Finanzen

Erstellung einer persönlichen Finanzplanung:

Modeerscheinung oder absolut notwendig?

31.01.2013

Abb. 1: Entwicklung von Vermögen / Verbindlichkeiten.
Abb. 1: Entwicklung von Vermögen / Verbindlichkeiten.

Seit einigen Jahren werben die Banken vermehrt mit dem Thema Finanzplanung. Wenn Sie sich diesem Thema nähern, klingt das Hauptargument für die Erstellung auch sehr plausibel: Erstellung Ihres kompletten, aktuellen, finanziellen Status quo und Empfehlungen zur Optimierung Ihrer Situation. Dies muss natürlich unter Berücksichtigung Ihrer ganz persönlichen Lebensplanung und Ihrer individuellen Wünsche erfolgen.

Die Finanz- und Schuldenkrise sowie die aktuelle Ungewissheit, wie es mit unserer Währung weiter geht, tragen zur weiteren Unsicherheit bei.

Die qualitativen Unterschiede bei den Angeboten, die Sie am Markt bekommen, sind sehr groß. Und gerade für Sie mit Ihrem speziellen und anspruchsvollen Berufsbild ist auch nicht direkt zu erkennen, wer sich in Ihrer Branche auskennt, und Ihnen hier weiterhelfen kann. Es stellt sich auch die Frage, warum Sie für eine Finanzplanung Geld ausgeben sollen, wo es diese Dienstleistung doch woanders auch völlig umsonst gibt. Heißt teuer in diesem Fall auch gut?

Diese Frage ist über die reine Betrachtung der Kosten nicht zu beantworten. Ferner sollten Sie hier auch andere Faktoren und Anforderungen stellen. Dass eine persönliche Finanzplanung sinnvoll und oftmals auch notwendig ist, steht in den meisten Fällen fest. Es sei denn, Sie können folgende Fragen ohne langes Überlegen oder Nachschauen beantworten:

  • Wie wird sich Ihr Vermögen und Ihre Liquidität in den nächsten Jahren bei unterschiedlichen Ertragsaussichten in Ihrer Branche verändern?
  • Wie hoch ist die Rendite Ihres gesamten Barund Wertpapiervermögens nach Steuern?
  • Wie hoch ist die Nettomietrendite Ihrer vermieteten Immobilien?
  • Ab welchem Alter können Sie sich bei Ihren finanziellen Vorstellungen den Ruhestand leisten?

Falls Sie mindestens eine dieser Fragen nicht sofort beantworten können, macht eine Finanzplanung durchaus Sinn.

Merkmale einer soliden Finanzplanung

Wichtig ist, dass Sie in den Händen eines Finanzplaners sind, der dieses Handwerk auch wirklich gelernt hat. Der Begriff Financial Planner ist leider nicht geschützt. Das heißt: Jeder, der im Finanzdienstleistungsbereich tätig ist und sich ein paar Tage für eine Fortbildung freimachen kann, hat theoretisch die Möglichkeit, sich anschließend Financial Planner zu nennen.

Vertrauen Sie die Planung Ihrer Finanzen denen an, die im Financial Planning über viele Jahre aus- und weitergebildet wurden und die 4 „E’s“ vom Weltverband für sich übernommen haben:

Education (Ausbildung),
Examination (Prüfungen),
Experience (Berufserfahrung) und
Ethics (Einhaltung ethischer Regeln).

Sollten Sie einen Finanzplaner mit der Erstellung Ihrer Finanzplanung beauftragen, werden Sie diesen in aller Regel auch für seine Dienstleistung bezahlen müssen. Die kostenlose Erstellung von Finanzplanungen durch einen Finanzplaner ist äußerst selten, es sei denn, er bekommt seine Arbeit von einer kooperierenden Bank oder anderen Partnern vergütet.

Ablauf der Erstellung einer Finanzplanung

Vom Erstgespräch bis zur Präsentation der Ergebnisse durchläuft die Finanzplanung folgende Abschnitte:

1. Auftragsvergabe

Wenn Sie Ihren Finanzplaner gefunden haben, sollten folgende Punkte bei der Erteilung Ihres Auftrages besprochen sein:

  1. Vertragsgrundlage (zum Beispiel die Grundsätze ordnungsgemäßer Finanzplanung, siehe unten),
  2. Umfang des Auftrags muss genau definiert sein,
  3. Prioritäten, Wünsche und Bedingungen, die Sie als Kunde berücksichtigt haben möchten,
  4. die Höhe der Honorierung sowie
  5. Fragen der Haftung.

Alle Vereinbarungen sollten schriftlich niedergelegt werden.

 

Weiter geht es mit dem Ablauf der Erstellung Ihrer Finanzplanung. Nach der Auftragsvergabe erfolgt

2. Datenaufnahme

Diese muss umfänglich, also vollständig erfolgen! Denn nur dann sind die Ergebnisse, die Sie aus der Finanzplanung erhalten, auch authentisch und für Sie nutz- und verwertbar. Die Aufnahme bezieht sich vor allem auf Daten zu

  • Ihren Vermögenswerten,
  • Ihren Verbindlichkeiten,
  • Ihren Einnahmen und - Ausgaben,
  • die Aufnahme Ihrer persönlichen Daten/ Informationen und
  • Angaben zu Ihrem persönlichen Zielsystem.

