Patient


Der Patient steht als Mensch im Mittelpunkt der zahnärztlichen Prophylaxe-Praxis

Im Prophylaxe-Beratungsgespräch kann die Patientin alle Fragen stellen, die ihr wichtig sind. Hierfür dient eine helle Ecke im Behandlungszimmer mit Modell und Charts.
Im Prophylaxe-Beratungsgespräch kann die Patientin alle Fragen stellen, die ihr wichtig sind. Hierfür dient eine helle Ecke im Behandlungszimmer mit Modell und Charts.

In der Praxis spielen beim Empfang Höflichkeit, Zeit und Verständnis für die Belange der Patienten eine westliche Rolle. Smalltalk, Herzlichkeit, minimale Wartezeiten, ausreichend Beratungszeit, generelles Interesse am Wohlbefinden des Menschen und ein Glas Wasser sind in der zahnärztlichen und Prophylaxe-Beratung Golden Standard.

Kommunizieren Sie mit Sprachfinesse und Transparenz den feinen Unterschied von „professioneller Zahnreinigung“ und hochwertigen „Prophylaxe-Konzepten“, die anhand des individuellen Patientenrisikoprofils bestimmt werden. Prophylaxe kann man auch als Fundament für ganzheitliche, komfortable Zahnbehandlungen sehen. Lassen Sie bereits im Beratungsgespräch den Patienten „Prophylaxe mit allen Sinnen“ erleben. Eine ansprechende Beratungsecke im Behandlungszimmer, ein Stehpult oder im besten Fall ein separates Büro leisten hier gute Dienste. Eine nette Geste der Aufmerksamkeit wäre auch, dem Patienten dabei ein Getränk anzubieten. Ebenso sollten Papier und Stift für Skizzen und Fragen bereitliegen. Eine Beratungsecke fördert zudem ein Gespräch auf Augenhöhe und ermöglicht es, Patienten mit ins Gespräch einzubeziehen.

In Aufklärungsgesprächen kann ein individuell gestalteter Fragebogen darüber Aufschluss geben, welche langfristigen Wünsche ein Patient hat. Klären Sie möglicherweise direkt, an welchen Wochentagen und zu welchen Uhrzeiten die Prophylaxe-Termine am besten Raum finden und wie, wann und wo der Patient telefonisch erreichbar ist. Informieren Sie Patienten bereits in der Beratung freundlich und klar, das die geplanten Prophylaxe-Termine mit 60 – 90 Minuten Behandlungszeit ausschließlich für ihn reserviert werden und dass im Falle eines Nichterscheinens oder bei kurzfristen Absagen unangenehme Ausfallzeiten entstehen. Sprechen Sie im Praxisteam ab, wie Sie damit umgehen wollen und wie jede Mitarbeiterin darauf reagieren kann. Manche Praxen bieten zwei Tage vor dem Prophylaxe-Termin einen telefonischen Erinnerungsservice an, somit werden Ausfallzeiten deutlich reduziert. Mittels einer Warteliste können diese Lücken schnell wieder gefüllt werden.

Nutzen Sie in der Beratung verschiedene Sinneskanäle

Da Patienten sehr unterschiedlich sind, ist es ratsam in der Beratung verschiedene Sinneskanäle zu nutzen. Der Einsatz von hochwertigen Arbeitsmodellen, Schaubildern, Folder oder Fotos dienen dem wichtigen Informations- und Aufklärungsprozess. Gute Hilfsmittel sind u.a. digitale Beratungssysteme (kurze Infofilme oder pdfs) auf dem iPad, ein Vortrag mit einem professionellen Foto-Chart oder hochwertige Zahnmodelle als Hilfsmittel. Ist ein Röntgenbild ausgedruckt, kann dort gut der Knochenverlauf, die Karies oder die Zahnersatzplanung farbig eingezeichnet werden. Somit erkennt der Patient den direkten persönlichen Bezug. Hierbei ist es wichtig, den PSI-Code anzusprechen und damit zu erklären, ob sich der Patient im Bereich einer Gingivitis oder Parodontitis befindet. Denn dann sind unterschiedliche Konzepte gefragt.

Eine Gingivitis kann bei einem Neupatienten oft mit einem Mundhygiene-Programm mit zwei Prophylaxe-Sitzungen à 75 / 60 Minuten innerhalb von 21 Tagen geheilt werden. Das erste Controlling (Recall) ist nach drei Monaten empfehlenswert. Hierbei spielt die häusliche Umsetzung des Patienten eine wichtige Rolle. Ist er motiviert und „handwerklich“ begabt, reicht meist ein halbjährliches Recall aus.

Anders ist es im Parodontitis-Fall. Hier empfehle ich ein Biofilmmanagement. Hierbei wird der Patient in mindestens drei Prophylaxe-Behandlungen à 90 / 60 / 60 Minuten betreut. Erst wenn die Basis durch die drei aufeinander folgenden Prophylaxen in der Praxis gelegt wurde und der Patient die häusliche Umsetzung beherrscht, macht eine gezielte Parodontalbehandlung Sinn. Wird eine Parodontitis frühzeitig erkannt, ist in der Regel eine erfolgreiche Behandlung möglich. Die komplette Entfernung des bakteriellen Zahnbelags von den Zahn- und Wurzeloberflächen sowie aus den Zahnfleischtaschen ist die Grundlage der Parodontitis-Behandlung.

