Praxisführung


Führung – wenn aus Bewertungsgesprächen Entwertungsgespräche werden

14.07.2022

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Warum sind Mitarbeiter unzufrieden und demotiviert? Laut einer Befragung geben Mitarbeiter als Hauptgründe an, dass sie ihren Job machen, aber nicht wissen, wie ihre Leistung gesehen wird. Möglicherweise haben Sie aus diesem Grund in Ihrer Praxis schon längst das Instrument des Bewertungsgesprächs eingeführt. Es gibt dafür zahlreiche Namen, wie Jahresgespräch, Zielgespräch usw. Immer wieder höre ich, dass dies ein „notwendiges Übel“ ist, weil eigentlich gar keine Zeit dafür da ist und die Resonanz der Mitarbeiter eher zurückhaltend bis ängstlich ausfällt.

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, warum Sie diese Gespräche eigentlich führen? Möglicherweise haben Sie bei einer Fortbildung gehört, dass man das heutzutage so mache und es unerlässlich sei… Wenn dies der Beweggrund war, dann stellen Sie die Gespräche besser wieder ein. Immer wieder berichten uns Mitarbeiter, dass Sie überfordert sind, wenn Sie ständig nach Zielen gefragt werden.

Wenn Sie selbst sehr zielorientiert sind und Sie sich nicht vorstellen können, wie Menschen ohne Ziele durchs Leben gehen, entsteht hier schon das erste Konfliktpotenzial. Ihr Gegenüber wird sehr genau spüren, dass Sie enttäuscht sind, wenn „da nichts kommt…“. Oftmals lassen sich dann Mitarbeiter auf Vorgaben ein, nur damit sie sich irgendwie aus der Affäre ziehen können.

Was geht im Gegenüber vor?

Das menschliche Gehirn verfügt über Spiegelneuronen. Sie sorgen dafür, dass wir sehr genau spüren, was in unserem Gegenüber vorgeht. Sie kennen es sicherlich aus eigener Erfahrung.

Oftmals wissen wir schon längst vor dem gesprochenen Wort, was in unserem Gegenüber vorgeht. Daher spüren Mitarbeiter auch sehr genau, ob wirkliches Interesse an ihnen und ihrer Arbeitsgüte besteht oder ob einfach ein vorgegebener Fragebogen abgearbeitet wird.

So manches 08/15 Bewertungsgespräch sollte man sich besser sparen. Wenn nicht der gewünschte Effekt von Anerkennung und Inspiration, sondern Widerstand entsteht, sollten Sie und Ihre Mitarbeiter diese kostbare Zeit besser nutzen.

Mitarbeitergespräche zur Motivation

Soll ich jetzt überhaupt Gespräche mit Mitarbeitern führen? Ja, aber nur, wenn Sie sich auch wirklich für deren Belange interessieren. Der rein sachliche Grund, der dafür spricht ist die gesteigerte Motivation und Einsatzbereitschaft sowie eine langfristige Zusammenarbeit. 

Geld ist kein Motivator, sondern eine Grundlage eines Beschäftigungsverhältnisses. Der wirkliche „Leim“ zwischen Menschen ist das gegenseitige Interesse und die Kooperation. Dazu dienen Mitarbeitergespräche. Daher würde ich sie auch nicht Bewertungsgespräche nennen, um die Wertung schon im Wording ganz raus zu lassen.

Das „Gespräch mit dem Chef“

Wenn Sie für sich entschlossen haben, dass Sie sich wirklich für die Belange und Sichtweisen Ihrer Mitarbeiter interessieren, dann vereinbaren Sie einen Gesprächstermin. Erklären Sie am besten den Grund, damit die Zeit bis zum Termin für die Mitarbeiter nicht zu sehr mit Angst besetzt ist. Es ist schon bemerkenswert, dass ein „Gespräch beim Chef“ meist mit negativen Emotionen besetzt ist.

Erscheint für Sie nicht auch bedenklich, dass solche Unterhaltungen meist mit negativer Kritik u. ä. besetzt sind? Schon aus diesem Grund ist es wichtig, mit dem Team eine neue Kommunikationskultur zu entwickeln, die immer mehr die Sicherheit wachsen lässt, dass es mit Chefs durchaus angenehme Konversation geben kann.

Was ist zu beachten?

Achten Sie beim ersten Termin darauf, dass Sie mit Mitarbeitern vor allem die positiven Aspekte beleuchten. Sprechen Sie wenig und stellen Sie viele Fragen. Achten Sie darauf, Ihrem Gegenüber sehr aufmerksam zuzuhören.

Wenn Sie im Hinterkopf schon die nächste Frage zur „Abarbeitung“ vorbereiten oder sich überlegen, wie Sie den Sinuslift bei Frau „Brauchichnichtimplantat“ am besten setzen, werden Sie des Gesprächs recht schnell überdrüssig, weil nicht viel Resonanz entsteht. Je extravertierter Sie in Ihrem Verhalten sind, umso größer könnte sich die Herausforderung für Sie gestalten.

Sollten Sie es schaffen, die passenden offenen Fragen zu stellen und den Antworten wirklich zu folgen, werden Sie erleben, wie nach und nach immer mehr Offenheit und Verbindlichkeit entsteht. Lassen Sie sich und Ihren Mitarbeitern die nötige Zeit, damit immer mehr Vertrauen entstehen kann.

Je nach Verhaltensmustern und Erfahrungen kann sich der Prozess unterschiedlich schnell gestalten. Es geht darum eine Kommunikations- und Vertrauenskultur zu entwickeln – und dies braucht bekanntlich Geduld und Vertrauen.

Wollen Sie das Thema Führung tiefgreifend und ergebnisorientiert angehen, dann nutzen Sie die Chance jetzt und holen Sie sich Unterstützung und Begleitung von außen, durch einen passenden Coach. Es ist immer wieder faszinierend, was in Praxen und Unternehmen entstehen kann, wenn kraftvolle und vertrauensvolle Führung ihre Früchte trägt.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Axel Thüne


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