Praxisführung


Regelungen für die Zusammenarbeit mit Ihrem Dentallabor

Quelle: © Gerd Altmann/pixelio.de
Quelle: © Gerd Altmann/pixelio.de

Das Dentallabor stellt einen wichtigen Geschäftspartner der Zahnarztpraxis dar. In dieser Partnerschaft gilt es Aufklärung, Beratung und Service rund um die zahntechnische Produktpalette für den immer stärker mit entscheidenden und informierten Patienten zu erbringen.

Wie funktioniert diese Zusammenarbeit in der Realität? Der Arbeitsalltag sieht nicht selten so aus: Informationen werden unvollständig weitergegeben, der Status von Arbeiten bleibt unklar. Um auf dem Laufenden zu bleiben, müssen immer wieder Nachfragen und Klärungen durchgeführt werden. Diese kosten Zeit und Geld. Auch gibt es immer wieder Fragen und Probleme zu den rechtlichen Rahmenbedingungen. Was ist erlaubt, was nicht? Wofür tragen Sie als Zahnarzt oder Zahnärztin die Verantwortung?

Rechtliche Aspekte in der Geschäftsbeziehung

Keine zwei Berufe sind in der Ausübung ihrer Tätigkeiten so eng miteinander verzahnt wie Zahnärzte und Zahntechniker. So stellen z. B. die Annahme zahntechnischer Werkstücke aus dem Labor und deren Abgabe an den Patienten zwei zentrale Tätigkeiten in der Verzahnung dar, die aus Sicht des Risikomanagements eine besondere Bedeutung einnehmen. Passieren hier Fehler, kann es sein, dass Ihr Patient einer unmittelbaren Gefährdung ausgesetzt ist. Die rechtliche Basis der Zusammenarbeit zu kennen, ist die Voraussetzung für deren Gestaltung. Zwischen Zahnarzt und gewerblichen Laboren ist die Geschäftsbeziehung durch einen Werkvertrag festgelegt. Der Werkvertrag (§§ 631 ff BGB) ist ein gegenseitiger Vertrag, durch den das Labor zur Herstellung der versprochenen zahntechnischen Leistung und der Zahnarzt als Auftraggeber zur Entrichtung der vereinbarten Vergütung verpflichtet werden. Hervorzuheben ist, dass sich der Werkvertrag vom Dienstvertrag insbesondere dadurch unterscheidet, dass hier ein Erfolg geschuldet wird und nicht nur die Tätigkeit oder Leistung.

Auch wenn in der prothetischen Versorgung Prozesse – so zum Beispiel die Fertigung einer Brücke – ausgelagert werden, ist generell der Zahnarzt der Haftungstragende gegenüber dem Patienten. Welche Tätigkeiten im Einzelnen vom Zahnarzt an den Zahntechniker delegiert werden dürfen und welche unzulässig sind, legen die Vorschriften der Approbationsordnung Zahnmedizin und des Gesetzes über die Zahnheilkunde fest.

Beispiele aus der Praxis

Der Zahntechniker selbst darf keine Abformungen vornehmen. Auch wenn dies in der Zahnarztpraxis und im Beisein des Zahnarztes erfolgt, sind diese Tätigkeiten des Technikers am Patienten unzulässig und verstoßen insbesondere gegen das Zahnheilkundegesetz.

Ebenso sind erste „Trockeneinproben“ von Teilprothesen und die Eingliederung des Zahnersatzes provisorisch zu Testzwecken im Labor nicht gestattet und können sogar zu einer strafrechtlichen Handlung führen.

Die Beratung des Patienten über den Einsatz bestimmter Materialien oder die ästhetische Gestaltung der prothetischen Arbeit ist insbesondere im Beisein des Zahnarztes unproblematisch. Über Kosten sollte der Zahntechniker allerdings nicht ohne Abstimmung mit dem Zahnarzt kommunizieren. Prinzipiell ist hier Vorsicht geboten.

Koordinierung zwischen Zahnmedizin und Zahntechnik gesetzlich gefordert

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat auf der Grundlage des § 92 in Verbindung mit § 136b, SGB V, die grundsätzlichen Anforderungen an das gesetzlich geforderte, einrichtungsinterne Qualitätsmanagement festgelegt. Hierzu hat er im November 2006 eine Richtlinie erlassen, in dem Qualitätsmanagement weiter durch spezifische „Instrumente“ charakterisiert wird. Darunter werden strukturelle Elemente und spezifische Dokumentationshilfen verstanden, die den Praxisablauf transparent beschreiben.

Der G-BA führt in der Richtlinie beispielhaft die „Koordinierung zwischen zahnärztlichen und zahntechnischen Maßnahmen“ auf, mit dem Ziel, eine anhaltende Qualitätsförderung und Verbesserung zu erreichen. Warum also nicht die gesetzliche Pflicht zur unternehmerischen Kür machen und diese Koordinierung auf den Prüfstand stellen. Es gilt, „schlummernde“ Ressourcen aufzudecken, mit deren Hilfe die Zusammenarbeit mit dem Labor profitabel verbessert werden kann.

