Praxisführung

So finden Sie die optimale Finanzierung für den Weg in Ihre eigene Praxis!

Wie sieht das richtige Finanzierungskonzept für die Niederlassung aus?

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Viele Zahnärzte und Implantologen stellen sich früher oder später die Frage, ob sie sich selbstständig machen und den Weg in die eigene Praxis einschlagen sollen. Eigenverantwortliches Arbeiten, sein eigener Chef sein, die finanzielle Unabhängigkeit und keinerlei Zulassungsbeschränkungen sind nur einige gute Gründe. Dazu kommen die derzeit historisch niedrigen Zinsen.

Der Weg in die eigene Praxis ist voller bürokratischer Hürden und wichtiger Entscheidungen: Vom Praxiskonzept über die Wahl des richtigen Standorts bis hin zum Abschluss von Kauf-, Miet- und eventuell Leasingverträgen. Am Anfang des Weges stellt sich die Frage nach der Finanzierung und dem richtigen Finanzierungskonzept:

Wie kann ich mein Vorhaben finanzieren?
Benötige ich eigenes Geld?
Lohnt sich das im Hinblick auf die derzeit niedrigen Zinsen überhaupt?
Bekomme ich ein Darlehen?
Was ist die beste Laufzeit für ein Darlehen?
Welche Darlehensform soll ich nehmen?
Wie sieht es mit öffentlichen Mitteln aus?

Klarheit für ein rundes Finanzierungskonzept

Dieser Artikel soll Licht ins Dunkle bringen und wichtige Kernfragen rund um das Finanzierungskonzept für die eigene Praxis klären. Die gute Nachricht vorweg: Auch ohne eigenes Geld steht einer Niederlassung als Zahnärztin oder Zahnarzt mit der Spezialisierung Implantologie – mit einem guten Praxiskonzept – grundsätzlich nichts im Wege. Das richtige Finanzierungskonzept ist neben dem Praxiskonzept und der Wahl eines geeigneten Standorts jedoch eines der wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche Praxisgründung oder -übernahme.

Die folgenden Ausführungen gelten grundsätzlich sowohl für eine Praxisübernahme, als auch für eine Neugründung. Im Folgenden wird grundsätzlich von einer Finanzierung durch eine Bank ausgegangen. Der Einsatz von Eigenkapital oder Fremdkapital in Form von Privatdarlehen durch Verwandte muss individuell abgewogen und geprüft werden.

Welche Kredite sind möglich?

Für die Finanzierungsstruktur werden i.d.R. insgesamt drei Darlehen benötigt: der Investitionskredit, der Betriebsmittelkredit und der Kontokorrentkredit.

Investitionskredit

Der Investitionskredit stellt den größten Teil der gesamten Darlehenssumme dar. Dazu muss im ersten Schritt die konkrete Investitionshöhe mittels eines Investitionsplans bestimmt werden. Bei einer Praxisübernahme ist dies der Kaufpreis (materieller plus ideeller Wert) zuzüglich eventueller Neuinvestitionen und Umbaumaßnahmen.

Bei einer Neugründung sind dies neben Bau- und Umbaukosten auch Geräte und die Einrichtung. Der Investitionskredit wird langfristig finanziert, üblich sind hier zehn bis fünfzehn Jahre. Der Investitionskredit kann entweder über öffentliche Mittel, wie bspw. die KFW oder regionale Landesbanken, abgedeckt werden oder über bankeigene Mittel.

Öffentliche Mittel sind meist konkurrenzlos günstig, im Gegenzug aber deutlich starrer und unflexibler. Häufig ist auch nur eine Laufzeit von zehn Jahren möglich. Je nach Höhe des Kaufpreises kann dies durchaus knapp werden.

Was die Tilgungsbelastung betrifft, sollten Sie sich nicht zu sehr einschränken. Sie sollten ohne Druck und wirtschaftlich frei arbeiten können – zum Wohl Ihrer Selbst und zum Wohl Ihrer Patienten. Beim Investitionsdarlehen „lohnt“ sich der Einsatz von Eigenkapital aufgrund der derzeitig historisch niedrigen Zinsen (und der steuerlichen Absetzbarkeit) eigentlich kaum noch, insbesondere dann nicht, wenn dieses Geld zurzeit noch anderweitig investiert ist.