Angaben nicht zu machen, führt im schlechtesten Fall zu falschen Schlüssen und damit zu Ergebnissen, die nicht das erbringen, was Sie sich davon erwarten.

Jetzt kommt der Finanzplaner zum Zug, denn es geht darum, die Daten und Fakten zusammen zu fügen. Es folgt die

 

Beispielhafte Darstellung einer Vermögensbilanz.

3. Analyse und Planung

  1. Berechnungen zu allen relevanten Vermögenswerten,
  2. Prognosen bis zum Ende des vereinbarten Planungszeitraumes,
  3. Zieloptimierung und
  4. die konkrete Entwicklung von Empfehlungen.

Die aufgenommenen Daten werden professionell bewertet und sind die Grundlage für die Berechnungen und Prognosen nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Finanzplanung (GOF). Dabei stehen Ihre persönliche Berufs- und Lebenssituation und Ihre Ziele absolut im Vordergrund.

Es ist IHRE Finanzplanung! Und diese sollte so individuell wie möglich sein.

Ihr persönlicher Finanzplan wird entwickelt und mit umsetzungsfähigen Empfehlungen zur Optimierung der finanziellen Situation versehen.

4. Dokumentation

  1. die Offenlegung der Annahmen,
  2. die Bereitstellung der Ergebnisse in schriftlicher Form,
  3. die Dokumentation der Analysen und
  4. die Vorstellung der Planungen in nachvollziehbarer Form.

Alle Analysen und Planungen sollte der Finanzplaner in plausibler Form aufbereiten. Er sollte auch offenlegen, auf welchen Annahmen seine Schlussfolgerungen basieren. Hat er eine Infl ation berücksichtigt? Wenn nein, warum nicht? Wie hoch werden in seiner Annahme Guthaben in Zukunft verzinst? Mit welchem Zinssatz sind Darlehen, die verlängert werden sollen, versehen? Das Analyseergebnis und mögliche Empfehlungen sollten dezidiert mit Ihnen besprochen werden.

An diesem Punkt ist die Finanzplanung eigentlich zu Ende. Eigentlich heißt, dass es durchaus möglich ist, sich von dem Finanzplaner auch bei der Umsetzung der Planung begleiten zu lassen.

5. Betreuung

  1. ggf. Begleitung bei der Umsetzung der Empfehlungen,
  2. ggf. periodische Kontrolle der erreichten Zwischenergebnisse und
  3. eine regelmäßige Aktualisierung,
  4. ggf. Anpassung von Empfehlungen an aktuelle Entwicklungen
  5. oder auch die Entwicklung neuer Empfehlungen.

Regelmäßige Aktualisierung der Finanzplanung ist unbedingt notwendig. Gerade in der heutigen Zeit, in der vieles sich sehr schnelllebig ändert, ist es sehr wichtig, eine einmal erstellte Finanzplanung ab und an überprüfen zu lassen!

Einschätzungen, die heute als richtig und realistisch erachtet werden, können sich in kürzester Zeit wesentlich verändern. Deshalb macht es Sinn, mindestens alle zwei Jahre ein Update vornehmen zu lassen. Das ist in der Regel günstiger, weil die wesentliche Datenerfassung ja bereits erfolgt ist und „nur“ neuere Daten einzupflegen sind.Im Laufe der Zeit können auch mögliche Empfehlungen dazu kommen, die es bei Erstellung der ursprünglichen Finanzplanung noch gar nicht gab.

Für größere Vermögen ist es durchaus empfehlenswert, nach der erfolgten Finanzplanung auch eine Erbschafts- und Schenkungsplanung anzuschließen. Gerade hier lassen sich oft extreme private und steuerliche Nachteile vermeiden. Und dann ist das Bild komplett: einer soliden Finanzplanung folgt die Erbschafts- und Schenkungsplanung. Und Sie haben einen großen Schritt in eine gute Richtung getan.

  • Abb. 2: Beispielhafte Entwicklung einer Vermögensstruktur.
  • Abb. 2: Beispielhafte Entwicklung einer Vermögensstruktur.

Das Wichtigste in Kürze

Lassen Sie Ihre Finanzen planen! Es war nie wichtiger, sich für die nächsten Jahre einen Kompass für seine Finanzen geben zu lassen und auf das, was kommen kann, vorbereitet zu sein. Beauftragen Sie einen Financial Planner, der seinen Beruf gelernt hat, mit der Erstellung Ihrer Planung. Dieser sollte produkt- und anbieterunabhängig sein, das heißt, nicht für eine oder mehrere Gesellschaften oder Banken tätig, sondern unabhängig sein. Lassen Sie die Szenarien, die Sie in den nächsten Jahren erwarten, mit einplanen, und schauen Sie sich die Auswirkungen auf Ihre Vermögenswerte und Ihre Liquidität an.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Frank Hussmann

Bilder soweit nicht anders deklariert: Frank Hussmann


Die 5. Geistlich Konferenz unter dem Leitthema „Reparatur-Chirurgie“ findet am 7. März 2020 in Baden-Baden statt. Im Fokus werden die Prävention und Behandlung von Periimplantitis sowie Regenerationsmaßnahmen für Knochen und Weichgewebe stehen.

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