Finanzen

Wie Sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen richtig fürs Alter vorsorgen

Wie funktioniert die richtige Geldanlage als Mediziner/in?

26.10.2021

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Implantologie ist kein einfaches Handwerk. Der Nutzen für Patienten ist meist unglaublich hoch – die Lebensqualität steigt. Entsprechend ist der Verdienst unter den Zahnärzten mit dieser Spezialisierung vergleichsweise hoch. Aber ein hoher Verdienst bedeutet nicht zwangsläufig ein großes Vermögen. Warum ist das so?

In den meisten Fällen fehlt schlicht das Wissen über die richtige Geldanlage. Woher auch? In Schule und Universität gibt es – wenn überhaupt – rudimentäre Bildungsansätze hierzu.

Und auch die Beratung in finanziellen Angelegenheiten sieht oft mager aus. Fragen oder Aussagen wie ,,was können Sie denn beiseitelegen“ oder „dies ist ein super Produkt ohne Risiken aber mit einer guten Rendite" sind nicht wirklich zielführend.

Was kann man tun?

Ein Ansatz für die Altersvorsorge ist die Orientierung am aktuellen Bruttogehalt. Damit kommen sie aktuell gut zurecht und sind an den damit möglichen Lebensstandard gewöhnt. Deshalb nimmt man sich diesen Betrag als Zielgröße für das Rentenalter. Hieraus kann dann die notwendige Sparrate berechnet werden.

Für diese Kalkulation holt man sich am besten professionellen Rat. Wobei ein guter Berater bei dieser Berechnung immer das gewünschte Renteneintrittsalter, die Inflation in der Anspar- und Rentenphase, die Dauer der Rentenphase (Lebenserwartung) sowie die realistische Annahme der realen Rendite mit einbezieht. Des Weiteren spielt auch die Risikoklasse (was bin ich bereit zu riskieren) eine Rolle. Wenn sich das Einkommen erhöht, muss eine entsprechende Anpassung der Sparrate erfolgen.

Wie richtig investieren?

Nun stellt sich die Frage, wie man richtig investiert und sein Vermögen aufteilt. Einen einfachen Ansatz bietet die Regel des Rabbiners Isaak bar Aha aus den 4. Jahrhundert nach Christus. Er formulierte die so genannte Drei-Speichen-Regel: man solle sein Vermögen stets in drei Teile aufteilen, d.h. 1/3 in Land, 1/3 in Handelswaren und 1/3 bar zu Hand.

Diese Regel kann man heute folgendermaßen übersetzen: 1/3 Immobilien, 1/3 Anteile an Unternehmen oder Rohstoffen und 1/3 Bargeld/Gold/Silber. Daraus ergeben sich drei Speichen: die Immobilienspeiche, die Wertpapierspeiche und die Liquiditätsspeiche.

Die richtige Aufteilung ist entscheidend 

Liquidität bedeutet in unserem Fall flüssige Mittel, wie beispielsweise Bargeld oder Bankguthaben. Die meisten Deutschen haben hier ihr ganzes Vermögen gebunkert. Doch ist dies ratsam?

In den meisten Fällen ist ein klares Nein die Antwort, denn durch die Niedrigzinspolitik der EZB verliert man durch die Inflation Geld. Ist die Inflation höher als die Zinsen, ist ein Verlust die Folge.

Eine gewisse Liquidität ist natürlich immer sinnvoll, um Rechnungen bezahlen zu können. Hier gilt zur Orientierung die Faustregel: 6 x das monatliche Nettogesamteinkommen [3].

Immobilien sind in Deutschland auch sehr beliebt und werden auch als Betongold bezeichnet. Doch diesen Namen trägt es eigentlich nicht zu Recht, denn bei genauer Betrachtung liegt die historische Wertsteigerung für Deutschland von 1970 bis 2015 bei -0,1 % pro Jahr. Die durchschnittliche Immobilie hatte einen Wertverlust [4]. Auch werden die Risiken bei Vermietung meist unterschätzt (Mietausfall, Mietnomaden, Klumpenrisiko etc.).

Immobilien sollten deshalb nicht als Basis Ihres Vermögensaufbaus dienen. Das Eigenheim kann vor allem als ein Investment in einen höheren Lebensstandard angesehen werden, da es meist eine höhere Lebensqualität mit sich bringt.

Als Wertpapiere sind vor allem Aktien, Anleihen und Rohstoffe zu betrachten. Eine Aktie ist ein Teil eines Unternehmens wohingegen die Anleihe im Prinzip ein endfälliges Darlehen für ein Unternehmen oder Staat ist. Für dieses Verleihen des Gelds bekommt man Zinsen. Rohstoffe sind beispielsweise Edel- und Industriemetalle, Agrargüter etc. 