Effizienzpotentiale nutzen

Veränderungen beginnen immer zuerst „im Kopf“. Der erste Schritt ist die Bereitschaft, die eigene Arbeit und die Ergebnisqualität offen und ehrlich zu beurteilen. Zuerst müssen die eigenen Prozesse und die Anforderungen an die Ergebnisse untersucht und verstanden werden, bevor die Verzahnung der Tätigkeiten in der Praxis und im Labor im Hinblick auf Effizienzpotentiale näher betrachtet wird.

Je stärker ausgelagerte Prozesse zur Wertschöpfung in Ihrer Praxis beitragen, umso mehr erhöhen sich Ihre unternehmerischen Risiken, die es durch ein kluges Management zu vermeiden bzw. zu minimieren gilt. Gleiches gilt auch für die Zusammenarbeit z. B. mit Fachkollegen, Steuerberatern und Banken. In der Regel wird hier viel zu viel dem Zufall überlassen und damit wertvolle Ressourcen verschenkt, anstatt Prozesse des Partnerunternehmens zu hinterfragen und gemeinsam Regeln für die Zusammenarbeit zu definieren.

In der Koordinierung zahnärztlicher und zahntechnischer Tätigkeiten sind die Schnittstellen - das sind diejenigen Berührungspunkte, an denen Produkte, Informationen oder Dokumente zwischen den Geschäftspartnern ausgetauscht werden - besonders problematisch und fehleranfällig. Um solche Schnittstellenprobleme zu vermeiden, ist es besonders wichtig, dass sich Zahnarzt und Zahntechniker bereits zu Beginn ihrer geschäftlichen Beziehung über die Anforderungen an die zahntechnischen Produkte - die technische, funktionelle, ästhetische und materialbedingte Machbarkeit und die Qualitätsziele - sowie die Dienstleistungen austauschen und die Arbeitsabläufe an den Schnittstellen regeln. Wenn Sie dies alles dem Zufall überlassen, gehen mit höchster Wahrscheinlichkeit finanzielle Einbußen einher und die Patienten an Ihrer Praxis vorbei. Denn eine gut funktionierende Organisation trägt wesentlich zu deren Zufriedenheit bei.

Eine effiziente Organisation an den Schnittstellen zu Ihrem Dentallabor wirken sich vorteilhaft auf das Praxisgeschehen aus:

  • weniger Stress bei der Arbeit
  • weniger fehlerhafte Produkte und Dienstleistungen
  • weniger störende Rückfragen und Nachfragen
  • weniger eskalierte Probleme.

Schnittstellen müssen im Dialog geklärt werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich in langwierigen Besprechungen von Detail zu Detail hangelt. Vielmehr können durch eine gezielte Vorbereitung die Anforderungen an den Geschäftspartner zusammengetragen werden, bevor es zu einer gemeinsamen Abstimmung kommt.

 

Die Verantwortlichkeiten in Zahnarztpraxis und Dentallabor - Schnittstellen optimal zu gestalten setzt Kommunikation voraus.

Kommunikation darf nicht einseitig sein und zum reinen „Diktat“ ausarten. Der Empfänger der Information muss die Chance bekommen zu hinterfragen und zu reagieren. Eigene Vorstellungen sollten nicht dem Partner übergestülpt werden. Gerade wenn Tätigkeiten so eng verzahnt sind wie die mit Laboren ist das Verständnis für die Vorstellungen und Kriterien des Partners notwendig, um letztendlich zum Wohle der Patienten zu (be-)handeln. Der Dialog mit Ihrem Labor soll letztendlich nicht nur ein effizientes und wirtschaftliches Arbeiten fördern, sondern auch zur nachhaltigen Patientenbindung beitragen. Diese basiert auf Vertrauen und Zuverlässigkeit in die Partnerschaft.

 

Fazit

Zahnärztliche und zahntechnische Maßnahmen zu koordinieren, ist nicht nur eine gesetzlich verankerte Pflicht in der Zahnarztpraxis. Vielmehr ist diese Koordinierung Ausdruck einer intelligenten Partnerschaft mit dem wirtschaftlichen Mehrwert für die Zahnarztpraxis. Die Arbeitsabläufe an den Schnittstellen zum Dentallabor dem Zufall zu überlassen, führt zu höheren Risiken in wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht. Vernachlässigte Schnittstellen führen zu Unsicherheiten und Fehlern. Im Gegenzug sind Sie gefordert, zeitliche und finanzielle Ressourcen für die Behebung von eingetretenen Fehlern vorzuhalten. Unter dem Strich „sparen“ Sie sich zwar das Management der Schnittstellen, müssen jedoch oft ein Vielfaches in die Steuerung der Problembehebungen investieren.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Angelika Pindur-Nakamura

Bilder soweit nicht anders deklariert: Angelika Pindur-Nakamura


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