Die Kreditzinssätze für das Investitionsdarlehen liegen derzeit in einem Bereich von 0,5 bis 2,0 %. Der Investitionskredit kann grundsätzlich mit zwei verschiedenen Darlehensarten dargestellt werden: als klassisches Annuitätendarlehen oder als endfälliges Darlehen in Kombination mit einem Tilgungssurrogat. Auf die Unterschiede sowie Vor- und Nachteile möchte ich im Folgenden eingehen.

Das Annuitätendarlehen ist der einfachste Weg. Sie zahlen monatlich, über die gesamte Laufzeit, eine konstante Rate (bestehend aus Zins und Tilgung) an die Bank. Am Ende der Laufzeit (zehn bis fünfzehn Jahre) ist der Kredit vollständig getilgt. Sondertilgungen sind je nach Ausgestaltung ebenfalls zusätzlich möglich.

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    © Preisner

Das endfällige Darlehen (auch Zinszahlungsdarlehen oder Festdarlehen) ist etwas komplexer, bietet aber verschiedene Vorteile. Hierbei tilgen Sie während der Laufzeit nicht, sondern zahlen lediglich die Zinsen an die Bank. Der gesamte Darlehensbetrag wird erst am Ende der Laufzeit fällig.

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Um diesen zu stemmen, müssen Sie im Gegenzug die Tilgung in einem separaten Topf – dem sogenannten Tilgungsträger – ansparen, aus dem das Darlehen am Ende der Laufzeit dann getilgt wird. Dadurch profitieren Sie von einer höheren steuerlichen Absetzbarkeit der Zinsen und der Chance, mit dem angesparten Kapital im Tilgungsträger höhere Erträge zu erwirtschaften, als Sie an Zinsen zahlen müssen (Zinsdifferenzgeschäft). Interessant kann dieses Konzept für Sie sein, wenn Sie in Zukunft den Erwerb eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung planen.

Hierdurch können Sie am Ende der Laufzeit Ihre private Immobilie deutlich günstiger refinanzieren. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Die absolute Zinsbelastung ist über die gesamte Laufzeit naturgemäß höher, da die Restschuld während der Laufzeit nicht sinkt.

Die monatliche Rate (Zins und Sparrate im Tilgungsträger) ist daher ebenfalls etwas höher, als beim klassischen Annuitätendarlehen. Rein finanziell lohnt sich dieses Konzept ab einer Rendite des Tilgungsträger von ca. 2 bis 3 % pro Jahr.

Der wichtigste Punkt an diesem Konzept ist jedoch die Ernstfallabsicherung! Im Falle einer Berufsunfähigkeit werden die Tilgungsraten und Zinsen weiter gezahlt. Die Praxis kann im worst-case Szenario schuldenfrei und in aller Ruhe verkauft werden.

Betriebsmittelkredit

Der Betriebsmittelkredit stellt einen wichtigen Pfeiler im Gesamtkonzept dar, vielleicht sogar den wichtigsten. Mit der richtigen Ausgestaltung können Sie hier viel Geld sparen. Mit dem Betriebsmittelkredit können Sie u.a. Materialien, Marketingkosten und eventuelle Beratungskosten finanzieren.

Die wichtigste Aufgabe dieses Kredits ist jedoch die Sicherstellung der Liquidität sowie die Überbrückung der Anlaufzeit einer Praxis. Bei einer Übernahme und noch wichtiger bei einer Neugründung benötigen Sie eine gewisse Zeit, bis Sie kostendeckend arbeiten bzw. schließlich in die Gewinnzone laufen. Bei einer Neugründung ist diese Zeit naturgemäß länger.

Bis dieser break-even Punkt erreicht ist, müssen Sie die laufenden Praxiskosten und Ihren privaten Bedarf finanzieren. Hier kommt der Betriebsmittelkredit ins Spiel. Durch diesen lässt sich die Anlaufzeit der Praxis sehr günstig refinanzieren, so dass unter Umständen gar kein teurer Kontokorrentkredit notwendig ist.

