnend mit den Anästhesieleistungen, folgt im chirurgischen Teil der Behandlung für die Insertion der Implantate regio 12, 22 sowie 24 die GOZ Gebührennummern 901 (präp. Knochenkavität), 902 (Überprüfung Implantatkavität) sowie die Position 903 (Einbringen des Implantates) je Pfeiler zum Ansatz, wobei die Position 902 durchaus mehrfach pro Impl. Kavität anfallen kann.
Für das zusätzliche Verwenden einer Hilfsschablone, i. d. R. wird die vorhandene Röntgenschablone verwendet, kann hier die Position GOÄ 2700 (Anlegen von Hilfsteilen) berechnet werden. Wichtig hier den Steigerungssatz individuell zu kalkulieren, die Schwierigkeit, ergibt sich wie im Fall beschrieben, aus der desolaten Kiefersituation.
Für den simultan durchgeführten Knochenaufbau mittels autogenem Knochenmaterial stehen uns folgende Positionen zur Verfügung: GOÄ2730 / Ä2732 (Aufbaumaßnahmen des Alveolarfortsatzes). Da in diesem Fall der ganze Kiefer mit einbezogen war, kann man von einer Maßnahme größeren Umfangs ausgehen, was abrechnungstechnisch die Ä2732 auslöst, zzgl. Punktezuschlag für das ambulante Operieren Ä445. Wurde die OP mittels Laser durchgeführt ist zusätzlich ein Zuschlag nach Ä441, bei zusätzlicher Anwendung eines OP-Mikroskops ebenfalls der Zuschlag nach Ä440, möglich. Das Einbringen der Knochenblöcke, welche anderorts entnommen wurden, ist mit der Ä2255 zu berechnen.
Auffassungen des BDIZ EDI zur Mehrfachberechnung Geb.-Nr. Ä2255 GOÄ: Die Transplantation mehrerer Knochenteile in ein Operationsgebiet ist mit dem einmaligen Ansatz der Geb.-Nr. Ä2255 GOÄ abgegolten. Werden allerdings mehrere Knochenteile in verschiedenen Operationsgebieten eingesetzt, z. B. an vier Operationsstellen oder bei zwei Sinusbodenelevationen, kann diese Gebührenposition auch mehrmals berechnet werden. Demzufolge wäre ein mehrmaliger Ansatz denkbar.

Das Befestigen mittels Knochenschrauben sollte in die Faktorberechnung mit einkalkuliert werden. Materialkosten zu den Leistungen nach GOÄ sind zusätzlich nach § 10 GOÄ in Rechnung zu stellen. Hierbei wäre auch zu erwähnen, dass in der GOÄ das OP-Set sowie das Nahtmaterial nach § 10 GOÄ zusätzlich berechnet werden können.

Der externe Sinuslift

Für den Aufbau der Sinus Maxillaris stehen uns verschiedene Berechnungsmöglichkeiten zur Verfügung. Der Sinuslift kann analog gemäß § 6 Absatz 2 GOZ berechnet werden. Hierzu ist eine nach Art, Kosten und Zeitaufwand entsprechende Leistung heran zu ziehen.
Folgende Verrichtungen sind zu bestimmen: Präparation des Knochendeckels der fazialen Kieferhöhlenwand zur Eröffnung der Kieferhöhle, Präparation der Schneider’schen Membran und Verschluss der Kieferhöhle, diese können ebenso auch in selbständigen Einzelleistungen in Ansatz gebracht werden.
Hier bieten sich folgende Positionen an: GOÄ Position Ä2386 (Schleimhauttransplantat) für die Schneider`sche Membran, sowie Ä1467 (Op. Eröffnung der Kieferhöhle) in Verbindung eventuell mit der Gebührennummer GOÄ 1479 (Ausspülen der Kieferhöhle), die Lagerbildung, wie auch das Verpflanzen von Knochen wurde bereits berechnet. Die partielle Vestibulumplastik Gebührenposition Ä2675 (Vest. Plastik) kommt je Kieferhälfte/Frontzahngebiet zum Ansatz. Für das Einbringen einer Membran empfiehlt sich die Position GOZ 413 (chir. Verbreit. der Gingiva) analog zu liquidieren.

Im Hinblick auf das Zielleistungsprinzip empfiehlt sich bei der Rechnungsstellung der Hinweis auf die verschiedenen selbständigen Behandlungsschritte.

Die Bindegewebsimplantate, die palatinal eingebracht wurden, können nach Ä2386 angesetzt werden, wenn die Maßnahme mit operativer Unterminierung der Entnahmestelle und plastischer Deckung erfolgt ist. Auch hier empfiehlt sich der Hinweis auf der Rechnung, dass eine selbständige gebietsgetrennte Leistung durchgeführt wurde.

Unterkiefer

Für die im Unterkiefer eingebrachten Implantate stehen uns wie bereits beschrieben die Positionen GOZ 901, GOZ 902 und GOZ 903 wiederum zur Verfügung. Im Verlauf der Nachsorge bitte die begleitenden GOZ Leistungen, wie GOZ 329 (Wundkontrolle), GOZ 330 (Nachbehandlung ) sowie GOÄ 2007 ( Entfernen von Fäden) mit liquidieren.

Zweite Implantation im Oberkiefer

Nach dem Verlauf der Abheilzeit werden erneut drei Implantate im Oberkiefer gesetzt. Hier fallen erneut die Positionen GOZ 901, 902 und 903 an.

Freilegen der Implantate

Nach erfolgter Osseointegration können für das Freilegen der Implantate die Pos. 904 je Pfeiler berechnet werden. Zusätzlich könnte hierbei die Position Ä 2381 zzgl. anhängigem Zuschlag Ä442 berechnet werden.

Suprakonstruktion

Bei der jetzt durchführenden Suprakonstruktion fallen neben den BEB-Leistungen für die Abformungen die Position GOZ 517/518/519 an. Die Abformmaterialien können nach § 4 Abs. 3 der GOZ zuzüglich berechnet werden. Funktionsanalytische/funktionstherapeutische Maßnahmen werden nach GOZ 800-810 berechnet. Diese Leistungen kommen im Laufe des Behandlungsfalls voraussichtlich mehrfach zum Ansatz. Für das Auswechseln der Sekundärteile ist die Position 905 pro Implantatpfeiler, je Sitzung in Ansatz zu bringen.

Für die teleskopierenden Abutmentaufsätze kommen die Positionen GOZ 504 zzgl. GOZ 508 zur Rechnungsstellung. Die zu überbrückende Spanne mit der Position 507. Die im Unterkiefer eingesetzten angussfähigen Abutments können nach GOZ 500, ggf. 501 berechnet werden. Die ersetzenden Zähne werden nach GOZ 507, wiederum je Spanne, berechnet. Und ein eingebrachter Steg mit der GOZ Position 507, je Steg, und einer zusätzlichen GOZ 508 für den Stegreiter. Für die Prothesenkonstruktion, welche sehr grazil und im Oberkiefer gaumenfrei gestaltet wurde, ist je Kiefer die GOZ 521 zu berechnen.

Erwähnenswert noch, dass für die Einproben des Zahnersatzes die Pos. 405 je Implantat berechenbar wäre. Für das abschließende OPG kommt die Ä 5004 in Ansatz.

Bei dieser hochwertigen Implantatarbeit ist, um die Wertschöpfung Ihrer Leistung zu gewähren, eine exakte Ermittlung der Faktoren im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit durchzuführen.



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