Praxisführung


Meine Suche nach dem digitalen Weg…

Oralchirurg Dr. Jan-Friedrich Dehner in seiner neuen Praxis in Ochsenfurt.
Oralchirurg Dr. Jan-Friedrich Dehner in seiner neuen Praxis in Ochsenfurt.

Vor knapp 6 Monaten habe ich mich mit meiner oralchirurgischen Schwerpunktpraxis im ländlichen Umfeld selbstständig gemacht. Chirurgie ist grundsätzlich ein analoges Geschäft. Warum also etwas künstlich verkomplizieren und in vorausschauendem Gehorsam digitalisieren?

Wie häufig begründet man seine eigene Existenz? Die Meisten von uns einmal – viele nie. So sind es richtungsweisende Entscheidungen, die man – wenn möglich konsequent – treffen möchte.

Man kauft ein digitales Röntgen, ein DVT-Gerät, richtet PC-Arbeitsplätze ein und verlegt dazu 2 km Datenkabel im gesamten Gebäude. Und trotzdem ist man bei bestimmten Arbeitsschritten auf bergeweise Papier, kiloweise Gips und deren Archivierung angewiesen.

Bereits vor 10 Jahren habe ich auf Fortbildungen die Kollegen bewundert und gleichzeitig den Kopf geschüttelt, die felsenfest behauptet haben, in ihrer „volldigitalen Praxis“ nicht einmal einen Bleistift zu haben. Die Realität zehn Jahre später sieht allerdings immer noch anders aus, wie ich feststellen musste. Anamnese- und Aufklärungsbögen für diejenigen, die mit dem iPad nichts anfangen können, analoge, oft gefaxte Röntgenbilder, Bezahlungen in bar…und die Verbandsplatte wird natürlich noch auf einem Gipsmodell hergestellt!

Mit welchem Aufwand werde ich meinem Ziel gerecht?

Beim Abschaffen jeglichen analogen Ansatzes scheitert man an so vielem, nicht zuletzt am eigenen Personal und den überweisenden Praxen, die den ein oder anderen Schritt Richtung Zukunft noch nicht gegangen sind. Also soll mein digitaler Fokus zunächst auf den Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten liegen. Somit muss die Frage lauten: Mit welchen Innovationen erreiche ich eine Arbeitserleichterung und Verbesserung der Qualität meiner Behandlung?

Als Oralchirurg war es natürlich naheliegend, den implantologischen Arbeitsfluss unter die Lupe zu nehmen. Das OPG ist eine Momentaufnahme, denn mit Stahlkugeln kann man bestenfalls mutmaßen, wie sich der Knochen im Zielgebiet verhält. Somit fängt die ernsthafte Implantatplanung mit dem dreidimensionalen Volumentomogramm an.

Dessen DICOM-Datensätze sind als Bilderserie in andere Programme überführbar. Sogar Planungsprogramme gibt es, um Implantate in die Situation einzufügen. Einziges Problem: Ohne vernünftige Oberflächendaten ist die Übertragung der Planung in den Mund zu ungenau, um dem digitalen Anspruch gerecht zu werden.

An dieser Stelle muss eine externe Kraft oder ein Labor die Bohrschablone herstellen und versenden, was wieder mit Zeitversatz, Aufwand und zusätzlichen Kosten verbunden ist. Für den „Do-it-yourself“-Existenzgründer natürlich undenkbar. Und schon stehen wir mitten auf der digitalen Straße!

Es braucht also einen Arbeitsplatz, welcher die bereits in der Praxis vorhandenen Datensätze aus Röntgen (DICOM) mit der Oberflächendatei (STL) des Restgebisses verknüpft, um zu einem realen 3D-Abbild der Szenerie zu kommen, auf und in dem geplant und konstruiert werden kann. Und hier kommt das digitale Backward-Planning ins Spiel: Ich möchte das Implantat dort platzieren, wo es später kompromisslos prothetisch versorgt werden kann. Im Zuge dieser Überlegung kann ich die lokale Knochensituation bewerten.

Diese Planung und Ortskenntnis kann ich nur in die Operationssituation überführen, indem ich eine wie auch immer geartete Bohrschablone auf meinem Modell konstruiere. Diese sollte in der Praxis gedruckt oder gefräst werden, um keinen Arbeitsschritt auslagern zu müssen. Soweit meine Vision.

Viele Firmen bieten attraktive Lösungen an, um zum oben beschriebenen Ziel zu kommen – doch ab einem Punkt gibt man immer die imaginäre Modellkiste oder die Kreditkarte aus der Hand. Grund nach einer Alternative im Open-source-Bereich zu suchen.

Weitergebracht hat mich der Besuch der „exocad Insights 2020“ in Darmstadt im vergangenen September. An der zweitägigen Veranstaltung konnte ich einen ungefähren Überblick darüber gewinnen, welche Arbeiten mittlerweile in das digitale Labor ausgelagert werden können und welche Hardware dafür zur Verfügung steht. Begleiten Sie mich weiter auf meinem digitalen Weg in der nächsten Ausgabe der DI.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Jan-Friedrich Dehner


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