Finanzen


Neun Regeln der Kostensenkung bei Zahnärzten

12.06.2014

Quelle: © Jorma Bork/pixelio.de
Quelle: © Jorma Bork/pixelio.de

Sie sind täglich in Ihrer Praxis gefordert: als fachlicher Spezialist, als Manager und als Personalchef. Sie tragen die volle Verantwortung für Ihre Kosten. Ihre Einnahmen sind aber nur begrenzt steuerbar und zu steigern. Und in den letzten Jahren hat sich der Trend verstärkt, dass die Kosten stärker steigen als die Einnahmen. Doch was können Sie tun? Noch mehr arbeiten, um Ihre Einnahmen zu erhöhen? Personal entlassen, um Kosten zu senken? Es geht auch anders!

Nach mittlerweile 16 Jahren Erfahrung in der betriebs- und finanzwirtschaftlichen Beratung von Zahnärzten haben sich neun Punkte herauskristallisiert, um die Kosten einer üblichen Zahnarztpraxis mit 5 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um durchschnittlich ca. 18.000 Euro im Jahr zu senken. Das sind in 10 Jahren mit etwas Zinseszins mehr als 200.000 Euro! Oder konkret: Sie können sich Ihren Ruhestand etwas eher leisten. Oder Ihre Darlehen schneller zurückzahlen.

Wie geht das?

Natürlich ersetzt dieser Artikel nicht unser persönliches Gespräch mit einer detaillierten Analyse Ihrer Situation. Es soll aber die Themen umreißen, die Grundlagen sind für Ihre möglichen Einsparungen.

1. Lassen Sie Ihre Sachversicherungen inklusive der Praxisversicherungen überprüfen

Dieser Bereich wird meistens unterschätzt. Mit den privaten und betrieblichen Sachversicherungen – angefangen von der Haftpflicht- über die Rechtschutzund die Praxisausfallversicherung zahlen Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen im Schnitt fast 12.000 Euro jährlich! Viele Versicherungen bieten sogenannte „Bündelrabatte“ an, wenn Sie mehrere Verträge bei einer Versicherung haben. Das klingt lukrativ, denn trotz der Rabatte in Höhe von bis zu 30 % lassen sich hier sehr hohe Einsparungen erzielen. Und das Jahr für Jahr.

Hier lässt sich eine komplette Übersicht mit möglichen Optimierungsmöglichkeiten erstellen. So bekommen Sie entweder ein OK, wenn Ihre Absicherung gut und günstig ist oder ein besseres Angebot zu dem von Ihnen gezahlten Preis. Angestrebt wird, Ihre Leistung, die Sie abgesichert haben, günstiger anbieten zu können.

Mögliche Ersparnis pro Jahr: etwa 2.500,- Euro

2. Schließen Sie Haftungsrisiken in Ihrer Praxis aus!

Zum einen geht es um Ihre Haftungsrisiken, die Sie in Ausübung Ihrer Tätigkeit Tag für Tag eingehen, klar. Hier ist aber noch eine ganz andere Haftung gemeint.

Ein Beispiel:

Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen nach dem Prinzip der Gleichbehandlung eingestellt, geführt und auch entlohnt werden. So lange alles gut läuft in der Praxis, ist das kein Problem. Schwierig wird es, wenn eine Arbeitskraft ausscheidet und die Trennung nicht „im Guten“ erfolgt. Im vorletzten Jahr habe ich genau so einen Fall erlebt, auch die Konsequenzen daraus. Der Zahnarzt ist verklagt worden, die ehemalige Arbeitskraft im Nachhinein gleichzustellen und die vorenthaltenen Ansprüche nachzuzahlen. Diesem Risiko sind alle Arbeitgeber ausgesetzt. Rückwirkend für 10 Jahre mussten 60.000 Euro gezahlt werden. Hier ist es wichtig, die Lücken, die es geben kann, zu schließen und von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach einer erfolgten Informationsveranstaltung die Anwesenheit und auch die Bestätigung, den Inhalt der Veranstaltung verstanden zu haben, protokolliert zu bekommen.

Mögliche Ersparnis pro Jahr: etwa 6.000,- Euro

3. Bezahlen Sie Ihre private Altersvorsorge aus dem Brutto, nicht aus dem Netto

Viele Zahnärzte gehen nach wie vor davon aus, dass sie die Aufwendungen für ihre Private Altersvorsorge steuerlich absetzen können. Das so genannte Alterseinkünftegesetz regelt seit dem 1.1.2005 die einkommen- steuerrechtliche Behandlung von Altersvorsorge- Aufwendungen anders. Leider weisen bis heute nicht alle Steuerberater ihre Mandanten auf die geänderte Gesetzeslage hin. Wenn Sie Ihre monatlichen Einzahlungen in Ihre Private Altersvorsorge umstellen, können Sie eine hohe Steuerersparnis erzielen. Beispiel: monatliche Einzahlung von 500,- Euro wird umgestellt und aus dem Brutto bezahlt, Vertrag läuft noch 20 Jahre