Parodontopathogene Markerkeime

Parodontitis und Periimplantitis sind chronischbakterielle Infektionen, die durch persistierende Entzündungen mit dem Abbau des parodontalen Bindegewebes und einer Zerstörung des Alveolarknochens charakterisiert sind. Um hier eine Rezidivgefahr auszuschließen, empfehle ich immer die parodontale Partnerbehandlung an einem Tag. Die unten aufgeführten Markerkeime treten bei parodontalen Erkrankungen vermehrt auf und werden für die massive Entzündungsreaktion und die Zerstörung von Weich- und Knochengewebe verantwortlich gemacht, was letztendlich zum Verlust von Zähnen und Implantaten führen kann: Gramnegative anaerobe Bakterien – Porphyromonas gingivalis (Pg), Tannerella forsythensis (Tf), Aggregatibacter actinomycetemcomitans (Aa), Treponema denticola (Td) und insbesondere Prevotella intermedia (Pi).

Durch Aufklärung und Bewusstmachung erkennen immer mehr Zahnarztpraxen, dass die Anzahl der Risikopatienten, bei denen ein erhöhtes Parodontitis- oder Periimplantitisrisiko besteht (u. a. Diabetiker, Rheumatiker, Osteoporosepatienten, Gelenkprothesenträger, Herz- und Kreislaufkranke, Krebspatienten, Alkoholiker, Raucher oder auch Schwangere und Patienten mit Organtransplantation) laufend steigt.

  • In meinen regelmäßigen Praxisworkshops in Viersen werden ganztägig Beratungen und Prophylaxe-Maßnahmen demonstriert und geübt.
  • Hier lernt die Patientin und die ZFA / ZMF die optimale Zahnbürstenführung mit einem planen Bürstenfeld.
  • In meinen regelmäßigen Praxisworkshops in Viersen werden ganztägig Beratungen und Prophylaxe-Maßnahmen demonstriert und geübt.
  • Hier lernt die Patientin und die ZFA / ZMF die optimale Zahnbürstenführung mit einem planen Bürstenfeld.

  • Hier übt die Patientin aktiv ihre individuell angepassten Hilfsmittel. So kann sie sicher sein, Ihre Zähne und Zahnzwischenräume zu Hause optimal pflegen zu können. Fotos: Friedhelm Pilz, Krefeld
  • Hier übt die Patientin aktiv ihre individuell angepassten Hilfsmittel. So kann sie sicher sein, Ihre Zähne und Zahnzwischenräume zu Hause optimal pflegen zu können. Fotos: Friedhelm Pilz, Krefeld

Mundgesundheitsstudien kommen zum Ergebnis, dass bis zu 80 % der Menschen in Deutschland von parodontalen Problemen betroffen sind. Das ist erschreckend. Demnach leiden 10 - 15 % der Bevölkerung unter einer schweren Form der Parodontitis an mindestens einem Zahn. Bereits erhöhter täglicher Stress reduziert die menschlichen Abwehrkräfte. Systemische Erkrankungen, schlechte Mundhygiene, Rauchen, ungesunde Ernährung und Stress fördern die schnelle Ausbreitung und Ansteckung der aktiven Parodontalkeime. In diesem Stadium sind Patienten in einem sehr engen Recall (3 - 4 Monate) risikoabhängend zu betreuen.

Ein Lob an der richtigen Stelle steigert die Compliance!

Als Profi können Sie den Patienten dazu gewinnen, mit aktiver Freude am Erhalt der eigenen ganzheitlichen Zahn- und Mundgesundheit mitzuwirken. Dabei erfährt der Patient ein anderes Bewusstsein für Frische, Ästhetik, Jugendlichkeit und sicheres Auftreten im Alltag. Zum Glück lassen sich Gewohnheiten und alte Muster verändern. Das verursacht möglicherweise etwas Aufwand und braucht manchmal sogar mehrere Anläufe, aber das Gute ist, jeder kann es schaffen. Vermitteln Sie Ihren Patienten, welchen unwiederbringlichen „Schatz“ sie im Mund tragen – und wie wichtig es ist, ihn zu erhalten.

Mehr zu Prophylaxe-Konzepten, Patientenmotivation, positive Formulierungen in der Sprache, alltagstaugliche Werkzeuge, praktikable Tipps oder deutliche Veränderungen im Kaufverhalten kann über Praxistrainings oder Seminare erlernt werden.

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Brigitte Godizart

Bilder soweit nicht anders deklariert: Brigitte Godizart


Medentis Medical lädt auch in diesem Jahr wieder zu den exklusiven ICX-Fortbildungen nach Costa d'en Blanes auf Mallorca ein. Die erste Fortbildung findet am 13. und 14. März statt. 

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