Der Betriebsmittelkredit wird i.d.R. als klassisches Annuitätendarlehen mit einer Laufzeit von fünf Jahren konstruiert. Das erste Jahr ist dabei meist tilgungsfrei.

Der Betriebsmittelkredit muss aufgrund der kürzeren Laufzeit keine hohe Flexibilität aufweisen, so dass öffentliche Mittel hier derzeit die erste Wahl darstellen. Der Kreditzinssatz hierfür liegt aktuell i.d.R. unter 1 % pro Jahr. Warum der Kontokorrentkredit trotzdem wichtig ist erklärt der nächste Abschnitt.

Kontokorrentkredit

Der Kontokorrentkredit stellt die Überziehungslinie des Geschäfts- bzw. Praxiskontos dar und funktioniert ähnlich wie ein Dispokredit auf dem privaten Girokonto. Die Zinsen hierfür sind vergleichsweise sehr hoch und liegen zwischen 4 und 7 % p.a. Wie oben beschrieben, kann mit einem guten Finanzierungskonzept die Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits teilweise oder vollständig vermieden werden. Eine Überziehungslinie sollten Sie sich jedoch trotzdem immer einräumen lassen.

Die Sicherstellung von Liquidität hat für jedes Unternehmen höchste Priorität. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um eine Zahnarztpraxis oder den Frisör um die Ecke handelt. Ohne Liquidität ist eine Praxis nicht lebensfähig.

Näherungsweise sollten Sie sich hier die zweifachen monatlichen Kosten als Kreditlinie einräumen lassen. Manche Banken arbeiten aber auch mit Pauschalen für die Höhe der Überziehungslinie.

Das Gute: Kosten entstehen dabei nur, wenn Sie den Kredit auch wirklich in Anspruch nehmen. Er sichert also in erster Linie Ihren Seelenfrieden.

Fazit

Die richtige Vorbereitung ist das A und O für einen erfolgreichen Banktermin. Lassen Sie sich vorab eine detaillierte Checkliste von Ihrem Berater oder Banker geben. Im Banktermin sollten Sie der Bank ein tragfähiges Konzept Ihrer geplanten Niederlassung präsentieren.

Dafür erstellen Sie sich am besten eine Bank-Mappe. In diese gehören mindestens ein ausführliches Praxis-Konzept mit Businessplan und Standortanalyse, ein Investitionsplan und ggf. ein Exposé der zu übernehmenden Praxis.

Persönliche Dokumente, wie Lebenslauf, Approbationsurkunde und Einkommensdaten, sind obligatorisch. Eine Mindestumsatz-Analyse sollte Ihr Berater oder Banker vorab mit Ihnen gemeinsam durchführen.

Vorsicht ist geboten bei einer langen tilgungsfreien Anlaufzeit! Dies wird schnell zur Falle, da Sie sich eventuell künstlich reicher rechnen, als Sie sind. Halten Sie tilgungsfreie Zeiten, wenn möglich, kurz – bei Übernahmen maximal ein Jahr, ggf. zwei Jahre bei Neugründungen – und legen Sie Geld für die Tilgung ggf. schon vorher zurück. Behalten Sie auch die kommenden Steuerzahlungen sowie hinzukommende Vorauszahlungen im Blick.

Der Zinssatz sollte für die Finanzierung nicht das Hauptentscheidungskriterium sein. Wichtiger ist, dass Sie wirtschaftlich frei arbeiten können. Achten Sie dabei insbesondere auf Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten.

Öffentliche Mittel sind für den Investitionskredit häufig zu starr. Wählen Sie die Darlehenslaufzeit nicht zu kurz. Nach zehn Jahren können Sie Ihren Kredit immer vollständig tilgen, unabhängig von der vorher vereinbarten Laufzeit.

Achten Sie auf diese Punkte und Ihrer Niederlassung steht nichts im Wege!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Hendrik Preisner


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