Mögliche Steuerersparnis bei 53.718,- Euro pro Jahr: etwa 2.685,90 Euro

4. Lassen Sie Ihre Darlehen überprüfen

Viele meiner Mandanten haben noch alte Darlehen mit höheren Zinssätzen. Diese können bis zu 4 Jahre vor Ablauf der Zinsbindung neu geregelt werden, hier sind sehr hohe Einsparungen möglich. Sehr beliebt bei den (Zahn-)Ärzten sind die so genannten CAP-Darlehen. Diese haben zum Teil aber noch Zins- Untergrenzen in Höhe von 3,5 %! Wenn hier z. B. ein Darlehen in Höhe von 200.000 Euro umgeschuldet wird, ergibt sich

Mögliche Ersparnis pro Jahr: etwa 2.400,- bis 3.200,- Euro

5. Nutzen Sie Alternativen zu Ihren Tagesgeldern

Oft liegen sehr hohe Beträge auf Tagesgeldern, die mit maximal 1 % verzinst werden. Dass Liquidität für Steuerzahlungen und für Unvorhergesehenes hier angelegt ist, macht absolut Sinn. Oft liegen aber viel höhere Beträge auf Tagesgeldkonten als notwendig. Eine Verbesserung des Zinses um 1,25 % für einen Anlagebetrag von 50.000 Euro führt zu einem

Jährlichen Mehrertrag in Höhe von etwa 625,- Euro

6. Zahlen Sie keine vollen Ausgabeaufschläge mehr

Heute können Sie Ihr Vermögen betreuen oder verwalten lassen zu Konditionen, die vor Jahren noch nicht denkbar waren. Die früher obligatorischen Ausgabeaufschläge von bis zu 6,5 % – je nach Anlageform – sind nicht mehr zeitgemäß. Wenn Sie z. B. bei einer Neuanlage oder Umschichtung von nur 60.000 Euro keinen Ausgabeaufschlag mehr bezahlen, ergibt das im Schnitt eine

Einsparung in Höhe von etwa 2.250,- Euro

7. Reduzieren Sie die Sozialversicherungsabgaben in Ihrer Praxis

Sie können Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Ihre besondere Wertschätzung in der Form zum Ausdruck bringen, dass Sie aus ihren Sozialversicherungsabgaben Kapital machen, das ihnen dann zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung steht. Das ist übrigens auch ein beliebtes Mittel zur Mitarbeiterbindung! Und das Besondere daran: nicht nur Ihre Arbeitskräfte sparen, auch Sie zahlen weniger Beiträge.

Durchschnittliche Ersparnis pro Jahr: etwa 2.500,- Euro

8. Kaufen Sie Immobilien nicht „einfach so“, sondern aus Sondersituationen

Viele Kapitalanleger möchten auch heute noch in Immobilien investieren. Die Preise in den Top-Lagen sind in den letzten Jahren aber extrem gestiegen. In Boder in C-Lagen möchten Sie vielleicht nicht kaufen. Die Lösung lautet deshalb, Immobilien aus Sondersituationen zu erwerben, z. B. aus oder vor einer Zwangsversteigerung. Hier sind durch den günstigeren Kaufpreis Mietrenditen von bis zu 10 % möglich. Diese Angebote sind selten – aber möglich. Beim Kauf einer 100 qm Wohnung in einer sehr guten Lage können Sie erheblich sparen.

Mögliche Ersparnis einmalig: etwa 76.000,- Euro

9. Machen Sie aus Einkommensteuern Kapital, das für Sie arbeitet

Es ist möglich, unternehmerisch tätig zu sein. Die Erträge werden staatlich über viele Jahre garantiert. Als Unternehmer nutzen Sie alle Vor- und Nachteile, die Ihre Tätigkeit mit sich bringt. Damit verbunden ist die Steuerpflicht aller Erträge, die Sie generieren, im Gegenzug können Sie Ihr Investitionsgut aber auch abschreiben.

Mögliche Ersparnis 2014: etwa 16.000,- Euro

Fazit

Sie müssen nicht noch mehr arbeiten, um Ihre Einnahmen zu erhöhen. Sie können Ihr verfügbares Einkommen auch durch die Reduzierung Ihrer laufenden Kosten reduzieren. Dabei müssen Sie kein Personal entlassen, es gibt auch sinnvollere Möglichkeiten! Es ist möglich, Ihre Kosten zu senken und Ihr verfügbares Einkommen damit zu erhöhen. In der oben genannten Praxis mit 5 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben die genannten Schritte zu folgenden Kosteneinsparungen geführt: Jährliche Ersparnisse in Höhe von 19.760,90 Euro und Ersparnisse aus Einmaleffekten in Höhe von etwa 92.000 Euro.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Frank Hussmann

Bilder soweit nicht anders deklariert: Frank Hussmann


Die 5. Geistlich Konferenz unter dem Leitthema „Reparatur-Chirurgie“ findet am 7. März 2020 in Baden-Baden statt. Im Fokus werden die Prävention und Behandlung von Periimplantitis sowie Regenerationsmaßnahmen für Knochen und Weichgewebe stehen.

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