Abrechnung


Einbringen temporärer Implantate für festsitzendes Langzeitprovisorium

Die Verwendung von Interimsimplantaten erweitert die Möglichkeiten der provisorischen Versorgung während der Einheilzeit für den Patienten erheblich. Diese "provisorischen" Implantate tragen dazu bei, dass der Patient bereits am OP-Tag die Praxis mit einem festsitzenden Zahnersatz verlassen kann. So kann ohne große Einschränkungen die Zeit bis zur Eingliederung des definitiven prothetischen Zahnersatzes überbrückt werden.

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass der Privatpatient nicht zwingend Anspruch auf Erstattung der Therapiekosten hat. Oftmals wird eine Versorgung mit Interimsimplantaten als medizinisch nicht notwendig angesehen und bleibt somit von einer Erstattung ausgeschlossen. Dabei bringen temporäre Versorgungsformen mit Implantaten sogar den Vorteil, dass eine mögliche pathologische Überlastung, z. B. von Knochenaugmentaten, der Schleimhaut oder der definitiven Implantate, unterbleibt. Somit steigt natürlich die Aussicht auf einen guten Heilungsverlaufs um ein vielfaches. Zur Überprüfung des Erstattungsverhaltens seitens der PKV sollte dem Patienten unbedingt eine Kostenvorausberechnung erstellt werden. Tabelle 1 zeigt einige Informationen zur Abrechnung. Das Einbringen "temporärer Implantate" ist nicht Bestandteil der derzeit gültigen Gebührenordnung für Zahnärzte. Es handelt sich jedoch um eine wissenschaftlich anerkannte Methode was wiederum bedeutet, dass für diese Maßnahme die Analogberechnung in Frage kommt. Der § 6(2) der GOZ sagt, dass für die erbrachte Leistung eine nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertige Leistung heranzuziehen ist. Ist diese Übereinstimmung nicht vollständig gegeben, kann auch eine artfremde Leistung herangezogen werden. Eine betriebswirtschaftliche Berechnung des Steuerberaters ist hilfreich, um hier eine von der Bewertung her geeignete Gebührenziffer zu ermitteln.

Die GOZ-Ziffern 900-903, die die präoperative Diagnostik bis hin zum Einbringen des Implantates beschreiben, können sicherlich sowohl als analoge Abrechnungsziffern als auch als real erbrachte Leistungsziffer angeführt werden. Tendenziell und unter Berücksichtigung eventueller Erstattungsprobleme könnte hier also auch gut auf eine analoge Abrechnungsvariante verzichtet werden, da die entsprechenden Leistungsbeschreibungen auch auf provisorische Implantate zutreffen. Warum also kompliziert, wenn es auch einfach geht. Nicht zu empfehlen ist die Abrechnung der o. g. Maßnahme nach der Gebührenziffer GOZ 909 wie das Beispiel in Tabelle 2 verdeutlicht. Findet das Einbringen der Interimsimplantate nicht in direktem zeitlichen Zusammenhang statt wie das Einbringen der definitiven Implantate, können auch für diese Maßnahme chirurgische Umfeldpositionen ausgelöst werden. Dies können je nach Art und Umfang sowohl Leistungen aus der GOZ (Gebührenordnung für Zahnärzte) als auch aus der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) sein.

Leistungen aus der GOÄ haben den Vorteil, dass sie größtenteils zuschlagsberechtigt im Rahmen einer ambulant erbrachten Operation sind (Zuschläge Ä442 ­ Ä445). Auch wenn es um den korrekten Ansatz von Auslagen geht, bietet die GOÄ für den Zahnarzt deutlich mehr als die GOZ: Das atraumatische Nahtmaterial, das chirurgische Abdeckset und die sterilen OPHandschuhe können so z. B. im Rahmen dieser Operation in Ansatz gebracht werden, wenn es einen Hinweis auf entsprechende chirurgische Begleitziffern aus der GOÄ in der Liquidation gibt. Für das Entfernen der temporären Implantate wird in der Regel die GOZ 300, Entfernung eines enossalen Implantates, abgerechnet. An dieser Stelle ist noch zu erwähnen, dass die GOZ den Ersatz von Auslagen in Zusammenhang mit implantologischen Maßnahmen generell gestattet, d.h. Implantate, Implantatteile sowie auch Implantatbohrersätze, die mit einmaliger Anwendung verbraucht sind, dürfen dem Patienten in Rechnung gestellt werden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Simone Schleich

Bilder soweit nicht anders deklariert: Simone Schleich


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