Risiko minimieren 

Diversifikation ist das Schlagwort, anschaulich gesagt sollte man nicht alle Eier in einen Korb legen.

Praxisbeispiel

Wir investieren 100.000 Euro in ein Unternehmen wie die Daimler AG. Nehmen wir jetzt hypothetisch einen Kursverlust von 50 % an. Unser Verlust beim Verkauf unserer Anteile betrüge 50.000 Euro.

Hätten wir in 10 Unternehmen die gleiche Summe investiert, reduzieren wir unseren Verlust von 50 % auf 5 %, denn durch unsere Verteilung haben wir nur 10.000 Euro in Daimler-Aktien investiert. Diese Streuung bezeichnet man als Diversifikation.

Um ein möglichst guten Diversifikationsgrad zu erzielen, sollte man in möglichst viele Aktien aus verschiedenen Branchen in verschiedenen Ländern investieren. Eine noch bessere Risikoreduzierung erreicht man durch die Aufnahme von Anlageklassen wie Anleihen und Rohstoffe [1].

Anleihen sind dabei ein sehr komplexes Thema. Hier können Sie sich an der risikoärmsten Variante, den kurz- und mittelfristigen AAA-/AA-Staatsanleihen in Heimatwährung, orientieren [5]. Als weitere Möglichkeit der Risikosenkung können Rohstoffe zusätzlich mit aufgenommen werden.

Bei den Wertpapieren ist es jedoch nicht praktikabel, tausende Einzelwerte zu kaufen und verschiedenste internationale Märkte zu beobachten. Teuer wird es außerdem, da jeder Kauf Transaktionskosten verursacht. Wesentlich effizienter und kostengünstiger ist daher die Investition in die passiven Indexfonds/ETFs. Was macht so ein Indexfond/ETF? Er bildet einen Index, d.h. eine Liste von Unternehmen ab.

  • Die Drei-Speichen-Regel kann zur Orientierung dienen.
  • Die Drei-Speichen-Regel kann zur Orientierung dienen.
    © Pascal Winkler

Zu vermeiden ist allerdings die Investition in sogenannte aktive Fonds. Hier werden durch manuelles Eingreifen des Fondsmanagers die Bestandteile des Fonds bestimmt mit dem Ziel den Markt zu schlagen.

Die Problematik hierbei ist, dass dieser Manager nicht in die Zukunft schauen kann, weshalb er die Kursentwicklung nicht vorhersagen wird. Dazu kommen noch die höheren Kosten, weshalb die aktiven Fonds gemieden werden sollten [2].

Fazit

Das Vermögen kann in drei Speichen aufgeteilt werden. Die Gewichtung erfolgt anhand persönlicher Ziele und der Risikotoleranz. Wichtig ist, sein Anlageziel und die sich daraus ergebende Anlagedauer zu kennen.

Plane ich etwa meine Altersvorsorge oder möchte ich mein Eigenheim finanzieren? Allgemein gilt: Je kürzer der Anlagehorizont, desto geringer sollte der Anteil an Aktien sein. Je nach Anlageziel, beispielsweise Immobilienerwerb in den nächsten Jahren, empfiehlt es sich den Aktienanteil auf 0 zu reduzieren und das Kapital in Anleihen oder auf dem Tagesgeldkonto zu parken.

Bei langen Anlagedauern, wie bei der Altersvorsorge, wo meist über 15 bis 30 Jahre angespart wird, bieten höhere Aktienanteile jedoch attraktivere Renditen. Für die konkrete strategische Umsetzung Ihrer Geldanlagestrategie sollten Sie unbedingt professionellen Rat einholen.


Quellen:

[1] Jacobs H, Müller S und Weber M. How Should Individual Investors Diversify? An Empirical Evaluation of Alternative Asset Allocation Policies (July 16, 2013). Journal of Financial Markets, 19, 62-85
[2] Kempf A, Knut G. Lohnt aktives Fondsmanagement aus Anlegersicht? Ein Vergleich von Anlagestrategien in aktiv und passiv verwalteten Aktienfonds in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 73. Jhrg. (2003), S. 201-224
[3] Kuckerzt W, Stiegler A. Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte nach DIN 77230 2019 S. 80 ff.
[4] Kommer G. Immobilienfinanzierung für Selbstnutzer Geld sparen und Fehler vermeiden beim Kauf der eigenen vier Wände 2016 S.15-20
[5] Kommer G. Souverän investieren mit Indexfonds & Etfs 4 Auflage 2015 S. 292

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Pascal Winkler


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